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Was erzählen Jugendliche einer KI, das sie ihren Eltern, Freundinnen oder Sozialarbeitenden vielleicht nicht anvertrauen? Und was bedeutet es, wenn ein Chatbot nicht mehr nur Werkzeug ist, sondern zum vertrauten Gegenüber wird?
In dieser Folge von «sozial» spricht Mariano Desole, Dozent und Forscher an der ZHAW Soziale Arbeit, über die wachsende Bedeutung von KI-Chatbots im Leben junger Menschen. Er erklärt, warum solche Beziehungen gerade für belastete Jugendliche attraktiv sein können, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind und was die Forschung tatsächlich darüber weiss.
Im Zentrum steht die Frage, wie Fachpersonen der Sozialen Arbeit mit diesem Phänomen umgehen können: Wie sprechen sie Jugendliche auf ihre KI-Nutzung an, ohne zu moralisieren? Und was können menschliche Beziehungen bieten, das kein Chatbot ersetzen kann?
Hinweis:
In dieser Episode erwähnt:
Produktion:
Ein Nussgipfel, ein Schoggigipfel oder doch lieber etwas Salziges? Schon bei der Auswahl seines Frühstücksgebäcks hat Martin Biebricher evaluiert – zumindest ein bisschen. Denn wer evaluiert, bewertet etwas anhand bestimmter Kriterien. Im professionellen Kontext gehört allerdings noch etwas mehr dazu als Hunger und ein Blick in die Auslage.
In dieser Folge von «Sozipedia» spricht der Co-Leiter des ZHAW-Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit mit Host Menno Labruyère darüber, was Evaluation in der Sozialen Arbeit bedeutet. Dabei geht es nicht nur um Projekte, Angebote oder Organisationen, sondern auch um die konkrete Fallarbeit.
Gerade dort wird Evaluation anspruchsvoll. Denn sie ist nie völlig frei von unterschiedlichen Perspektiven und subjektiven Wahrnehmungen. Martin plädiert deshalb dafür, auch die Rückmeldungen von Adressat:innen ernst zu nehmen und Evaluation nicht zur Selbstbestätigung zu nutzen. Interessant wird sie vielmehr dort, wo sie empfindliche, kritische Punkte sichtbar macht und Lernen ermöglicht. Dafür braucht es Zeit, klare Fragestellungen und eine Organisationskultur, in der Fehler nicht sanktioniert, sondern für die Weiterentwicklung genutzt werden können.
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Wir freuen uns übrigens immer über Feedback und Anregungen für weitere Begriffe, die Martin Biebricher in unserer Audio-Kolumne «Sozipedia» durchleuchten kann.
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Was tun, wenn ein Gegenüber immer aggressiver wird? Wie lässt sich eine Eskalation frühzeitig erkennen – und wann ist es Zeit, sich aus einer Situation zurückzuziehen?
Tian Wanner, Dozent im CAS Gewaltprävention der ZHAW Soziale Arbeit, erklärt im Gespräch mit Host Regula Freuler, weshalb theoretisches Wissen allein in Hochstresssituationen oft nicht ausreicht. Entscheidend ist, mögliche Situationen zu trainieren, die eigenen «Hot Buttons» zu kennen und sich auf schwierige Momente vorzubereiten – etwa mit Implementation Intentions nach Peter Gollwitzer.
Auch beim Gegenüber gilt es, Veränderungen früh wahrzunehmen. Denn Gewalt entsteht meist nicht aus dem Nichts. Je nach Eskalationsphase braucht es unterschiedliche Reaktionen. Methoden wie die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg können hilfreich sein – aber nicht in jeder Situation.
Gewaltprävention ist zudem eine Führungsaufgabe. Organisationen müssen klare Abläufe und Grenzen definieren, ihre Mitarbeitenden auf schwierige Situationen vorbereiten und nach Vorfällen für eine gute Nachsorge sorgen – gerade im Sozialbereich, wo Gewalthäufigkeit deutlich häufiger vorkommt als in vielen anderen Branchen.
Weiterführende Literatur und Methoden:
Produktion:
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Warum empören sich Menschen? Was macht erlebtes Unrecht mit ihnen – und wie können Sozialarbeitende verhindern, dass sich ein «Karussell der Empörung» dreht?
Empörung ist mehr als Wut, sagt ZHAW-Dozent Michael Herzig: Sie entsteht dort, wo Menschen sich moralisch im Recht fühlen und Unrecht erfahren.
