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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.
Von Gott geliebte, hört sein Wort, aus dem Buch des Propheten Jeremia, aus dem 14. Kapitel.
Verlass uns nicht!
Da ist nicht viel Hoffnung in diesem Text. Stattdessen: Trockenheit. Dürre. Leere. Und Klage. Ganz viel Klage.
Die Bilder nehmen uns mit hinein. Man muss nicht viel erklären, damit sie ihre Wirkung erfahren. Man leidet mit denen, von denen da erzählt wird. Man ringt mit den Wildeseln um Luft. Man möchte weinen um das kleine, neugeborene Hirschkitz, das die Mutter auf dem Feld zurücklässt. Hilflos. Dem Tod überlassen. Weil es zum Leben nicht mehr reicht.
Klage.
Sonst findet man kaum etwas hier. Keine Lösung. Keinen Ausweg. Nur unendliche Leere. Und Sinnlosigkeit.
Klage.
Da wird einem ganz anders in der Kirchenbank.
Wie soll man da denn feiern?
Man möchte raus aus diesen Bildern. Möchte weg. Abstand gewinnen.
Und merkt: Das geht nicht.
Die Klage hält uns fest.
Weil sie auch unsere ist.
Und keine Lösung in Sicht.
Wir kennen diese Bilder. Vielleicht nicht genau so. Aber wir kennen sie. Ausgetrocknete Felder. Flüsse mit niedrigem Pegel. Wälder, die brennen. Tiere, die verschwinden. Ernten, die unsicher werden. Eis, das schmilzt. Küsten, die nicht mehr halten.
Das ist nicht weit weg. Das ist nicht nur damals. Es ist jetzt.
Klage. Das ist alles was bleibt.
Aus der Hilflosigkeit heraus.
Die ganze Schöpfung schreit mit.
Und das Schreien klagt uns an.
Schuld ist ein Schlüsselwort in diesem Text. Davon hören wir nicht gern. Denn Schuld meint hier nicht: die ganz Schlimmen. Sondern: wir sind verstrickt. Die Klagenden im Alten Testament sagen: Das hier ist kein Zufall. Kein fremdverschuldetes Unglück. Kein willkürliches Gottesgericht. Das, was wir tun, trägt seine Folgen schon in sich.
Ist das bei uns denn nicht mehr so?
Wir leben, als gäbe es kein Morgen. Und wundern uns, dass uns die Luft ausgeht.
Das Schreien klagt uns an.
Und es bringt ja gar nichts, so zu tun, als sei da irgendjemand besser.
Als könne ich, oder sonst jemand, hier mit moralischer Überlegenheit und erhobenem Zeigefinger stehen und andere belehren, wie man es besser macht. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir stecken mittendrin, in der Misere und niemand kann einfach aussteigen aus dem System, das wir uns selbst gebaut haben.
Mir stockt der Atem, wenn ich das sage. Ich ringe nach Luft. Was bleibt uns denn?
Die Wildesel stehen auf den kahlen Hügeln.Sie schnappen nach Luft.Wie Tiere, die nichts mehr finden.So fühlt sich das an.
Klage.
Etwas anderes bleibt ja gar nicht mehr.
Ist euch aufgefallen, dass Gott hier gar nicht redet?
Da hört man nur die Klage: Das Land klagt. Die Städte klagen. Die Menschen klagen. Die Tiere klagen. Die ganze Welt klagt.
Jeremia bringt seine Klage vor Gott. Und genau so wird sie zum Gotteswort.
Im Klagen findet er die Hoffnung, die ihn trägt.
Im Klagen findet er seinen Glauben.
Sein Text kennt keine schnellen Lösungen. Die hätten wir ja immer gerne.
Aber er weiß um den Gott, bei dem man klagen darf.
Das allein ist schon viel:
Gott hält das aus. Ich darf ihm klagen, was mir das Herz schwer macht. Ich darf ihm hinlegen, womit ich allein nicht fertig werde. Ich darf sagen, wie das sich anfühlt. Was ich vermisse. Wie sehr ich mir Veränderung wünsche.
So klingt Klage vor Gott:
Gott, du bist unsere Hoffnung.Du hilfst in der Not.Warum bist du uns fremd?Warum bist du nur kurz da, wie ein Mensch auf der Durchreise?Warum wirkst du wie ein verzagter Mensch?Wie ein Held, der nicht helfen kann?Klage ist kein Mangel an Glauben. Klage ist Glaube, der sich im Ernstfall bewährt.
Wer klagt, der weiß, an wen er sich wenden darf. Wer klagt, nimmt Gottes Dasein ernst.
Wo es sonst keine Hoffnung mehr gibt, bleibt diese eine -- einzige:
Gott selbst ist meine Hoffnung.
