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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes, hört, aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, aus dem ersten Kapitel:
Auf Gott kann man sich verlassen. Darum ist das, was wir euch sagen, nicht mal Ja und mal Nein. Denn wir haben euch von Jesus erzählt. Von Jesus, dem Messias, dem Sohn Gottes. Silvanus, Timotheus und ich. Jesus, der Messias, ist nicht mal Ja und mal Nein. Er ist Gottes Ja. In Jesus sagt Gott zu allen seinen Versprechen: Ja. Darum antworten wir: Amen. Das heißt: Ja, so ist es. So ehren wir Gott. Jesus, der Messias, ist von Gott beauftragt. In ihm gibt Gott uns und euch Halt. Und in ihm gibt Gott auch uns diesen Auftrag. Gott hat ein Zeichen gesetzt: Wir gehören zu ihm. Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben. Er ist in unseren Herzen. Das zeigt: Gott wird sein Versprechen erfüllen. (2. Korinther 1,18-22; von mir in leichte Sprache übertragen)Die Hoffnung ist alt. Ganz abgewetzt ist sie schon. Abgenutzt. Immer und immer wieder hervorgeholt. Zitiert. Weitererzählt. Zärtlich gestreichelt in schweren Zeiten. Die Hoffnung ist alt wie die Versprechen von denen sie lebt. Lange ist es her, dass die Prophet:innen geredet haben. Lange hat man keine Worte mehr von Gott gehört. Nur die alten immer wiederverwendet. Jeder kann sie auswendig. Aber tragen sie noch?
Die Hoffnung ist leiser geworden. Zu oft hat man davon geredet. Zu oft hat man gewartet. Hat die Zeichen der Zeit zu lesen versucht. Ist es das? Jetzt? Geschieht es jetzt? Passiert endlich etwas? Zu oft ist man enttäuscht worden. Manche haben die Hoffnung längst begraben.
Vielleicht liegt diese Müdigkeit nicht nur an der Welt um uns herum. Vielleicht auch daran, dass wir uns selbst immer wieder tragen wollen – und daran scheitern. Vielleicht liegt unsere Erschöpfung nicht nur an den Umständen. Vielleicht auch daran, dass wir uns selbst Halt geben wollen – und merken, dass wir das nicht können.
Gott schaut die Niedrigen an. Die, die übersehen werden. Die, die klein gemacht werden.
Gott stößt die Mächtigen vom Thron. Die, die sich groß fühlen. Die, die meinen, alles im Griff zu haben.
Gott richtet die auf, die am Boden liegen. Er macht Mut. Er gibt Würde zurück.
Gott füllt die Hungrigen mit Gutem. Die, denen etwas fehlt. Brot. Gerechtigkeit. Zukunft.
Und die Reichen? Die, die genug haben und nichts teilen wollen? Die gehen leer aus.
Gott vergisst sein Volk nicht. Er hält fest an seinem Versprechen. So hat er es Abraham zugesagt. So hat er es seinen Kindern versprochen.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Oder hat er uns längst vergessen?
Wie mag das wohl gewesen sein, für ein junges Mädchen aus Nazaret? Ein Kind noch, in unseren Augen, kaum ein Teenager. Damals schon auf der Schwelle zum Erwachsensein. Bald würde sie heiraten, ausziehen aus dem Elternhaus, hinein in die Großfamilie des Mannes, den die Eltern für sie ausgesucht hatten. Für uns ein erschreckender Gedanke, für sie damals--ein wenig Halt, Gewissheit in einer sonst ungewissen Zeit?
Ein Dorf. Eine einfache Familie. Arm. Ohne Einfluss. Ohne Stimme. Die Welt um sie herum ist hart. Die Römer herrschen. Die Steuern drücken. Viele haben zu wenig. Manche haben gar nichts. Gott? Von ihm hört man nur noch in alten Geschichten. Aus der Schrift. Aus den Liedern. Aus den Gebeten der Älteren. Die großen Versprechen klingen fern: Befreiung. Gerechtigkeit. Frieden. Sie gehören eher zur verklärten Vergangenheit. Nicht zum Alltag eines Mädchens aus Nazaret. Maria wartet nicht auf ein Wunder. Sie rechnet nicht mit einer großen Wende. Sie lebt ihr Leben, still und unauffällig.
