Wie zerfasert eine Gesellschaft?
Und welche Rolle spielt der Journalismus dabei – im Guten wie im Problematischen?
In dieser Folge unserer Mutmacher-Staffel sprechen wir mit Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur des stern, über die wachsende Polarisierung in westlichen Demokratien, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Journalismus und die Frage, wie Medien ihrer demokratischen Verantwortung gerecht bleiben können.
Schmitz hat viele Jahre in den USA gelebt und gearbeitet – und beobachtet mit Sorge, wie stark sich das Land weiter gespalten hat. Entwicklungen, die er dort früh wahrnahm, erkennt er inzwischen auch in Deutschland: ideologische Verhärtungen, wachsender Hass in Debatten und ein zunehmendes Misstrauen gegenüber etablierten Medien.
Medienkrise: Technikproblem oder Strukturfrage?
Im Gespräch geht es um die strukturellen Ursachen der sogenannten Medienkrise:
– massive Auflagenverluste im Printbereich
– digitale Transformation
– Abhängigkeit von Plattformen wie Google und Meta
– wirtschaftlicher Druck auf Redaktionen
Schmitz widerspricht jedoch der These, Qualitätsjournalismus sei grundsätzlich im Niedergang. Er sieht vielmehr eine Neujustierung: Wenn KI standardisierte Inhalte übernimmt, entsteht Raum für das, was Journalismus einzigartig macht – Recherche, Einordnung, persönliche Gespräche und investigative Arbeit.
Fehlerkultur, Corona und Flüchtlingsdebatte
Selbstkritisch spricht Schmitz über Versäumnisse der Medien – etwa in der Corona-Berichterstattung oder in der Flüchtlingsdebatte, wo die Bandbreite der Perspektiven teilweise zu spät abgebildet wurde.
Journalismus sei nicht unfehlbar, aber lernfähig. Transparenz, offene Fehlerkultur und Nähe zu Leserinnen und Lesern seien entscheidend für Vertrauen.
„Lügenpresse“, AfD und der Mut zur Auseinandersetzung
Wie geht man als Redaktion mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“ um?
Schmitz plädiert für Standfestigkeit: Meinungen sind frei – Fakten nicht. Medien müssten sich auch mit radikalen Akteuren auseinandersetzen, ohne ihnen unkritisch eine Bühne zu bieten. Mutiger Journalismus bedeute, Kritik von allen Seiten auszuhalten.
Finanzierung von Qualitätsjournalismus
Ob Stiftungsmodelle, private Eigentümer oder neue Erlösmodelle – Schmitz zeigt sich offen für verschiedene Wege, warnt jedoch vor staatlicher Einflussnahme. Unabhängiger Journalismus müsse finanziell tragfähig sein, ohne politisch vereinnahmt zu werden.
Trotz aller Herausforderungen bleibt Gregor Peter Schmitz optimistisch.
Er verweist auf die Stabilität demokratischer Institutionen in Deutschland und auf die historische Perspektive: Krisen gehören zur Geschichte – aber ebenso die Fähigkeit von Gesellschaften, sich zu erneuern.
Eine Folge über Medienvertrauen, Polarisierung, KI, Demokratie und die Frage:
Wie bleibt Journalismus widerstandsfähig – und warum lohnt es sich, ihm weiterhin zu vertrauen?
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