
Sign up to save your podcasts
Or


Es ist eine Eigenart der Literatur, der Kunst überhaupt, dass sie Bekanntes, Gewöhnliches, Banales, alle Dinge des Lebens neu betrachtet, aus einer anderen Perspektive. Somit sollte es uns nicht überraschen, dass auch mal eine Uhrzeit literarisch porträtiert wird. Tut es aber doch, denn es ist schon komisch im besten Sinne, wenn Robert Walser in seinem Text „Acht Uhr“ von ihrer „Unerbittlichkeit“ schreibt und davon, dass sie nicht „nach persönlichem Gefühl, Geschmack oder Belieben“ fragt. Morgens sei sie „die Treibende, Zwingende“ – die tätigen Menschen eilen an ihre Arbeits- oder Studierstätten. Abends werde „auch geeilt, aber auf eine andere Art, in einem anderen Gewande“. Das Konzert beginnt, das Theaterstück. Diese zweite Acht-Uhr-Art „glitzert, während die andere scheinbar ohne Schimmer ist“. Die am Abend befiehlt nicht, sie „ladet mehr ein“ (sic!).
Walser ist ein Schriftsteller mit einer eigentümlichen Sprache und äußerst unterhaltsamen Verrücktheiten. Zu Lebzeiten blieb er von der Öffentlichkeit fast ebenso wenig beachtet wie das, worum dieser Text kreist. Im Leben neben dem Schreibtisch quälten diesen Autor bald Angst und Halluzinationen. Er suchte freiwillig – auf Anraten seines Arztes – eine psychiatrische Klinik auf, blieb dort und schrieb weiter. Bis zu seinem Tod. Was uns bleibt, sind vier Romane und etliche kurze Prosatexte. Einen dieser präsentieren wir heute. „Acht Uhr“ ist exakt 100 Jahre alt und wird hier vorgetragen von Volker Drüke.
By Volker DrükeEs ist eine Eigenart der Literatur, der Kunst überhaupt, dass sie Bekanntes, Gewöhnliches, Banales, alle Dinge des Lebens neu betrachtet, aus einer anderen Perspektive. Somit sollte es uns nicht überraschen, dass auch mal eine Uhrzeit literarisch porträtiert wird. Tut es aber doch, denn es ist schon komisch im besten Sinne, wenn Robert Walser in seinem Text „Acht Uhr“ von ihrer „Unerbittlichkeit“ schreibt und davon, dass sie nicht „nach persönlichem Gefühl, Geschmack oder Belieben“ fragt. Morgens sei sie „die Treibende, Zwingende“ – die tätigen Menschen eilen an ihre Arbeits- oder Studierstätten. Abends werde „auch geeilt, aber auf eine andere Art, in einem anderen Gewande“. Das Konzert beginnt, das Theaterstück. Diese zweite Acht-Uhr-Art „glitzert, während die andere scheinbar ohne Schimmer ist“. Die am Abend befiehlt nicht, sie „ladet mehr ein“ (sic!).
Walser ist ein Schriftsteller mit einer eigentümlichen Sprache und äußerst unterhaltsamen Verrücktheiten. Zu Lebzeiten blieb er von der Öffentlichkeit fast ebenso wenig beachtet wie das, worum dieser Text kreist. Im Leben neben dem Schreibtisch quälten diesen Autor bald Angst und Halluzinationen. Er suchte freiwillig – auf Anraten seines Arztes – eine psychiatrische Klinik auf, blieb dort und schrieb weiter. Bis zu seinem Tod. Was uns bleibt, sind vier Romane und etliche kurze Prosatexte. Einen dieser präsentieren wir heute. „Acht Uhr“ ist exakt 100 Jahre alt und wird hier vorgetragen von Volker Drüke.