Maria steht für viele. Für Frauen damals. Und für viele Menschen bis heute, deren Leben von anderen bestimmt wird.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist eine, die arbeitet viel. Sie sorgt für andere. Für Kinder. Für Eltern. Für Menschen, die Hilfe brauchen. Sie funktioniert. Tag für Tag. Früher hat sie geglaubt, dass es einmal leichter wird. Dass Treue sich lohnt. Dass Gerechtigkeit wächst. Heute ist sie sich nicht mehr sicher.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist einer, der hat sein Leben lang gearbeitet. Er hat getan, was man von ihm erwartet hat. Pflicht. Verantwortung. Durchhalten. Jetzt ist vieles anders. Der Körper macht nicht mehr mit. Der Alltag ist stiller geworden. Und die Frage taucht auf, die lange keinen Platz hatte: War das alles?
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist jemand, der morgens Nachrichten hört und abends nicht mehr abschalten kann. Kriege. Hass. Zerstörung. Die Welt wirkt aus den Fugen. Frieden. Gerechtigkeit. Bewahrung der Schöpfung. Das klang einmal nach großen Hoffnungen. Heute klingt es wie eine ferne Sprache aus einer anderen Zeit.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist eine junge Person. Am Anfang des Lebens. Mit vielen Möglichkeiten. Und vielen Ängsten. Was wird tragen? Was bleibt? Worauf kann man bauen? Von Gott hat sie gehört. Irgendwann. Vielleicht in der Schule. Vielleicht bei einer Taufe. Aber ob das heute noch etwas bedeutet?
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
"Auf Gott kann man sich verlassen", schreibt Paulus nach Korinth.
Da ist nicht "mal ja, mal nein."
„Auf Gott kann man sich verlassen“, schreibt Paulus. Da ist kein Zögern. Kein Vielleicht. Kein Schweigen Gottes. Und Paulus schreibt das nicht aus einer heilen Welt heraus. Auch in Korinth gibt es Streit, Enttäuschung und Misstrauen. Auch dort fragen Menschen: Kann man diesem Gott wirklich trauen?
Paulus antwortet nicht mit Erklärungen. Nicht mit Beweisen. Er zeigt auf eine Person. Auf Jesus. Jesus ist Gottes Ja. Nicht ein Teil der Antwort. Nicht ein neuer Versuch. Sondern Gottes klares Ja zu all seinen Versprechen. Zu den alten Worten. Zu Maria. Zu den Wartenden. Zu den Müden. Zu denen, die kaum noch hoffen. In Jesus sagt Gott: Ich stehe zu dem, was ich versprochen habe. Ich nehme es nicht zurück. Ich lasse es nicht fallen.
Jesus ist Gottes Ja. Dieses Ja sagt nicht nur etwas über Gott. Es sagt auch etwas Neues über uns – wer wir sind und wozu wir leben.
Du scheinst zu zweifeln: Das alles in einem Kind? In diesem kleinen Kind--von dem Mädchen aus Nazaret? In der Krippe an Weihnachten?
Maria würde sagen: Genau darin liegt der Clou. Gott zeigt, dass er es ernst mit uns meint. Dass er nicht nur allgemein redet: in großen politischen Phrasen. Ohne konkrete Auswirkungen. Nein! Er kommt gerade zu den Bedürftigen. Er kommt zu denen, die klein und machtlos sind. Wenn es Hoffnung auf Veränderung gibt, dann liegt sie genau in diesem kleinen Jesus. "Immanuel". Gott mit uns. Mit uns. Auch wenn wir uns klein und hilflos fühlen. Mit uns. Und mit den vielen, die noch viel ärmer dran sind als wir.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Jesus, der Messias, das Kind aus der Krippe, ist selbst Gottes "Ja". Unüberhörbar: "Ja". Unumgänglich: "Ja." Immer und überall: "Ja."
