Christoph predigt

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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.

14 Es ist wie damals bei Mose, als er in der Wüste den Pfahl mit der Schlange aufgerichtet hat. So muss auch der Menschensohn erhöht werden,  15 damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.  16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab. Jeder, der an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.  17 Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er sie verurteilt. Vielmehr soll er die Welt retten.  18 Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt. Wer aber nicht glaubt, ist schon verurteilt. Denn er hat nicht an den geglaubt, der Gottes einziger Sohn ist.  19 So geschieht die Verurteilung: Das Licht ist in die Welt gekommen. Aber die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht. Denn ihr ganzes Tun war böse.  20 Jeder, der Böses tut, hasst das Licht. Er tritt nicht ins Licht, damit seine Taten nicht herauskommen.  21 Wer sich bei dem, was er tut, nach der Wahrheit richtet, tritt ins Licht. Seine Taten sollen bekannt werden, denn Gott selbst bestimmt sein Handeln.«  (Johannes 3,14-21)

Aus dem Johannesevangelium. Aus dem dritten Kapitel.

Es ist Nacht. Die Hektik des Tages ist vergangen. Die Arbeit (hoffentlich) getan. Stille legt sich über das Land. Nach und nach verlöschen die Lichter in den Häusern. Die Menschen legen sich zur Ruhe. Sie betten sich weich, um den angestrengten Körpern Entspannung zu verschaffen. Sie schließen die Augen, um dem angestrengten Geist Erholung zu geben. Vielleicht noch ein stilles Gebet: "Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, HERR, hilfst mir, dass ich sicher wohne." (Psalm 4,9). Amen.

Nicht jeder kann ruhig schlafen in dieser Nacht. Unruhig wälzt er sich hin und her. Die Gedanken hören nicht auf zu kreisen. Die Probleme, die der Lärm des Alltags noch übertönen konnte, werden plötzlich laut und unausweichlich. Auf seiner Matratze ist er damit ganz allein. Kein banales Gespräch, das ablenken kann von dem, was ihm keine Ruhe lässt. Niemand, der ihm zuhört. Niemand, bei dem er abladen kann. Die Schatten der Nacht legen sich über das Bett, wie die Schatten des Vergangenen über das Leben. Im Dunkeln wird alles noch viel deutlicher. Wenn er die Augen schließt, sieht er nicht schwarz, sondern Bilder. Schreckliche Bilder.

Es ist die dunkle Nacht der Seele. In dieser Nacht fühlt er sich verloren und allein. Die Dunkelheit scheint seine Ängste und Zweifel zu verstärken. Er fragt sich, ob es jemals wieder hell wird.

Am Ende ist das vielleicht sogar besser so. Wenn es hell wird, dann kommt ja alles ans Licht. Dann erfahren alle von seinen Versäumnissen. Von seinem Versagen, da wo er Verantwortung übernehmen sollen hätte. Von seinen dunklen Gedanken, die er niemals laut aussprechen würde. Im Licht sehen alle, wer er wirklich ist. Schonungslos liegt dann alles offen. Und dann ist alles vorbei. Dann ist er ruiniert. Vielleicht ist es ja wirklich besser im Dunkeln.

Er hält es nicht mehr aus. Er kann so nicht bleiben. Wenn es doch nur einen Ausweg gäbe. Ein Neuanfang--ist so etwas möglich? Auch noch in seinem Alter? Wenn ihm doch nur einer helfen würde! Wenn ich doch nur jemand verstehen könnte.

0800 111 0 111.

Irgendwo in Tübingen brennt noch Licht. In einem kleinen Büro nimmt jemand den Hörer ab. "Telefonseelsorge Neckar-Alb. Guten Abend." Etwa dreißig Mal am Tag klingelt das Telefon. Das sind die, die durchkommen. Manchmal werden sie auch weitergeleitet, als "Überlauf", aus Stuttgart oder Ravensburg. Oder umgekehrt, wenn hier belegt ist. Die Anliegen sind ganz unterschiedlich. Am größten ist die Not in der Nacht.

Sie kennen mich doch. Ich kann schon wieder nicht mit der S-Bahn fahren. Die Angst ist wieder da.Ich liege die ganze Nacht wach und denke darüber nach, was der Sinn des Lebens ist. Ich werde in der Schule so gemobbt. Meine Eltern kann ich nichts erzählen, und meine Vertrauenslehrerin ... ist nicht cool.Ich spüre nichts mehr. Ich kann nicht mal mehr weinen. Warum kann Gott so etwas zulassen?Gut, dass ich endlich bei Ihnen durchkomme. Ich habe seit drei Jahren mit niemandem mehr geredet, und mit meiner ganzen Umgebung spricht auch keiner mehr mit mir. Ich bin so froh, dass Sie mir glauben. Ist das hier schon anonym?Ich bin so traurig. Keiner kümmert sich um mich. Sie müssen mich nur trösten.Ich hatte noch nie eine Beziehung. Ich weiß gar nicht, wie ich jemanden kennenlernen soll. Heute geht es mal wieder um eine Wohnung. 
Jetzt kommen ständig Leute in meine Wohnung. Ich habe die Tür verklebt, aber die kommen trotzdem irgendwie rein.Ich habe Angst, dass ich eine schlimme Diagnose kriege, aber ich gehe keinesfalls zum Arzt.[Stimmen aus einem Video der Telefonseelsorge München, https://www.youtube.com/watch?v=z54_KHTiG78]


