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Liebe Leute
Es mag mit meiner Biografie zu tun haben, dass ich fühle, das Spanische ist diese Sprache, die ich auch dem flamboyanten Englisch vorziehe, einfach weil das Englische für mich immer eine Schulsprache war und mit dem unproduktiven Lernen in den bürgerlichen Zwangs- und Enthirnungsanstalten, die Schulen zu nennen man sich nicht scheut, assoziiert war, während ich das Spanische als Teil einer lebendigen Kultur sowohl in als auch außerhalb der Schule kennenlernen durfte, als Straßensprache und Jargon, der in den entscheidenden Facetten viel ausdrucksstärker ist als das Deutsche. Oder vielleicht auch nur in jenen Bereichen, auf die es mir im Moment ankommen muss, meiner künstlerischen Linie folgend.
Ohnehin war der bedeutsame Teil der Folge der zum Abschluss vorgelesene Text. Einmal mehr triumphiere ich über meinen Vater, auch wenn der Text noch die Perfektion verfehlte und die beiden Standpunkte nicht deutlich genug voneinander abschied: mein Vater steht für die Liebe, ich für das reine Geld, das Verlangen nach dem nackten Baren.
Und so muss es sein, dies ist schlichte genealogische Tatsache. Die älteren Generationen, um ihren akkumulierten Reichtum vor dem Zugriff der Jüngeren, die sie für unvernünftig halten oder neidisch auf deren jugendliche Strahlkraft sind, erfinden die Lüge der Liebe und gaukeln so den Jüngeren vor, dass es nichts anderes als sie zu suchen gäbe, nicht etwa das Geld oder die gesellschaftliche Herrschaft darüber, die eine entschlossene Arbeiterklasse qua Revolution an sich reißen könnte. Doch das sind politische Fragen, ich derweil bis zur Revolution produziere für mich als bürgerliches Individuum, traurig zwar, aber immerhin genau wie alle anderen, was einem ja das Gefühl des Gleichseins und der kuscheligwarmen Identität im Nest des Belanglosen, weil Uniformen gibt. Dies oktroyiert uns der Liberalismus eben auf, im Gegensatz zum Sozialismus, der seine Bürger begleitete und an die Hand nahm auf den ersten Schritten im Prozess, zu einem freien, autonomen Individuum heranzuwachsen.
Vorgelesener Text:
Literarische Ehrlichkeit/Platon
literarische ehrlichkeit:
———————
ich mein es verdammt ernst, leute. ich will nur an das geld ran. früher, ja, zugegeben… also gut. mit meinen rund 30 jahren gebührt es mir auch mal, ein wenig aus dem nähkästchen zu plaudern. früher, da dachte ich, es ginge um die mädchen, um die schönen frauen, die gleichaltrigen spielgenossinnen damals im kindergarten oder in der schule. ja, die sind recht hübsch anzuschauen, so ging es mir durch den kopf. und mir schossen tausende träume und ausgemalte fiktionen/fantasien ins gehirn, sobald ich eine von ihnen sich bewegen, sich rühren sah und damit mich anrühren. da ging auf meiner netzhaut rein virtuell ein film ab. ich könnte sie ja berühren. an der hand oder schulter oder am hinterkopf… um ihr zu zeigen… wie sehr ich sie mag, wie gern ich sie zur freundin hätte.
aber genug davon! mittlerweile bin ich erwachsen und weiß, worauf es ankommt im leben. nämlich darauf, möglichst viele waren zu produzieren, die sich profitabel auf dem markt absetzen lassen. und dabei helfen mir diese erinnerungen an all die damen, vornehmlich jene an eine, die ich damals in der schulzeit liebte, aber auch all die anderen Mitschülerinnen und alle anderen, die mir seitdem begegneten und zufällig über den weg liefen.
denn die erinnerung an all das verpasste, die visualisierung der diskrepanz zwischen hochfliegender vorstellung (mit ihnen an der kaimauer schlendern oder in den urlaub an den strand fahren oder ins museum gehen oder sie einfach nur ansehen, so tief in ihre augen blicken, wie ich einmal in die grünen augen jener mitschülerin blicken durfte und aus ihrem kelch der visualitäten den wein des gemeinschaftlichen liebesverlangens kostete, jener reiz, jene verwesenheit, die ankündigt, da liege etwas auf dem grund des brunnens, jetzt ist nur die frage, wer und wie steigt man hinab?) und profaner, niederdrückender, ernüchternder, mangelhafter realität… diese diskrepanz also zwischen dem grauen leben, das ich lebe als single und dem bunten leben voller farben, geräusche und exotischer klänge, das möglich gewesen wäre, hätte man sich nur irgendwie zusammengefunden, um sich zu lieben, dieser graben und abgrund der unüberbrückbaren diskrepanz zwischen hochtrabender vorstellung und bitterer, erniedrigender, alles verwüstender erkenntnis des realen und wie wenig wir menschen darin zu verrichten vermögen. zumindest, wenn man keinen mumm hat, so wie ich.
