Christoph predigt

Hier und Jetzt


Listen Later

Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!


Sie stehen da. Verunsichert. Ernüchtert.

So viel Ermahnung hatten sie nicht erwartet. Sie hätten sich mehr Ermutigung gewünscht. Jetzt. Mitten in der Krise.

Dass es mit dem Glauben nicht immer leicht werden würde, das wussten sie. Aber dass es so ernst wird – das hatten sie nicht gedacht. Manche müssen um Leib und Leben fürchten. Einfach nur, weil sie an Jesus, den Messias, glauben.

Ist es das wirklich wert?

Früher – da war ja nicht alles falsch. Damals, bevor sie Jesus als den Messias bekannten. Sie glaubten an Gott. Sie lebten nach seinen Geboten. So gut sie es konnten. Sie ehrten ihn – und ihn allein.

War das alles nichts wert?

Manche überlegen, ob es nicht einfacher wäre, zurückzugehen. Zu dem, was sie kennen. Zu dem, was sicherer war. Als das Leben überschaubarer war. Und ungefährlicher.

Ein Brief erreicht die Gemeinde. Mit Spannung wird er geöffnet. Werden sie hier Antworten finden?

Sie finden vor allem Ermahnung.

„Besser“ – das ist eines der großen Worte dieses Briefes. Jesus, der Messias, ist besser als alles andere. Wer ihn erkannt hat, kann nicht einfach zurück.

So viel Ermahnung hatten sie nicht erwartet. Und dann führt der Brief ihnen auch noch all die Glaubenden vor Augen, die vor ihnen gelebt haben. Eine lange Reihe von Namen. Von früher bis in ihre Gegenwart.

Wenn sie durchgehalten haben – dann könnt ihr das doch auch!

Haltet fest! Gebt den Glauben nicht auf!

Ja. Wenn das so einfach wäre.

Du stehst heute auch an so einer Stelle. Zwischen gestern und morgen. Da liegt ein Jahr hinter dir. Nicht nur Kalender. Auch Sätze, die du noch mit dir herumträgst. Dinge, die nicht gut wurden. Gespräche, die du aufgeschoben hast. Abschiede. Vielleicht auch Erleichterung. Und irgendwo in dir die Frage: Was nehme ich mit? Und was lasse ich endlich liegen?

Dazu kommen viele Stimmen. Von außen und von innen. Was du noch schaffen solltest. Was du falsch gemacht hast. Was andere erwarten. Was die Nachrichten dir zumuten. Und diese leise Angst: Wenn ich jetzt loslasse, falle ich.

Manchmal wirkt das Alte einfacher. Nicht unbedingt besser. Aber vertrauter. Du weißt, wie du darin funktionierst. Du kennst die Rollen. Du kennst die Wege. Und das Neue? Das kostet Mut. Das macht verletzlich. Wer Angst hat, sucht schnell den Rückwärtsgang.

Kennst du das? Dann ist dieser Text für dich. Denn mitten hinein in diese Lage spricht ein kurzer Satz aus dem Hebräerbrief, ganz am Ende, im 13. Kapitel:

Jesus, der Messias, war gestern derselbe. Er ist heute noch der Gleiche. Und er bleibt gleich für immer. Lasst euch nicht von vielen fremden Stimmen und Meinungen verwirren. Es ist gut, wenn das Herz durch Gnade festen Halt bekommt. (Hebräer 13,8–9; von mir in einfacher Sprache übertragen)

Gestern. Heute. Und für immer.

Gestern. Heute. Und für immer.


31. Dezember. Du schaust zurück. Nicht nur auf Termine. Auf all das, was dieses Jahr von dir verlangt hat. Auf Monate, in denen du funktioniert hast. In denen du da warst für andere. In denen du dich gekümmert hast. In der Familie. Im Beruf. In der Nachbarschaft. Auf Nachrichten, die dich müde gemacht haben. Krieg. Bilder von Zerstörung. Menschen auf der Flucht. Kein Frieden in Sicht. Und das Gefühl: Es hört einfach nicht auf. Auf Diskussionen, die härter geworden sind. Worte, die verletzen. Fronten, die sich verhärten. Rechtsextreme Parolen, die plötzlich laut werden. Auch hier. Auch bei uns. Auf Sorgen um den Arbeitsplatz. Um die eigene Existenz. Steigende Preise. Unsichere Perspektiven. Die Frage: Reicht das noch? Trägt das noch? Auf die Klimakrise, die nicht verschwindet. Hitzesommer. Hochwasser. Dürren. Und das nagende Gefühl, dass wir zu langsam sind. Dass vieles schon zu spät sein könnte. Und mittendrin dein eigenes Leben. Krankheiten. Abschiede. Konflikte, die nicht gelöst wurden. Gespräche, die du aufgeschoben hast. Entscheidungen, die vertagt wurden. Manches hast du geschafft. Manches ist liegen geblieben. Und manches hängt dir immer noch nach. Du merkst: Da ist Müdigkeit. Tief. Nicht nur im Körper. Auch im Inneren.

