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Marc Wübbenhorst ist „Deutschlands durstigster Mann“. Das klingt erstmal harmlos, doch dahinter verbirgt sich eine sehr schwere Erkrankung, nämlich der Diabetes insipidus renalis. Das sichtbarste Symptom dieser Erkrankung ist, dass Marc bis zu 20 Liter am Tag trinken und entsprechend viel Wasser lassen muss. Durch diese Krankheit sind seine Schlafenszeiten, folglich der Kräftehaushalt und somit der gesamte Alltag schwer beeinträchtigt.
Außerdem ist er dort ehrenamtlicher Ortsheimatpfleger, organisiert Projekte zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte, zu Pflege und Erhalt von Natur, Landschaft, Brauchtum und der niederdeutschen Sprache.
Darüberhinaus ist er Vorsitzender der Hans-Bernhard-Reichow-Gesellschaft, unterrichtet Plattdeutsch und Niederländisch an der Volkshochschule und arbeitet zeitweise auch noch projektbezogen in einer Schule in Detmold.
Besonders viel bewirken konnte er durch die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Diabetes insipidus renalis und hat damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen von dieser Krankheit betroffenen Menschen Wege zu besserem Verständnis und Umgang eröffnet.
Aber warum ist Marc nun zu Gast in diesem Podcast? Seine Eltern kommen aus Ostfriesland. Der Opa hat nach dem Krieg ein Bauunternehmen gegründet und hat dies später nach Bielefeld verlagert.
Dadurch, dass Marc in einem migrantischen Umfeld mit verschiedenen Kulturen aufwuchs, fing er schon früh an, sich mit seinen ostfriesischen Wurzeln auseinanderzusetzen und verbringt noch heute gerne Zeit in der Heimat seiner Vorfahren.
Wir sprechen darüber, dass es typisch ostfriesisch ist, dass Menschen einfach helfen, weil sie sehen, dass Hilfe benötigt wird, ohne viel darüber nachzudenken, und dass das grundsätzliche Gefühl von Nähe und Distanz in Ostfriesland ein anderes ist.
Die Menschen haben seit jeher dem Meer ihr Land abgerungen und Marcs Ausflugstipp ist das Moormuseum in Moordorf. Es erzählt die Geschichte der Moorbesiedlung und ist ein Museum der Armut. Für Marc das Verbindungsstück zum Thema Architektur und generatives Denken.
Da Marc akzentfrei ostfriesisches Platt spricht, konnten wir uns in unserer Muttersprache über Plattdeutsch austauschen (ab der 52. Minute in der Podcastfolge). Was ihn ärgert, ist die Darstellung der plattdeutschen Sprache als "niedlich" und "süß". Dadurch wird sie ihrer Bedeutung beraubt. Ein solches Schubladendenken ist für Muttersprachler:innen nicht nachvollziehbar, denn schwere Nachrichten treffen immer hart - egal, in welcher Sprache sie ausgedrückt werden. Dennoch sind wir uns darüber einig, dass die Sprache den typisch ostfriesischen einfühlsamen Umgang mit Nähe und Distanz widerspiegelt. Am lustigsten wird es übrigens an der Stelle, an der Marc anfängt, auf Platt zu singen und mir vorzuschlagen, dass wir doch mal gemeinsam einen Schlager ins Plattdeutsche übersetzen könnten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mal darauf einlassen werde…
Letztendlich teilen wir die Einstellung, dass es einerseits wichtig ist, Traditionen in gewissem Maße zu wahren, aber eben auch in einen neuen Kontext zu setzen und damit weiterzuentwickeln - auch für das eigene persönliche Wachsen.
Marcs Homepage
By Sabine HermannMarc Wübbenhorst ist „Deutschlands durstigster Mann“. Das klingt erstmal harmlos, doch dahinter verbirgt sich eine sehr schwere Erkrankung, nämlich der Diabetes insipidus renalis. Das sichtbarste Symptom dieser Erkrankung ist, dass Marc bis zu 20 Liter am Tag trinken und entsprechend viel Wasser lassen muss. Durch diese Krankheit sind seine Schlafenszeiten, folglich der Kräftehaushalt und somit der gesamte Alltag schwer beeinträchtigt.
Außerdem ist er dort ehrenamtlicher Ortsheimatpfleger, organisiert Projekte zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte, zu Pflege und Erhalt von Natur, Landschaft, Brauchtum und der niederdeutschen Sprache.
Darüberhinaus ist er Vorsitzender der Hans-Bernhard-Reichow-Gesellschaft, unterrichtet Plattdeutsch und Niederländisch an der Volkshochschule und arbeitet zeitweise auch noch projektbezogen in einer Schule in Detmold.
Besonders viel bewirken konnte er durch die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Diabetes insipidus renalis und hat damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen von dieser Krankheit betroffenen Menschen Wege zu besserem Verständnis und Umgang eröffnet.
Aber warum ist Marc nun zu Gast in diesem Podcast? Seine Eltern kommen aus Ostfriesland. Der Opa hat nach dem Krieg ein Bauunternehmen gegründet und hat dies später nach Bielefeld verlagert.
Dadurch, dass Marc in einem migrantischen Umfeld mit verschiedenen Kulturen aufwuchs, fing er schon früh an, sich mit seinen ostfriesischen Wurzeln auseinanderzusetzen und verbringt noch heute gerne Zeit in der Heimat seiner Vorfahren.
Wir sprechen darüber, dass es typisch ostfriesisch ist, dass Menschen einfach helfen, weil sie sehen, dass Hilfe benötigt wird, ohne viel darüber nachzudenken, und dass das grundsätzliche Gefühl von Nähe und Distanz in Ostfriesland ein anderes ist.
Die Menschen haben seit jeher dem Meer ihr Land abgerungen und Marcs Ausflugstipp ist das Moormuseum in Moordorf. Es erzählt die Geschichte der Moorbesiedlung und ist ein Museum der Armut. Für Marc das Verbindungsstück zum Thema Architektur und generatives Denken.
Da Marc akzentfrei ostfriesisches Platt spricht, konnten wir uns in unserer Muttersprache über Plattdeutsch austauschen (ab der 52. Minute in der Podcastfolge). Was ihn ärgert, ist die Darstellung der plattdeutschen Sprache als "niedlich" und "süß". Dadurch wird sie ihrer Bedeutung beraubt. Ein solches Schubladendenken ist für Muttersprachler:innen nicht nachvollziehbar, denn schwere Nachrichten treffen immer hart - egal, in welcher Sprache sie ausgedrückt werden. Dennoch sind wir uns darüber einig, dass die Sprache den typisch ostfriesischen einfühlsamen Umgang mit Nähe und Distanz widerspiegelt. Am lustigsten wird es übrigens an der Stelle, an der Marc anfängt, auf Platt zu singen und mir vorzuschlagen, dass wir doch mal gemeinsam einen Schlager ins Plattdeutsche übersetzen könnten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mal darauf einlassen werde…
Letztendlich teilen wir die Einstellung, dass es einerseits wichtig ist, Traditionen in gewissem Maße zu wahren, aber eben auch in einen neuen Kontext zu setzen und damit weiterzuentwickeln - auch für das eigene persönliche Wachsen.
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