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Das tun wir dann. Auch wenn sich die Krise nicht auf einen Schlag auflöst. Die Römer sind ja nicht plötzlich aus Marias Land verschwunden. Es hat nicht Geld vom Himmel geregnet, um die Armut zu beenden. Der Krisenmodus begleitet die Menschheit bis heute. Wir sind doch mittendrin! Das ist die Herausforderung dieses "Advent", in dem wir auch heute noch stehen: Das Reich Gottes, von dem Jesus spricht, ist mit ihm zu uns gekommen. Und doch ist es nicht in Fülle da. Das auszuhalten bereitet uns ganz viel Mühe! Wir müssen es immer wieder hören:
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Daran halten wir uns fest.
"Amen.", sagen wir, schreibt Paulus. "Amen." "So ist es." Wir sind gewiss, auch in ungewissen Zeiten. Wir schauen auf Jesus. Wir haben Hoffnung. Diese Hoffnung machen wir nicht selbst. Sie kommt zu uns. Gott spricht sie uns zu – gegen alles, was dagegen spricht. Wir halten uns an ihm fest. Fester Halt. Auch wenn alle anderen Gewissheiten schwanken.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Wir haben Hoffnung. Wir haben Jesus.
Und Jesus hat uns:
In den deutschen Übersetzungen hört man es kaum heraus, dass da das gleiche Wort verwendet wird für Jesus, den "Christus", den Messias -- und für das, was Gott durch ihn mit uns macht. Ich habe den Text hier so übersetzt, damit das hörbarer wird:
"Jesus, der Messias, ist von Gott beauftragt. ... Und in ihm gibt Gott auch uns diesen Auftrag."
Im Urtext ist da von "Salbung" die Rede. Das war dieses Ritual bei der Einsetzung eines Königs, zum Beispiel. Oder bei der Beauftragung eines Propheten. Da wurde duftendes Öl über den Kopf der Person gegossen. Ein Symbol für den Segen. Ein Zeichen: Gott ist bei dir. Du bist in seinem Namen unterwegs. Er steht hinter dir. Er geht mit dir. Auf ihn kannst du dich verlassen.
Jesus, der "Christus" (auf griechisch/lateinisch), der "Messias" (auf hebräisch) ist Gottes Gesalbter. Gesegnet, gestärkt, beauftragt und begleitet. Wir sind auch Gesalbte Gottes, schreibt Paulus. Gesegnet, gestärkt, beauftragt und begleitet. Das "Messianische", die Hoffnung auf das, was Gott tut, gehört durch Jesus auch uns. Wir haben Hoffnung. Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
"Gott hat ein Zeichen gesetzt:", schreibt Paulus. "Wir gehören zu ihm. Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben. Er ist in unseren Herzen."
Ein Zeichen gesetzt. Uns ein Siegel aufgedrückt, steht da wörtlich. Ein Zeichen: Das gehört jemandem. Eigentum. Zugehörigkeit. Wir gehören zu Gott. Das ist gewiss. "Ja", hat er dazu in Jesus gesagt. Ein Zeichen: Das ist echt. Da steht nicht nur "Christ:in" drauf, da ist auch wirklich "Christus" drin. "Jesus, der Messias. Ein Zeichen: Das ist geschützt. Gott mit uns. In uns, durch seine Geistkraft. "Immanuel". Gott mit uns. In unserer Gemeinschaft und ganz persönlich, in unseren Herzen.
Dieser Geist macht uns nicht unempfindlich. Er macht uns empfindsam – für Gott und füreinander.
Ein Siegel. Ein Zeichen. Gewissheit.
Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
"Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben.", schreibt Paulus.
"Jetzt schon". Im Griechischen ist da von einer Anzahlung die Rede. Eine "Sicherheitsleistung", würden wir heute sagen. Wo Gott in uns wohnt, in unseren Herzen, da gibt er uns sein "Ja" für den ganzen Rest. Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns. Deshalb haben wir Hoffnung.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Das [alles] zeigt: "Gott wird seine Versprechen erfüllen."
