Christoph predigt

Was sollen wir tun?


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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Geliebte Gottes, hört, aus dem Evangelium nach Lukas, aus dem dritten Kapitel:

Johannes ging durch die ganze Gegend am Jordan. Er rief den Menschen zu: Ändert euer Leben. Lasst euch taufen. So wird Schuld vergeben.So steht es im Buch des Propheten Jesaja: Eine Stimme ruft in der Wüste: Macht den Weg bereit für den Herrn. Macht seine Wege gerade. Füllt alle Täler auf. Macht alle Berge und Hügel niedrig. Macht krumme Wege gerade. Macht holprige Wege eben. Alle Menschen werden sehen: So rettet Gott.Viele Menschen kamen zu Johannes. Sie wollten sich taufen lassen. Johannes sagte zu ihnen: Ihr jungen Vipern! Wer hat euch gesagt: Ihr könnt dem Gericht entkommen?Bringt Früchte. Man muss es sehen können: Ihr habt euer Leben geändert. Sagt nicht: Wir stammen von Abraham ab. Ich sage euch: Gott kann sogar aus diesen Steinen Kinder von Abraham machen.Die Axt ist schon angesetzt. Bäume ohne gute Früchte werden umgehauen. Sie kommen ins Feuer.Die Menschen fragten Johannes: Was sollen wir tun?Johannes sagte: Hast du zwei Hemden? Gib eines davon ab. Gib es einem, der kein Hemd hat. Hast du zu essen? Dann teile.Auch Menschen, die Steuern eintreiben, kamen zu Johannes. Sie wollten sich taufen lassen. Sie fragten ihn: Was sollen wir tun? Johannes sagte: Nehmt nicht mehr Geld, als euch zusteht.Auch Soldaten fragten: Was sollen wir tun? Johannes sagte: Tut niemandem Gewalt an. Erpresst niemanden. Seid zufrieden mit eurem Lohn.Johannes sagte noch vieles andere. Er mahnte die Menschen. Er machte Mut. So brachte er ihnen die Gute Nachricht. (Lukas 3,3-14.18; von mir in leichte Sprache übertragen)


Es ist Advent. Ich reihe mich ein in die Gemeinschaft der Wartenden. Hoffnung steht in unseren Augen. Ankunft. "Er kommt." Gott will uns ganz nahe sein.

Hoffnung hat große Erwartungen. Sie will Teil sein der alten Verheißungen. Wir wollen doch sehen, was die Propheten von Alters her angekündigt haben: Er kommt. Gott kommt. Dann wird alles anders. "Alle Menschen werden sehen: So rettet Gott."

So stehen wir da. In der Wüste. Am Jordan. Weit draußen, wo es sonst nichts gibt. Nur einen Prediger. Einen, der auf das kommende Heil hinweist. Der ahnen lässt, dass jetzt etwas passiert.

Eine staubige Wüstenstraße. Wir sind unterwegs, aber noch nicht angekommen.

Unterwegs -- zwischen Arbeit und Ruhestand. Zwischen Kraft und Erschöpfung. Zwischen, dem, was war und dem, was kommt. Müde und hoffend zugleich.

Unsere Wüste ist kein Sand. Es ist dieses Dazwischen. Noch ist nichts entschieden. Aber so, wie es ist, kann es auch nicht bleiben.

So stehen wir da. Um uns nur Leere. Die Zukunftsfragen sind laut. Sorge um die Gesundheit. Unsicherheit in Familie und Beruf. Die Welt, die sich immer schneller verändert.

Uns fehlen die Worte. Wir wissen nicht, wie es weitergeht.

Wir warten. Wir hoffen.

So stehen wir da. Die Wüste hat nichts für uns. Es mangelt an allem: Zeit, Kraft. Beziehungen. Sinn. Am Ende mangelt vielleicht sogar die Hoffnung?

So stehen wir da: Durstig in der Hitze.

