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Warum Jesus nicht rechnet


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© Kate Remmer / unsplash.com
Eine Kinderbibel meiner Söhne erzählt die Geschichte, in der Jesus 5.000 Menschen satt macht, aus der Perspektive eines kleinen Jungen1. Dieser ist fasziniert von Jesus und läuft ihm den ganzen Tag hinterher, um nichts von dem zu verpassen, was der jüdische Rabbi sagt und tut. Dabei vergisst er völlig, sein von der Mutter mitgegebenes Pausenbrot – fünf Brote und zwei Fische – aufzuessen. Erst als es Abend wird, erinnert er sich an seine volle Brotbox. Als er seinen Proviant gerade aufessen will, fällt ihm ein, dass Jesus vielleicht auch Hunger haben könnte. Kurz entschlossen bietet er ihm sein Essen an. Was dann geschieht, übersteigt das Vorstellungsvermögen des kleinen Knirps: Jesus nimmt seine Zwischenmahlzeit und macht unglaublich viele hungrige Erwachsene und Kinder damit satt. Auf dem letzten Bild sieht man den kleinen Kerl deswegen auch strahlen voller Freude und Begeisterung über Jesus.
Der Evangelist Johannes schildert die Begebenheit natürlich aus der Sicht der erwachsenen Jünger (Johannes 6,1-15). Die kommen dabei nicht sonderlich gut weg. Johannes berichtet, wie Jesus seine Jünger testet, indem er sie fragt, wo man wohl Brot für so viele ausgehungerte Menschen kaufen könne. Die Reaktion der Jünger ist typisch menschlich, sie fangen an zu rechnen: Für so viele Personen bräuchte man schätzungsweise so und so viele Brote, das würde ungefähr so viel kosten. Das Fazit: Viel zu teuer für unsere Verhältnisse und logistisch in dieser abgelegenen Gegend unmöglich.
 
Ein Kind wird Vorbild – wieder einmal.
Jesus rechnet anders. Der Text verrät, dass ihm schon längst klar war, wie er die Menge satt bekommt. Er muss also von dem Kind und dem kleinen Essensvorrat gewusst haben. Ob der kleine Junge wirklich von sich aus zu Jesus gekommen ist oder ob einer der Jünger ihn quasi gefunden hat, wissen wir nicht. Auf alle Fälle nimmt Jesus seine wenigen Lebensmittel, dankt Gott dafür und lässt sie anschließend an die hungrige Meute verteilen. Das Wunder passiert: Alle werden satt und es bleiben zwölf Körbe mit Brotresten übrig (was nebenbei gegen den Erklärungsversuch spricht, dass bei diesem Wunder lediglich alle auf einmal ihr Picknick miteinander geteilt hätten). Anschließend beauftragt Jesus seine Jünger, die Essensreste aufzusammeln, damit nichts davon verdirbt.
Diese kleine „ressourcenschonende“ Geste von Jesus und die Tatsache, dass er sich ein Kind als Hilfe für seinen Plan aussucht, verdeutlich etwas von Gottes Einstellung und seinem Handeln: Jesus achtet und gebraucht das Unscheinbare, Geringe. Er kann das Unwahrscheinliche wahr werden lassen. Die Reste, die andere achtlos liegen lassen, finden bei ihm Verwendung. Vermutlich war es kein Zufall, dass Jesus ausgerechnet auf die Hilfe eines Kindes zurückgreift, um die abgeklärten Erwachsenen das Wundern zu lehren. Ein Kind wägt noch nicht so stark die Möglichkeiten ab, die es hat. Es rechnet sich nicht bis ins Kleinste die Vor- und Nachteile aus. Es zweifelt nicht so schnell daran, ob sein Beitrag von Bedeutung ist, sondern handelt nach seinem Herzen. Als Erwachsene finden wir ein solches kindliches Verhalten vielleicht süß oder unbedarft, aber ernst nehmen wir es selten. 
Jesus achtet und gebraucht das Unscheinbare, Geringe. Er kann das Unwahrscheinliche wahr werden lassen. Die Reste, die andere achtlos liegen lassen, finden bei ihm Verwendung.
 
Ob Jesus uns Erwachsenen mit seinem Handeln in dieser Geschichte einen Spiegel vorhalten will? Natürlich sollen wir uns nicht fahrlässig, unvorsichtig oder unweise verhalten. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass …
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