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Der Cletrac W 12-20 der Cleveland Tractor Company aus Cleveland, Ohio, wurde zwischen 1919 und 1932 in mehr als 17.000 Stück gebaut. Der wassergekühlte Weidely-OHV-Vierzylinder-Ottomotor mit 4,5 Liter Hubraum leistet im Fahrbetrieb 12 bis 15 PS und an der Flachriemenscheibe bis zu 25 PS. Diese breite Scheibe unter dem Kühler erlaubt es, das Gerät im Stand als Antriebsmaschine zu nutzen, etwa für eine Kreissäge, während drei Laufrollen und ein hochgezogenes E-Profil-Fahrgestell die Gliederketten tragen. Ein Doppeldifferenzial verändert die Drehzahl der Ketten über das Lenkrad so, dass beide Seiten auch in der Kurve angetrieben bleiben und die Fahrt gleichmäßiger und energiesparender wird. Petroleum oder Kerosin dient als Kraftstoff, das Fahrzeug wiegt etwa eineinhalb Tonnen und trägt ein gewölbtes Blechdach über dem ansonsten offenen Fahrersitz.
Link zur Episode über den Serpentinenweg.
Link zum YouTube-Video des Cletracs.
Link zur Episode über die barocken Sanitäreinrichtungen beim Theresia Horizont.
Link zur Episode über die Kerntragweiber.
Link zur Episode über den Kernmagazinplatz.
Zwischen den 1380er und 1420er Jahren entsteht der Typus der „schönen Madonna“ in einem engen europäischen Zeitfenster. Prag und Salzburg bilden die Zentren, von denen die Form weiterwandert. Im Salzkammergut steht eine verwandte Figur in der Pfarrkirche von Bad Aussee, mitten im Gefüge eines Rokoko-Seitenaltars. Die Hallstätter Madonna gehört in dieselbe Gruppe. Der Habitus folgt dem Kontrapost, den die griechische Klassik gegen die starre Symmetrie der archaischen Plastik gesetzt hatte. Ein Bein trägt die Last, das Standbein, während das andere entlastet bleibt, das Spielbein. Das Becken sinkt auf der entlasteten Seite ab. Damit der Körper nicht kippt, setzt die Wirbelsäule ab dem Brustbereich eine Gegenbewegung, und der Kopf neigt sich wieder zum Spielbein. So zeichnet sich in der Frontalansicht ein S-Schwung, den der weiche Stil sehr weit treibt. Das Jesuskind auf dem Arm verschiebt das Gewicht noch einmal. Die Ruhe kommt nicht aus der Symmetrie, sondern aus der Ponderation, also aus der gleichmäßigen Verlagerung der Lasten. Die Figuren bleiben etwa halblebensgroß und sind farbig gefasst, in Rot, Blau und leichter Vergoldung am Saum. Nach rund 600 Jahren hat die UV-Strahlung diese Leuchtkraft gemindert. Das Gewand liegt in Muldenfalten, Schüsselfalten und Röhrenfalten. Durch die textile Oberfläche bleibt der Körper spürbar, das Kind dagegen ist unbekleidet. Gesicht, Hände und der Körper des Kindes tragen ein mildes Inkarnat. Die Stirn der Madonna ist hoch, die Nase schmal, der Mund klein. Somit wird die Skulptur zum Andachtsbild, in dem die Mütterlichkeit den Bezug zur Madonna trägt.