Wir sehen uns. Unfair ist die Welt, hart und ungerecht. Wir fühlen uns ohnmächtig ausgeliefert.

Wir spüren: So, wie es läuft, ist es nicht richtig.

Es müsste anders sein. Gerechter. Menschlicher.


Alle Menschen werden sehen: So rettet Gott.

Das ist es, was wir sehen wollen.

Spektakulär muss das sein: Er kommt.

Die Täler aufgefüllt. Die Hügel eingeebnet.

Auf krummen Wegen schreibt Gott gerade Geschichte.

Die Holperstrecken des Lebens werden smooth wie die neue Öschelbronner Ortsdurchfahrt.

Alle Menschen werden es sehen: So rettet Gott.

Deshalb stehen wir hier. Im Advent.

Er ist die Hoffnung, die uns bleibt.


Wir hören die Stimme, die ruft in der Wüste: "Macht den Weg bereit für den Herrn!"

Ein Adventslied, in das wir einstimmen: "Wie soll ich dich empfangen und wie begeg'n ich dir?"

Wir drängen nach vorne. Ihm entgegen.

Alle Menschen werden sehen: So rettet Gott.

Wir sind bereit. Wir sehnen uns.


"Ihr jungen Vipern!"

Ein jäher Missklang zerstört die Harmonie unserer Adventslieder.

"Ihr jungen Vipern!"

Die kurzen kräftigen Levante-Ottern findet man überall im Jordantal. Ein starkes, gefährliches Tier. Hochgiftig. Eine Gefahr von unten. Bedrohung, die man nicht sofort sieht. Von den jungen Vipern glaubte man im Altertum, sie fräßen sich beim Schlüpfen durch den Leib ihrer Mutter. Biologisch ist das falsch, war aber damals gängige Erzählung.

"Ihr jungen Vipern!", schleudert uns der Prediger entgegen. Ihr merkt nicht einmal, wie schädlich euer Leben geworden ist. Für euch. Und für andere.

"Wer hat euch gesagt: Ihr könnt dem Gericht entkommen?"


Gericht. Zorn. Urteil. Strafe.

Das ist nicht das, was wir uns ersehnen. Dafür sind wir nicht hergekommen.

Soll das das Evangelium sein?

Ist das das Ende der Hoffnung?

Geht unsere Sehnsucht leer aus?


"Verlasst euch nicht auf Äußerlichkeiten", hören wir. Abstammung. Kirchenzugehörigkeit. Taufurkunde.

Veränderung geschieht, wo das Evangelium Konsequenz in eurem Leben hat.

Man muss es sehen können: Ihr habt euer Leben geändert.

Sonst bleibt statt Obstbäumen nur noch Feuerholz.


Die Adventshoffnung scheint vor unseren Augen zu zerbröseln.

"Was sollen wir tun?"


"Was sollen wir tun?"

Was dann kommt, klingt ganz einfach: Alltag, nicht große Heldentaten. Teilt aus eurem Überfluss. Helft da, wo Mangel ist.

Der Gott, von dem Johannes redet, erwartet keine großen religiösen Riten. Keine Zeichenhandlungen. Keine übermenschliche Anstrengung.

Er erwartet Leben, geleitet von seinem Maßstab. Unterwegs sein mit seinem Blick.

"Was sollen wir tun?"

Wer lebt, wie Johannes vorschlägt, ruht sich nicht aus auf der Taufe. Sie wird für ihn zum Beginn des Wegs. Das "Ja", das Gott zu mir sagt, übersetze ich in meinen Alltag.

Nicht, weil ich es schon kann. Sondern weil Gott mir dieses "Ja" längst zugesprochen hat. Auch da, wo ich es nicht schaffe.

Genau so beginnt ja Taufe. Nicht mit Können. Sondern mit Gottes "Ja".

Auch Oliver, der heute getauft wird, beginnt seinen Weg nicht allein. Auch ihm sagt Gott sein "Ja" zuerst.

