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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
"Pst! Sie schläft noch." Pia ist ganz aufgeregt. Vor ein paar Monaten ist Emma, ihre zweite Schwester, nun auch zum Studieren weggezogen. Pia vermisst die beiden Großen ganz schön. Aber jetzt ist ja Weihnachten und alle kommen nach Hause. Super! Pia freut sich total. Nur kommt Emmas Zug so spät abends an, dass Pia schon schläft, als sie nach Hause kommt. Das ist schon enttäuschend! Dafür ist Pia dann aber ganz früh morgens wach. Wo ist denn jetzt Emma? Wie, die schläft noch? Wann sehe ich sie denn endlich? ...
Geliebte Gottes, hört, aus dem Buch des Propheten Ezechiel, aus dem 37. Kapitel:
Mein Diener David ist König über mein Volk. Alle haben einen Hirten. Die Menschen hören auf mich. Sie halten meine Gebote. Sie leben danach. Sie wohnen in dem Land, das ich ihnen gegeben habe. Schon ihre Vorfahren haben dort gelebt. Sie bleiben dort. Ihre Kinder und Enkelkinder auch. David ist ihr König. Er bleibt es für immer.Ich schließe einen Bund mit ihnen. Es ist ein Bund des Friedens. Dieser Bund gilt für immer. Ich gebe ihnen festen Halt. Ich lasse sie wachsen. Meine heilige Wohnung ist mitten unter ihnen. Sie bleibt dort für immer. Ich wohne bei ihnen. Ich bin ihr Gott. Sie sind mein Volk. Dann sehen alle Völker: Ich bin der HERR. Ich mache mein Volk heilig. Meine heilige Wohnung ist für immer mitten unter ihnen. (Ezechiel 37,24-28; von mir in leichte Sprache übertragen).Wann kommt er denn endlich? Die Hoffnung ist so alt, wie die Worte, aus denen sie stammt. Zur Zeit des ersten Weihnachten, als Jesus in Bethlehem geboren wird, sind das schon einige hundert Jahre. Die Spannung ist längst kaum mehr auszuhalten. Die Erwartung ist ins unermessliche gestiegen--oder bei manchen längst verloren gegangen.
Wann kommt er denn endlich? Die Worte des alten Prophetenbuchs stammen aus einer anderen Zeit. Es gab einmal Könige in Israel, wissen sie noch. Lange ist es her, da war das Land unabhängig und geeint unter dem legendären König David. Anschließend, so meinen viele, ging es eigentlich nur noch abwärts. Spaltung im eigenen Land, dann die vielen Kriege. Übermächtige Feinde, die immer mehr Land und Kontrolle an sich reißen. Und dann: Das ganz große Trauma: Invasion. Eroberung. Exil. Gefangenschaft weit weg von zu Hause. Die Heimat, die Städte, die Häuser -- zerstört. Und mit ihnen, das ist vielleicht das Schlimmste, auch der Tempel. Die Wohnung Gottes bei seinem Volk. Daran hatte man sich immer festgehalten: Gott ist da. Er ist bei uns. Auf ihn kann man sich verlassen. Und jetzt? Gott ist weg. So hat sich das angefühlt. Allein. Im Stich gelassen. Keine Hoffnung mehr.
Ezechiel ist nur einer der vielen, die davon reden und schreiben. Aber am Ende seines Buchs ändern sich die Texte plötzlich. Das Blatt beginnt sich zu wenden. Es gibt wieder Hoffnung. Erwartung, die bis ins Unendliche steigen wird. Gott kommt zurück, sagt der Prophet. Er wird wieder bei euch sein. Er wird euch zurückgeben, was euch jetzt fehlt.
Wann kommt er denn endlich?
Damals hat man diese Worte durchaus politisch gelesen. Man hat sich die Rückkehr der Unabhängigkeit gewünscht, ein neues, geeintes Reich unter einem davidischen König. Sicherheit, Wachstum und Blüte, gesicherter Friede, Wohlstand. "Schalom" heißt das auf Hebräisch dann.
Wann kommt er denn endlich?
