Augsburger Gespräche 2023 zu Literatur, Theater und Engagement
Kreativität. Kunst schafft Frieden?
Gespräch mit Wolfram Lotz
Der 1981 geborene Autor verfasst Theatertexte, Hörspiele, Lyrik und Prosa. War als Drehbuchautor tätig, hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und die Süddeutsche Zeitung kürte ihn zum „besten Dramatiker der Theater Gegenwart“.
Die Frage, ob Kunst Frieden schaffen könne, welche die Augsburger Gespräche 2023 initiierte, beantwortete Lotz in seinem Statement zu den Gesprächen folgend: „Jedes literarische Schreiben (oder vielleicht: das ich als solches ansehe?) ist doch immer und zuletzt und ganz besonders ein Schreiben gegen den Krieg (im abstrakten und konkreten Sinn).“
Augsburger Gespräche 2023
Unser Zusammenleben steht weltweit vor großen Herausforderungen: Krieg in Europa und der Welt, Umweltkatastrophen durch Klimawandel, Flucht und Vertreibung, soziale Ungerechtigkeiten, Rassismus und andere Diskriminierungsformen und die weltweite Schwächung der Demokratien lassen sich nicht mit einfachen Antworten und Lösungen verstehen oder klären. Denkmuster der westlichen Wissensgesellschaften sind allerdings häufig immer noch auf eindeutige Kategorien, wie richtig oder falsch, gut oder schlecht ausgerichtet und können dementsprechend nicht auf komplexe Zusammenhänge adäquat reagieren. Resultat sind nicht selten Angst, Verunsicherung und Überforderung, weil alte Norm- und Wertmaßstäbe keine Orientierung mehr zu bieten scheinen.
Der Umgang mit aktuellen Herausforderungen und Problemlagen verlangt daher nach Kulturtechniken, die diese Prozesse begleiten, reflektieren und allererst kenntlich machen. Hier gilt es, Kreativität als wesentliche Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts sichtbar zu machen, anzuerkennen und zu stärken. Wesentliches Strukturmerkmal der Kreativität ist es, auf Ambiguitäten der Realität zu reagieren und sie als Formelement in die eigenen künstlerischen Prozesse zu integrieren. Dabei spielen nicht nur inhaltliche Bezugnahmen auf aktuelle gesellschaftliche Prozesse eine Rolle, sondern gerade in den unterschiedlichen (Ausdrucks)Formen von Kunst wird der Umgang mit Mehrdeutigkeit und Ungewissheit erprobt, das Denken von Alternativen eingeübt, bestehende Norm- und Wertmaßstäbe hinterfragt oder unkonventionelle Zusammenhänge hergestellt. Schließlich können auf diese Weise Utopien entwickelt und Haltungen gegenüber der Kunst und gegenüber der Welt herausgefordert werden.