Das älteste Gewölbe in Hallstatt ist das Tonnengewölbe des Beinhauses. Es hat die Gestalt eines liegenden Kreiszylinders und ist im Regelfall als Halbkreis geschlagen. Entstanden ist es in der Romanik, etwa im 13. oder 14. Jahrhundert, über einer Schalung aus Brettern, die als Negativform die Wölbung vorgab. Wassersägen sind im Ort erst in den 1520er Jahren nachweisbar. Zuvor wurde das Bloch von Hand über einer Sägegrube Brett für Brett gesägt. Auf die abgestützte Schalung kam entweder ein Mörtelbett, in das kleines Bruchsteinmaterial gedrückt wurde. Die Zwischenräume wurden mit Kalkmörtel ausgefugt. Oder der Bruch lag möglichst dicht auf und erhielt danach einen dünnen Mörtelguss. Beides lässt sich am fertigen Gewölbe kaum noch unterscheiden. An der Gusshaut bleiben die Fugen der Schalbretter als leichte Grate, und mitunter zeichnet sich sogar die Holztextur ab. Beim Brechen des anstehenden Kalks zum Felsen hin fallen Abschläge und Hauklein an, die für Haustein zu unbrauchbar sind und in dieser Gusstechnik dennoch tragen. So geht das gesamte Material des Abbaus in den Bau. Die römische Gussmasse Opus Caementitium stand in der Romanik nicht mehr zur Verfügung. Ihr waren Ziegelmehl und vulkanische Aschen als Puzzolane zugesetzt gewesen, sodass sie auch durch Wasseraufnahme härtete.
Weil die Soleerzeugung im Bergwerk so teuer war und bei der Soleleitung immer wieder Sole verlorenging, entstanden zwischengeschalteteZwischenspeicher. Bei jeder Sulzstube wurde gemessen und dokumentiert, wie viel Sole von oberhalb eintrat und wie viel nach unterhalb weitergeleitet wurde. Diese Kontrollmessung hieß Zimentierung und oblag eigenen Zimentierern. Nachrichten über ein Gebrechen liefen nur so schnell wie ein Fußgänger, sodass die Pippen in den Wehren der Laugwerke erst verspätet geschlossen werden konnten. Infolgedessen brauchte jede Strecke ein Reservevolumen, das die weiter auslaufende Sole auffing, bis der Zulauf oben stand. Das zuverlässigste Maß war das volle, zuvor berechnete Fassungsvermögen von etwa hundert Kubikmetern, während Messstab, Schwimmer und Zimentiertröge nur ungefähre Werte lieferten. Vor den Sudpfannen wurde wiederum über das Befüllen von Sulzstuben die genaue Solenmenge ermittelt, welche in die Sudpfanne eingelassen wurde, um die Ausbeute an Siedesalz bewerten zu können.
Link zur Landingpage mit der Transkription des historischen Textes und Zeichnungen der Sulzstube.
Weiterführende Informationen zu den Resten der Sulzstube am Ahnlberg.
Weiterführende Informationen zur Soleleitung.
Der im tourismuswissenschaftlichen Diskurs geläufige Begriff der Destination bezeichnet nicht nur den geographischen Bestimmungsort einer Reise, sondern enthält etymologisch zugleich auch die Bedeutung des Schicksals. Für Hallstatt erweist sich der Tourismus in dieser doppelten Semantik als schicksalshaft, insofern der Ort durch die touristische Nachfrage nicht nur zu einer global wahrgenommenen Marke, sondern zu einem Fall geworden ist, an dem strukturelle Dynamiken des Tourismus in verdichteter Form modellhaft sichtbar und analysierbar werden. Hallstatt fungiert hierbei als prototypische Destination an der sich zukünftige, große Entwicklungslinien, die über den lokalen Fall hinausweisen, ablesen lassen.
Bereits in der Bronzezeit entwickelte sich Hallstatt zu einer Frühform eines europäischen Handelszentrums, dessen wirtschaftliche Basis auf dem Abbau und dem Export von Salz beruhte. In der beginnenden Neuzeit verdichtete sich diese Funktion zu einer Single-Factory-Town, in der der gesamte Lebens- und Wirtschaftsvollzug dem Salz untergeordnet war, wobei diese protoindustrielle Produktion über Jahrhunderte eine der zentralen Einkunftsquellen der Habsburgermonarchie bildete. Jedoch setzte bereits ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts, wegen der sich verkappenden Energieressourcen, ein Deindustrialisierungsprozess ein, der mit der endgültigen Stilllegung der Salzsud in der Mitte des 20. Jahrhunderts abgeschlossen war. Parallel dazu löste im Zuge der Aufklärung die Änderungen des allgemeinen Naturverständnisses eine Tourismusbewegung aus, die durch Reiseschriftsteller, wie etwa Alexander von Humboldt, propagiert wurde und noch in 18. Jahrhundert entstanden in der Region die ersten Sommerhäuser von Angehörigen der urbanen Oberschicht. In weiterer Folge etablierte sich im 19. Jahrhundert die Sommerfrische, wovon immer noch die erhaltenen Villen zeugen. Die Maßstäblichkeit und die Formensprache dieser Bauten, markierten aber auch die gesellschaftliche Dominanz der Herrschaften gegenüber den kleineren und einfacheren Häusern der lokalen Bautradition.