Das kennen wir doch auch! Was steht auf deinem Wunschzettel der großen Hoffnungen? Frieden vielleicht. In der Ukraine. Im Nahen Osten. Im Sudan. Überall, wo es brodelt auf dieser Welt. Friede, auch dort wo die Spannungen steigen. Friede, gesicherter Friede, auch bleibend hier bei uns. Einen sicheren Arbeitsplatz wünschen sich die einen. Und eine sichere Rente für die Zukunft. Eine stabile Regierung. Klarheit in den großen Fragen. Sichtbare Fortschritte in der Bewahrung der Schöpfung, des Klimas, unserer Mitwelt. Ein Ende der Ungerechtigkeit. Kein Grund zur Flucht mehr. Heimat für die, die ihr Zuhause verlassen mussten. Gerechtigkeit für die Opfer von Gewalt. Schutz für die Wehrlosen. Nähe für die Einsamen. Heilung für die Kranken. Die Wunschliste ist lang, fast unaufhörlich. Die Sehnsucht unendlich groß.
Wann kommt er denn endlich? Wann passiert denn etwas?
"Er ist da!", sagt der Weihnachtsengel. Er ist gekommen--die Antwort auf alle eure Gebete. Die Erfüllung eurer Sehnsüchte. Das Ziel eurer Hoffnungen. Jetzt ist er gekommen.
Halleluja! Endlich!
"Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."
Äh...
Moment mal?
Ein Kind? In einer Krippe?
Damit hatten wir nicht gerechnet. Das ist nicht das, was wir erwartet haben.
Das ist nicht das, was...
Wir blättern zurück zu den alten Worten. Wie war die Verheißung noch einmal genau?
In den Zeilen des alten Propheten entdecken wir, dass wir vielleicht zu oberflächlich gelesen haben. Dass Gottes Versprechen noch viel tiefer geht, als wir das dachten. Da geht es nicht nur um politische und gesellschaftliche Strukturen. Da geht es nicht um die Wiederherstellung von alter Größe. Da geht es um eine grundsätzliche Neuordnung der Beziehung Gottes zu den Menschen. "Meine heilige Wohnung ist mitten unter ihnen." Gott lässt sich nicht mehr in einem zentralen Heiligtum verorten. Er will nicht mehr nur in religiösen Riten und Institutionen präsent sein. "Ich wohne bei ihnen." Er zieht direkt bei den Menschen ein. Ein Mitbewohner.
Stell dir vor, du kommst nach diesem schönen Weihnachtsgottesdienst nach Hause. Im Wohnzimmer leuchtet der Weihnachtsbaum. Die Päckchen warten. Gleich wird es gutes Essen geben und einen schönen Abend mit der Familie. Du schließt die Haustür auf. Du trittst ins Wohnzimmer. Gott hat die Füße auf dem Sofa hochgelegt. Ein Glas Wein steht neben ihm. Ein gutes Buch hat er in der Hand. "Schön, dass ihr kommt!", sagt er. "Ich habe auf euch gewartet." Ein Mitbewohner.
Stell dir vor, du kommst aus der hell erleuchteten Kirche heim, in deine einsame Wohnung. Still ist sie geworden, seit die Kinder aus dem Haus sind. Seit der Partner, die Partnerin nicht mehr da ist. Still. Und leer. Aber nicht heute Abend. Du blinzelst, als du ins Warme, Helle trittst. Aus der Küche duftet es verlockend. "Du kommst genau richtig", sagt Jesus. "Setz dich doch schonmal an den Tisch. Das Essen ist gleich fertig." Ein Mitbewohner.
Vielleicht bist du auch einfach nur genervt von dem ganzen Weihnachten. Alle tun so, als wäre alles gut. Alle erwarten, dass du dich freust. Aber in dir ist vieles durcheinander. Fragen ohne Antwort. Druck. Unsicherheit. Vielleicht auch Wut. Oder Leere. Du ziehst dich zurück auf dein Zimmer. Kopfhörer auf. Handy in der Hand. Bloß keine großen Gespräche. Bloß keine frommen Worte. Du machst die Tür zu. Und merkst: Du bist nicht allein. Jesus sitzt da. Nicht predigend. Nicht belehrend. Einfach da. „Ich weiß“, sagt er. „Du musst gerade nichts erklären. Du musst nichts fühlen, was du nicht fühlst. Ich halte das mit dir aus.“ Ein Mitbewohner.
Gott wohnt besonders dort, wo Leben schwer geworden ist. Nicht nur bei den Perfekten, sondern bei allen, die leben. Gott wohnt zuerst dort, wo Menschen keinen Halt mehr finden.
"Ich wohne bei ihnen. Ich bin ihr Gott. Sie sind mein Volk."
