Hebräer 7,3 nennt Melchisedek "ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister; er hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens". Klassische Theologie las das als Hinweis auf die Ewigkeit Christi — eine wichtige Stütze für die Dreieinigkeitslehre. Fausto Sozzini aber deutete diese Worte ganz anders. Diese Folge beginnt mit dem Wortlaut des Verses und zeichnet den historischen Weg nach, wie Melchisedek in Judenchristlicher Exegese, Patristik, Scholastik und Reformation zum Kronzeugen für Christi Ewigkeit wurde — und wie dieser Befund den Boden für die sozinianische Gegenlesung bereitete.