diese erinnerung treibt mich an zum schreiben. ich weiß, ich brauche nur immer weiter das, mich erinnern, mir vorstellen, das und das hätte möglich sein können, so und so hätte es sein können, hätte es laufen können, wäre es nicht so schief abgelaufen und krumm, sondern einfach nur richtig rum, mit diesem oder jenen mädchen, das meinen lebensweg kreuzte.
also, merkte ich, nun gut, dann muss ich mich ranhalten, dann schreibe ich eben keine philosophischen, marxistischen bücher, wie es mir erst vorschwebte, nein, ich schreibe direkt für die volksmassen, nicht für die ekelhaften intellektuellen, die begierig auf ein paar worte über kommunismus und klassenkampf lauschen würden. diese wenigen hanseln, die sich dafür interessieren, sind nicht genug, um meine portokasse zu füllen, meine kriegskasse letztendlich, denn in dieser bourgeoisen welt sind wir alle krieger und einzelkämpfer, darauf angewiesen, unseren kredit zu erhöhen, die materiellen ressourcen aufzustocken, um es später mal gut zu haben, ein haus kaufen zu können und… natürlich, eine frau, sie kauft man zwar nicht mehr direkt heutzutage, aber über umwege, man muss ihr ja was bieten und sie somit kraft des eigenen reichtums und akkumulationsvermögens anlocken. also, das ist das wichtigste im leben… denkt mein vater und darum machte er sich so eifrig ans geldverdienen.
aber falsch herum gedacht, ha! ich definiere meinen eigenen kurs und sage: es geht um das geld, das ist das wichtigste im leben. zwar weiß ich als kommunist, dass es ja eigentlich nur hokuspokus und ein fetisch ist, der erzeugt wird durch den allgegenwärtigen glanz und die scheinbare macht der waren in der warengesellschaft um uns herum.
mit geld kann ich mir sowohl essen als auch sex kaufen, ganz gleich, ob nun in der form der prostitution oder in jener der bürgerlich anerkannten liebe und sogenannten trauten familienbeziehung.
darum ist geld das wichtigste, das reine äquivalent nämlich, bar und nackt, jung und glücksversprechend, selig glänzend wie ein zartes, eben erst dem erdreich entsprießtes pflänzchen.
erstmal muss ich die speicher füllen, um die akquise dieser beiden luxusgüter vorzubereiten, danach kann ich weiterdenken, was ich mir denn sonst noch leiste.
jedenfalls hab ichs raus. ich weiß, ich lebe mitten in dieser gesellschaft, so sehr ich sie auch manchmal hasste wegen ihres imperialismus. aber gut, es gibt kein entrinnen, drum geh ich am besten gradeaus drauf zu. jawohl, dein reich komme, liebe bourgeoisie, her mit dem geld, es ist das, was uns alle zusammenhält/uns allen gefällt. und um es zu bekommen, muss ich mich all der mädchen entsinnen. der rothaarigen, der schwarzhaarigen, die ich jüngst liebte… und so vieler anderer. aber das tut auch weh, sich zu erinnern und zu denken… ich hätte glücklich sein können, glücklich und arm, hätte ich nur anders gewählt, wäre an dieser abzweigung anders abgebogen: hätte sie, diese frau und die liebe, das zusammensein, das verbringen zweisamer stunden mit ihr gewählt statt meine literatur…
—
ja, liebe leute. hättet ihr halt auch mal aufgepasst im philosophieunterricht… dann wäre euch diese weisheit des alten meisters platon geläufig gewesen: dass man die schönen körper betrachten muss und sich früh in der jugend in deren betrachtung und wertschätzung einüben muss, um ein rechter philosoph zu werden. das habe ich getan, habe dieser philosophischen instruktion folge geleistet und immer genau hingeschaut, welche weiblichen formen sich da unter den kleidern der schulkameradinnen und später der kolleginnen abzeichneten… habe mir genau ihre gesichter angeschaut und die schönheit darin aufgesogen… und darum stehe ich heute so gut da und habe so viel material, welches mich in den stand versetzt, zu produzieren.
nun, man muss halt hartnäckig und unbestechlich sein, dann kann man alles erreichen. man muss wissen, worauf es ankommt und was wirklich zählt.