Wahrscheinlich ist das genau das, was wir am dringendsten brauchen. Vielleicht haben wir das nur nicht gewusst.
Ein Mitbewohner.
Kein Gast, wohlgemerkt. Niemand, für den du etwas darstellen musst. Ständig putzen, gut kochen, dein bestes Verhalten zeigen. Gott kommt nicht für die Harmonie am Weihnachtsabend. Er kommt als Mitbewohner des echten Lebens. Wo du die Haare runterlässt. Wo du im Schlafanzug rumgammelst und die Socken rumliegen lässt. Wo du im Stress bist und statt guter Küche nur schnell was Ungesundes reinschiebst. Mitten im ganz normalen Alltagswahnsinn. Genau dort beginnt Gottes Geschichte mit uns: Ein Mitbewohner.
Er kommt als Mitbewohner dahin, wo sonst keiner hinkommt. Oder wo andere nicht bleiben wollen. Wo Beziehungen nur auf Zeit halten. Wo Unterstützung irgendwann endet. Wo Nähe an Bedingungen geknüpft wird. Oder wo einfach niemand mehr da ist, mit dem man das Leben teilen kann. Gott nimmt auf deinem Sofa Platz. Gott ist bereit dein Leben zu teilen -- auch wenn es unaufgeräumt und planlos ist. Oder einsam und leer. Ein Mitbewohner.
Gott braucht kein Heiligtum, um dort zu wohnen. Er sucht sich nicht nur die guten Plätze aus. Er wohnt in dem, was da ist. In Familien im Trubel, bei Menschen die allein sind. Er sitzt auf der Eckbank, wo sonst immer jemand gefehlt hat. Er kommt in Wohnungen voller Erinnerungen. Ein Mitbewohner.
Gott kommt und wohnt bei uns. Er ist verlässlich anwesend. Nicht aufdringlich. Es gibt ja Menschen, mit denen würde man nicht zusammen wohnen wollen. Gott redet nicht ständig auf dich ein. Gott weiß nicht immer alles besser und erklärt dir die Welt. Gott drängt sich nicht auf. Er ist da: leise, treu und nah. Eine Nähe, die nicht fordert. Ein Dasein, das nicht bewertet. Eine Gegenwart, die trägt. Ein Mitbewohner.
Gott kommt. Und wohnt. Und bleibt. Ein Gast ist auf Zeit da. Gott immer. Raum und Zeit, Alltag und Sorgen, teilt er mit dir. Deine dunklen Nächte. Deine Hoffnungen. Deine großen Momente. Gott ist da. Ein Mitbewohner.
Und Gott verändert den Raum. Er räumt nicht gleich die Möbel um. Aber man beginnt zu sehen, dass er hier wohnt. Dinge bekommen einen neuen Platz. Manches wird heller. Anderes muss neu sortiert werden. Neue Erinnerungen kommen zu den alten dazu. In Abschieden und Neuanfängen, in Umbrüchen und Veränderungen, die du dir nicht ausgesucht hast--Gott ist da. Seine Gegenwart verändert das Leben langsam von innen. Nicht sofort. Nicht laut. Aber dauerhaft. Ein Mitbewohner.
Kein Bild reicht ganz--aber dieses trägt uns heute: Ein Mitbewohner.
Mein Mitbewohner.
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.So ist es: So wohnt Gott bei uns: in Jesus Christus.
Die Welt wird sich nicht über Nacht verändern. Und doch hat sich in dieser Nacht alles verändert. Gott ist da. Er wohnt bei uns.
Vielleicht sieht morgen früh noch alles aus wie gestern. Die gleichen Sorgen. Die gleichen Fragen. Die gleichen Räume. Aber du gehst nicht mehr allein hinein.
Gott bleibt. Er wohnt bei dir. Nicht, weil du es richtig machst, sondern weil Gott es so will.
Gott bleibt. Er wohnt bei dir. Und weil Gott bei dir wohnt, ist deine Zukunft nicht mehr leer.
Dein Zuhause muss kein Heiligtum werden. Es ist es schon. Weil Gott dort wohnt. Und wo Gott wohnt, wird die Welt selbst zum Raum des Lebens.
„Ich wohne bei ihnen“, sagt Gott. „Sie sind mein Volk.“
Das ist die große Freude dieser Nacht. Heute. Für dich.