Diese prototypische Entwicklung von einem Industrieort zu einer Tourismusdestination war dabei nicht allein das Ergebnis politischer Entscheidungen, sondern wurde vielmehr durch die veränderten wirtschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen getrieben. Der industrielle Charakter des Ortes und die Kulturlandschaft der Salzproduktion gingen letztendlich mit dem Abbruch vieler technischer Baudenkmäler allmählich verloren. Das pittoreske Ortsbild von Hallstatt, eingebettet in eine idyllische Naturlandschaft stehen nun idealtypisch für Österreich, was die Bildersuche bei Google mit dem Suchbegriff „Austria“ belegt.
Seit dem 16. Jahrhundert steuert die Seeklause den Wasserstand des Hallstättersees und der Traun. Hochwasser und Geschiebe haben das technische Denkmal stark beansprucht. Ein Klaustor wurde aus seinem Lager gerissen, weil die Konstruktion durch langjährige Geschiebebelastung abgenutzt war. Nun legt man die Klausstuben mit Spundwänden trocken und erneuert sie baugleich. Die Piloten der steingefüllten Klausstuben stecken nur ein bis zwei Meter tief im Grund. Dieses einfache Prinzip hält dennoch dem Wasserdruck stand. Ein dendrochronologisch auf 1721 datierter Torbaum beweist die lange Haltbarkeit von Tannenholz, das sich ständig unter Wasser befindet.
Die langfristige Erhaltung hängt vor allem von den Handwerkern ab, die das Bauwerk kennen und pflegen. Ihre Kompetenz sichert die traditionellen Techniken und erlaubt sinnvolle Anpassungen. An kritischen Stellen unter Wasser ersetzen lange Vollgewindeschrauben die geschmiedeten Nägel und erhöhen den Auszugswiderstand. Authentizität bedeutet hier nicht die unveränderte materielle Substanz, sondern die fortgeführte Tradition der Instandhaltung mit gleichartigen Baustoffen und Handwerkstechniken.
Link zur Episode über die Baugeschichte und Funktionsweise der Seeklause.
Link zur Episode mit der Klausmeisterin Trausner.
Link zur Episode mit dem Hammerschmied Atzmansdorfer.
Weiterführende Informationen zur Seeklause.
Die Dachneigung entstand über Jahrhunderte aus den äußeren Rahmenbedingungen einer regenreichen Region im Nordstau der Alpen, wo der Schutz vor Niederschlag elementare Notwendigkeit ist. Je steiler die Fläche, desto rascher konnte das Wasser ablaufen, doch zugleich begrenzte das lokal verfügbare Deckungsmaterial die möglichen Formen. Während ackerbaulich geprägte Gegenden langhalmiges Stroh nutzten und damit steilere Dächer banden, die zugleich als Bergeraum dienten, erzwang das innere Salzkammergut mit knappen Flächen und forstwirtschaftlicher Priorität die Holzdeckung aus gespaltenen Schindeln. Deren Befestigung auf steileren Flächen setzte jedoch eiserne Nägel voraus, die lange kostbar blieben; so herrschten Legdächer mit geringen Neigungen von fünfzehn bis achtzehn Grad vor, bei denen die Schindeln lediglich aufgelegt und mit Latten sowie Steinen beschwert wurden, was wiederum die Feuchtigkeitsbelastung und den Verfall beschleunigte.