»Bis so weit nun, mein Sokrates, magst auch du wohl in die Mysterien der Liebe eindringen: ob du aber den höchsten Grad der Weihe, auf welchen auch das Bisherige bereits hinarbeitet, wenn man nur den rechten Weg dabei einschlägt, zu erreichen befähigt bist, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil wenigstens, sprach sie, will sie dir mitteilen und will es an Bereitwilligkeit nicht fehlen lassen; versuche du mir zu folgen, so gut du es vermagst! Es muß nämlich, fuhr sie fort, der, welcher auf dem richtigen Wege auf dies Ziel hinstrebt, in seiner Jugend sich allerdings den schönen Körpern zuwenden, und zwar zuerst, wenn sein Führer ihn richtig leitet, einen solchen schönen Körper lieben und an diesem sich fruchtbar in schönen Reden erweisen; dann aber muß er innewerden, daß die Schönheit an jedem einzelnen Körper der an jedem anderen Körper verschwistert ist; und wenn er doch überhaupt der Schönheit der Gestalt nachgehen soll, so wäre es ja großer Unverstand, wenn er nicht endlich die Schönheit an allen Körpern für eine und dieselbe erkennen würde. Wenn er aber zu dieser Einsicht gelangt ist, dann muß er sich als Liebhaber aller schönen Körper darstellen und von seiner gewaltigen Glut für einen einzigen nachlassen, vielmehr sie gering schätzen und verachten. Hiernach aber muß er die geistige Schönheit für weit schätzbarer achten lernen als die des Körpers, so daß, wenn jemand nur eine liebenswürdige Seele besitzt, mag auch dabei sein körperlicher Reiz nur gering sein, dies ihm genügt und er sie liebt und ihrer pflegt und Reden gebiert und aufzufinden sucht, so wie sie geeignet sind, veredelnd auf Jünglinge zu wirken. Diese Stufe führt ihn aber wiederum nur dazu, daß er gezwungen wird, das Schöne in den Bestrebungen, Sitten und Gesetzen zu beachten, und einzusehen, daß dies alles mit einander verwandt ist, und so das körperliche Schöne für ganz geringfügig achten zu lernen. Von den Bestrebungen aber muß man ihn zu den Wissenschaften führen, damit er wiederum die Schönheit der Wissenschaften erkenne und, indem er so bereits auf das Schöne in seiner Fülle hinblickt, nicht mehr mit sklavischem Sinne der Schönheit im Einzelnen, sei es in Liebe zu einem Knäbchen oder einer Menschenseele oder einer vereinzelten Bestrebung, diene und sich so als unedel und kleinlich erweise, sondern gleichsam auf die hohe See des Schönen hinaussteuernd und es also mit einem Blicke überschlagend, viel schöne und herrliche Reden und Gedanken in des Weisheitsstrebens[709] Fülle gebäre, bis er, dadurch gekräftigt und bereichert, alles in eine einzige Erkenntnis von folgender Art zusammenfaßt, die auf ein Schönes gerichtet ist, wie ich es jetzt dir beschreiben will.«
Also man kann nicht nur einen Menschen lieben, zumindest, wenn man vernünftig ist. Aber die moderne Liebe schmückt sich ja gerne mit ihrem Plunder der Unvernünftigkeit, woraus sich schon mal ein Gutteil der daraus resultierenden Probleme erklärt. Die Liebe als die andere, die warme Seite der allzu kalten, sterilen Ratio und Vernunft der Wissenschaften, die unser Zeitalter so beflügelt und angetrieben haben, nicht zuletzt, indem sie dazu verhalfen, Flugzeuge und Autos zu konstruieren und uns so ungeahnte prometheische Kräfte oder Prothesen anzuschnallen.
Im Übrigen schrieb Platon kurz vor der bereits zitierten Stelle, dass die größte Kunst diejenige sei, welche sich auf die Lenkung der Staaten, das Regieren, richtet:
Stalin und Lenin waren also die größten denkbaren Liebhaber, da sie, wie Platon sich ausdrückt, schwanger gingen mit der Idee des Schönen, also dem Plan des Sozialismus, den sie in ihrem Staatenbündnis ja aufbauten.
