Pixelsuppe

Sandkasten trifft Tablet – Kita mixt Zukunft!


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Wie Kinder schon im Kindergarten digitale Welten entdecken – mit Ben Heidelbach in der Pixelsuppe.

Wer ist heute unser Gast

Ben Heidelbach
Ben arbeitet im Kindergarten Sonnenschein in Obergünzburg
Pädagogische Ergänzungskraft im Kindergarten Sonnenschein Obergünzburg und ist
MKT Trainer (Marburgerkonzentrationstraining)

Ben gibt gemeinsam mit seiner Frau Adina Seminare, zum Beispiel „Digital mit Wuff“

Insta-Seite ist „fix.lernen.mit.dexter“

Internetseite ist „fix-lernen-mit-dexter.com“

App-Tipps

PuppetPals

https://materialkiste.kita.bayern/edu-sharing/components/render/74fa300b-3ea0-480e-aeda-deb83b5825d0

ChatterKidsPix

https://www.inklusive-medienarbeit.de/chatterpix-sprechende-bilder/

Animated Drawing

https://sketch.metademolab.com/

Katja:

Herzlich willkommen zur neuen Folge der Pixelsuppe. Diesmal haben wir einen spannenden Gast aus der Praxis – den hat Annette mitgebracht. Annette, wen hast du mitgebracht?

Annette:

Jawoll, herzlich willkommen, Ben! Ich freue mich, dass du heute bei uns bist. Für alle, die wissen wollen, wie Medien schon im Kindergarten eine Rolle spielen können: Mein Gast arbeitet als Pädagoge in einer Kita, die bei der Kampagne Kita Digital (bei mir in der Kampagne) mitgemacht hat. Er weiß aus erster Hand, wie man mit Tablets, Robotern & Co. schon die Kleinsten ins Staunen versetzt. Schön, dass du da bist. Ben, stell dich doch kurz vor.

Ben:

Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, Teil eures Podcasts zu sein. Ich heiße Ben Heidelbach und arbeite in einem Kindergarten in Obergünzburg im schönen Allgäu. Es ist ein viergruppiger Kindergarten. Interessanter ist vielleicht mein Werdegang: Ich war nicht immer in der Pädagogik. 2000 habe ich meinen Abschluss an der Realschule gemacht und überlegt, in welche Richtung es gehen soll. Ich war sehr reiseaffin, besonders fürs Surfen. In Frankreich kam ich in einen kleinen Surfshop, war vom Flair begeistert und dachte: Das will ich später machen – einen eigenen Surfshop. Also habe ich eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht und dort lange gearbeitet.
Die Arbeit mit Menschen mochte ich immer, besonders mit Kindern: das erste Fahrrad verkaufen, die ersten Skier oder vielleicht das erste Snowboard – dieses Strahlen, dieses Kinderlächeln hat mich bereichert. Da habe ich gemerkt: Mit Kindern arbeiten – das ist meins.
20 Jahre später habe ich den Schritt gewagt und mache eine Umschulung zur pädagogischen Fachkraft. In dem Job blühe ich auf, das wollte ich eigentlich immer schon.

Annette:

Das Reisen hast du nicht ad acta gelegt?

Ben:

Nein, absolut nicht. Das Tolle am Kindergarten: Es gibt Sommerferien – da stehen oft größere Reisen an. Frankreich ist nach wie vor meine zweite Heimat, zum Surfen ideal. Aber auch Südostasien reizt mich.

Annette:

Zum Warmwerden eine kleine Frage: Du bist seit 2022 in der Kita, also im dritten Jahr. Wenn du ein Kita-Gegenstand wärst – was wärst du? Bauklotz, Verkleidungskiste, Tipi – oder etwas ganz anderes?

Ben:

Gute Frage. Von deinen Vorschlägen wäre ich am liebsten die Verkleidungskiste – aber nicht klassisch, sondern mit integriertem Tablet. Du verkleidest dich zur Prinzessin und siehst dich im Tablet in deinem Schloss. Oder als Pirat auf dem Schiff. Diese Kombination aus digital und haptisch liebe ich.

Annette:

Dazu fällt mir die App Puppet Pals ein – ein digitales Theater, in dem man eigene Figuren gestaltet und auf einer Bühne spielen lässt. Sehr lustig! Oder Green Screen.