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Nikodemus hat kein Telefon. Er geht direkt, nicht anonym, in der Nacht zu Jesus. Wie viel Überwindung ihn das wohl gekostet hat? Heute verleihen 60 Ehrenamtliche am Tübinger Telefon Jesus ihre Stimme. 15 weitere werden demnächst mit der Ausbildung fertig. Und das sind immer noch nicht genug für alle, die jemanden zum Reden brauchen. Die Telefonseelsorge sucht aktuell wieder Menschen für einen neuen Ausbildungsgang.

Eigentlich hatte ich schon als Kind Angst vor Gott. Ich habe so viel Schuld auf mich geladen. Werde ich dafür bestraft?Können Sie mit mir beten? [Stimmen aus einem Video der Telefonseelsorge München, https://www.youtube.com/watch?v=z54_KHTiG78]


"Wie soll das zugehen, das ein Mensch in meinem Alter eine neue Chance bekommt?"

0800 111 0 111.

Jemand hört zu. Ruhig. Offen. Ohne dich anzuzweifeln. Mitfühlend. Und bei der Telefonseelsorge sogar anonym.

Die ersten verzweifelten Sätze überschlagen sich oft fast. Manchmal gibt es Pausen, weil die Worte fehlen. Dann "muss man nochmal ein Pöttchen weinen", erzählte mir eine Mitarbeiterin aus Tübingen. Das darf man auch.

Vielleicht kehrt irgendwann Ruhe ein ins Gespräch. Das Gegenüber, das bisher fast nur zugehört hat, stellt ein paar Fragen. Miteinander sucht man nach dem, was jetzt hält. Was schon da ist an Gutem. Worauf man sich in der eigenen Umgebung stützen kann. Was jetzt Hoffnung gibt. Von außen ist manches davon fast offensichtlich. In der dunklen Nacht der Seele muss einen daran manchmal jemand anders erinnern.

"Erinnere dich." "Gedenke", wie man am Sonntag Reminiszere sagt.

Für Nikodemus ist das eine der alten Geschichten seines Volkes. Eine, die er schon lange kennt. Sicher hat er sie schon von Kindertagen an immer wieder gehört. Jetzt, hier, gewinnt sie plötzlich ganz neu Bedeutung: eine Geschichte aus der Wüstenwanderzeit, als Israel unterwegs war, Gott nach, heraus aus der Sklaverei in Ägypten, hin in ein verheißenes Land. Ungeduldig waren sie damals. Unzufrieden mit dem langen Weg hin zu dem, was versprochen, aber immer noch nicht sichtbar war. Irgendwann brach es aus ihnen heraus, das Klagen gegen Gott, der sie in diese Situation gebracht hatte. Und dann waren da plötzlich überall Schlangen. Giftige Schlangen. Schmerzhafte Bisse. Viele starben daran. Und dann kommt Mose, der Anführer, Gottes Sprachrohr zu seinem Volk. Er trägt eine Stange, mit einer Schlange aus Metall. Ein Symbol. Ein Zeichen Gottes. Wer auf sein Zeichen schaut, der wird gerettet vor der Schlangenplage. Wer vertraut und Hoffnung fasst im Blick auf Gottes Zeichen, der wird geheilt von seinen Bissen.

Nikodemus kennt die Geschichte. Nikodemus erinnert sich. Im Gespräch in dieser Nacht lernt er: Das ist nicht nur eine Sage aus längst vergangenen Zeiten. Es gibt wieder so ein Hoffnungszeichen. Ein Zeichen, das sagt: Gott hat uns nicht vergessen. Gott lässt uns nicht allein in unserer Nacht und Not. Gott mag mich. Gott ist nett. Gott selbst tut alles dafür, dass ich nicht der Nacht erliege. Gott schenkt mir einen Neuanfang, eine neue Chance zum Leben. Auf Gott kann ich mich verlassen.

Das Hoffnungszeichen in der Nacht des Nikodemus ist Gott selbst, gekommen in seinem Sohn: "Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er sie verurteilt. Vielmehr soll er die Welt retten."

0800 111 0 111.