Gott selbst ist die Hilfe in meiner Not.
Das ist Evangelium. Kein lautes. Kein triumphales.
Sondern ein leises Versprechen: Gott ist da. Hier. Mitten unter uns.
Nicht über der Klage. Nicht jenseits der Not. Sondern darin.
Alles steckt in diesem Satz.
Was ich brauche. Was mich hält.
Meine ganze Hoffnung.
Das ist Weihnachten. Das ist das Leben Jesu. Das ist das Kreuz. Das ist Ostern: Gott geht unsere Wege mit.
Du bist doch mitten unter uns, Herr. Wir tragen deinen Namen.
Den Namen des Gottes, der sagt: Ich bin für euch da.
Du bist doch mitten unter uns, HERR.
Das heißt ja nicht: Jetzt ist alles gut. Jetzt wird alles leicht. Jetzt ist das Problem gelöst.
Jeremia weiß das. Und wir wissen das auch.
Gott ist hier kein Held, der einmal kurz eingreift und dann ist alles erledigt.
Aber Gott ist da. Und das verändert etwas.
Vielleicht ist das die Art, wie Gott Hoffnung schenkt.
Nicht laut.
Nicht als Held.
Sondern indem er bleibt, wo die Krüge leer sind.
Das ist Epiphanias. Gott zeigt sich nicht im Triumph, sondern im Bleiben. Im Mitgehen. Im Dabeisein.
Wo Gott da ist, da bleibe ich nicht allein mit meiner Klage. Mit meiner Schuld. Mit meiner Hilflosigkeit.
Auch dann nicht, wenn mir gerade die Worte fehlen.
Wo Gott da ist, da muss ich nicht mehr so tun, als hätte ich alles im Griff. Oder als wäre mir alles egal.
Da darf ich hinschauen. Da darf ich aushalten. Da darf ich anfangen.
Nicht groß. Nicht perfekt. Nicht als Lösung für alles.
Aber als ein Mensch, der nicht weggeht.
Vielleicht heißt das: zuhören. Teilen. Verzichten. Anders entscheiden, wo ich kann.
Nicht, weil ich die Welt rette. Sondern weil Gott sie nicht aufgegeben hat.
Du bist doch mitten unter uns, HERR.
Darauf hoffe ich.
Und von dieser Hoffnung her gehe ich weiter.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.
Von Gott geliebte, hört sein Wort, aus dem Buch des Propheten Jeremia, aus dem 14. Kapitel.
Verlass uns nicht!
Da ist nicht viel Hoffnung in diesem Text. Stattdessen: Trockenheit. Dürre. Leere. Und Klage. Ganz viel Klage.
Die Bilder nehmen uns mit hinein. Man muss nicht viel erklären, damit sie ihre Wirkung erfahren. Man leidet mit denen, von denen da erzählt wird. Man ringt mit den Wildeseln um Luft. Man möchte weinen um das kleine, neugeborene Hirschkitz, das die Mutter auf dem Feld zurücklässt. Hilflos. Dem Tod überlassen. Weil es zum Leben nicht mehr reicht.
Klage.
Sonst findet man kaum etwas hier. Keine Lösung. Keinen Ausweg. Nur unendliche Leere. Und Sinnlosigkeit.
Klage.
Da wird einem ganz anders in der Kirchenbank.
Wie soll man da denn feiern?
Man möchte raus aus diesen Bildern. Möchte weg. Abstand gewinnen.
Und merkt: Das geht nicht.
Die Klage hält uns fest.
Weil sie auch unsere ist.
Und keine Lösung in Sicht.
Wir kennen diese Bilder. Vielleicht nicht genau so. Aber wir kennen sie. Ausgetrocknete Felder. Flüsse mit niedrigem Pegel. Wälder, die brennen. Tiere, die verschwinden. Ernten, die unsicher werden. Eis, das schmilzt. Küsten, die nicht mehr halten.
Das ist nicht weit weg. Das ist nicht nur damals. Es ist jetzt.
Klage. Das ist alles was bleibt.
Aus der Hilflosigkeit heraus.
Die ganze Schöpfung schreit mit.
Und das Schreien klagt uns an.
Schuld ist ein Schlüsselwort in diesem Text. Davon hören wir nicht gern. Denn Schuld meint hier nicht: die ganz Schlimmen. Sondern: wir sind verstrickt. Die Klagenden im Alten Testament sagen: Das hier ist kein Zufall. Kein fremdverschuldetes Unglück. Kein willkürliches Gottesgericht. Das, was wir tun, trägt seine Folgen schon in sich.
Ist das bei uns denn nicht mehr so?
Wir leben, als gäbe es kein Morgen. Und wundern uns, dass uns die Luft ausgeht.