By SimonLiebe Leute
Es mag mit meiner Biografie zu tun haben, dass ich fühle, das Spanische ist diese Sprache, die ich auch dem flamboyanten Englisch vorziehe, einfach weil das Englische für mich immer eine Schulsprache war und mit dem unproduktiven Lernen in den bürgerlichen Zwangs- und Enthirnungsanstalten, die Schulen zu nennen man sich nicht scheut, assoziiert war, während ich das Spanische als Teil einer lebendigen Kultur sowohl in als auch außerhalb der Schule kennenlernen durfte, als Straßensprache und Jargon, der in den entscheidenden Facetten viel ausdrucksstärker ist als das Deutsche. Oder vielleicht auch nur in jenen Bereichen, auf die es mir im Moment ankommen muss, meiner künstlerischen Linie folgend.
Ohnehin war der bedeutsame Teil der Folge der zum Abschluss vorgelesene Text. Einmal mehr triumphiere ich über meinen Vater, auch wenn der Text noch die Perfektion verfehlte und die beiden Standpunkte nicht deutlich genug voneinander abschied: mein Vater steht für die Liebe, ich für das reine Geld, das Verlangen nach dem nackten Baren.
Und so muss es sein, dies ist schlichte genealogische Tatsache. Die älteren Generationen, um ihren akkumulierten Reichtum vor dem Zugriff der Jüngeren, die sie für unvernünftig halten oder neidisch auf deren jugendliche Strahlkraft sind, erfinden die Lüge der Liebe und gaukeln so den Jüngeren vor, dass es nichts anderes als sie zu suchen gäbe, nicht etwa das Geld oder die gesellschaftliche Herrschaft darüber, die eine entschlossene Arbeiterklasse qua Revolution an sich reißen könnte. Doch das sind politische Fragen, ich derweil bis zur Revolution produziere für mich als bürgerliches Individuum, traurig zwar, aber immerhin genau wie alle anderen, was einem ja das Gefühl des Gleichseins und der kuscheligwarmen Identität im Nest des Belanglosen, weil Uniformen gibt. Dies oktroyiert uns der Liberalismus eben auf, im Gegensatz zum Sozialismus, der seine Bürger begleitete und an die Hand nahm auf den ersten Schritten im Prozess, zu einem freien, autonomen Individuum heranzuwachsen.
Vorgelesener Text:
Literarische Ehrlichkeit/Platon
literarische ehrlichkeit:
———————
ich mein es verdammt ernst, leute. ich will nur an das geld ran. früher, ja, zugegeben… also gut. mit meinen rund 30 jahren gebührt es mir auch mal, ein wenig aus dem nähkästchen zu plaudern. früher, da dachte ich, es ginge um die mädchen, um die schönen frauen, die gleichaltrigen spielgenossinnen damals im kindergarten oder in der schule. ja, die sind recht hübsch anzuschauen, so ging es mir durch den kopf. und mir schossen tausende träume und ausgemalte fiktionen/fantasien ins gehirn, sobald ich eine von ihnen sich bewegen, sich rühren sah und damit mich anrühren. da ging auf meiner netzhaut rein virtuell ein film ab. ich könnte sie ja berühren. an der hand oder schulter oder am hinterkopf… um ihr zu zeigen… wie sehr ich sie mag, wie gern ich sie zur freundin hätte.
aber genug davon! mittlerweile bin ich erwachsen und weiß, worauf es ankommt im leben. nämlich darauf, möglichst viele waren zu produzieren, die sich profitabel auf dem markt absetzen lassen. und dabei helfen mir diese erinnerungen an all die damen, vornehmlich jene an eine, die ich damals in der schulzeit liebte, aber auch all die anderen Mitschülerinnen und alle anderen, die mir seitdem begegneten und zufällig über den weg liefen.
denn die erinnerung an all das verpasste, die visualisierung der diskrepanz zwischen hochfliegender vorstellung (mit ihnen an der kaimauer schlendern oder in den urlaub an den strand fahren oder ins museum gehen oder sie einfach nur ansehen, so tief in ihre augen blicken, wie ich einmal in die grünen augen jener mitschülerin blicken durfte und aus ihrem kelch der visualitäten den wein des gemeinschaftlichen liebesverlangens kostete, jener reiz, jene verwesenheit, die ankündigt, da liege etwas auf dem grund des brunnens, jetzt ist nur die frage, wer und wie steigt man hinab?) und profaner, niederdrückender, ernüchternder, mangelhafter realität… diese diskrepanz also zwischen dem grauen leben, das ich lebe als single und dem bunten leben voller farben, geräusche und exotischer klänge, das möglich gewesen wäre, hätte man sich nur irgendwie zusammengefunden, um sich zu lieben, dieser graben und abgrund der unüberbrückbaren diskrepanz zwischen hochtrabender vorstellung und bitterer, erniedrigender, alles verwüstender erkenntnis des realen und wie wenig wir menschen darin zu verrichten vermögen. zumindest, wenn man keinen mumm hat, so wie ich.