Ben:

Haben wir auch schon viel gemacht. Bewegung liebe ich auch – Fahrrad, Skateboard, alles was rollt. Aber ich kombiniere gern mit Digitalem – daher die Verkleidungskiste mit Tablet. Das wäre eine coole nächste Station.

Katja:

Noch eine Einstiegsfrage: Wenn du an deine eigene Kindergartenzeit denkst – welches Medium gab es damals, das heute kaum ein Kind kennt?

Ben:

Die klassische Hörspielkassette. Manche Kitas haben sie noch, aber viele Kinder kennen sie nur vom Dachboden. Wir haben uns Geschichten ausgedacht, aufgenommen, zurückgespult, wieder Play – anders als heute ohne digitale Spur. Manchmal gab’s Bandsalat, den man mit dem Bleistift zurückgedreht hat.

Annette:

Hast du auch Musik aus dem Radio aufgenommen?

Ben:

Klar! Freitagabends die Top 30 auf Bayern 3 – ich saß am Rekorder, Play/Stop, schnell zurück zum Anfang. Schöne Zeit. Und es zeigt: Audio fasziniert bis heute – eigene Stimme aufnehmen, Quatsch machen, Stimmen verstellen, Tier- und Motorengeräusche.
Spannend: Kinder staunen zuerst über ihre eigene Stimme (klingt anders als im Kopf), und dann legen sie los. Gerade zurückhaltende Kinder springen über ihren Schatten, wenn sie „ins Gerät“ sprechen – ohne dass jemand sofort korrigiert.

Annette:

Wir sind mitten in der Kita-Arbeit. Wie war Kita Digital für dich? Was hat dich überrascht?

Ben:

Wir haben viele pädagogisch sinnvolle Apps kennengelernt. Im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) ist das inzwischen ein relevanter Punkt – obwohl manche sagen: „Es gibt Wichtigeres, als mit iPads zu arbeiten.“ Aber es gibt sehr sinnvolle, kindgerechte Anwendungen. Unsere Aufgabe ist, Kinder früh heranzuführen, Chancen zu nutzen, Risiken zu erklären – auch mit Eltern – und sinnvoll mit Tablet & Handy zu arbeiten.
Zu Beginn gab es Skepsis – nicht nur von Eltern, auch im Team: „Oh Gott, digital im Kindergarten?“ Andere sagen: Kinder sitzen nach der Schule eh im Bus am Handy. Ich denke: So war’s bei uns auch – nur hatten wir Bravo/Bravo Sport statt Handy. Das Medium ist ein anderes, die Bedürfnisse ähnlich.
Wichtig ist die Differenzierung: Bildschirmzeit als Berieselung vs. Arbeitszeit am Tablet. Eine Biochemikerin erklärte bei einer Auftaktveranstaltung: Passiver Konsum spricht andere Gehirnregionen an als aktives Gestalten (App bedienen, absprechen, koordinieren). Das bestätigt, was wir beobachten.
Und klar: Adrenalin/Belohnung gibt’s nicht nur beim Gaming – auch beim Brettspiel-Abend wird’s spät und emotional. Bildschirmzeit ist nicht gleich Bildschirmzeit.

Annette:

Konntest du alle Kolleg:innen begeistern?

Ben:

Der Weg war anfangs holprig, wurde aber leichter. Als die Ergebnisse da waren und die Kinder stolz präsentiert haben – den Eltern, anderen Gruppen – sprang der Funke über.

Katja:

Lieblingsprojekt?

Ben:

Unsere 25-Jahr-Feier. Wir wollten zeigen, wie unser Kindergarten „tickt“ – für Eltern, Geschwister, Großeltern. Wir haben mit Actionbound eine digitale Schnitzeljagd gebaut.
Die Kinder überlegten: Welche Räume? Welche Orte im Garten? Was wollen wir zeigen? Beispiel Balancierstrecke: Fotos der Stationen, Eltern mussten die Reihenfolge in der App sortieren – gern selbst den Parcours ablaufen.
In der Bauecke bauten Kinder eine Höhle, fotografierten sich, vertonten: „Rat mal, wo wir sind!“ Vor Ort hing ein QR-Code zum nächsten Punkt.
Wir mischten Fotos, kurze Videos, Aufgaben, und sogar KI-Bilder: In der alten Klosterküche erzeugten wir ein Bild mit Klosterschwestern, druckten es groß aus und integrierten es als Überraschung hinter einer Durchreiche. Am Jubiläum waren echte Schwestern da – sie lachten über das Bild (sie hielten es erst für ein Original).
Das Bound war umfangreich – manche brauchten eine Stunde. Am Ende gab’s Ergebnisse und Collagen (z. B. Lieblingsbuch-Fotos aus der Bibliothek). In der Kinderkonferenz erkannten die Kinder ihre Lieblingsbücher wieder. Viele haben die Rallye mehrfach gemacht. Das Projekt verband Generationen – von Oma bis kleinem Bruder.