Maria singt.
"Meine Seele lobt Gott. Mein Herz freut sich über Gott, meinen Retter. ... Gott hat Großes an mir getan!"
Maria singt. Da hat sie alles noch vor sich. Das Tuscheln. Den Dorftratsch. Den Knatsch mit Josef. Die beschwerliche Reise nach Betlehem. Die Geburt an einem Ort, wo es keinen Platz für sie gibt. Und sie ahnt noch gar nichts von dem, was kommt, wenn das Kind einmal groß ist. Wenn ihr Sohn dann durch das Land zieht und polarisiert. Wenn sie mit ansehen muss, wie sie ihn ans Kreuz nageln.
Die Krise ist noch lange nicht überwunden.
"Meine Seele lobt Gott. Mein Herz freut sich über Gott, meinen Retter. ... Gott hat Großes an mir getan!"
Maria singt. Und wir singen mit.
Auch wenn 2.000 Jahre später ein Ende der Krisen immer noch nicht absehbar ist.
Wir singen, weil wir Halt haben. Weil Gott uns Gewissheit gibt. Sein "Ja" können wir nicht mehr überhören. Sein Zeichen können wir nicht mehr übersehen.
Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Wir haben Hoffnung.
Wir leben Hoffnung: Wir freuen uns. Diese Freude macht uns nicht ruhig. Sie hält die Sehnsucht wach nach einer Welt, die Gott gerecht machen wird. Diese Hoffnung lässt uns nicht stillhalten, wo Menschen klein gemacht werden. Sie hält die Sehnsucht wach nach Gerechtigkeit. Hoffnung heißt dann nicht, wegzusehen. Sondern hinzusehen. Und das Leiden anderer an uns heranzulassen.
Aber auch hier und jetzt schon: Wir schauen über die Krisen hinaus. Wir haben Grund zur Freude.
Ja. JA! Amen! So ist es!
Darauf will ich mich verlassen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes, hört, aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther, aus dem ersten Kapitel:
Auf Gott kann man sich verlassen. Darum ist das, was wir euch sagen, nicht mal Ja und mal Nein. Denn wir haben euch von Jesus erzählt. Von Jesus, dem Messias, dem Sohn Gottes. Silvanus, Timotheus und ich. Jesus, der Messias, ist nicht mal Ja und mal Nein. Er ist Gottes Ja. In Jesus sagt Gott zu allen seinen Versprechen: Ja. Darum antworten wir: Amen. Das heißt: Ja, so ist es. So ehren wir Gott. Jesus, der Messias, ist von Gott beauftragt. In ihm gibt Gott uns und euch Halt. Und in ihm gibt Gott auch uns diesen Auftrag. Gott hat ein Zeichen gesetzt: Wir gehören zu ihm. Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben. Er ist in unseren Herzen. Das zeigt: Gott wird sein Versprechen erfüllen. (2. Korinther 1,18-22; von mir in leichte Sprache übertragen)Die Hoffnung ist alt. Ganz abgewetzt ist sie schon. Abgenutzt. Immer und immer wieder hervorgeholt. Zitiert. Weitererzählt. Zärtlich gestreichelt in schweren Zeiten. Die Hoffnung ist alt wie die Versprechen von denen sie lebt. Lange ist es her, dass die Prophet:innen geredet haben. Lange hat man keine Worte mehr von Gott gehört. Nur die alten immer wiederverwendet. Jeder kann sie auswendig. Aber tragen sie noch?
Die Hoffnung ist leiser geworden. Zu oft hat man davon geredet. Zu oft hat man gewartet. Hat die Zeichen der Zeit zu lesen versucht. Ist es das? Jetzt? Geschieht es jetzt? Passiert endlich etwas? Zu oft ist man enttäuscht worden. Manche haben die Hoffnung längst begraben.
Vielleicht liegt diese Müdigkeit nicht nur an der Welt um uns herum. Vielleicht auch daran, dass wir uns selbst immer wieder tragen wollen – und daran scheitern. Vielleicht liegt unsere Erschöpfung nicht nur an den Umständen. Vielleicht auch daran, dass wir uns selbst Halt geben wollen – und merken, dass wir das nicht können.