31. Dezember. Zum Jahreswechsel schaust du nach vorne. Nicht weit. Aber weit genug, um ein Ziehen im Bauch zu spüren. Was kommt da auf uns zu? Politisch. Gesellschaftlich. Persönlich. Werden die Kriege weiter eskalieren? Wird der Frieden noch weiter in die Ferne rücken? Wie stabil bleibt unsere Demokratie? Wie laut werden die, die einfache Antworten versprechen und Menschen gegeneinander ausspielen? Was passiert mit unserer Welt? Mit dem Klima? Mit der Schöpfung? Mit den Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkelkinder? Und ganz nah: Wie geht es weiter mit deiner Arbeit? Mit deiner Gesundheit? Mit den Menschen, für die du Verantwortung trägst? Was wird von dir erwartet? Was kannst du leisten? Und wo sind deine Grenzen? Die Zukunft fühlt sich nicht leer an. Sie fühlt sich voll an. Zu voll. Mit Fragen. Mit Sorgen. Mit Unsicherheit.

31. Dezember. Hier und jetzt. Du stehst da. Zwischen dem, was war. Und dem, was kommt. Du hältst fest. An Bekanntem. An Routinen. An dem, was sich wenigstens vertraut anfühlt. Nicht nur, weil es gut ist. Sondern weil Loslassen Angst macht. Und weitergehen? Das fühlt sich gerade genauso schwer an. Weil du nicht weißt, wohin. Und ob du gehalten wirst. Du bist mittendrin. Zwischen Erschöpfung und Sorge. Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Mittendrin. Und weißt gerade nicht, wie der nächste Schritt aussehen soll.

Gestern. Heute. Und für immer.


Gestern. Heute. Und für immer.

Jesus, der Messias, war gestern derselbe. Er ist heute noch der Gleiche. Und er bleibt gleich für immer.

Das klingt so einfach! Fast wie ein frommer Merksatz: "Gestern Jesus. Heute Jesus. Morgen immer noch derselbe Jesus. Er ist der Einzige, den du brauchst."

31. Dezember. Der 365. Tag in diesem Jahr, an dem er dabei ist. Nicht spektakulär. Nicht laut. Aber verlässlich. Immanuel. Gott mit uns. Mitten in all dem, was dich müde gemacht hat. In den Tagen, an denen du funktioniert hast. In den Nächten, in denen du wach gelegen bist. In den Momenten, in denen du gezweifelt hast, ob das alles noch Sinn hat. Er war da. Nicht als Erklärung. Nicht als schnelle Lösung. Sondern als Gegenwart. Als einer, der bleibt. Der nicht gegangen ist, als es anstrengend wurde. Der nicht aufgehört hat, mitzugehen, als die Welt unübersichtlich wurde.

Jesus, der Messias, war gestern derselbe.

Gestern – das ist mehr als dieses eine Jahr.

Gestern – das ist dein ganzes Leben.

Seit du denken kannst, war er dabei. In den Tagen, an die du dich erinnerst. Und in denen, die dir entfallen sind. In den hellen Momenten. Und in denen, die du lieber vergessen würdest. Jesus, der Messias, war da. Nicht erst, als du an ihn gedacht hast. Sondern auch dann, als du ihn aus dem Blick verloren hast.

Gestern – das reicht noch weiter zurück.

Zurück zu dem Tag, an dem dir ein Versprechen zugesagt wurde. In der Taufe. Vielleicht kannst du dich nicht erinnern. Aber Gott erinnert sich. Da wurde dein Name genannt. Da wurde dir zugesagt: Du gehörst dazu. Dein Leben steht unter einem guten Wort. Unter einer Treue, die nicht von deiner Stärke abhängt.

Gestern – das reicht weiter als dein eigenes Leben.

Zurück zu dem Punkt, an dem Gott selbst sich auf den Weg gemacht hat. Als er Mensch wurde. Verwundbar. Angreifbar. Sterblich. In Jesus, dem Messias. Er ist den Weg gegangen, vor dem wir Angst haben. Bis ans Kreuz. Und Gott hat ihn nicht im Tod gelassen. Auferweckt. Ins Leben gerufen. Für uns. Für diese Welt.

Gestern – das reicht bis an den Anfang von allem.

Zurück zur Schöpfung. Zu dem ersten Atemzug. Zu dem Moment, in dem Gott gesagt hat: Es ist gut. Dein Leben ist kein Zufall. Diese Welt ist kein Versehen. Alles steht seitdem in Gottes Hand.

Gestern.

Meine Zeit steht in deinen Händen.


Gestern. Heute. Und morgen.

Morgen – das ist zunächst einmal ganz konkret. Der Januar 2026. Ein neues Jahr. Mit einem Kalender, der sich füllt. Mit Aufgaben, die warten. Mit Nachrichten, die kommen werden. Mit Entscheidungen, die anstehen. Morgen ist dein Alltag. Deine Arbeit. Deine Familie. Deine Verantwortung. Deine Grenzen. Morgen ist diese Welt, wie sie ist. Unruhig. Gefährdet. Angefochten. Und genau deshalb fühlt sich dieses Morgen für viele nicht leicht an. Eher wie eine Strecke, die man erst einmal aushalten muss.

