Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Brüder. Schwestern. Von Gott geliebte. Durch Jesus, den Messias, berufen in Gottes Reich. Hört sein Wort, seinen Zuspruch aus dem Buch der Offenbarung des Johannes, des Sehers, aus dem 1. Kapitel:
Ich, Johannes. Ich bin euer Bruder. Ich stehe wie ihr unter Druck, wegen Jesus. Ich gehöre wie ihr zu Gottes Reich, wegen Jesus. Ich halte wie ihr durch, um Jesu willen. Ich war auf der Insel Patmos. Ich war dort, weil ich Gottes Wort gesagt habe. Und weil ich von Jesus erzählt habe.An einem Sonntag hat mich Gottes Geist gepackt. Da hörte ich hinter mir eine laute Stimme. Sie klang wie eine Posaune. Die Stimme sagte: Schreib auf, was du siehst. Schick es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea.Ich drehte mich um. Ich wollte sehen, wer mit mir spricht. Da sah ich sieben goldene Leuchter. Mitten zwischen den Leuchtern sah ich jemanden. Er sah aus wie ein Mensch. Wie ein Menschensohn. Er trug ein langes Gewand. Um seine Brust trug er ein goldenes Band. Sein Kopf und sein Haar waren weiß. Wie Wolle. Wie Schnee. Seine Augen waren wie Feuer. Seine Füße glänzten. Wie glühendes Gold im Schmelzofen. Seine Stimme klang laut. Wie das Rauschen vieler Wasser. In seiner rechten Hand hielt er sieben Sterne. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert. Wie ein zweischneidiges Schwert. Sein Gesicht leuchtete. Wie die Sonne mit ihrer Kraft.Als ich ihn sah, fiel ich vor seinen Füßen nieder. Ich war wie tot. Er legte seine rechte Hand auf mich. Er sagte zu mir: Hab keine Angst. Ich bin der Erste. Und ich bin der Letzte. Ich bin der Lebendige. Ich war tot. Aber sieh: Ich lebe für immer und ewig. Ich habe die Macht über den Tod. Und über die Welt der Toten. (Offenbarung 1,9-18; von mir in leichte Sprache übertragen)
Eigentlich sollte es dieses Buch nicht geben.
Diesen Text zu schreiben, ist nicht klug.
Er hätte schweigen sollen, Johannes, der Seher.
Das wäre klug gewesen.
War es denn nicht genug, dass sie ihn verbannt hatten auf diese Insel?
Hat er denn nicht genug von dem Druck, dem alle ausgesetzt sind, die diesem Jesus, den sie Messias nennen, folgen?
Hat er denn nichts begriffen?
Hat er denn nicht schon genug gelitten?
Er hätte schweigen sollen. Sie wollen doch nichts mehr hören von diesem Jesus. Er passt so gar nicht in ihr System. Ein Gekreuzigter! Kann man denn wirklich seine ganze Hoffnung auf einen verurteilten Schwerverbrecher setzen? Er wird ihnen immer ein Rätsel bleiben!
Er hätte sich absichern sollen. So wie alle, die mit ihm diesem Nazarener folgen. Dem Anti-Helden aus der Provinz. Eine seltsame Sekte, die allein durch ihre Existenz das System in Frage stellt. Aufruhr gegen das Imperium! Was soll denn das heißen: Statt rauschender Götterfeste: Nachfolge? Statt Kaiserkult: ein Gekreuzigter? Statt Sieg der Starken: Demut? Statt Durchsetzen: Feindesliebe?
Er hätte sich absichern können. Leiser werden. Vorsichtiger formulieren. Den Konflikt meiden. Kompromisse schließen. Oder einfach still fromm werden, statt öffentlich.
Er sollte Angst haben. Das wäre realistisch. Klug. Schließlich hat er sich mit den Mächtigen angelegt. Was denkt er eigentlich, wer er ist? Schaut ihn doch an, dort, auf der steinigen Insel! Er muss doch froh sein, dass er noch am Leben ist.
Er sollte schweigen. Er sollte Angst haben.
Stattdessen schreibt er ein Buch!
"Ich, Johannes. Ich bin euer Bruder."
Einer von ihnen. Einer von uns. Er teilt vieles mit ihnen, mit uns, was wir kennen.