Mit der Ausweitung der Salzwirtschaft und der kostengünstigen Herstellung geschmiedeter Nägel wurden steilere Konstruktionen möglich, zunächst als gelagerte Dächer um vierzig Grad und später durch das aus dem Norden kommende Sparrendach, das konstruktiv steilere Neigungen begünstigte und den älteren Pfettendachstuhl ablöste. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ordnete die Saline die Aufsteilung flacher Legschindeldächer an, um Holz zu sparen, und der Bahnanschluss eröffnete schließlich den Zugang zu vielfältigen Materialien und damit auch Neigungen. Diese wirtschaftshistorische Entwicklung erzeugte ein Nebeneinander unterschiedlicher Formen, das bisweilen das gewachsene Gesamtgefüge stört und daher eine bewusste Besinnung auf die baukulturelle Tradition verlangt, damit künftige Dachneigungen sich möglichst harmonisch in den vorhandenen Bestand einfügen.
Link zur Episode über Holzdeckungen.
Die Wahl zwischen einer parallel zu den Kardinalrichtungen ausgerichteten oder um fünfundvierzig Grad gedrehten Positionierung eines quadratischen Grundrisses ergibt sich aus der Absicht, die jeweiligen Vorteile der Besonnung für die unterschiedlichen Jahreszeiten zu optimieren. Bei einer parallelen Stellung entstehen klar voneinander unterschiedene Fassaden, von denen die Südfassade im Winterhalbjahr auch bei niedrigem Sonnenstand noch passive Wärmegewinne ermöglicht, während die Nordfassade vollständig im Schatten liegt. Die gedrehte Variante hingegen bewirkt durch die Ausrichtung der Diagonalen auf die Haupthimmelsrichtungen, dass im Sommerhalbjahr, wenn die Sonne infolge der Sonnendeklination nördlich des Ostpunkts aufgeht und untergeht, alle vier Fassaden zu verschiedenen Zeiten des Tages Licht empfangen und keine Seite einer übermäßigen Erwärmung ausgesetzt ist. Diese Entscheidung wird daher von den klimatischen Bedingungen alpiner Regionen bestimmt, in denen die winterliche Sonne ohnehin rar ist, und von dem Bestreben, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen energetischer Effizienz und gleichmäßiger Raumbeleuchtung herzustellen.
Die Notwendigkeit, exakte Himmelsrichtungen unabhängig von den Schwankungen des magnetischen Nordpols festzulegen, führt zur Entwicklung spezifischer Verfahren, die sowohl der historischen Datierung von Bauvorhaben als auch der Sicherheit im Bergbau dienen. Durch die Anwendung sphärischer Trigonometrie in Verbindung mit der Ermittlung von Höhendifferenzen und Geländekanten kann der Zeitpunkt bestimmt werden, zu dem der Sonnenaufgang in einer bestimmten Achsrichtung erfolgt, was Rückschlüsse auf den möglichen Termin der Grundsteinlegung zulässt und bevorzugte Baubeginne im Frühjahr nahelegt. Im Vermessungswesen des untertägigen Abbaus wiederum ermöglicht die Einrichtung einer Mittagslinie durch Beobachtung des Sonnenhöchststands die präzise Bestimmung der aktuellen magnetischen Deklination, die durch die Bewegungen im flüssigen Erdkern hervorgerufen wird und Abweichungen von bis zu fünfzehn Grad verursachen kann; diese Korrektur stellt sicher, dass Stollen und Laugwerke ohne Kollisionen vorangetrieben werden können und gewährleistet damit die langfristige Funktionsfähigkeit komplexer unterirdischer Infrastrukturen.
Weiterführende Informationen zum Rudolfsturm.
Link zur Episode über die Sonnenuhr im Tremischen.
Link zur Episode über die Sonnenuhr am Museum.
