Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement
#Frieden bewahren
Die 1979 im ehemaligen Jugoslawien geborene Jelena Kuljić ist Jazzmusikerin, Schauspielerin und Performerin. Ihr Weg führte über eine Begegnung mit „Summertime“ von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald in der Schule zu dem Mühsal des Daseins als Mitglied einer Hotelband zum Studium des Jazzgesangs in Berlin. Nach Engagements am Thalia Theater in Hamburg und dem Burgtheater in Wien ist sie seit 2015 festes Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen. Warmherzig-schonungslos verbindet sie Musik, Theater, Politik mit dem Leben selbst – in der Souveränität wahrer Jazzmusik.
Persönliche Erfahrung geht über in gesellschaftliche Reflexion – augenzwinkernd, selbstironisch, direkt.
Zwischen Jazz, Punk, Improvisation und Performance entwickelt sie eine künstlerische Sprache, die Widerstand, Empathie und Gegenwärtigkeit miteinander verdichtet. Kuljić versteht Jazz als Haltung – als Form des Zuhörens, des Risikos und der Offenheit. Momentan ist sie mit dem kooperativen Projekt Fundamental Interactions auf den großen Bühnen zu sehen und zu hören. Schauinsblau hatte im Rahmen der Augsburger Gespräche 2025 die Gelegenheit, mit der großartigen Jelena Kuljić zu sprechen.
Augsburger Gespräche 2025
Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas prägten die 1990er Jahre. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den Künsten wider? 30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen Auseinandersetzungen und schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast vergessen. Vor dem Hintergrund aktueller Kriege drängt sich die Frage auf: Wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit ethnischer und religiöser Vielfalt umgegangen werden?
Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges geprägt, welche Formen des Austauschs entstanden, um mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht gelungene Integration aus, wo finden sich Assimilationsprozesse, die eigene Kulturen in den Hintergrund drängen? Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen sie die deutsche Gesellschaft seit Mitte der 1990er Jahre? Welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, wenn Slowenien und Kroatien der EU beigetreten sind, während die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zunehmen und in Bosnien und Herzegowina der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel steht? Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich daraus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo werden diese Fragen ausgetragen?
Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement. Zehn Schriftstellerinnen, Theaterleute, Musikerinnen und Künstler*innen tauschen sich mit Studierenden in geschlossener und offener Runde aus. Diskutiert wird, inwiefern nationale, historische und kulturelle Hintergründe die eigene künstlerische Position prägen, wie Erfahrungen von Migration und Fremdheit Sichtweisen verändern und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates im künstlerischen Schaffen Niederschlag findet.