Das darfst du feiern. Mit uns. Und mit Gott, deinem Mitbewohner.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
"Pst! Sie schläft noch." Pia ist ganz aufgeregt. Vor ein paar Monaten ist Emma, ihre zweite Schwester, nun auch zum Studieren weggezogen. Pia vermisst die beiden Großen ganz schön. Aber jetzt ist ja Weihnachten und alle kommen nach Hause. Super! Pia freut sich total. Nur kommt Emmas Zug so spät abends an, dass Pia schon schläft, als sie nach Hause kommt. Das ist schon enttäuschend! Dafür ist Pia dann aber ganz früh morgens wach. Wo ist denn jetzt Emma? Wie, die schläft noch? Wann sehe ich sie denn endlich? ...
Geliebte Gottes, hört, aus dem Buch des Propheten Ezechiel, aus dem 37. Kapitel:
Mein Diener David ist König über mein Volk. Alle haben einen Hirten. Die Menschen hören auf mich. Sie halten meine Gebote. Sie leben danach. Sie wohnen in dem Land, das ich ihnen gegeben habe. Schon ihre Vorfahren haben dort gelebt. Sie bleiben dort. Ihre Kinder und Enkelkinder auch. David ist ihr König. Er bleibt es für immer.Ich schließe einen Bund mit ihnen. Es ist ein Bund des Friedens. Dieser Bund gilt für immer. Ich gebe ihnen festen Halt. Ich lasse sie wachsen. Meine heilige Wohnung ist mitten unter ihnen. Sie bleibt dort für immer. Ich wohne bei ihnen. Ich bin ihr Gott. Sie sind mein Volk. Dann sehen alle Völker: Ich bin der HERR. Ich mache mein Volk heilig. Meine heilige Wohnung ist für immer mitten unter ihnen. (Ezechiel 37,24-28; von mir in leichte Sprache übertragen).Wann kommt er denn endlich? Die Hoffnung ist so alt, wie die Worte, aus denen sie stammt. Zur Zeit des ersten Weihnachten, als Jesus in Bethlehem geboren wird, sind das schon einige hundert Jahre. Die Spannung ist längst kaum mehr auszuhalten. Die Erwartung ist ins unermessliche gestiegen--oder bei manchen längst verloren gegangen.
Wann kommt er denn endlich? Die Worte des alten Prophetenbuchs stammen aus einer anderen Zeit. Es gab einmal Könige in Israel, wissen sie noch. Lange ist es her, da war das Land unabhängig und geeint unter dem legendären König David. Anschließend, so meinen viele, ging es eigentlich nur noch abwärts. Spaltung im eigenen Land, dann die vielen Kriege. Übermächtige Feinde, die immer mehr Land und Kontrolle an sich reißen. Und dann: Das ganz große Trauma: Invasion. Eroberung. Exil. Gefangenschaft weit weg von zu Hause. Die Heimat, die Städte, die Häuser -- zerstört. Und mit ihnen, das ist vielleicht das Schlimmste, auch der Tempel. Die Wohnung Gottes bei seinem Volk. Daran hatte man sich immer festgehalten: Gott ist da. Er ist bei uns. Auf ihn kann man sich verlassen. Und jetzt? Gott ist weg. So hat sich das angefühlt. Allein. Im Stich gelassen. Keine Hoffnung mehr.
Ezechiel ist nur einer der vielen, die davon reden und schreiben. Aber am Ende seines Buchs ändern sich die Texte plötzlich. Das Blatt beginnt sich zu wenden. Es gibt wieder Hoffnung. Erwartung, die bis ins Unendliche steigen wird. Gott kommt zurück, sagt der Prophet. Er wird wieder bei euch sein. Er wird euch zurückgeben, was euch jetzt fehlt.
Wann kommt er denn endlich?
Damals hat man diese Worte durchaus politisch gelesen. Man hat sich die Rückkehr der Unabhängigkeit gewünscht, ein neues, geeintes Reich unter einem davidischen König. Sicherheit, Wachstum und Blüte, gesicherter Friede, Wohlstand. "Schalom" heißt das auf Hebräisch dann.
Wann kommt er denn endlich?
