© Markus Spiske / unsplash.com
Bioprodukte stehen beim Verbraucher hoch im Kurs. Das veranlasst immer mehr Landwirte, ihren Betrieb auf ökologisches Wirtschaften umzustellen. Landwirtin Ute Schoepe hat gemeinsam mit ihrem Mann Gerd diesen Schritt ebenfalls gewagt. Sie erzählt im Interview wie es dazu kam, warum man ökologische und konventionelle Landwirtschaft nicht gegeneinander ausspielen sollte und was sie sich von Politik und Verbraucher wünscht.
Ute und Gerd Schoepe betreiben einen Biobauernhof. (Bild:Samuel Schoepe)ERF Medien: Frau Schoepe, Sie haben Ihren Hof auf Bio umgestellt, nachdem Sie lange Jahre einen konventionellen Milchbetrieb hatten. Was waren die Gründe für diese arbeitsintensive und auch finanziell risikoreiche Umstellung?
Ute Schoepe: Unser Betrieb wird seit einigen Generationen von unserer Familie bewirtschaftet. Wir haben vor 3,5 Jahren mit der Umstellung begonnen und sind seit 2 Jahren Bio-zertifiziert. Unsere Gründe für die Umstellung war u.a. der niedrige Milchpreis. Wir hatten uns von dem letzten Milchpreistal noch nicht erholt und die Bank machte ernsthaft Druck. Unser Betrieb ist bei konventioneller Bewirtschaftung als Milchviehbetrieb zu klein, um den Lebensunterhalt für die Familie zu erwirtschaften. Wir mussten also um einen zusätzlichen Betriebszweig erweitern oder den Betrieb vergrößern. Beides ist in einer finanziell angespannten Situation und ohne freie Arbeitskapazitäten schwierig. Die Beratung der Landwirtschaftskammer hatte verschiedene Möglichkeiten durchgerechnet. Aus mehreren Gründen gefiel uns der Vorschlag, auf Bio umzustellen, am besten.
ERF Medien: Wie muss man sich so eine Umstellung von einem konventionellen Betrieb auf Bio vorstellen – welche Schritte mussten Sie gehen? Was hat Sie selbst in diesem Prozess vielleicht überrascht?
Ute Schoepe: Die Umstellung der Flächen dauert 1,5 Jahre, die Umstellung bei den Milchkühen dauert ein halbes Jahr. Fleisch hat einen längeren Umstellungszeitraum. Der Umstellungsprozess wurde zeitnah von der Beratung der Landwirtschaftskammer und von einer unabhängigen Kontrollstelle begleitet. Im Kuhstall musste nur die Einstreu, das Strohmehl, mit etwas Strohhäcksel ergänzt und die Anzahl der Kühe um acht Stück verringert werden. Die Jungviehställe für Tiere von 6 bis 26 Monate haben wir umgebaut. Dort gibt es jetzt nur noch Boxen mit Stroheinstreu und Lauffläche im Fressbereich. Alle Tiere ab 6 Monaten haben während der Weidesaison Weidegang. Die älteren Tiere sind meist 24 Stunden auf der Weide, die Jüngsten nur tagsüber. Tiere unter 6 Monaten leben in Gruppenboxen mit einem befestigten Auslauf. Darüber hinaus mussten wir uns mit den genauen Bestimmungen zur Biofütterung auseinandersetzen. Da die Preise für Biofutter bis zu 90% höher sind als für konventionelles Futter, mussten wir auch die Futterrationen nochmal genau durchrechnen und an das bezahlbare anpassen. Zum Glück erzeugen wir das meiste Futter selber.
Überrascht hat uns, dass die Milchmenge unserer Kühe nach der Umstellung nur wenig zurück ging. Biofutter kann also einen ebenso guten Futterwert haben wie konventionelles. Die Hitze und Trockenheit der letzten beiden Sommer ließ die Milchleistung dann aber sehr deutlich zurück gehen. Überrascht hat uns auch, dass die jüngeren Rinder ihren Auslauf nur wenig nutzen. Sie liegen lieber gemeinsam im Strohbereich, so wie sie auf der Weide gerne in Gruppen liegen.
Dürre und Hitze als Herausforderung
ERF Medien: Wenn Sie Ihre jetzige Hofführung mit der zu konventionellen Zeit vergleichen - wo sehen Sie die größten Unterschiede und sind Sie zufrieden mit Ihrer …