Das Schreien klagt uns an.
Und es bringt ja gar nichts, so zu tun, als sei da irgendjemand besser.
Als könne ich, oder sonst jemand, hier mit moralischer Überlegenheit und erhobenem Zeigefinger stehen und andere belehren, wie man es besser macht. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir stecken mittendrin, in der Misere und niemand kann einfach aussteigen aus dem System, das wir uns selbst gebaut haben.
Mir stockt der Atem, wenn ich das sage. Ich ringe nach Luft. Was bleibt uns denn?
Die Wildesel stehen auf den kahlen Hügeln.Sie schnappen nach Luft.Wie Tiere, die nichts mehr finden.So fühlt sich das an.
Klage.
Etwas anderes bleibt ja gar nicht mehr.
Ist euch aufgefallen, dass Gott hier gar nicht redet?
Da hört man nur die Klage: Das Land klagt. Die Städte klagen. Die Menschen klagen. Die Tiere klagen. Die ganze Welt klagt.
Jeremia bringt seine Klage vor Gott. Und genau so wird sie zum Gotteswort.
Im Klagen findet er die Hoffnung, die ihn trägt.
Im Klagen findet er seinen Glauben.
Sein Text kennt keine schnellen Lösungen. Die hätten wir ja immer gerne.
Aber er weiß um den Gott, bei dem man klagen darf.
Das allein ist schon viel:
Gott hält das aus. Ich darf ihm klagen, was mir das Herz schwer macht. Ich darf ihm hinlegen, womit ich allein nicht fertig werde. Ich darf sagen, wie das sich anfühlt. Was ich vermisse. Wie sehr ich mir Veränderung wünsche.
So klingt Klage vor Gott:
Gott, du bist unsere Hoffnung.Du hilfst in der Not.Warum bist du uns fremd?Warum bist du nur kurz da, wie ein Mensch auf der Durchreise?Warum wirkst du wie ein verzagter Mensch?Wie ein Held, der nicht helfen kann?Klage ist kein Mangel an Glauben. Klage ist Glaube, der sich im Ernstfall bewährt.
Wer klagt, der weiß, an wen er sich wenden darf. Wer klagt, nimmt Gottes Dasein ernst.
Wo es sonst keine Hoffnung mehr gibt, bleibt diese eine -- einzige:
Gott selbst ist meine Hoffnung.
Gott selbst ist die Hilfe in meiner Not.
Das ist Evangelium. Kein lautes. Kein triumphales.
Sondern ein leises Versprechen: Gott ist da. Hier. Mitten unter uns.
Nicht über der Klage. Nicht jenseits der Not. Sondern darin.
Alles steckt in diesem Satz.
Was ich brauche. Was mich hält.
Meine ganze Hoffnung.
Das ist Weihnachten. Das ist das Leben Jesu. Das ist das Kreuz. Das ist Ostern: Gott geht unsere Wege mit.
Du bist doch mitten unter uns, Herr. Wir tragen deinen Namen.
Den Namen des Gottes, der sagt: Ich bin für euch da.
Du bist doch mitten unter uns, HERR.
Das heißt ja nicht: Jetzt ist alles gut. Jetzt wird alles leicht. Jetzt ist das Problem gelöst.
Jeremia weiß das. Und wir wissen das auch.
Gott ist hier kein Held, der einmal kurz eingreift und dann ist alles erledigt.
Aber Gott ist da. Und das verändert etwas.
Vielleicht ist das die Art, wie Gott Hoffnung schenkt.
Nicht laut.
Nicht als Held.
Sondern indem er bleibt, wo die Krüge leer sind.
Das ist Epiphanias. Gott zeigt sich nicht im Triumph, sondern im Bleiben. Im Mitgehen. Im Dabeisein.
Wo Gott da ist, da bleibe ich nicht allein mit meiner Klage. Mit meiner Schuld. Mit meiner Hilflosigkeit.
Auch dann nicht, wenn mir gerade die Worte fehlen.
Wo Gott da ist, da muss ich nicht mehr so tun, als hätte ich alles im Griff. Oder als wäre mir alles egal.
Da darf ich hinschauen. Da darf ich aushalten. Da darf ich anfangen.
Nicht groß. Nicht perfekt. Nicht als Lösung für alles.
Aber als ein Mensch, der nicht weggeht.
Vielleicht heißt das: zuhören. Teilen. Verzichten. Anders entscheiden, wo ich kann.
Nicht, weil ich die Welt rette. Sondern weil Gott sie nicht aufgegeben hat.
Du bist doch mitten unter uns, HERR.
Darauf hoffe ich.
Und von dieser Hoffnung her gehe ich weiter.
Amen.

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