diese erinnerung treibt mich an zum schreiben. ich weiß, ich brauche nur immer weiter das, mich erinnern, mir vorstellen, das und das hätte möglich sein können, so und so hätte es sein können, hätte es laufen können, wäre es nicht so schief abgelaufen und krumm, sondern einfach nur richtig rum, mit diesem oder jenen mädchen, das meinen lebensweg kreuzte.
also, merkte ich, nun gut, dann muss ich mich ranhalten, dann schreibe ich eben keine philosophischen, marxistischen bücher, wie es mir erst vorschwebte, nein, ich schreibe direkt für die volksmassen, nicht für die ekelhaften intellektuellen, die begierig auf ein paar worte über kommunismus und klassenkampf lauschen würden. diese wenigen hanseln, die sich dafür interessieren, sind nicht genug, um meine portokasse zu füllen, meine kriegskasse letztendlich, denn in dieser bourgeoisen welt sind wir alle krieger und einzelkämpfer, darauf angewiesen, unseren kredit zu erhöhen, die materiellen ressourcen aufzustocken, um es später mal gut zu haben, ein haus kaufen zu können und… natürlich, eine frau, sie kauft man zwar nicht mehr direkt heutzutage, aber über umwege, man muss ihr ja was bieten und sie somit kraft des eigenen reichtums und akkumulationsvermögens anlocken. also, das ist das wichtigste im leben… denkt mein vater und darum machte er sich so eifrig ans geldverdienen.
aber falsch herum gedacht, ha! ich definiere meinen eigenen kurs und sage: es geht um das geld, das ist das wichtigste im leben. zwar weiß ich als kommunist, dass es ja eigentlich nur hokuspokus und ein fetisch ist, der erzeugt wird durch den allgegenwärtigen glanz und die scheinbare macht der waren in der warengesellschaft um uns herum.
mit geld kann ich mir sowohl essen als auch sex kaufen, ganz gleich, ob nun in der form der prostitution oder in jener der bürgerlich anerkannten liebe und sogenannten trauten familienbeziehung.
darum ist geld das wichtigste, das reine äquivalent nämlich, bar und nackt, jung und glücksversprechend, selig glänzend wie ein zartes, eben erst dem erdreich entsprießtes pflänzchen.
erstmal muss ich die speicher füllen, um die akquise dieser beiden luxusgüter vorzubereiten, danach kann ich weiterdenken, was ich mir denn sonst noch leiste.
jedenfalls hab ichs raus. ich weiß, ich lebe mitten in dieser gesellschaft, so sehr ich sie auch manchmal hasste wegen ihres imperialismus. aber gut, es gibt kein entrinnen, drum geh ich am besten gradeaus drauf zu. jawohl, dein reich komme, liebe bourgeoisie, her mit dem geld, es ist das, was uns alle zusammenhält/uns allen gefällt. und um es zu bekommen, muss ich mich all der mädchen entsinnen. der rothaarigen, der schwarzhaarigen, die ich jüngst liebte… und so vieler anderer. aber das tut auch weh, sich zu erinnern und zu denken… ich hätte glücklich sein können, glücklich und arm, hätte ich nur anders gewählt, wäre an dieser abzweigung anders abgebogen: hätte sie, diese frau und die liebe, das zusammensein, das verbringen zweisamer stunden mit ihr gewählt statt meine literatur…
—
ja, liebe leute. hättet ihr halt auch mal aufgepasst im philosophieunterricht… dann wäre euch diese weisheit des alten meisters platon geläufig gewesen: dass man die schönen körper betrachten muss und sich früh in der jugend in deren betrachtung und wertschätzung einüben muss, um ein rechter philosoph zu werden. das habe ich getan, habe dieser philosophischen instruktion folge geleistet und immer genau hingeschaut, welche weiblichen formen sich da unter den kleidern der schulkameradinnen und später der kolleginnen abzeichneten… habe mir genau ihre gesichter angeschaut und die schönheit darin aufgesogen… und darum stehe ich heute so gut da und habe so viel material, welches mich in den stand versetzt, zu produzieren.
nun, man muss halt hartnäckig und unbestechlich sein, dann kann man alles erreichen. man muss wissen, worauf es ankommt und was wirklich zählt.