Was ist dein Anliegen? Was drückt dich in der unruhigen Nacht?

Das Hoffnungszeichen hat sich nicht verändert. Gott selbst hat es aufgerichtet in Jesus, dem Christus, der für uns ans Kreuz geht. Der alles gibt, damit wir leben können. In ihm zeigt Gott sich an unserer Seite, zeigt Gott sich "für uns" bis hinein in die dunkelste Nacht der Seele, bis hinein in die Gottverlassenheit selbst.

Wer es wagt, auch in der Not den Kopf zu heben und auf ihn zu schauen, den Christus vom Kreuz, der erkennt: Auf Gott kann ich mich verlassen. Ihm kann ich mich anvertrauen. Bei ihm muss ich keine Angst haben, was da alles ans Licht kommt. Gott ist mir nicht nahe, um mich zu überwachen und zu richten. Gott ist nett. Er will das beste für mich. Er will Rettung aus der Nacht und Leben. Wer sich daran erinnert, auch in der Bedrängnis, wer daraus Gelassenheit, Vertrauen und Hoffnung schöpft, der hat das Leben gefunden. Wer sich daran erinnert, dem öffnet sich der Neuanfang ins Leben. Ein erneuertes Leben. Eins mit Ewigkeitsqualität.

Traumatische Vorstellungen vom Weltgericht, die Menschen bis in den Schlaf hinein verfolgen, verlieren ihren angsteinflößenden Schatten für den, der sich erinnert, dass Gott nicht der Richter ist. Vielmehr erklärt Jesus dem verwunderten Nikodemus, ist doch das das schlimmste Urteil, wenn das Vertrauen fehlt, das Gelassenheit, Hoffnung und Leben schenkt. Gott ist nicht der, der das will. Gott, der seine Menschen liebt, will das Gegenteil. Dafür ist Jesus gekommen. Wer sich daran erinnert, muss keine Angst haben. Auch nicht vor dem Licht.

0800 111 0 111.

Wenn dich die dunkle Nacht der Seele packt, dann ist es an dir, dich zu erinnern. Kopf hoch! Schau auf das Hoffnungszeichen, das dir Gott in Jesus setzt.

Wenn dich die dunkle Nacht der Seele packt, dann ist das gar nicht immer einfach. Aber sei getrost: Du bist nicht allein. Du musst da nicht alleine durch.

Manchmal reicht ein Wort, ein Wort Gottes, das dich rausholt, dich erinnert. Ein Wort, dass dich nicht vergessen lässt, worauf du dich jetzt verlassen kannst. Vielleicht legst du dir zu Hause ein Lesezeichen in deine Bibel. Und dann nimmst du sie zur Hand und schlägst auf, Johannesevangelium, Kapitel 3. Das ist es, was du das lesen kannst. Eine Erinnerung an das, was du jetzt hören musst in der Nacht:

16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab. Jeder, der an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. 17 Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er sie verurteilt. Vielmehr soll er die Welt retten. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt. (Johannes 3,16-18a)


Erinnere dich. Gedenke.

Vielleicht schaffst du auch das nicht so einfach in der unruhigen Nacht. Vielleicht brauchst du Zuspruch von außen. Dann ist dir Gott ganz nahe. Bei ihm kann man immer "anrufen", auch ohne Strom und Telefon. Bei ihm ist nie belegt. Bei ihm kommst du immer durch. Gott, der dich liebt, ist immer da für dich. Er hört dir zu. Er erinnert dich an seine Güte. Er kann dir neu das Vertrauen schenken, das durchs Leben trägt.

Erinnere dich. Gedenke.

Und wenn die Nacht ganz dunkel ist, wenn du allein nicht mehr weiterkommst, wenn dir selbst die Worte zum Beten fehlen, dann erinnerst du dich vielleicht nach dieser Predigt heute an diese Nummer, die ich bewusst so oft wiederholt habe:

0800 111 0 111.

Wenn nicht, kannst du sie googeln und sie steht im Telefonbuch.

0800 111 0 111.

Können Sie mit mir beten?

"Können Sie mir helfen, mich daran zu erinnern, was mir jetzt hilft in meiner dunklen Nacht? Können Sie Jesus für mich ihre Stimme leihen?"

16 Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hingab. Jeder, der an ihn glaubt, soll nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. 17 Gott hat den Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er sie verurteilt. Vielmehr soll er die Welt retten. 18 Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt. (Johannes 3,16-18a)


0800 111 0 111.

Heute will ich Ihnen mal was Schönes erzählen.Sie haben mir so geholfen. Danke.Jetzt haben Sie mich [sogar] zum Lachen gebracht.


Möge das auch in deiner Nacht geschehen.

Damit du wieder Leben findest.

Erinnere dich:

Gott will dich gerne damit beschenken.

Amen.


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