Das kennen wir doch auch! Was steht auf deinem Wunschzettel der großen Hoffnungen? Frieden vielleicht. In der Ukraine. Im Nahen Osten. Im Sudan. Überall, wo es brodelt auf dieser Welt. Friede, auch dort wo die Spannungen steigen. Friede, gesicherter Friede, auch bleibend hier bei uns. Einen sicheren Arbeitsplatz wünschen sich die einen. Und eine sichere Rente für die Zukunft. Eine stabile Regierung. Klarheit in den großen Fragen. Sichtbare Fortschritte in der Bewahrung der Schöpfung, des Klimas, unserer Mitwelt. Ein Ende der Ungerechtigkeit. Kein Grund zur Flucht mehr. Heimat für die, die ihr Zuhause verlassen mussten. Gerechtigkeit für die Opfer von Gewalt. Schutz für die Wehrlosen. Nähe für die Einsamen. Heilung für die Kranken. Die Wunschliste ist lang, fast unaufhörlich. Die Sehnsucht unendlich groß.
Wann kommt er denn endlich? Wann passiert denn etwas?
"Er ist da!", sagt der Weihnachtsengel. Er ist gekommen--die Antwort auf alle eure Gebete. Die Erfüllung eurer Sehnsüchte. Das Ziel eurer Hoffnungen. Jetzt ist er gekommen.
Halleluja! Endlich!
"Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen."
Äh...
Moment mal?
Ein Kind? In einer Krippe?
Damit hatten wir nicht gerechnet. Das ist nicht das, was wir erwartet haben.
Das ist nicht das, was...
Wir blättern zurück zu den alten Worten. Wie war die Verheißung noch einmal genau?
In den Zeilen des alten Propheten entdecken wir, dass wir vielleicht zu oberflächlich gelesen haben. Dass Gottes Versprechen noch viel tiefer geht, als wir das dachten. Da geht es nicht nur um politische und gesellschaftliche Strukturen. Da geht es nicht um die Wiederherstellung von alter Größe. Da geht es um eine grundsätzliche Neuordnung der Beziehung Gottes zu den Menschen. "Meine heilige Wohnung ist mitten unter ihnen." Gott lässt sich nicht mehr in einem zentralen Heiligtum verorten. Er will nicht mehr nur in religiösen Riten und Institutionen präsent sein. "Ich wohne bei ihnen." Er zieht direkt bei den Menschen ein. Ein Mitbewohner.
Stell dir vor, du kommst nach diesem schönen Weihnachtsgottesdienst nach Hause. Im Wohnzimmer leuchtet der Weihnachtsbaum. Die Päckchen warten. Gleich wird es gutes Essen geben und einen schönen Abend mit der Familie. Du schließt die Haustür auf. Du trittst ins Wohnzimmer. Gott hat die Füße auf dem Sofa hochgelegt. Ein Glas Wein steht neben ihm. Ein gutes Buch hat er in der Hand. "Schön, dass ihr kommt!", sagt er. "Ich habe auf euch gewartet." Ein Mitbewohner.
Stell dir vor, du kommst aus der hell erleuchteten Kirche heim, in deine einsame Wohnung. Still ist sie geworden, seit die Kinder aus dem Haus sind. Seit der Partner, die Partnerin nicht mehr da ist. Still. Und leer. Aber nicht heute Abend. Du blinzelst, als du ins Warme, Helle trittst. Aus der Küche duftet es verlockend. "Du kommst genau richtig", sagt Jesus. "Setz dich doch schonmal an den Tisch. Das Essen ist gleich fertig." Ein Mitbewohner.
Vielleicht bist du auch einfach nur genervt von dem ganzen Weihnachten. Alle tun so, als wäre alles gut. Alle erwarten, dass du dich freust. Aber in dir ist vieles durcheinander. Fragen ohne Antwort. Druck. Unsicherheit. Vielleicht auch Wut. Oder Leere. Du ziehst dich zurück auf dein Zimmer. Kopfhörer auf. Handy in der Hand. Bloß keine großen Gespräche. Bloß keine frommen Worte. Du machst die Tür zu. Und merkst: Du bist nicht allein. Jesus sitzt da. Nicht predigend. Nicht belehrend. Einfach da. „Ich weiß“, sagt er. „Du musst gerade nichts erklären. Du musst nichts fühlen, was du nicht fühlst. Ich halte das mit dir aus.“ Ein Mitbewohner.
Gott wohnt besonders dort, wo Leben schwer geworden ist. Nicht nur bei den Perfekten, sondern bei allen, die leben. Gott wohnt zuerst dort, wo Menschen keinen Halt mehr finden.
"Ich wohne bei ihnen. Ich bin ihr Gott. Sie sind mein Volk."
