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WW2 - Menschlichkeit


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Die B-17 mit dem Spitznamen Ye Olde Pub gehörte zur 379th Bomb Group und war auf dem britischen Flughorst Kimbolton stationiert. Am 20. Dezember 1943 sollte die Maschine als Teil eines Verbandes das Focke-Wulf-Werk bei Bremen angreifen.[3] Es war 2nd Lt. Browns erster Einsatz als Pilot und Bomberkommandant der Gruppe.

Bei dem Angriff wurde die Maschine von Flugabwehrfeuer erheblich beschädigt. Ein Motor fiel aus, ein weiterer wurde beschädigt, so dass die Maschine Fahrt und Höhe nicht mehr halten konnte und hinter die übrigen Flugzeuge der Formation zurückfiel. Dies machte den Bomber zu einem leichten Ziel für weitere Angriffe deutscher Jäger, die die B-17 schwer beschädigten, den Heckschützen töteten und fast alle übrigen Besatzungsmitglieder verwundeten. Brown war an der Schulter verletzt und war wegen der beschädigten Sauerstoffversorgung zeitweise bewusstlos geworden.[4] Der Bomber war von der Luftwaffe als zerstört verbucht und als Abschuss Leutnant Ernst Süß zugeschrieben worden. Dieser überlebte den Jagdeinsatz nicht, sein Jagdflugzeug wurde im Gefecht beschädigt. Süß verließ die Maschine in der Luft und sprang ab, dabei versagte sein Fallschirm.[5]

Franz Stigler bemerkte die sehr tief fliegende Maschine vom Boden aus. Er stand neben seiner Bf 109 am Fliegerhorst Jever (nahe Oldenburg) während die Maschine aufgetankt und aufmunitioniert wurde. Sofort kletterte er in seine Messerschmitt, stieg auf und folgte dem Bomber. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 29 Luftsiege errungen, ein weiterer fehlte ihm noch zum Ritterkreuz.[6] Er näherte sich dem Bomber von hinten, außerhalb der Schusslinie des Heckschützen, wunderte sich allerdings über das Ausbleiben des Abwehrfeuers. Dann erkannte er die Schäden: Eine Tragfläche war durchschossen, ein Höhenruder war weggeschossen und das zweite beschädigt. Den Heckschützen erkannte er in der Glaskanzel – zusammengesunken und leblos. Der Rumpf war teilweise aufgerissen. Durch die großen Löcher sah er den Rest der Besatzung zusammengekauert im Inneren. Dann erkannte er den Piloten, ebenfalls verwundet, wie er damit kämpfte, die Maschine in der Luft zu halten. Stigler griff die Maschine nicht an,[7] denn die Lage der Besatzung sei vergleichbar mit jener abgesprungener Besatzungsmitglieder. Deren Tötung wurde in Fliegerkreisen, bei Freund und Feind, als unehrenhaft bewertet.

Stattdessen flog er im engen Verbandsflug neben der feindlichen Maschine her, nahm Blickkontakt mit dem Piloten Brown auf. Er wusste, sein Verhalten konnte als Verrat mit dem Tod bestraft werden. Daher wollte er die Amerikaner mit Handzeichen zur Landung bewegen, was aber vom Kommandanten Brown nicht verstanden oder abgelehnt wurde.[6] Auch Stiglers Vorstellung, der Bomber könnte im neutralen Schweden landen, konnte er dem feindlichen Piloten nicht vermitteln.[4]

Spätestens an der Küste wäre der Bomber von der dortigen starken Flak abgeschossen worden. Doch wegen des engen Formationsflugs mit einer deutschen Maschine genoss die B-17 eine Art Schutzstatus. Die Luftwaffe setzte nämlich auch erbeutete Flugzeuge ein, und ein solcher gemeinsamer Flug einer Bf 109 mit einer B-17 erschien den Flak-Schützen am Boden zwar ungewöhnlich, aber nicht völlig abwegig.[8] Zwischenzeitlich ließ Brown, der der Situation gegenüber immer noch misstrauisch war, ein Maschinengewehr auf Stiglers Bf 109 ausrichten. Nachdem beide Flugzeuge die offene Nordsee erreicht hatten, salutierte Stigler zu Brown, drehte ab und landete auf dem Fliegerhorst Bremen-Neuenlanderfeld.[9] Die Ye Olde Pub landete in Norfolk.

Brown meldete den Vorfall sofort seinem Vorgesetzten und wurde zu Stillschweigen verpflichtet. Auch Stigler schwieg, erzählte niemandem außer seiner Frau von der Begegnung.[4][6] Erst im Sommer 1990 weihte er seinen ehemaligen Commodore Adolf Galland ein. Dessen Reaktion: „Das sieht Dir ähnlich.“[10]

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