Sarah Maria Lohr, ehemalige Sozialarbeiterin in der wirtschaftlichen Sozialhilfe und wissenschaftliche Mitarbeiterin der ZHAW, sowie Andrea Ben Salah, die viele Jahre in der niederschwelligen Suchtarbeit in der Stadt Zürich tätig war, unter anderem im Alkoholikertreffpunkt t-alk, im Drogeninformationszentrum DIZ und in der aufsuchenden Sozialarbeit, erzählen, wie sie empörten Klient:innen begegnen. Entscheidend sei, Emotionen ernst zu nehmen, ohne jedes Verhalten zu akzeptieren. «Das stärkste Instrument in der Sozialen Arbeit ist das Gespräch, die Kommunikation, die Beziehung», sagt Sarah Maria Lohr. Denn nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch Sanktionen, sondern durch Beziehungen, die auch Konflikte aushalten und nach Rückschlägen bestehen bleiben.
Gerade in der Sozialhilfe oder der niederschwelligen Suchtarbeit treffen Fachpersonen immer wieder auf Menschen, die Ohnmacht, Ausgrenzung oder Machtmissbrauch erlebt haben. Empörung wird so zum Ausdruck einer biografischen Erfahrung – und kann, wenn sie ernst genommen wird, zum Ausgangspunkt für Veränderung werden. Gleichzeitig erinnern die beiden Gesprächspartnerinnen daran, dass Soziale Arbeit nicht nur den einzelnen Menschen begleitet, sondern auch ungerechte Strukturen sichtbar machen und verändern will.
Weiterführende Literatur:
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Auf dem Tisch im Podcast-Studio liegt ein Buch über Adoptionen in der Schweiz. Auf dem Cover: ein Schwarz-Weiss-Foto mit drei Pflegerinnen, die je ein Kleinkind im Arm halten. Die Szene wirkt ruhig, fast zufrieden. Doch der Titel des Buchs stellt eine unbequeme Frage: «Ungewollt?»
In dieser Episode spricht Host Regula Freuler mit der Sozial- und Wirtschaftshistorikerin Susanne Businger über ein Kapitel Schweizer Geschichte, das bislang kaum erforscht wurde: Inlandsadoptionen in der Schweiz zwischen 1920 und 2017.
Warum wurden Kinder zur Adoption freigegeben? Welche Rolle spielten Vormundschaftsbehörden, Vermittlungsstellen, Rechtsgrundlagen und gesellschaftliche Normvorstellungen? Und warum wurden vor allem Kinder unverheirateter Mütter adoptiert?
Im Gespräch geht es um Kindeswohl im historischen Wandel, um das Adoptionsgeheimnis, um Druck auf leibliche Mütter durch Behörden und um die Frage, was Herkunft und Identität für adoptierte Menschen bedeuten. Susanne Businger zeigt, wie eng Adoptionen mit den damaligen Vorstellungen von Familie, Mutterschaft und Moral verbunden waren – und weshalb die historische Aufarbeitung auch für die Soziale Arbeit heute wichtig ist.
Allerlei Wissenswertes, das in dieser Episode erwähnt wird:
Produktion:
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Gespräche prägen die Soziale Arbeit, jeden Tag. Doch was macht eigentlich ein gutes Gespräch aus? Und warum reicht es nicht, einfach nur die richtigen Techniken zu kennen?
In dieser Episode spricht Host Menno Labruyère mit der Dozentin Daniela Wirz über die immense Bedeutung der eigenen Haltung, wie Beziehungsgestaltung gelingen kann und über die Frage, weshalb Kommunikation einer der wichtigsten Wirkfaktoren Sozialer Arbeit ist. Gemeinsam gehen sie der Bedeutung von Zuhören, Verstehen und Reflexion nach – und diskutieren, wie das eigene Menschenbild, nonverbale Signale (mit der Zunge schnalzen!) und Machtverhältnisse Gespräche beeinflussen können.
Es geht um Rollenspiele im Studium (die offenbar unbeliebt sind bei vielen Studierenden) sowie Möglichkeiten und Grenzen von KI in der Gesprächsführung.
In dieser Episode wurden folgende Werke erwähnt:
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Vier Männer beim Bier. «Schnell eine Runde, wie es jedem geht, sonst kritisiert meine Frau nachher wieder, wir würden nichts voneinander wissen.» Burnout, arbeitslos, betrogen und verlassen, die Schwester tödlich verunglückt… Jeder sagt kaum mehr als einen Satz, bis sie endlich wieder über die «wichtigen» Dinge sprechen dürfen: Fussball.
