Yiasas Adenauer

#37 „Reformen oder Wahlkampf? Ein Blick auf Mitsotakis’ Agenda“


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In dieser Episode spricht Marian Wendt mit Vasilis Karydas-Yfantis, Public & Governmental Affairs Manager der Konrad-Adenauer-Stiftung in Athen. Anlass ist die Thessaloniki International Fair (TIF), die wichtigste Messe Griechenlands, auf der Premierminister Kyriakos Mitsotakis im September ein umfassendes Steuerpaket vorgestellt hat.

Steuererleichterungen im Mittelpunkt

Die Regierung kündigte neue Entlastungen für die Mittelschicht, Familien und junge Menschen an. Besonders hervorzuheben ist die Senkung der Einkommenssteuersätze ab 2026 sowie die vollständige Steuerbefreiung für Einkommen bis 20.000 Euro bei unter 25-Jährigen. Auch kinderreiche Familien profitieren spürbar: Ab drei Kindern sinkt die Steuerlast deutlich, ab vier Kindern entfällt sie in bestimmten Einkommensbereichen sogar vollständig.

Familienpolitik und demografische Herausforderungen

Die Maßnahmen sollen die Kaufkraft stabilisieren und ein Signal für Familienförderung setzen. Gleichzeitig macht Vasilis Karydas-Yfantis deutlich: Das demografische Problem Griechenlands ist weitaus komplexer. Neben Steuern braucht es sichere Jobs, verlässliche Kinderbetreuung und bessere Bildungsangebote, um langfristig Wirkung zu entfalten.

Junge Menschen und Abwanderung

Die angekündigten Steuererleichterungen für junge Erwachsene sollen den Start ins Berufsleben erleichtern und die Attraktivität des Landes für Rückkehrer erhöhen. Doch Steuern allein sind nicht ausschlaggebend. Viele junge Menschen verlassen Griechenland wegen besserer Gehälter und Karrieremöglichkeiten im Ausland.

Kaufkraft, Inflation und Skepsis

Ein Großteil der Bevölkerung bleibt trotz der Maßnahmen skeptisch. Zwar sollen die Entlastungen je nach Einkommen zwischen 500 und 1.500 Euro netto pro Jahr bringen, doch hohe Preise für Energie und Grundnahrungsmittel schmälern die Wirkung im Alltag. Ob sich die positiven Effekte in Konsum und Vertrauen niederschlagen, bleibt abzuwarten.

Der angespannte Wohnungsmarkt

Neben Steuern ist das Thema Wohnen eines der größten Probleme in Griechenland. Besonders in Athen und Thessaloniki fehlen bezahlbare Wohnungen. Die Regierung setzt auf steuerliche Anreize, günstige Kredite und Förderprogramme für junge Menschen und Familien. Doch Vasilis Karydas-Yfantis betont: Ohne eine umfassende Strategie mit sozialem Wohnungsbau, gezielten Renovierungen und langfristiger Stadtplanung wird das Problem nicht gelöst.

Politik, Reform und Strategie

Die Rede von Premierminister Mitsotakis war zugleich wirtschaftliches Reformpaket und politisches Signal. Die Maßnahmen greifen reale Probleme auf, sind aber auch auf wahlentscheidende Gruppen zugeschnitten. Der Zeitplan – mit einer vollständigen Umsetzung bis 2027 – zeigt, dass hier ein langfristiger Effekt in Richtung Parlamentswahlen kalkuliert ist.

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Yiasas AdenauerBy Konrad Adenauer Stiftung