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Ruhe, Besinnlichkeit, Zeit zum Innehalten – das erhoffen sich viele Menschen zu Beginn der Adventszeit. Allerdings finden genau das nur die wenigstens. Ja, gerade im Advent sind Momente der Stille oft noch rarer gesät als sonst. Statt innezuhalten stecken wir fest im Adventstrubel. Wir jonglieren die Termine für diverse Weihnachtsfeiern, stürzen uns in überfüllte Kaufhäuser, um Geschenke für alle Lieben zu finden, und fühlen uns an Weihnachten nur noch platt und leer.
Nein, zum Ruhe finden taugt die Adventszeit meist herzlich wenig. Trotzdem weist sie uns auf ein Bedürfnis hin, das wir leider viel zu selten stillen: Das Bedürfnis, innezuhalten und ruhig zu werden. Nicht bei jedem Menschen ist dieses Bedürfnis gleichermaßen stark ausgeprägt. Doch wir alle brauchen sie – die Stille.
Doch was hindert uns eigentlich daran, Ruhe auch wirklich zu finden? In der Adventszeit ist dies meist offensichtlich. Aber wie sieht es mit den anderen elf Monaten im Jahr aus? Wird da unser Bedürfnis nach Innehalten gestillt? Meist nicht, denn sonst hätten wir ja kurz vor Jahresende nicht dieses dringende Bedürfnis nach einer „besinnlichen Weihnachtszeit“. Was also sind Ruhe-Killer in unserem Alltag und wie werden wir ihnen Herr?
Ruhekiller Nr. 1: Der ganz normale Wahnsinn
Ein ganz offensichtlicher Ruhekiller ist der Alltag. Jeden Tag haben die meisten von uns viele Dinge zu erledigen. Job, Familie, Gemeinde, Partnerschaft – überall haben wir Aufgaben und Verantwortungen, denen wir gerecht werden wollen und oft auch müssen. Viele Menschen – ich selbst eingenommen – leben nach dem Motto: Wenn dann mal etwas Luft ist, gönne ich mir Zeit für mich.
Doch seien wir ehrlich: Wenn wir uns nicht bewusst Freiräume im Alltag schaffen, werden sich solche Freiräume nicht zufällig ergeben. Stille passiert nicht einfach!
Wenn wir uns nicht bewusst Freiräume im Alltag schaffen, werden sich solche Freiräume nicht zufällig ergeben. Stille passiert nicht einfach!
Wir selbst sind dafür verantwortlich, mitten in unserem vollen Alltag Oasen der Ruhe zu schaffen. Wenn wir das nicht tun, tut es niemand anders für uns. Dann findet Stille schlichtweg nicht statt. Deshalb müssen wir Ruhepausen einplanen und sie genauso fest in unseren Terminkalender integrieren wie ein berufliches Meeting.
Ruhekiller Nr. 2: Digitale Dauerbeschallung
Und da wären wir dann direkt auch beim Ruhekiller Nr. 2: unseren Smartphones, Tablets und Mobile Devices. Nein, nicht die Geräte an sich sind das Problem, sondern wie sie unseren Alltag prägen. Denn eigentlich gäbe es ja diese kleinen Momente der Ruhe in unserem Alltag. Ich zumindest hatte sie früher, obwohl mein Leben auch damals schon voll war. Ich hatte sie beim Warten auf den Bus, bei der Zugfahrt, im Wartezimmer eines Arztes. Sicherlich waren dies nicht die großen Stille-Momente. Aber es gab jeden Tag kleine Situationen, in denen ich nichts tun musste und einfach mal meinen Gedanken nachhängen konnte. Sicherlich konnte die Zeit auch mal lang werden, weswegen ich immer Musik oder ein gutes Buch dabei hatte. Aber manchmal starrte ich auch nur vor mich hin und fand Ruhe mitten im Alltag.
Heute sieht mein Alltag ganz anders aus. Natürlich,ich warte immer noch auf den Bus oder beim Arzt, aber mein Dauerbegleiter Smartphone sorgt mit hoher Zuverlässigkeit dafür, dass auch diese Zeit keine vergeudete Zeit ist. Mal eben schnell die Mails checken, einer Freundin über Facebook zum Geburtstag gratulieren, ein Weihnachtsgeschenk auf Amazon bestellen – all das erledige ich in dieser Zeit. Und geben wir es zu: Ich fühle mich gut …