Katja:

Technikkompetenz der Kinder – Unterschiede?

Ben:

Man sieht, wer zu Hause Kontakt hat. Viele Apps sind aber intuitiv. Ein Renner ist ChatterPix: Gegenstand fotografieren, Mund einzeichnen, 3-2-1 – aufnehmen – und der Gegenstand „spricht“. Kinder begreifen die Schritte schnell. Andere schauen erst zu, lernen durch Beobachtung, trauen sich dann. Wichtig: „Du kannst nichts kaputt machen. Wenn’s nix war, nehmen wir neu auf.“
Bei Kindern mit wenig Deutsch ist es ein großer Sprachlern-Effekt: Wir benennen gemeinsam Gegenstände, nehmen eigene Sätze auf („Hallo, ich bin der Apfel …“). Das stärkt Sprachkompetenz, Kognition, Frustrationstoleranz, Warten können, Absprachen – vieles passiert beiläufig.
Ähnlich mag ich Animated Drawings: Kinder malen eine Figur (mit Kopf, Rumpf, Armen, Beinen), wir fotografieren sie, die Figur wird animiert. So lernen sie Körperteile funktional zu zeichnen (Kopffüßler funktionieren hier nicht – großer Lacher).

Annette:

Hast du Einblicke in die Grundschule?

Ben:

Nur indirekt. In der Kita liegen Fokus auf Kreativität, Sinneserfahrung, Entdecken. In der Schule wohl stärker Recherche, Fakten, Fake-News-Erkennen. Ich will Lehrkräften nichts unterstellen – Lehrpläne und Ressourcen setzen Grenzen. Mehr Zeit ergäbe mehr Kreativität.

Katja:

Blick in die Zukunft: Welches digitale Tool würdest du dir wünschen – unabhängig von Kosten?

Ben:

Eine große digitale Infowand im Eingangsbereich. Nicht nur Wochenplan, sondern abrufbare Projektbilder, Stop-Motion-Filme, Kinderpräsentationen – von Kindern für Eltern.

Annette:

Ich sah neulich eine Kita mit 3D-Druck: Kinder drucken Deckel, Kästchen, was fehlt – Forscherfragen pur. Auch Vorschulkinder können das.

Ben:

Fände ich super – bei uns fehlen ständig Spezialwürfel. Ein 3D-Drucker wäre Gold wert.

Katja:

Zum Abschluss: Was ist für Kitas Must-have?

Ben:

In jeder Gruppe ein iPad – mit robuster Schutzhülle. Damit Kinder selbst fotografieren können, ohne Angst vor Schäden. Und damit man nicht in eine andere Gruppe rennen muss – sonst ist der tolle Turm schon umgefallen.

Katja:

Ich buche dann mal – ich würde sofort bei dir einziehen. Danke, Ben, für das Fenster in deine Kita. Und ja: Wir brauchen unbedingt mal auch ein Kind im Podcast. Frag doch mal nach!

Ben:

Mache ich gern – ich weiß schon ein paar Kinder, die Lust hätten.

Annette:

Vielen Dank, Ben, für deine Zeit und Einblicke. Toll zu hören, wie Kinder im Kita-Alltag kreativ mit Medien umgehen – und dass es dabei um viel mehr geht als Technik.

Katja:

Danke an alle fürs Zuhören – bis zur nächsten Folge.

Ben:

Danke – es war lecker.

Katja:

Ich schalte mal aus … jetzt muss ich’s wieder suchen. Mhm.

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PixelsuppeBy Annette Wagner und Katja Bröckl-Bergner