ERF Gottesdienst

Warum? ? Das Lied vom Leid


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© Todd Quackenbush / unsplash.cpm
Bis heute ist sie nicht verstummt ist. Die Frage: Wie kann Gott all die Not zulassen? All das Elend und das unsagbare Leid? Wieso greift er nicht ein?
 
Warum? Die Frage, die zum Himmel schreit
Ein guter Bekannter ruft mich an. Eine seiner Töchter hat ein Kind bekommen. Er ist Großvater geworden. Doch das Kind stirbt schon bald nach der Geburt. Und seine Tochter fragt ihn: „Papa, wo ist Gott denn jetzt? Warum lässt er unser Kind sterben? Warum nur? Warum?“ Und zu mir sagt er: „Du, weißt du, da helfen die vielen frommen Sätze nicht mehr. Sätze, die ich so gut kenne und schon so oft anderen gesagt habe. Da stehe ich nun und kann meiner Tochter nichts antworten. Warum hat Gott das zugelassen? Warum? Ich weiß es nicht. Ich weiß es einfach nicht. Ich weiß nur, wie weh das alles jetzt tut. Und dass die Frage einfach da ist: Mein Gott, wo bist du denn? Hörst du mein Rufen und mein Schreien und mein Weinen denn nicht?“
 
Das Lied vom Leid
Bis heute ist sie nicht verstummt. Die bohrende und aus tiefstem Leid emporsteigende Frage: Warum? Gott warum bist du nicht da? Jetzt, wo ich dich so dringend brauche? In der Bibel gibt es ein Lied, das diese Fragen zum Thema macht. Geschrieben von einem verzweifelten Menschen in größter Not. Der erlebt: Gott nimmt ihn nicht einfach aus der Not heraus. Sondern der Schreiber macht die Erfahrung: Gott belässt ihn in seiner Not – zunächst. Warum auch immer. Die Rede ist von Psalm 22, einem Lied, das David verfasst hat. David der Musiker, Liederdichter, Heerführer und Staatsmann. Vor 3.000 Jahren Regierungschef in Israel.
Sein Lied vom Leid beginnt so:
Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Melodie ‚die Hirschkuh früh am Morgen. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist fern. Mein Gott, tagsüber rufe ich, doch antwortest du nicht, und nachts, doch ich finde keine Ruhe. (Psalm 22,1-3)
 
In manchen Psalmen Davids gibt es in der Überschrift einen Hinweis, auf welches Ereignis sich der Psalm bezieht. Im Psalm 22 schreibt er nichts dazu. In seinem Leben gibt es viele Situationen, in denen David in großer Not war. Als Hirte kämpft er mit Löwen und Bären, als junger Mann wird er verfolgt von Saul, der ihn töten will. Später muss David vor einem seiner eigenen Söhne fliehen. Oft ist er auf der Flucht, kämpft in Kriegen und auch ganz persönliches Leid bleibt ihm nicht erspart. Eines seiner Kinder stirbt unmittelbar nach der Geburt. Manches Unheil hat David selbst heraufbeschworen, doch das ist längst nicht bei allem Leid der Fall, das er erleben muss.
 
Leid – das Megafon Gottes
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Die Not Davids ist so groß, dass er diesen Satz hinausschreit. „Ich schreie“, schreibt er. Manche Leute sagen, die Frage nach dem „Warum“ sei nicht wirklich hilfreich. Besser sei es zu fragen: „Wozu?“ Das klingt fromm. Und sicher ist das ursprünglich ein wichtiger seelsorgerlicher Aspekt. Doch die Absolutheit, niemand soll Gott nach dem „Warum“ fragen, ist aus meiner Sicht Unsinn. David jedenfalls schreit es hinaus: „Warum, mein Gott, hilfst du mir nicht?“ Das ist gelebter Glaube. Ein Glaube, der sich in der rauen Wirklichkeit unserer Welt bewähren will. Ein Glaube, der darum ringt und alles daran setzt, sich an Gott festzuhalten, auch wenn Not, Leid und Elend alles in Frage stellen.
Wir leben in einer Welt, die Gott verloren hat. Wir leben in einer Welt, in der das Böse und der Böse wirken. Und doch hat Gott uns Menschen in dieser Welt nicht aufgegeben. Im Gegenteil. Gott sucht uns, Sie und mich. Er sucht …
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