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Ich hatte keine sehr glückliche Kindheit. Ich wuchs mit neun Geschwistern auf und wir erfuhren außer Hunger und Schläge wenig Gutes. Umso glücklicher war ich, als ich Klaus kennenlernte und wir eine kleine Familie gründeten, mit unserem Sohn Alfred. Unser Leben plätscherte mit vielen Höhen und Tiefen so dahin, ich war zufrieden, so wie es war.
Der Krebs schlägt zu
Doch als unser Sohn mit 19 Jahren an Krebs erkrankte, verstand ich die Welt nicht mehr. Die Ärzte machten uns wenig Hoffnung, die Prognosen für meinen Sohn waren schlecht.
In meinem Inneren kam so ein großer Hass gegen Gott, gegen meine Eltern, die früher nicht für mich da waren und der ganzen Welt in mir auf. Ich dachte nur noch daran, dass ich so nicht mehr leben will, weil ich ohne meinen Sohn in dieser Welt nicht glücklich werden konnte. In meinem Kopf schmiedete ich den Plan, unser aller Leben zu beenden, keiner sollte allein zurückbleiben.
Gedanken an Selbstmord
Alfred war ein ungewöhnlicher junger Mann. Schon früh hatte er sich für das Thema Glauben interessiert, obwohl mein Mann und ich mit Kirche wenig anfangen konnten. Während ich an seiner Krebs-Diagnose verzweifelte, betete er voller Gottvertrauen. Es machte mich rasend. In dieser Zeit kamen auch die Verletzungen der Vergangenheit immer wieder in mir hoch: Die Gewalt, die ich durch meine Mutter erlebt hatte. Sie hatte uns Kinder schrecklich behandelt, und ich sollte jetzt meinen einzigen Sohn, den ich über alles liebte, verlieren?
In meiner Wut war ich kurz davor, einen Autounfall zu provozieren, um unser aller Leben zu beenden. Ich fuhr rechts ran, konnte nicht aussteigen, so habe ich gezittert. Als mein Mann verstand, was mir durch den Kopf gegangen war, zog er mich aus dem Auto und schrie mich an: „Das ist nicht die Lösung!“ Ich konnte nicht mehr.
Unser Alfred starb drei Monate später mit 20 Jahren.
Der Kampf mit den Depressionen
Neun Jahre lang quälten mich Trauer und Depressionen. Nachts plagten mich fürchterliche Alpträume. Meine Erinnerungen an Alfred drängten mich, auf die Suche nach Gott zu gehen. Ich wollte den Glauben kennenlernen, den unser Sohn Alfred hatte.
Mein Kopf, meine Gedanken, wussten nicht mehr weiter. Wo war der Gott, den ich so sehr hasste? Wo konnte ich den Glauben finden, der mir angeblich helfen sollte? Der nur Gutes bringt? Ich war äußerst skeptisch.
Mein Kopf, meine Gedanken, wussten nicht mehr weiter. Wo war der Gott, den ich so sehr hasste? Wo konnte ich den Glauben finden, der mir angeblich helfen sollte?
Eine Nachbarin lud mich in der Zeit in eine freie christliche Gemeinde ein, die mir Heimat wurde. Ich war sehr vorsichtig, sehr zurückhaltend, hat man doch immer von Sekten gehört. Doch meine Befürchtungen bestätigten sich nicht.
Vielmehr fühlte ich mich nach kurzer Zeit sehr wohl in dieser Gemeinde, wollte wirklich mit offenem Herzen Gott finden und mir gefiel, was ich da hörte. Es berührte mein Herz, ich weinte viel und lange, doch es gab immer noch eine Sperre in mir. Trotzdem blieb ich dran und kaufte mir eine Bibel. Ich wollte mehr wissen.
Ein Schweres Gewicht im Herzen
Nach einem Jahr wurde in der Gemeinde ein Wochenend-Seminar angeboten. Das Thema: „Vergebung“. Erst wollte ich nicht hingehen, was sollte ich da? Mein Problem war doch die Trauer um Alfred, nicht die Vergebung! Doch eine innere Stimme sagte mir, dass ich hingehen sollte.
Wir arbeiteten den ganzen Tag mit Lehrmaterial. Darin fanden sich Aussagen aus der Bibel, aber auch psychologische Ansätze. Außerdem standen dort Erfahrungsberichte von Menschen, …