Aber dieses Morgen ist nicht ohne Christus. Es läuft nicht auf eine hoffnungslose Dystopie zu. Es ist kein Weg ins Leere.

Denn dieses Morgen steht unter einer größeren Verheißung. Unter Gottes Zusage: "Siehe, ich mache alles neu." Nicht irgendwann jenseits der Zeit. Sondern als Ziel, auf das diese Welt zugeht. Das Reich Gottes ist nicht Fluchtpunkt aus der Geschichte. Es ist ihre Zukunft. Morgen hat eigentlich schon gestern begonnen -- an dem Morgen aller Morgen: am Ostermorgen. Seit Gott seinen Messias vom Tod auferweckt hat, leben wir im Licht des anbrechenden Reiches Gottes. Sein Gestern sichert dein Morgen. Auch wenn es unsicher bleibt, was noch alles kommt, ist doch schon ganz gewiss, wer auf uns zukommt.

Darum ist auch das kommende Jahr mehr als nur eine Abfolge von Tagen. Es ist Zeit, die Gott sich nicht hat nehmen lassen. Zeit, in der Christus derselbe bleibt. Zeit, in der Hoffnung wachsen darf – nicht aus Verdrängung, sondern aus Vertrauen.

Wir wissen nicht, wie dieses Jahr wird. Aber wir wissen, worauf es zugeht. Nicht auf den Untergang. Sondern auf die Fülle dessen, was Gott verheißen hat. Auf die Zeit, in der Gott alles in allem sein wird.

Dieses große Morgen Gottes nimmt dem kleinen Morgen nicht die Mühe. Aber es nimmt ihm die Aussichtslosigkeit. "Die Zukunft ist sein Land." Wir haben Hoffnung!

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Gestern. Morgen. Und heute.


Heute. 31. Dezember. Hier und jetzt. Da stehst du nun. Am Ankerpunkt. Da, wo sich Vergangenheit und Zukunft berühren. Du stehst mitten drin. Mit Hoffnung im Herzen. Und doch zaghaft und fragend. Wird die Brücke halten? Wird die Hoffnung tragen? Zögernd hebst du den Fuß. Tastest dich vor. Wie gerne wärst du stark und mutig. Unberührt von den Stimmen um dich. Von den Meinungen. Von den Zukunftsängsten der anderen. Aber das bist du nicht. Du bist dem ausgesetzt. Und du hast nur heute. Nur hier und jetzt.

Heute. 31. Dezember. Jesus, der Messias. Der Retter des Gestern. Am Kreuz gestorben für dich. Von Gott vom Tod auferweckt. Jesus, der Messias, Begleiter und Träger deines Gestern, deines ganzen Lebens. Jesus, der Messias, er kommt dir entgegen aus Gottes Morgen. Aus der Zukunft, auf die es sich zu hoffen lohnt. Und er trifft dich hier. Jetzt. Wo denn sonst?

Heute. 31. Dezember. Hier und jetzt steht ein Tisch. Jesus, der Messias, ist selbst der, der dich einlädt.

Es ist gut, wenn das Herz durch Gnade festen Halt bekommt.

Den Frieden für dein zitterndes Herz kannst du nicht machen. Du kannst ihn dir nicht selbst zusprechen. Du kannst ihn dir nicht gegenseitig zuschieben.

Den Frieden für dein zitterndes Herz kannst du dir nur schenken lassen. Gnade. Ein Geschenk von ihm.

Dazu ist er hier. Dazu steht dieser Tisch hier. Heute.

Und Jesus, der Messias, steht am Tisch. Er kommt zu dir. Kommt er? Ist er nicht immer da gewesen?

Gestern. Heute. Und für immer.

Hier steht der Gekreuzigte. Für dich gestorben.

Hier steht der, durch den Gott jede noch so gottlose Ecke des Daseins füllt.

Hier steht der Auferstandene. Der Anfang des neuen Lebens.

Hier steht der Herr deiner Zukunft. Der Vollender all dessen, was Gott versprochen hat.

Hier steht dein Gastgeber. Dein Freund. Dein Begleiter.

Wenn du hier Brot und Traubensaft empfängst, nimmst du aus seiner Hand Leben und Gnade.

Damit dein Herz festen Halt bekommt.

Du musst nicht selbst furchtlos in die Zukunft gehen. Nur hierher. An seinen Tisch. Wo er selbst dir begegnet.



Wenn du dann weitergehst, dann zittern dir vielleicht immer noch die Knie.

Du hebst den Fuß. Du wagst den Schritt. Du weißt, wer mit dir geht.

Egal, was kommt: Er ist derselbe. Auf ihn kannst du dich immer verlassen.

Gestern. Heute. Und an jedem neuen Morgen wieder.

Amen.

...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

Christoph predigtBy Christoph Fischer


More shows like Christoph predigt

View all
Hoffnungswort - Predigten von Pfarrer Andreas Roß by Andreas Roß

Hoffnungswort - Predigten von Pfarrer Andreas Roß

0 Listeners