Gott schaut die Niedrigen an. Die, die übersehen werden. Die, die klein gemacht werden.
Gott stößt die Mächtigen vom Thron. Die, die sich groß fühlen. Die, die meinen, alles im Griff zu haben.
Gott richtet die auf, die am Boden liegen. Er macht Mut. Er gibt Würde zurück.
Gott füllt die Hungrigen mit Gutem. Die, denen etwas fehlt. Brot. Gerechtigkeit. Zukunft.
Und die Reichen? Die, die genug haben und nichts teilen wollen? Die gehen leer aus.
Gott vergisst sein Volk nicht. Er hält fest an seinem Versprechen. So hat er es Abraham zugesagt. So hat er es seinen Kindern versprochen.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Oder hat er uns längst vergessen?
Wie mag das wohl gewesen sein, für ein junges Mädchen aus Nazaret? Ein Kind noch, in unseren Augen, kaum ein Teenager. Damals schon auf der Schwelle zum Erwachsensein. Bald würde sie heiraten, ausziehen aus dem Elternhaus, hinein in die Großfamilie des Mannes, den die Eltern für sie ausgesucht hatten. Für uns ein erschreckender Gedanke, für sie damals--ein wenig Halt, Gewissheit in einer sonst ungewissen Zeit?
Ein Dorf. Eine einfache Familie. Arm. Ohne Einfluss. Ohne Stimme. Die Welt um sie herum ist hart. Die Römer herrschen. Die Steuern drücken. Viele haben zu wenig. Manche haben gar nichts. Gott? Von ihm hört man nur noch in alten Geschichten. Aus der Schrift. Aus den Liedern. Aus den Gebeten der Älteren. Die großen Versprechen klingen fern: Befreiung. Gerechtigkeit. Frieden. Sie gehören eher zur verklärten Vergangenheit. Nicht zum Alltag eines Mädchens aus Nazaret. Maria wartet nicht auf ein Wunder. Sie rechnet nicht mit einer großen Wende. Sie lebt ihr Leben, still und unauffällig.
Maria steht für viele. Für Frauen damals. Und für viele Menschen bis heute, deren Leben von anderen bestimmt wird.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist eine, die arbeitet viel. Sie sorgt für andere. Für Kinder. Für Eltern. Für Menschen, die Hilfe brauchen. Sie funktioniert. Tag für Tag. Früher hat sie geglaubt, dass es einmal leichter wird. Dass Treue sich lohnt. Dass Gerechtigkeit wächst. Heute ist sie sich nicht mehr sicher.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist einer, der hat sein Leben lang gearbeitet. Er hat getan, was man von ihm erwartet hat. Pflicht. Verantwortung. Durchhalten. Jetzt ist vieles anders. Der Körper macht nicht mehr mit. Der Alltag ist stiller geworden. Und die Frage taucht auf, die lange keinen Platz hatte: War das alles?
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist jemand, der morgens Nachrichten hört und abends nicht mehr abschalten kann. Kriege. Hass. Zerstörung. Die Welt wirkt aus den Fugen. Frieden. Gerechtigkeit. Bewahrung der Schöpfung. Das klang einmal nach großen Hoffnungen. Heute klingt es wie eine ferne Sprache aus einer anderen Zeit.
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
Da ist eine junge Person. Am Anfang des Lebens. Mit vielen Möglichkeiten. Und vielen Ängsten. Was wird tragen? Was bleibt? Worauf kann man bauen? Von Gott hat sie gehört. Irgendwann. Vielleicht in der Schule. Vielleicht bei einer Taufe. Aber ob das heute noch etwas bedeutet?
Hält Gott seine Versprechen? Weiß er noch davon? Denkt er noch an uns?
"Auf Gott kann man sich verlassen", schreibt Paulus nach Korinth.
Da ist nicht "mal ja, mal nein."