Der Beginn des 16. Jahrhunderts markierte den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, eine Epoche beschleunigter Veränderungen, in der der Erwerb neuer Absatzgebiete für das Salz die Schaffung effizienter Transportwege erforderlich machte und dabei den Binnenwasserstraßen besondere Bedeutung zukam.
In dieser Phase erwies sich das aus forst- und wasserbaulicher Praxis gespeiste Erfahrungswissen als unverzichtbar, da die komplexen Anforderungen an die Gestaltung und Regulierung von Wasserläufen ein Verständnis verlangten, das über abstrakte Modelle hinaus die konkreten Bedingungen von Strömung, Gefälle und Materialverhalten einbeziehen musste. Die Ursachen für diese Aufwertung des praktischen Wissens lagen in der wirtschaftlichen Dynamik der Zeit: Die Erschließung erweiterter Märkte für ein hochwertiges Handelsgut setzte leistungsfähige und kosteneffiziente Transportlösungen voraus, für deren Realisierung theoretische Kenntnisse allein nicht ausreichten. Der gesellschaftliche Umbruch begünstigte zudem eine Öffnung der Entscheidungsstrukturen, in der sich angewandtes Können gegenüber rein scholastischem Wissen behaupten konnte und in die Realisierung staatlicher Großvorhaben vorantrieb.
Der durch solche Expertise ermöglichte soziale Aufstieg schuf einerseits neue administrative Strukturen, in denen erfahrene Praktiker mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet wurden und teilweise in den Adelsstand erhoben wurden, was die Entstehung einflussreicher Positionen in der Forst- und Wasserbauverwaltung begünstigte. Andererseits traten in diesem Prozess Spannungen zutage, wenn die Konzentration von wirtschaftlicher Macht und Aufsichtsfunktionen in denselben Händen zu Interessenkonflikten führte und Kritik von seiten etablierter Adelsfamilien hervorrief. Die Behörden reagierten auf diese Dynamiken mit einer Mischung aus Abhängigkeit und Kontrolle: Sie gewährten den bewährten Experten großzügige Ruhestandsregelungen, die teilweise an die Weitergabe von Wissen geknüpft waren.
Link zur Episode über die Seeklause in Steeg.
Link zur Episode über die Salzindustrie um 1500.
Link zur Episode über die Salz-Küfel.
Link zur Episode über die Salz-Fertiger.
Link zur Episode über die Epitaphien.
In Zeiten des Überflusses verliert das Ererbte rasch an Wert, wird zerstört und weggeworfen, während in Zeiten materieller Not die lange Nutzung und die Wiederverwendung der Regelfall sind. Auf dieser Haltung basiert die Denkmalpflege. Ein anschauliches Beispiel bildet ein monolithischer Granit-Gullyschacht, dessen quadratische Öffnung mit umlaufender Nut händisch aus einem Steinblock herausgearbeitet worden sind. Die Scharniere des Deckels sind eingebleit, womit die Verbindung einerseits dauerhaft haltbar ist, andererseits aber auch bei Bedarf durch Erwärmen des Bleis zerstörungsfrei lösbar ist.
Vor dem Südportal der katholischen Kirche in Hallstatt liegen drei große Platten aus Buntkalkstein der Sorte Adneter-Rot. Sie messen etwa 2,40 mal 1,20 Meter, und waren ursprünglich Epitaphien die nun in Zweitverwendung als Pflasterung verlegt sind. Die Witterung hat die ehemals polierte Oberfläche leicht aufgeraut, was einen Mattscheibeneffekt bewirkt, bei dem die Farben des Steins heller erscheinen. Durch das Begehen der Platten im Laufe von Jahrhunderten wurden Inschrift und Bildnis abgerieben, sodass die Erinnerung an die ursprünglich dargestellte Person und die Funktion des Epitaphs nicht mehr erkennbar sind und die materielle Substanz endgültig die neue Bedeutung als Pflasterung angenommen hat. Als Folge solcher Wiederverwendungen bleibt zwar die materielle Substanz in hohem Maße erhalten, die Information geht dabei aber zum Teil verloren. Das Erbe wandelt sich und bleibt dadurch lebendig.
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