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Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, Antworten zu bekommen.
In dieser Folge geht es um eine der womöglich größten menschlichen Errungenschaften: das Internet. Anfangs wurde es bejubelt als Raum grenzenloser Meinungsfreiheit, der weltweit Demokratiebestrebungen befördern würde. Die Realität heute ist eine andere: Social-Media-Plattformen wie X und Instagram dominieren den digitalen Raum, ihre Algorithmen belohnen Aufregung, während Fake-News, Hass und Hetze nur zögerlich oder gar nicht eingedämmt werden.
Hat sich die Demokratie-Maschine Internet ins Gegenteil verkehrt? Zerstört das Internet die Demokratie – das fragen wir dieses Mal bei "Nur eine Frage" den Psychologen und Entscheidungsforscher Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er beschäftigt sich seit rund fünf Jahren mit den Auswirkungen der Digitalisierung und der sozialen Medien auf die Demokratie – eine Zeit, in der ein Großteil der Forschung hierzu erst entstanden ist.
Die Forschung zum Thema ist schwierig: Zum einen lassen sich in der Realität im Vergleich zu Laborbedingungen viel schlechter belastbare Experimente durchführen. Zum anderen ließen die Betreiber der Plattformen kaum unabhängige Forschung zu ihren Effekten zu – sie halten die Algorithmen unter Verschluss, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen digitalen Medien und demokratischen Gesellschaften sind zudem komplex, betont Hertwig. Sich ihre Einflüsse auf demokratische Prozesse anzusehen, sei aber dennoch wichtig – gerade weil sie so verschiedenartig sind.
Laut einer Metaanalyse von Hertwig und seinem Forschungsteam können digitale Medien sowohl positive als auch negative Effekte auf Demokratien haben. Positiv wirkt sich offenbar aus, dass Menschen sich Wissen aneignen, politisch teilhaben und unterschiedliche Meinungen kennenlernen können. Zugleich korreliere das Aufkommen digitaler Medien allerdings auch mit Vertrauensverlust in Institutionen, wachsender Polarisierung sowie mehr Hass und Fehlinformationen.
Dennoch: Man könne die aktuellen Krisen der Demokratie nicht ausschließlich mit sozialen Medien erklären, sagt der Forscher. Hertwig hebt bestimmte Geschäftsmodelle der großen Plattformen hervor. Ihre Algorithmen, die nach der Logik der sogenannten Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren, könnten demokratieschädliche Effekte fördern und extreme Positionen und polarisierende Inhalte favorisieren.
Wenn Realitäten verzerrt, Menschen getäuscht und Filterblasen gefördert werden, um Nutzerinteraktionen zu steigern, schade das der Demokratie, sagt Hertwig.
Trotz allem plädiert Hertwig für Optimismus. Maßnahmen wie digitale Bildung, Förderung kritischer Denkweisen und kluge Regulierung der Plattformen könnten negative Effekte eingrenzen.
Produktion: ifbbw
Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh
Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an [email protected].
By DIE ZEITIm neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, Antworten zu bekommen.
In dieser Folge geht es um eine der womöglich größten menschlichen Errungenschaften: das Internet. Anfangs wurde es bejubelt als Raum grenzenloser Meinungsfreiheit, der weltweit Demokratiebestrebungen befördern würde. Die Realität heute ist eine andere: Social-Media-Plattformen wie X und Instagram dominieren den digitalen Raum, ihre Algorithmen belohnen Aufregung, während Fake-News, Hass und Hetze nur zögerlich oder gar nicht eingedämmt werden.
Hat sich die Demokratie-Maschine Internet ins Gegenteil verkehrt? Zerstört das Internet die Demokratie – das fragen wir dieses Mal bei "Nur eine Frage" den Psychologen und Entscheidungsforscher Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er beschäftigt sich seit rund fünf Jahren mit den Auswirkungen der Digitalisierung und der sozialen Medien auf die Demokratie – eine Zeit, in der ein Großteil der Forschung hierzu erst entstanden ist.
Die Forschung zum Thema ist schwierig: Zum einen lassen sich in der Realität im Vergleich zu Laborbedingungen viel schlechter belastbare Experimente durchführen. Zum anderen ließen die Betreiber der Plattformen kaum unabhängige Forschung zu ihren Effekten zu – sie halten die Algorithmen unter Verschluss, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen digitalen Medien und demokratischen Gesellschaften sind zudem komplex, betont Hertwig. Sich ihre Einflüsse auf demokratische Prozesse anzusehen, sei aber dennoch wichtig – gerade weil sie so verschiedenartig sind.
Laut einer Metaanalyse von Hertwig und seinem Forschungsteam können digitale Medien sowohl positive als auch negative Effekte auf Demokratien haben. Positiv wirkt sich offenbar aus, dass Menschen sich Wissen aneignen, politisch teilhaben und unterschiedliche Meinungen kennenlernen können. Zugleich korreliere das Aufkommen digitaler Medien allerdings auch mit Vertrauensverlust in Institutionen, wachsender Polarisierung sowie mehr Hass und Fehlinformationen.
Dennoch: Man könne die aktuellen Krisen der Demokratie nicht ausschließlich mit sozialen Medien erklären, sagt der Forscher. Hertwig hebt bestimmte Geschäftsmodelle der großen Plattformen hervor. Ihre Algorithmen, die nach der Logik der sogenannten Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren, könnten demokratieschädliche Effekte fördern und extreme Positionen und polarisierende Inhalte favorisieren.
Wenn Realitäten verzerrt, Menschen getäuscht und Filterblasen gefördert werden, um Nutzerinteraktionen zu steigern, schade das der Demokratie, sagt Hertwig.
Trotz allem plädiert Hertwig für Optimismus. Maßnahmen wie digitale Bildung, Förderung kritischer Denkweisen und kluge Regulierung der Plattformen könnten negative Effekte eingrenzen.
Produktion: ifbbw
Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh
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