Ganz lebensfern ist diese Szene nicht, findet Host Menno Labruyère, dem dieser genderstereotype Sketch in den Feed gespült wurde.
Zu Gast im Podcast-Studio sind diesmal Kambez Nuri und Michael Koger, Gründer der Fachstelle Oh Boy* und beide ZHAW-Absolventen. Wie entstehen Männlichkeitsbilder – und warum erlebt die Vorstellung vom dominanten, muskelbepackten Mann in Internetforen ein Revival?, wollen wir von ihnen wissen. Männlichkeit ist nicht etwas Angeborenes, sondern etwas, das wir lernen, das uns vorgelebt wird, sagt Kambez Nuri.
Und was ist euer Bild von Männlichkeit?
Allerlei Wissenswertes, das in dieser Episode erwähnt wird:
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Als Martin Biebricher in seinen letzten Frankreich-Ferien den Abfall entsorgte, erschrak er. Auf den Eimern prangten Aufkleber mit dem Spruch: «Ici, je trie!» Auf Deutsch: Hier sortiere ich (meinen Müll). «In der Sozialen Arbeit wird der Begriff «Triage» häufig benutzt – vielleicht manchmal zu unbedacht?», dachte der Co-Bachelorstudiengangleiter.
In dieser Folge von «Sozipedia» geht er mit Host Menno Labruyère der Wortherkunft von «Triage» nach (Spoiler: Für die Soziale Arbeit nicht gerade eine Entlastung) und überlegt, welche anderen Bezeichnungen passender wären – und warum. Worüber Martin und Menno sich einig sind: Man sollte den Begriff stets von dem abhängig machen, was man konkret tut.
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Verbieten, begrenzen – oder befähigen? Wer mit Kindern und Jugendlichen über Social Media spricht, landet schnell bei «Screen Time», schlechtem Gewissen und der Sehnsucht nach einer einfachen Regel. In dieser Episode geht Host Menno Labruyère gemeinsam mit Laurent Sedano, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der ZHAW Soziale Arbeit der Frage nach, wie Kinderrechte die Debatte über Social Media prägen und was sich daraus für die Praxis ableiten lässt.
Sedano hat am Positionspapier der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen mitgearbeitet, das im Kontext des australischen Social‑Media‑Gesetzes bis 16 Jahre (Dezember 2025) diskutiert wird. Kernpunkt: Kinder haben Recht auf Schutz und auf Zugang zu Information und Teilhabe. Ein Verbot verschiebt Verantwortung – und ersetzt keine Plattformregulierung.
Statt «alles oder nichts» plädieren die beiden für «bewusste Mediennutzung»: Entscheidend ist, warum und in welchem Kontext Medien genutzt werden. Der Blick geht weg von der «Algorithmus‑Allmacht» und hin zu Stress, Lebensbedingungen und fehlenden Freizeit‑Räumen – besonders bei vulnerablen Jugendlichen.
Und was kann Soziale Arbeit beitragen? Beziehungsarbeit und Lebensweltorientierung: nicht moralisieren, sondern nachfragen und begleiten. Sedanos Beispiel: ein Workshop, der das Game «Among Us» ins reale «Werwölfchen» in einer Bibliothek überführt. Dazu ein alltagstauglicher Hack gegen belastende Feeds: «algorithmische Hygiene» mit einem zweiten Konto.
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Was klingt für dich professioneller: Hausärztin oder Hirnchirurgin? Okay, das war eine Fangfrage. Denn der Grad an Professionalität lässt sich natürlich nicht am Unterschied zwischen breitem Fachwissen und höchster Spezialisierung messen. Es kommt – wie immer – auf den Kontext an. Warum das gerade für die Soziale Arbeit gilt, erklärt in dieser Episode von «Sozipedia» unser Co-Bachelorstudiengangleiter Martin Biebricher im Gespräch mit Host Menno Labruyère.
In der Sozialen Arbeit zum Beispiel gilt: Die Lebenslagen und -schwierigkeiten von Adressat:innen sind selten eindeutig oder klar abgrenzbar. Im Gegenteil: Sie sind komplex, vernetzt und von unterschiedlichen sozialen, räumlichen und strukturellen Faktoren geprägt – und damit schwer fassbar für Fachspezialist:innen. Eine generalistische Perspektive hingegen ermöglicht es, diese Zusammenhänge als Ganzes wahrzunehmen und professionell zu bearbeiten.
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