Migration ist eine der zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Zwischen Krisen, Konflikten und Fachkräftemangel steht Deutschland – wie viele europäische Staaten – vor der Aufgabe, Zuwanderung realistischer, klarer und gerechter zu gestalten. In dieser zweiteiligen Podcast-Folge sprechen wir mit einem der wichtigsten Experten für Migrations- und Asylrecht: Prof. Dr. Daniel Thym.
Im ersten Teil des Gesprächs haben wir die Grundprobleme der deutschen und europäischen Migrationspolitik skizziert.
• warum Deutschland längst eine Einwanderungsgesellschaft ist, aber sich selbst noch nicht so versteht,
• wie das Dublin-System und das europäische Asylrecht strukturell überlastet sind,
• warum viele Asylverfahren ineffizient, aber gleichzeitig juristisch schwer reformierbar sind.
Ein weiterer Fokus lag auf dem Sondierungspapier von CDU und SPD, das u. a. verschärfte Zurückweisungen, schnellere Abschiebungen und Einschränkungen beim Familiennachzug vorsieht.
Thym zeigte auf, wo dieses Papier rechtlich angreifbar, politisch unklar oder integrationspolitisch kontraproduktiv ist – und wo realistische Ansätze liegen könnten.
In diesem zweiten Teil des Gesprächs blicken wir nach vorn:
Welche Instrumente braucht es, um Migration zu steuern, ohne das Asylrecht auszuhöhlen oder Überforderung zu riskieren?
• warum Drittstaatenlösungen wie in Großbritannien oder Italien rechtlich problematisch, aber nicht grundsätzlich falsch sind – sofern menschenrechtliche Standards eingehalten werden,
• wie Migrationsabkommen mit Herkunftsstaaten helfen können, Rückführungen zu erleichtern – wenn sie mit Angeboten für legale Migration verknüpft werden,
• wieso Deutschland mehr tun muss, um Arbeitsmigration gezielt zu ermöglichen – als Alternative zur Fluchtmigration.
• die Rolle der EU-Asylreform (GEAS),
• die Notwendigkeit, das Selbstbild als Einwanderungsland zu klären,
• und die Frage, wie sich gesellschaftliche Akzeptanz für Migration gewinnen lässt, ohne auf populistische Abkürzungen zu setzen.
Thym plädiert für eine doppelte Strategie: Ordnung schaffen und zugleich Chancen eröffnen.
Zur Person: Prof. Dr. Daniel Thym
Daniel Thym ist Professor für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht an der Universität Konstanz und leitet dort das Forschungszentrum Ausländer- & Asylrecht. Er war viele Jahre Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR). Als einer der profiliertesten Migrationsrechtsexperten Deutschlands berät er regelmäßig Bundestagsausschüsse und europäische Institutionen.
Das aktuelle Buch: „Migration steuern. Eine Anleitung für das Hier und Jetzt“ (C.H. Beck, 2025)
In seinem neuen Buch liefert Daniel Thym eine klare Analyse der deutschen Migrationspolitik – und konkrete Reformvorschläge.
• weshalb das Asylrecht differenziert betrachtet und klüger angewandt werden sollte,
• wie man legale Migration stärkt, ohne den Schutz von Geflüchteten zu schwächen,
• und wie eine ehrliche Migrationspolitik Vertrauen zurückgewinnen kann – in der Gesellschaft und im internationalen Diskurs.