Wahrscheinlich ist das genau das, was wir am dringendsten brauchen. Vielleicht haben wir das nur nicht gewusst.
Ein Mitbewohner.
Kein Gast, wohlgemerkt. Niemand, für den du etwas darstellen musst. Ständig putzen, gut kochen, dein bestes Verhalten zeigen. Gott kommt nicht für die Harmonie am Weihnachtsabend. Er kommt als Mitbewohner des echten Lebens. Wo du die Haare runterlässt. Wo du im Schlafanzug rumgammelst und die Socken rumliegen lässt. Wo du im Stress bist und statt guter Küche nur schnell was Ungesundes reinschiebst. Mitten im ganz normalen Alltagswahnsinn. Genau dort beginnt Gottes Geschichte mit uns: Ein Mitbewohner.
Er kommt als Mitbewohner dahin, wo sonst keiner hinkommt. Oder wo andere nicht bleiben wollen. Wo Beziehungen nur auf Zeit halten. Wo Unterstützung irgendwann endet. Wo Nähe an Bedingungen geknüpft wird. Oder wo einfach niemand mehr da ist, mit dem man das Leben teilen kann. Gott nimmt auf deinem Sofa Platz. Gott ist bereit dein Leben zu teilen -- auch wenn es unaufgeräumt und planlos ist. Oder einsam und leer. Ein Mitbewohner.
Gott braucht kein Heiligtum, um dort zu wohnen. Er sucht sich nicht nur die guten Plätze aus. Er wohnt in dem, was da ist. In Familien im Trubel, bei Menschen die allein sind. Er sitzt auf der Eckbank, wo sonst immer jemand gefehlt hat. Er kommt in Wohnungen voller Erinnerungen. Ein Mitbewohner.
Gott kommt und wohnt bei uns. Er ist verlässlich anwesend. Nicht aufdringlich. Es gibt ja Menschen, mit denen würde man nicht zusammen wohnen wollen. Gott redet nicht ständig auf dich ein. Gott weiß nicht immer alles besser und erklärt dir die Welt. Gott drängt sich nicht auf. Er ist da: leise, treu und nah. Eine Nähe, die nicht fordert. Ein Dasein, das nicht bewertet. Eine Gegenwart, die trägt. Ein Mitbewohner.
Gott kommt. Und wohnt. Und bleibt. Ein Gast ist auf Zeit da. Gott immer. Raum und Zeit, Alltag und Sorgen, teilt er mit dir. Deine dunklen Nächte. Deine Hoffnungen. Deine großen Momente. Gott ist da. Ein Mitbewohner.
Und Gott verändert den Raum. Er räumt nicht gleich die Möbel um. Aber man beginnt zu sehen, dass er hier wohnt. Dinge bekommen einen neuen Platz. Manches wird heller. Anderes muss neu sortiert werden. Neue Erinnerungen kommen zu den alten dazu. In Abschieden und Neuanfängen, in Umbrüchen und Veränderungen, die du dir nicht ausgesucht hast--Gott ist da. Seine Gegenwart verändert das Leben langsam von innen. Nicht sofort. Nicht laut. Aber dauerhaft. Ein Mitbewohner.
Kein Bild reicht ganz--aber dieses trägt uns heute: Ein Mitbewohner.
Mein Mitbewohner.
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.So ist es: So wohnt Gott bei uns: in Jesus Christus.
Die Welt wird sich nicht über Nacht verändern. Und doch hat sich in dieser Nacht alles verändert. Gott ist da. Er wohnt bei uns.
Vielleicht sieht morgen früh noch alles aus wie gestern. Die gleichen Sorgen. Die gleichen Fragen. Die gleichen Räume. Aber du gehst nicht mehr allein hinein.
Gott bleibt. Er wohnt bei dir. Nicht, weil du es richtig machst, sondern weil Gott es so will.
Gott bleibt. Er wohnt bei dir. Und weil Gott bei dir wohnt, ist deine Zukunft nicht mehr leer.
Dein Zuhause muss kein Heiligtum werden. Es ist es schon. Weil Gott dort wohnt. Und wo Gott wohnt, wird die Welt selbst zum Raum des Lebens.
„Ich wohne bei ihnen“, sagt Gott. „Sie sind mein Volk.“
Das ist die große Freude dieser Nacht. Heute. Für dich.
Das darfst du feiern. Mit uns. Und mit Gott, deinem Mitbewohner.
Amen.

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