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Jesus ist bekannt für seine Heilungswunder. Aber kennen Sie eigentlich auch sein Tele-Wunder? Hier kommt die Geschichte:
Eines Tages, er ist gerade wieder in seiner Heimat Galiläa angekommen, bekommt Jesus Besuch von einem königlichen Beamten. Der Mann ist verzweifelt, weil sein Sohn im Sterben liegt. Jesus, inzwischen überregional bekannter Wundertäter, ist seine letzte Hoffnung. Er fleht Jesus an, mit ihm nach Kapernaum zu kommen, um das Kind zu retten. Jesus aber seufzt nur: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder zu sehen bekommt, glaubt ihr nie!“ Der verzweifelte Vater bleibt hartnäckig. „Herr, bitte komm mit, bevor mein Kind stirbt!“ Und in diesem Moment geschieht das Tele-Wunder: „Du kannst beruhigt nach Hause gehen“, sagt Jesus. „Dein Sohn ist gesund!“ Der Beamte glaubt ihm. Er hört auf, Jesus zu bedrängen, mit ihm zu gehen, sondern macht sich auf den Heimweg. Sein Vertrauen wird belohnt. Noch auf dem Weg laufen ihm seine Diener entgegen und berichten ihm aufgeregt, dass das Kind wieder gesund sei. Es sei ihm genau zu der Stunde wieder bessergegangen, als sein Vater mit Jesus gesprochen hat. (Nach Johannes 4,46-53).
Wieso, weshalb, warum?
Wie in so vielen Berichten, in denen Jesus Wunder tut, fällt eine Sache ganz besonders auf: Es fehlen Informationen. Viele Informationen, die ich gerne gewusst hätte. Warum, zum Beispiel, reagiert Jesus oft so unwillig, wenn er um ein Wunder gebeten wird? Warum lässt er sich dann doch überreden? Was weiß der Beamte über Jesus, dass er darauf vertraut, dass seine Worte die Macht haben, den Tod beiseite zu wischen? Und, natürlich: Wie macht Jesus das eigentlich? Wie funktionieren diese wundersamen Kräfte, mit denen er Dinge tut, die nach unseren Beobachtungen und Erfahrungen nicht möglich sind? Warum ist es auch heute, wo wir in einer „Wissensgesellschaft“ leben, überhaupt noch legitim, an Wunder zu glauben? Wo doch bekannt ist, dass die Menschen damals einfach alles, was sie nicht verstanden haben, als göttliches Eingreifen bezeichnet haben?
Es gibt keine Wunder
Ich behaupte ja: Wunder gibt es nicht. Wunder sind einfach nur ein Mangel an Information. Denn es kommt auf die Perspektive an, aus der man ein Geschehen betrachtet. Aus der Perspektive eines Hundes mag es ein Wunder sein, dass ein Auto fährt, denn ein Hund versteht nichts von Mechanik und Elektronik. Er sieht das Ergebnis, aber ihm fehlen die Informationen darüber, was genau passiert, damit sich das Auto in Bewegung setzt. Vielleicht ist ihm nicht einmal klar, dass dieser komische rollende Kasten das Werk von Menschen wie seinem Herrchen ist. Der Hund kann das Ganze jedoch entspannt sehen, denn sehr wahrscheinlich macht er sich gar keine Gedanken darüber, warum ein Auto fährt, und was da vor seinen Augen geschieht. Ihm fehlt dafür das nötige logisch-abstrakte Denkvermögen.
Wunder gibt es nicht. Wunder sind einfach nur ein Mangel an Information. Denn es kommt auf die Perspektive an, aus der man ein Geschehen betrachtet.
​Das Prinzip lässt sich auch auf den Menschen übertragen. Wir erleben etwas, das den durch unsere Beobachtungen aufgestellten Naturgesetzen oder zumindest unserer Erfahrung entgegenläuft – und wundern uns darüber. Wir sind da eine Stufe weiter als der Hund, denn wir fragen aktiv nach dem Warum. Wir versuchen, die Gründe für das Geschehen herauszufinden, da wir neugierige Wesen sind. Leider aber sind auch unsere intellektuellen Kapazitäten begrenzt. Das ist für uns wissbegierige und recht eitle Spezies Homo sapiens natürlich ärgerlich. Da tragen wir das Attribut „wissend“ schon in unserer …