„Auf Gott kann man sich verlassen“, schreibt Paulus. Da ist kein Zögern. Kein Vielleicht. Kein Schweigen Gottes. Und Paulus schreibt das nicht aus einer heilen Welt heraus. Auch in Korinth gibt es Streit, Enttäuschung und Misstrauen. Auch dort fragen Menschen: Kann man diesem Gott wirklich trauen?
Paulus antwortet nicht mit Erklärungen. Nicht mit Beweisen. Er zeigt auf eine Person. Auf Jesus. Jesus ist Gottes Ja. Nicht ein Teil der Antwort. Nicht ein neuer Versuch. Sondern Gottes klares Ja zu all seinen Versprechen. Zu den alten Worten. Zu Maria. Zu den Wartenden. Zu den Müden. Zu denen, die kaum noch hoffen. In Jesus sagt Gott: Ich stehe zu dem, was ich versprochen habe. Ich nehme es nicht zurück. Ich lasse es nicht fallen.
Jesus ist Gottes Ja. Dieses Ja sagt nicht nur etwas über Gott. Es sagt auch etwas Neues über uns – wer wir sind und wozu wir leben.
Du scheinst zu zweifeln: Das alles in einem Kind? In diesem kleinen Kind--von dem Mädchen aus Nazaret? In der Krippe an Weihnachten?
Maria würde sagen: Genau darin liegt der Clou. Gott zeigt, dass er es ernst mit uns meint. Dass er nicht nur allgemein redet: in großen politischen Phrasen. Ohne konkrete Auswirkungen. Nein! Er kommt gerade zu den Bedürftigen. Er kommt zu denen, die klein und machtlos sind. Wenn es Hoffnung auf Veränderung gibt, dann liegt sie genau in diesem kleinen Jesus. "Immanuel". Gott mit uns. Mit uns. Auch wenn wir uns klein und hilflos fühlen. Mit uns. Und mit den vielen, die noch viel ärmer dran sind als wir.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Jesus, der Messias, das Kind aus der Krippe, ist selbst Gottes "Ja". Unüberhörbar: "Ja". Unumgänglich: "Ja." Immer und überall: "Ja."
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Das tun wir dann. Auch wenn sich die Krise nicht auf einen Schlag auflöst. Die Römer sind ja nicht plötzlich aus Marias Land verschwunden. Es hat nicht Geld vom Himmel geregnet, um die Armut zu beenden. Der Krisenmodus begleitet die Menschheit bis heute. Wir sind doch mittendrin! Das ist die Herausforderung dieses "Advent", in dem wir auch heute noch stehen: Das Reich Gottes, von dem Jesus spricht, ist mit ihm zu uns gekommen. Und doch ist es nicht in Fülle da. Das auszuhalten bereitet uns ganz viel Mühe! Wir müssen es immer wieder hören:
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Daran halten wir uns fest.
"Amen.", sagen wir, schreibt Paulus. "Amen." "So ist es." Wir sind gewiss, auch in ungewissen Zeiten. Wir schauen auf Jesus. Wir haben Hoffnung. Diese Hoffnung machen wir nicht selbst. Sie kommt zu uns. Gott spricht sie uns zu – gegen alles, was dagegen spricht. Wir halten uns an ihm fest. Fester Halt. Auch wenn alle anderen Gewissheiten schwanken.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Wir haben Hoffnung. Wir haben Jesus.
Und Jesus hat uns:
In den deutschen Übersetzungen hört man es kaum heraus, dass da das gleiche Wort verwendet wird für Jesus, den "Christus", den Messias -- und für das, was Gott durch ihn mit uns macht. Ich habe den Text hier so übersetzt, damit das hörbarer wird:
"Jesus, der Messias, ist von Gott beauftragt. ... Und in ihm gibt Gott auch uns diesen Auftrag."
Im Urtext ist da von "Salbung" die Rede. Das war dieses Ritual bei der Einsetzung eines Königs, zum Beispiel. Oder bei der Beauftragung eines Propheten. Da wurde duftendes Öl über den Kopf der Person gegossen. Ein Symbol für den Segen. Ein Zeichen: Gott ist bei dir. Du bist in seinem Namen unterwegs. Er steht hinter dir. Er geht mit dir. Auf ihn kannst du dich verlassen.
