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#41 hörinsblau - Adnan Softić - Augsburger Gespräche 2025


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Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement


#Frieden bewahren


Der 1975 in Sarajevo geborene Künstler Adnan Softić floh 1992 nach Deutschland. Er studierte in Berlin Philosophie und Politikwissenschaft sowie später in Hamburg Film und ästhetische Theorie. Heute arbeitet er zwischen Film, Installation, Hörspiel und Publikation an einer Praxis, die persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Analyse untrennbar miteinander verschränkt. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet und international gezeigt. Sie öffnen Räume der Übersetzung und ermöglichen eine Begegnung mit der Andersartigkeit des Anderen.

Softić konfrontiert seine Zuschauer mit der Brüchigkeit des Friedens, mit Krieg, Flucht und Trauma und macht verdrängte Wirklichkeiten sichtbar. Er zeigt die Architekturen der Macht und den Mythos der Nation – stabilisiert von Ideologie und Gewalt. Er berichtet von der Unfähigkeit Europas im Umgang mit Komplexität und versteht die Balkanisierung als möglichen Begriff für radikale Toleranz. Dabei plädiert Softić dafür, den Konflikt zu umarmen, anstatt ihn zu verblenden – als Haltung, die Widerstand, Heilung und demokratische Auseinandersetzung erst möglich macht. Schauinsblau hatte im Rahmen der Augsburger Gespräche 2025 die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.



Augsburger Gespräche 2025


Der Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien und die sich anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Südosten Europas prägten die 1990er Jahre. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm die Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aktiv an einem Krieg teil. Welche Auswirkungen hatte dies auf das gesellschaftspolitische Selbstverständnis des Landes, wie ging und geht man mit Fragen der Schuld und Verantwortung um und spiegeln sich diese Fragen in den Künsten wider? 30 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, der Partnerstadt Augsburgs, sind diese Fragen aktueller denn je. Die schrecklichen Auseinandersetzungen und schwersten Menschenrechtsverletzungen scheinen fast vergessen. Vor dem Hintergrund aktueller Kriege drängt sich die Frage auf: Wie kann Frieden nachhaltig gelingen und wie kann produktiv mit ethnischer und religiöser Vielfalt umgegangen werden?

Welche kulturellen Einflüsse haben Deutschland seit dem Ende des Bosnienkrieges geprägt, welche Formen des Austauschs entstanden, um mit Menschen aus so unterschiedlichen Ländern in Verbindung zu treten? Wie sieht gelungene Integration aus, wo finden sich Assimilationsprozesse, die eigene Kulturen in den Hintergrund drängen? Welche Folgen haben Flucht und Vertreibung und wie prägen sie die deutsche Gesellschaft seit Mitte der 1990er Jahre? Welche Idee von Europa wurde seitdem entwickelt, wenn Slowenien und Kroatien der EU beigetreten sind, während die Spannungen zwischen Serbien und Kosovo zunehmen und in Bosnien und Herzegowina der gesellschaftliche Frieden erneut auf dem Spiel steht? Welches Verständnis von gesellschaftlicher Identität prägt sich daraus, wie wird das eigene und das fremde Land wahrgenommen und wo werden diese Fragen ausgetragen?

Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der achten Augsburger Gespräche zu Literatur, Theater und Engagement. Zehn Schriftstellerinnen, Theaterleute, Musikerinnen und Künstler*innen tauschen sich mit Studierenden in geschlossener und offener Runde aus. Diskutiert wird, inwiefern nationale, historische und kulturelle Hintergründe die eigene künstlerische Position prägen, wie Erfahrungen von Migration und Fremdheit Sichtweisen verändern und in welcher Weise die Idee eines Vielvölkerstaates im künstlerischen Schaffen Niederschlag findet.

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hörinsblauBy schauinsblau