Sternstunden - Geschichten -Erinnerungen
Als Online-Reisebüros noch verdächtig waren…
Server noch richtige Maschinen und Passwörter manchmal „Susi24“ hießen.
Diese Episode von „25 Jahre digitale Touristik“ nimmt uns mit in eine Zeit, in der der Online-Reisevertrieb noch nicht nach Performance-Marketing, Conversion-Funnels und Cloud-Infrastruktur klang, sondern nach Flugpreislisten, 3-Letter-Codes, Netscape, Telefon, Videotext und sehr viel Pioniergeist.
Host Roman Borch spricht mit Gereon Krahn und Jürgen Witte über die deutsche Geschichte von ebookers – und mit Michael Buller über jene digitale Aufbruchsstimmung, aus der später auch der VIR entstand. Gereon erzählt von den frühen Tagen bei tis.com, von Graumarkttickets, die mühsam in Datenbanken eingepflegt und ins Internet gestellt wurden, von Teletravel und dem Einstieg in die ebookers-Welt. Jürgen bringt die Perspektive des ehemaligen Veranstaltermannes mit, der zunächst gelernt hatte, dass Onliner irgendwie suspekt seien – und dann ziemlich schnell merkte, dass dort nicht weniger, sondern oft mehr Arbeit, mehr Service und mehr Infrastruktur nötig waren.
Natürlich geht es auch um die großen Themen der frühen Nullerjahre: Vertrauen der Kunden, Kreditkartenzahlung im Internet, Provisionsmodelle für Onlinevertrieb, Servicecenter in Bonn, internationale Strukturen, Callcenter und Entwicklungskapazitäten in Indien, der Aufbau von Markenpräsenz und die Frage, warum ebookers auf der ITB auch mal so viel Geld ausgab, dass man dafür vermutlich ein paar sehr ordentliche Einfamilienhäuser hätte kaufen können.
Und mittendrin steht die Erkenntnis, dass Digitalisierung nie nur Software war. Michael Buller bringt es auf den Punkt: Digital ist Haltung. Eine Haltung, die Veränderung nicht beklagt, sondern gestaltet. Die nicht auf Erlaubnis wartet. Und die auch dann weitermacht, wenn Veranstalter, Verbände oder Kreditkartenkunden noch nicht ganz sicher sind, ob dieses Internet wirklich bleibt.
Eine Episode über Mut, Geschwindigkeit, Misstrauen, Schlipsverweigerung, Onlinepioniere, dicke Bretter und die charmante Wahrheit, dass die digitale Touristik nicht von Algorithmen allein gebaut wurde, sondern von Menschen, die einfach angefangen haben.
Noch mehr Infos und Geschichten gibt es übrigens auf der Webseite des vir.