Weiter gedacht - der Podcast der WZ

#100 Junge Polizist:innen lassen sich weniger gefallen


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Missstände werden nicht mehr schweigend hingenommen.

Anna, die inzwischen eine Ausbildung zur Physiotherapeutin macht, wollte nicht noch einmal im Podcast-Studio Platz nehmen. Da wir uns keine Vorzeigepolizistin vom Innenministerium holen wollten, sind wir anderweitig auf die Suche nach einer Gesprächspartnerin gegangen – leider erfolglos. Keine der von uns angefragten aktiven Polizistinnen wollte sich vor dem Mikrofon dazu äußern, wie es ihr bei der Polizei geht. Daher haben wir mit dem Gewerkschafter Walter Strallhofer über strukturelle Probleme und Sexismus gesprochen. Als langjähriger Personalvertreter kennt er die Sorgen und Nöte seiner Kolleg:innen gut.

Sein Fazit: Junge Polizist:innen lassen sich weniger gefallen. Die Anzahl der internen Beschwerden hat daher zugenommen.

Produziert von „hört hört!“.

Daten und Fakten

Frauen sind erst seit Anfang der 1990er Jahre als vollwertige Exekutivbeamtinnen in Österreich tätig. Mittlerweile sind 26 Prozent der insgesamt 32.000 Polizist:innen weiblich, in der Grundausbildung sind es aktuell 40 Prozent. In den Führungspositionen in den Landespolizeidirektionen beträgt der Frauenanteil allerdings erst 12 Prozent (Spitzenreiter ist hier Wien mit 20 Prozent Frauen – die Auswertung umfasst Landespolizeidirektor:innen, Geschäftsbereichs-, Abteilungs-, Büro- und Referatsleiter:innen, Stadt-, Bezirks- und Polizeiinspektionskommandant:innen sowie Leiter:innen von Fach-, Ermittlungs- und Assistenzbereichen).

Obwohl der Personalstand bei der österreichischen Polizei so hoch ist wie nie zuvor, hat die Anzahl der Überstunden ebenfalls einen Höchststand erreicht. Innenminister Gerald Karner, der in seinem Ressort Kosten einsparen muss, will auch hier ansetzen.

In Bezug auf Frauen bei der Polizei verweist die Pressestelle des Innenministeriums auf diverse Aktivitäten: Im Rahmen des Recruitings versucht man, gezielt Frauen anzusprechen. Für den beruflichen Aufstieg in die mittlere Führungsebene (GAL E2a) und die Leitungsebene (GAL E1) der Bundespolizei wurden zudem zusätzliche Ausbildungsstandorte geschaffen, um der Vereinbarkeit von Beruf und Familie entgegenzukommen. Es gibt einen Frauenförderungsplan, der betreffend Frauenanteil auch Quoten vorsieht, außerdem österreichweit zwölf Gleichbehandlungsbeauftragte und rund 90 Kontaktfrauen als niederschwellige Anlaufstellen in Fragen zu (sexueller) Belästigung, Diskriminierung, Mobbing und Frauenförderung. Neben speziellen Schulungsangeboten wie zum Beispiel „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ oder „Umgang mit Mobbing im Innenministerium“ wurde auch ein umfassendes Handbuch „Achtungsvoller Umgang – Mobbingverbot“ herausgebracht, das sich unter anderem mit Paragraf 8 des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes zu sexueller Belästigung beschäftigt. Diese Themen werden auch in der Grundausbildung intensiv behandelt.

Weiterführende Links

  • Podcast: Warum ich nicht mehr Polizistin bin
  • Podcast: „Ex-Kollegin soll dumme Kommentare nicht ernst nehmen“
  • Gleichbehandlungsbeauftragte und Kontaktfrauen
  • Frauen im Polizeidienst
  • Personalstand der Polizei in Österreich
  • Aufnahmekriterien der Polizei
  • Polizei-Aufnahmetest
  • Kleine Zeitung: Dreimal so viele Polizei-Bewerbungen wie noch vor einem Jahr
  • Kurier: Kein Führerschein, kein Sporttest: Polizei erleichtert Aufnahmekriterien
  • ORF: Polizei: Mehr Bewerbungen, Hälfte scheitert
  • Kronen Zeitung: Polizisten müssen massiv Überstunden einsparen
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