Jesus, der "Christus" (auf griechisch/lateinisch), der "Messias" (auf hebräisch) ist Gottes Gesalbter. Gesegnet, gestärkt, beauftragt und begleitet. Wir sind auch Gesalbte Gottes, schreibt Paulus. Gesegnet, gestärkt, beauftragt und begleitet. Das "Messianische", die Hoffnung auf das, was Gott tut, gehört durch Jesus auch uns. Wir haben Hoffnung. Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
"Gott hat ein Zeichen gesetzt:", schreibt Paulus. "Wir gehören zu ihm. Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben. Er ist in unseren Herzen."
Ein Zeichen gesetzt. Uns ein Siegel aufgedrückt, steht da wörtlich. Ein Zeichen: Das gehört jemandem. Eigentum. Zugehörigkeit. Wir gehören zu Gott. Das ist gewiss. "Ja", hat er dazu in Jesus gesagt. Ein Zeichen: Das ist echt. Da steht nicht nur "Christ:in" drauf, da ist auch wirklich "Christus" drin. "Jesus, der Messias. Ein Zeichen: Das ist geschützt. Gott mit uns. In uns, durch seine Geistkraft. "Immanuel". Gott mit uns. In unserer Gemeinschaft und ganz persönlich, in unseren Herzen.
Dieser Geist macht uns nicht unempfindlich. Er macht uns empfindsam – für Gott und füreinander.
Ein Siegel. Ein Zeichen. Gewissheit.
Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
"Gott hat uns jetzt schon seine Geistkraft gegeben.", schreibt Paulus.
"Jetzt schon". Im Griechischen ist da von einer Anzahlung die Rede. Eine "Sicherheitsleistung", würden wir heute sagen. Wo Gott in uns wohnt, in unseren Herzen, da gibt er uns sein "Ja" für den ganzen Rest. Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns. Deshalb haben wir Hoffnung.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Das [alles] zeigt: "Gott wird seine Versprechen erfüllen."
Maria singt.
"Meine Seele lobt Gott. Mein Herz freut sich über Gott, meinen Retter. ... Gott hat Großes an mir getan!"
Maria singt. Da hat sie alles noch vor sich. Das Tuscheln. Den Dorftratsch. Den Knatsch mit Josef. Die beschwerliche Reise nach Betlehem. Die Geburt an einem Ort, wo es keinen Platz für sie gibt. Und sie ahnt noch gar nichts von dem, was kommt, wenn das Kind einmal groß ist. Wenn ihr Sohn dann durch das Land zieht und polarisiert. Wenn sie mit ansehen muss, wie sie ihn ans Kreuz nageln.
Die Krise ist noch lange nicht überwunden.
"Meine Seele lobt Gott. Mein Herz freut sich über Gott, meinen Retter. ... Gott hat Großes an mir getan!"
Maria singt. Und wir singen mit.
Auch wenn 2.000 Jahre später ein Ende der Krisen immer noch nicht absehbar ist.
Wir singen, weil wir Halt haben. Weil Gott uns Gewissheit gibt. Sein "Ja" können wir nicht mehr überhören. Sein Zeichen können wir nicht mehr übersehen.
Wir haben Jesus. Und Jesus hat uns.
"Auf Gott kann man sich verlassen."
Wir haben Hoffnung.
Wir leben Hoffnung: Wir freuen uns. Diese Freude macht uns nicht ruhig. Sie hält die Sehnsucht wach nach einer Welt, die Gott gerecht machen wird. Diese Hoffnung lässt uns nicht stillhalten, wo Menschen klein gemacht werden. Sie hält die Sehnsucht wach nach Gerechtigkeit. Hoffnung heißt dann nicht, wegzusehen. Sondern hinzusehen. Und das Leiden anderer an uns heranzulassen.
Aber auch hier und jetzt schon: Wir schauen über die Krisen hinaus. Wir haben Grund zur Freude.
Ja. JA! Amen! So ist es!
Darauf will ich mich verlassen.

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