ERF Gottesdienst

Was soll das für ein Wunder sein?


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Sind Sie schon mal mit dem Bus nach Irland gefahren? Ich rate Ihnen dringend: Tun Sie es nicht. 36 Stunden lang mit mehreren Dutzend transpirierenden Teenagern in einem überladenen Reisebus zu kuscheln ist kein Erlebnis, das man sich später auf den Grabstein meißeln lassen möchte. Als wir nach dem Steißbeinmarathon endlich unser Freizeitheim in der westirischen Kleinstadt Tralee erreicht hatten, waren wir alle ziemlich am Ende. Aber wir mussten ja noch den ganzen Krempel aus dem Bus ausladen: Gepäck, Freizeitmaterial und natürlich die Kartons mit den Lebensmittelvorräten. Dabei stellte unsere Küchenchefin fest: Oh Schreck! Wir hatten die Kiste mit der Butter vergessen! Womit sollten wir nun morgens unsere Brötchen schmieren? Wie die maulenden Minderjährigen besänftigen? Mit sorgenvoller Miene räumten die Küchenmitarbeiterinnen die übrigen Vorräte ein. Dabei entdeckten sie einen Karton, der vergessen unter dem Küchentisch stand. Sie öffneten den Deckel – und staunten: Der Karton war bis oben hin gefüllt mit Butterpäckchen! Im Trubel des Aufbruchs hatte die Freizeitgruppe vor uns ihn offenbar vergessen. Damit war unser Frühstück gerettet! Rasant verbreitete sich die Kunde und die gesamte Freizeit feierte das „Butterwunder von Tralee“.
 
Müssen Wunder immer krass sein?
Aber darf man so etwas Profanes überhaupt als Wunder bezeichnen? Haben Wunder nicht eigentlich eine ganz andere Qualität? Sie sind etwas Göttliches, Unerklärliches, Ehrfurchtgebietendes! Dass wir auf der Freizeit unsere Nutella nun nicht auf nackte Brötchen, sondern auf eine zusätzliche geschmackstragende Fettschicht schmieren konnten, sorgte zwar für Freude, ließ uns aber auch nicht gerade vor Ehrfurcht zergehen. Mit Wunder verbinde ich normalerweise ganz andere Dinge. Ein Wunder war für mein Verständnis lange Zeit so etwas wie ein ausgestreckter Finger, der die Welt balanciert wie einen Basketball. Ein Ereignis, das – durchaus im wörtlichen Sinne – die Welt bewegt. Unsere Butterkiste hat aber lediglich unsere Teenie-Freizeit bewegt, und auch das nur für einige Minuten, ehe die zu erwartende hormonelle Achterbahn sie erst richtig in Fahrt brachte.
Wenn von Jesus und seinen Wundern die Rede ist, dann geht es meist um die krassen Naturgesetzesbrüche, die er sich am laufenden Band geleistet hat. Mit seiner Sturmstillung hätte er jeden gestandenen Meteorologen zum Weinen gebracht, beim Laufen übers Wasser jeden Physiker an seinem Verstand zweifeln lassen. Er hätte Ärzte mit seinen Wunderheilungen sprachlos gemacht und wäre Lazarus in einem heutigen Bestattungsunternehmen im Kühlraum gelagert worden, die Mitarbeiter dort hätten den Schreck ihres Lebens bekommen, wenn dieser plötzlich von innen gegen die Tür des Kühlraumes geklopft hätte! Solche Ereignisse, das sind Wunder. Keine vergessene Butterkiste. Oder?
 
Partywunder
In diesem Zusammenhang sei an das erste Wunder erinnert, das Jesus laut Johannesevangelium vollbracht hat. Jesus und seine Jünger amüsieren sich gerade auf einer Hochzeitsfeier, als seine Mutter ihn beim Partymachen zur Seite nimmt. Der Wein ist alle! Wie peinlich für den Gastgeber! Jesus, tu etwas! Jesus aber reagiert zunächst, so scheint es jedenfalls, unwirsch. „Meine Zeit ist noch nicht gekommen!“, sagt er seiner Mutter. Die aber lässt sich von der Abfuhr nicht beeindrucken. Offensichtlich weiß sie, welche Kräfte in ihrem Sohn schlummern. Sie weist die Diener an, das zu tun, was Jesus ihnen befiehlt. Und der hat sich offenbar breitschlagen lassen. Er lässt die Diener sechs große Steinkrüge mit Wasser …
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ERF GottesdienstBy ERF - Der Sinnsender