»Bis so weit nun, mein Sokrates, magst auch du wohl in die Mysterien der Liebe eindringen: ob du aber den höchsten Grad der Weihe, auf welchen auch das Bisherige bereits hinarbeitet, wenn man nur den rechten Weg dabei einschlägt, zu erreichen befähigt bist, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil wenigstens, sprach sie, will sie dir mitteilen und will es an Bereitwilligkeit nicht fehlen lassen; versuche du mir zu folgen, so gut du es vermagst! Es muß nämlich, fuhr sie fort, der, welcher auf dem richtigen Wege auf dies Ziel hinstrebt, in seiner Jugend sich allerdings den schönen Körpern zuwenden, und zwar zuerst, wenn sein Führer ihn richtig leitet, einen solchen schönen Körper lieben und an diesem sich fruchtbar in schönen Reden erweisen; dann aber muß er innewerden, daß die Schönheit an jedem einzelnen Körper der an jedem anderen Körper verschwistert ist; und wenn er doch überhaupt der Schönheit der Gestalt nachgehen soll, so wäre es ja großer Unverstand, wenn er nicht endlich die Schönheit an allen Körpern für eine und dieselbe erkennen würde. Wenn er aber zu dieser Einsicht gelangt ist, dann muß er sich als Liebhaber aller schönen Körper darstellen und von seiner gewaltigen Glut für einen einzigen nachlassen, vielmehr sie gering schätzen und verachten. Hiernach aber muß er die geistige Schönheit für weit schätzbarer achten lernen als die des Körpers, so daß, wenn jemand nur eine liebenswürdige Seele besitzt, mag auch dabei sein körperlicher Reiz nur gering sein, dies ihm genügt und er sie liebt und ihrer pflegt und Reden gebiert und aufzufinden sucht, so wie sie geeignet sind, veredelnd auf Jünglinge zu wirken. Diese Stufe führt ihn aber wiederum nur dazu, daß er gezwungen wird, das Schöne in den Bestrebungen, Sitten und Gesetzen zu beachten, und einzusehen, daß dies alles mit einander verwandt ist, und so das körperliche Schöne für ganz geringfügig achten zu lernen. Von den Bestrebungen aber muß man ihn zu den Wissenschaften führen, damit er wiederum die Schönheit der Wissenschaften erkenne und, indem er so bereits auf das Schöne in seiner Fülle hinblickt, nicht mehr mit sklavischem Sinne der Schönheit im Einzelnen, sei es in Liebe zu einem Knäbchen oder einer Menschenseele oder einer vereinzelten Bestrebung, diene und sich so als unedel und kleinlich erweise, sondern gleichsam auf die hohe See des Schönen hinaussteuernd und es also mit einem Blicke überschlagend, viel schöne und herrliche Reden und Gedanken in des Weisheitsstrebens[709] Fülle gebäre, bis er, dadurch gekräftigt und bereichert, alles in eine einzige Erkenntnis von folgender Art zusammenfaßt, die auf ein Schönes gerichtet ist, wie ich es jetzt dir beschreiben will.«
Also man kann nicht nur einen Menschen lieben, zumindest, wenn man vernünftig ist. Aber die moderne Liebe schmückt sich ja gerne mit ihrem Plunder der Unvernünftigkeit, woraus sich schon mal ein Gutteil der daraus resultierenden Probleme erklärt. Die Liebe als die andere, die warme Seite der allzu kalten, sterilen Ratio und Vernunft der Wissenschaften, die unser Zeitalter so beflügelt und angetrieben haben, nicht zuletzt, indem sie dazu verhalfen, Flugzeuge und Autos zu konstruieren und uns so ungeahnte prometheische Kräfte oder Prothesen anzuschnallen.
Im Übrigen schrieb Platon kurz vor der bereits zitierten Stelle, dass die größte Kunst diejenige sei, welche sich auf die Lenkung der Staaten, das Regieren, richtet:
Stalin und Lenin waren also die größten denkbaren Liebhaber, da sie, wie Platon sich ausdrückt, schwanger gingen mit der Idee des Schönen, also dem Plan des Sozialismus, den sie in ihrem Staatenbündnis ja aufbauten.