Es wird zum "Ja" für das Leben. Zu meinem. Und zu dem der anderen.

Gott kommt zu mir. Wer darauf vertraut, kann Liebe wagen.

Nicht, weil ich so stark bin. Sondern, weil Gott mir zutraut, was ich mir selbst oft nicht zutraue.


"Was sollen wir tun?"

Was Johannes hier sagt, lässt sich in meinem Alltag leben. Gott verlangt mir nicht Unmögliches ab. Er lädt mich ein, Hand in Hand mit ihm zu handeln.

In meinen Begegnungen. In meiner Familie. In meinen ganz normalen Kreisen.


"Was sollen wir tun?"

Johannes spricht uns auch in unseren Rollen an. Dort, wo wir unseren Platz haben in der Gesellschaft. Schon in den Versen vor unserem Predigttext hat Lukas sein Auftreten in den Zusammenhang der großen Weltpolitik eingeschrieben. Gottes Rettung bleibt nicht privat. Sie will sichtbar werden, mitten im Leben.

Ganz konkret wendet der Prediger sich an die, die dort ihre Aufgaben haben. Steuereintreiber. Soldaten. Räder im Getriebe der Gesellschaft. Niemand ist nur Zuschauer:in. Niemand bleibt neutral.

Auch dort muss er gehört werden, in diesem Advent. In der Verwaltung. In unseren Bildungseinrichtungen. In Pflege, Wirtschaft und Politik. In Parteien, besonders, wenn sie Regierungsverantwortung tragen. Und ein "C" im Namen. In der Kirche selbst. Wir sind nicht nur prophetische Mahner für die anderen, sondern immer auch selbst die Angesprochenen: Nutzt eure Macht nicht auf Kosten anderer. Seid gerecht. Bleibt maßvoll. Lebt transparent.

Das sollen wir tun.


Denn wo wir beginnen, so zu leben, da wird Umkehr sichtbar. Umkehr und Veränderung. Auch wenn wir nicht gerne gemahnt werden: Das ist Evangelium. Gute Nachricht. Mahnend und mutmachend zugleich.

Gott nimmt dein Leben ernst. Gott traut dir Veränderung zu. Gottes Rettung beginnt genau hier--nicht erst irgendwo, später, in der sehnsüchtig erwarteten Zukunft.


Alle Menschen werden es sehen: So rettet Gott.

Das beginnt bei uns: Hier in der Wüste.

Dieser Text fragt nicht zuallererst: Was tut Gott, wenn er kommt? Er fragt, was Gottes Kommen mit unserem Leben macht.

Johannes hängt nicht einfach Lametta in unsere ungerechte Welt.

Wo Gott kommt, bleibt nichts abstrakt. Da zeigt sich Veränderung, aus dem Vertrauen auf ihn, im Alltag.

In dem, was wir leben, wächst Gottes Reich. Schritte. Ein Anfang. Spuren der Hoffnung.

Ein Weg in der Wüste. Ein Zeichen von dem, was Gott selbst noch vollenden wird.


Alle Menschen werden es sehen: So rettet Gott.


So stehen wir hier. Die Wüste um uns. Die Sehnsucht im Herzen.

Die Hoffnung: Er kommt.


"Wie soll ich dich empfangen und wie begeg'n ich dir." Oder einfach: "Was sollen wir tun?"

Vertrauen. Leben. Lieben. Teilen.

Genau da beginnt die Veränderung. Die gute Nachricht.

Da werden Gräben aufgefüllt.

Da wird eingeebnet, was uns trennt.

Da wird für die Menschen um uns die Holperstrecke des Lebens barrierefrei.

Auf krummen Wegen schreibt Gott gerade weiter.

Und alle Menschen sehen: So rettet Gott.


So.

Wenn der, der kommt, in unserem Leben sichtbar da ist.

Amen.

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