Den Druck eines Systems, das oft alle Hoffnung auslöschen will. Johannes weiß, was Macht ist. Und er weiß, wie die Macht reagiert, wenn man sich gegen die Starken stellt.
Die Angst vor dem, was auf uns zukommt.
"Ich stehe wie ihr unter Druck, wegen Jesus."
Der Druck ist real. Die Angst ist es auch. Schon Jesus wusste das: "In der Welt, da habt ihr Angst."
Stimmt. Wer ehrlich ist, muss das zugeben. Oder geht es nur mir so?
Der Krieg in der Ukraine, in Europa, und das neue Hochrüsten -- das macht mir Angst.
Wenn ich sehe, wie in den USA Menschen von vermummten Schlägern im Namen des Staats auf der Straße erschossen werden -- das macht mir Angst.
Wenn ich lese, dass in meiner Generation und bei den Jüngeren so viele genau die Partei wählen würden, die das hier auch will -- macht mir das Angst.
Wenn ich die Prognosen für das Klima lese und mir überlege, wie die Welt aussehen wird, wenn ich alt bin -- und bei meinen Kindern und Enkel:innen -- dann macht mir das Angst.
Ich kann so tun, als sei das alles nicht so. Aber das ändert nichts daran.
"In der Welt, da habt ihr Angst", weiß schon Jesus. Das ist real.
"Ich stehe wie ihr unter Druck", sagt Johannes.
Und er weiß doch auch um das, was wir sonst noch teilen.
Hoffnung nämlich. Wir gehören zu Gottes Reich.
Und Geduld. Hoffentlich. Und bitte schnell.
Aha? Wirklich?
Johannes hat nämlich den Durchblick.
Nicht weil er schlauer ist, als die anderen.
Sondern, weil Gottes Geistkraft ihm etwas zeigt. Etwas, das man nicht sieht, wenn man sich in der Welt umschaut. Auch nicht, wenn man aufmerksam ist. Und gut informiert.
Johannes bekommt keinen Ausweg. Kein Ticket runter von der Insel. Keine Garantie, dass alles gut ausgeht.
Der Druck bleibt. Die Angst bleibt. Montagmorgen bleibt Montagmorgen. Und die Mächtigen bleiben mächtig.
Johannes sieht nicht, dass die Welt harmloser ist als gedacht. Nicht: Nur Ruhe! Alles halb so schlimm.
Aber Gottes Geistkraft hebt für Johannes ein kleines Stück den Vorhang. Er lässt ihn hinter die Kulissen sehen.
Johannes sieht die Welt, wie sie wirklich ist.
Nicht, weil er besonders genau hinschaut. Sondern weil Christus sich ihm zeigt.
Darum schreibt er. Auch wir sollen das wissen.
Johannes sieht Jesus. Jesus, den Messias.
Nicht so, wie man ihn kennt. Sondern so, wie er wirklich ist.
Was er hier schreibt, ist kein typischer Jesustext. Kein nahbarer Rabbi aus Galiläa. Kein freundlicher Lehrer mit einem guten Wort für alle.
Das ist kein "netter Jesus", den Johannes uns beschreibt. Was für gewaltige Bilder! Majestät und Würde. Augen wie Feuer. Eine Stimme, die alles durchdringt. Sterne in seiner Hand -- wer kann das Universum so ergreifen?
„Wie ein Menschensohn“, sagt Johannes.
Und das ist kein Zufall.
Das ist die Gestalt, von der die alten Texte sprechen.
Einer, dem Gott Macht gibt.
Macht, die bleibt.
Ein Reich, das nicht vergeht. Selbst Johannes ist so beeindruckt von ihm, dass er "wie tot" zu Boden fällt.
Und dann:
Die Hand.
Die Berührung.
"Hab keine Angst."
Und Johannes sagt nichts mehr.
Das ist nicht nur Trost.
Es ist ein Machtwort.
Gesprochen von dem, der wirklich Macht hat.
Johannes darf ihn anschauen.
Das ist der Durchblick.
Ein Geschenk, das Gott uns durch seine Geistkraft macht.
Auch dort, wo das Leben klein geworden ist.
Wenn man Jesus im Auge behält, entgegen allem anderen, was wir sonst sehen.
Das ist dann wirklich Epiphanias: "Christ ist erschienen."
Begreift ihr, was das heißt?
