Der Titel des Buches ist „Aus der Tiefe des Raumes – Mein Leben“ und wurde vom blonden Engel Günter Netzer und dem Co-Autor Helmut Schümann geschrieben.
Günter…wer? …könnten jetzt die etwas jüngeren Hörer fragen. Günter Netzer, ehemaliger genialer, aber auch rebellischer Fußballer, Nationalspieler, Geschäfts- und Lebemann und Grimme-Preisträger aus dem Jahr 2000.
Er steht wie kaum ein anderer für die unbeschreibliche Leichtigkeit des Fußballs. Der blonde Spielmacher mit den großen Füßen, der wehenden Mähne und der Vorliebe für schnelle Autos. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb er Vorreiter: Als einer der ersten Sportler managte er einen Profifußballklub, und ebenfalls als einer der ersten wurde er zu einem einflussreichen Unternehmer. Er war Spielmacher, Fußballphilosoph und Geschäftsmann.
Dieses Buch beschreibt seinen Lebensweg von den Kindertagen in der Straßenmannschaft bis zu seinen Erfolgen mit Borussia Mönchengladbach, Real Madrid und der Nationalmannschaft. Es ist ein erfrischend unprätentiöses Buch über den Menschen Günter Netzer. Wie er zum Beispiel eines Abends mit damals bekannten Kunstschaffenden in seiner Disko Lover´s Lane sitzt und die Rede auf sein Fußballspiel kommt:
„Was mir da alles erzählt wurde, von der Ästhetik der weiten Pässe, den Visionen des raumöffnenden Spiels - so hatte ich mein Spiel noch nie gesehen. Ich spielte doch nur Fußball, wie es mir gegeben war, aus der Intuition heraus. Auf meinen Einwand, dass ich auf dem Platz eigentlich nur einen Weg suche, um ein Tor zu erzielen, gab mir einer dieser Künstler eine wunderbare Erklärung: „Wissen wir Maler beim Pinselstrich, was der Kunstbetrachter beim Anschauen empfindet?“
Das Interessante an Netzer ist die Mischung aus Querulantentum und beruflichem Erfolg. Statt auf irgendetwas hinzuarbeiten, griff Netzer scheinbar stets im richtigen Moment mit lässiger Intuition nach den Chancen, die sich ihm boten: wird Fußballidol, erfolgreicher Manager des HSV, Geschäftsmann und Grimme-Preisträger. Und bleibt irgendwie immer ein Glückspilz. Netzer und Co-Autor Schümann hangeln sich nicht wie so viele Fußballerbiographien von Spiel zu Spiel, um das Ganze dann mit Motivationssprüchen (wie bei Olli Kahn) oder Lebenskitsch (wie bei David Beckham) aufzufüllen. Sicher, es taucht das legendäre 7:1 gegen Mailand auf, oder das Pokal-Endspiel gegen Köln, bei dem Netzer sich zu Beginn der Nachspielzeit selbst einwechselte, um sofort nach Wiederanpfiff das Siegtor zu erzielen. Aber wichtiger als die ganzen Fußballspiele ist das Leben drum herum. Wie zum Beispiel die Anekdote vom heimlichen Besuch Netzers in Las Vegas. Angenehm finde ich auch, dass es keinen Klatsch und Tratsch über andere Sportler bzw. Konkurrenten gibt.
Mehr möchte ich nun nicht verraten. Es ist wirklich ein interessantes und empfehlenswertes Buch über eine Zeit, in der noch nicht das ganz große Geld im Fußball regierte. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich das Buch natürlich gerne ausleihen.
Und denkt immer dran, Lesen fetzt!