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#40 hörinsblau - Marko Dinić - Augsburger Gespräche 2025


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Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement


#Frieden bewahren


Der österreichische Schriftsteller und Essayist Marko Dinić gilt als eine der bedeutendsten und spannendsten Stimmen der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur. Er wurde 1988 in Wien geboren, verbrachte jedoch Kindheit und Jugend in Belgrad – eine Erfahrung, die seiner literarischen Arbeit besondere Tiefe und Vielschichtigkeit verliehen hat. Sein Debütroman „Die guten Tage“ (2019) wurde sowohl von Leser*innen als auch von Kritiker*innen mit großer Anerkennung aufgenommen. Sein neuer Roman „Das Buch der Gesichter“ (2025) zeigt erneut die besondere Perspektive des Schriftstellers auf zentrale Themen wie Identität, Erinnerung und historische Traumata. Das Buch wurde für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 nominiert. Im Rahmen der Augsburger Gespräche hatten wir die Gelegenheit, mit Marko Dinić ein ausführliches Interview zu führen. Darin spricht er offen und tiefgründig über den Entstehungsprozess seines Textes, über die Verantwortung des Schriftstellers sowie über die Rolle der Literatur bei der Vermittlung persönlicher und kollektiver Erinnerung. Seine Antworten sind nicht nur umfassend, sondern auch emotional überzeugend – genau deshalb hat dieses Gespräch einen besonderen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich bin überzeugt, dass auch die Hörer*innen diese Aufrichtigkeit und die intellektuelle Kraft spüren werden, die Dinićs Werk so einzigartig machen.



Augsburger Gespräche 2025


Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas prägten die 1990er Jahre. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den Künsten wider? 30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen Auseinandersetzungen und schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast vergessen. Vor dem Hintergrund aktueller Kriege drängt sich die Frage auf: Wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit ethnischer und religiöser Vielfalt umgegangen werden?

Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges geprägt, welche Formen des Austauschs entstanden, um mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht gelungene Integration aus, wo finden sich Assimilationsprozesse, die eigene Kulturen in den Hintergrund drängen? Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen sie die deutsche Gesellschaft seit Mitte der 1990er Jahre? Welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, wenn Slowenien und Kroatien der EU beigetreten sind, während die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zunehmen und in Bosnien und Herzegowina der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel steht? Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich daraus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo werden diese Fragen ausgetragen?

Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement. Zehn Schriftstellerinnen, Theaterleute, Musikerinnen und Künstler*innen tauschen sich mit Studierenden in geschlossener und offener Runde aus. Diskutiert wird, inwiefern nationale, historische und kulturelle Hintergründe die eigene künstlerische Position prägen, wie Erfahrungen von Migration und Fremdheit Sichtweisen verändern und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates im künstlerischen Schaffen Niederschlag findet.

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hörinsblauBy schauinsblau