© damien Kuhn / unsplash.com
Die Idylle auf dem Land ist in Unruhe geraten: Bienenschützer protestieren auf der einen Seite für mehr Insektenschutz, Landwirte machen auf der anderen Seite ihrem Unmut über neue Verordnungen Luft. Was bringt einen jungen Menschen in dieser Lage dazu, Landwirt zu werden? Und welche Perspektiven sieht er für seinen Beruf? Ein Interview mit Thomas Liebske, Masterstudent der Agrarwissenschaft.
ERF Medien: Bauernhof – da denken viele an grüne Wiesen, glückliche Kühe und Natur pur. War dieses malerische Bild der Grund dafür, warum Sie Agrarwissenschaften studiert haben – sozusagen ein Traumberuf von Kindheit an?
Der Agrarstudent Thomas Liebske (Bild:: Fabian Liebske)Thomas Liebske: Ein Stück weit Ja. Anfangs ging es mir darum, in und mit der Natur zu arbeiten. Mittlerweile finde ich es eine wichtige Aufgabe, Lebensmittel zu produzieren und so meinen Teil für das Zusammenleben in der Gesellschaft beizutragen. Darüber hinaus ist es mir wichtig geworden, eine Art Lehrzweck zu übernehmen. Ich möchte den Menschen helfen zu verstehen, wie Landwirtschaft zurzeit arbeitet, wo die Schwierigkeiten liegen und was die Ziele der Branche sind. Dazu gehört auch das idyllische Bild der Landwirtschaft mit den Fakten zu untermauern bzw. zu korrigieren. Diese Aufgabe ist mir in den letzten Jahren während meines Studiums wichtig geworden, und dem möchte ich in Zukunft auch nachgehen.
Ich selbst bin mehr oder weniger auf einem Kartoffelbetrieb bei uns im Ort groß geworden. Dort habe ich seit der ersten Schulklasse viel Zeit verbracht und über die Jahre immer mehr eine Leidenschaft für den Agrarbereich entwickelt. Durch Praktika, die ich während des Studiums auf verschiedenen Betrieben gemacht habe, konnte ich auch den tierwirtschaftlichen Aspekt kennenlernen.
ERF Medien: Landwirte haben ein Gespür für die Abläufe in der Natur und ihre Abhängigkeit davon. Für viele spielt vielleicht aus diesem Grund der christliche Glaube an einen Schöpfergott eine gewisse Rolle. Haben Sie schon Situationen erlebt, in denen Sie gemerkt haben: Hier berühren sich mein Beruf und der Glaube auf eine besondere Art und Weise?
Thomas Liebske: Für mich als Christ spielt die Welt als Schöpfung eine besondere und wichtige Rolle. Auf der einen Seite geht es darum, die Schöpfung zu bewahren, auf der anderen Seite hat uns Gott diese auch als Lebensgrundlage gegeben. Wir Menschen haben den Auftrag bekommen, die Welt zu bevölkern und ihre Ressourcen zu nutzen. Der Grat zwischen Bewahrung der Schöpfung und Erhaltung der Lebensmittelproduktion ist sehr schmal – diese Spannung müssen wir aushalten. Darüber hinaus finde ich in der Natur meinen Zugang zu Gott. Oft nutze ich Spaziergänge oder aber auch Zeiten auf dem Feld oder im Stall, um zu beten. Die perfekte Schöpfung mit all ihren Details begeistert mich immer wieder. Gerade durch mein Arbeitsumfeld habe ich viele Gelegenheiten, darüber zu staunen.
Auf der einen Seite geht es darum, die Schöpfung zu bewahren, auf der anderen Seite hat uns Gott diese auch als Lebensgrundlage gegeben.
Hoher Einsatz, großes Risiko
ERF Medien: 1971 gab es noch rund eine Millionen landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland. 2019 waren es noch knapp 276.00. Alleine in den letzten 20 Jahren haben 42 Prozent alle Betriebe aufgegeben. Sie haben also nicht gerade einen Traumberuf angesteuert.
Thomas Liebske: Landwirtschaft ist ein herausfordernder 24-Stunden-Job. Man hat als Landwirt keine Arbeitszeiten von 9.00 bis 17.00 Uhr. Das ist für viele Menschen erst einmal abschreckend, und in dem Sinn ist Landwirt auch kein Traumberuf. Das …