Er ist der Erste. Nicht der Kaiser. Nicht die stärkste Armee. Nicht die, die am lautesten schreien. Nicht die, die am rücksichtlosesten ihre Ellenbogen einsetzen. Er.
Er ist vor allem. An ihm kommt keiner vorbei.
Er ist der Letzte. Nicht der Tod. Nicht die Gewalt. Nicht das Scheitern. Nicht das Vergessen. Nicht das, was du ahnst und was dir nachts den Schlaf raubt. Er.
Er ist das Ende, auf das alles hinausläuft.
Er ist die Hoffnung.
Er ist das Ziel.
Noch ist diese Welt nicht erlöst. Aber sie hat eine Richtung.
Er ist der, der am Ende alles in allem sein wird.
Der Erste und der Letzte.
Alles, was hier so mächtig scheint, steht zwischen "ihm und ihm".
Die Mächte hier sind nicht Ursprung. Sie sind nicht Ziel. Sie sind nur eine vorübergehende Erscheinung.
Der Anfang und das Ende ist er.
Nur er.
Der Lebendige.
"Ich lebe für immer und ewig."
Ich lebe. Hier und jetzt. Das ist nicht nur Vertröstung. Irgendwann mal. In einem undefinierten Jenseits.
Ich lebe. Das ist eine Aussage über die Gegenwart.
Weil er die Gegenwart ist und unsere Zukunft.
Er ist durch den Tod gegangen. Er kennt seine Macht. Und er hat sie gebrochen.
So widerspricht Gott allem, was wir für stark halten.
Der Lebendige.
Immer und ewig.
Das ist das "in your face" all den Mächten, die uns Angst machen entgegen.
"Nimm das"!
Die tun immer so, als seien sie unersetzlich. Alternativlos. Dauerhaft.
Aber sie haben eine Achillesferse. Sie können dem Tod nichts entgegensetzen.
Alle Macht dieser Welt endet am Grab.
Jesus, der Messias, kann das.
Und damit entlarvt er sie. Er reißt ihnen die Maske vom Gesicht.
Nicht mit Gewalt. Nicht mit Gegengewalt.
Sondern einfach dadurch, dass er lebt.
Das ist das eigentliche "in your face" der Offenbarung.
Wer das sieht -- wer ihn sieht, der hat den Durchblick.
Was ändert das für Menschen, die unter Druck stehen?
Nicht, dass der Druck verschwindet.
Nicht, dass die Angst sich einfach auflöst.
Aber es ändert, wer das letzte Wort hat.
Es ändert alles, wenn du der Angst ins Auge siehst--und hinter der Angst auf Christus schaust.
Der Erste. Der Letzte. Der Lebendige.
Es ändert alles, wenn du dich völlig überwältig fühlst--und hinter dem Druck auf Christus schaust.
Der Erste. Der Letzte. Der Lebendige.
Es ändert alles--das zeigt uns die Geschichte der alten Kirche--, wenn du bedrängt wirst, verfolgt, verhaftet und sogar den Löwen vorgeworfen. Und wenn du hinter denen, die dich höhnisch anlachen, ins Gesicht von Jesus schaust.
Der Erste. Der Letzte. Der Lebendige.
Es ändert alles – das merkt man, wenn man in die Nachrichten schaut
und nicht gleich wegzappt.
Wenn Menschen ihre Türen öffnen. Häuser. Kirchen.
Wenn sie sich zwischen Gewalt und Schutzlose stellen. Nicht laut. Nicht siegreich. Manchmal singend. Manchmal betend.
Wenn sie sich festnehmen lassen.
Die hatten sicher Angst. Sie haben gezittert.
Aber vielleicht hatten sie auch diesen Blick. Den Durchblick.
Auf ihn.
Den Ersten. Den Letzten. Den Lebendigen.
Der über allem steht. Und das gerade an der Seite der Schutzlosen.
Ich weiß nicht, was alles auf uns zukommt.
Manches macht mir ganz viel Hoffnung.
Anderes setzt mich unter Druck. Und macht mir Angst.
Aber ich halte mich daran fest: "Christ ist erschienen".
Das will ich nie aus den Augen verlieren.
Ihn will ich nie aus den Augen verlieren.
Möge Gott uns allen so viel Durchblick schenken.
Und wenn er uns manchmal fehlt, dann vielleicht die Sehnsucht danach.
Und die Offenheit für seine Geistkraft.
Amen.