In dieser Folge sprechen wir über ein Thema, das in der systemischen Arbeit häufig präsent ist – oft leise, oft über Generationen hinweg, und doch mit großer Wirkung: Alkohol im Familiensystem.
Uns ist dabei wichtig, gleich zu Beginn klarzustellen:
Wenn Alkohol in einem System auftaucht, geht es selten um Schuld, Moral oder individuelles Versagen.
Es geht um Gefühle, die keinen Raum hatten, um Überforderung – und um Strategien, die einmal geholfen haben zu überleben.
Aus systemischer Sicht fragen wir nicht: Warum trinkt jemand?
Sondern: Wozu war der Alkohol da?
Alkohol übernimmt in vielen Familien eine regulierende Funktion:
Er dämpft Gefühle, macht Nähe erträglicher oder schafft Abstand, wo Nähe zu schmerzhaft gewesen wäre.
Systemisch betrachtet ist Alkohol deshalb oft nicht die Ursache – sondern eine Lösung, die zu ihrer Zeit sinnvoll war.
Anhand eines anonymisierten Fallbeispiels zeigen wir Schritt für Schritt, wie sich dieses Thema in einer Aufstellung entfalten kann:
Wie Alkohol, Vater, Großvater, Schuld, Scham, Verdrängung und Lebenskraft sichtbar werden –
und wie sich durch kleine, achtsame Bewegungen im System etwas ordnet.
Im Zentrum steht dabei nicht das „Wegmachen“, sondern das Zurückgeben von Verantwortung:
Schuld und Scham dürfen dort bleiben, wo sie entstanden sind.
Der Alkohol wird nicht verurteilt, sondern als das geehrt, was er war – ein Hilfsmittel zum Überleben.
Und gleichzeitig wird deutlich: Diese Strategien müssen heute nicht mehr weitergetragen werden.Diese Folge lädt ein, mit einem neuen Blick auf familiäre Muster zu schauen –
mit mehr Verständnis, weniger Schuld und der Möglichkeit, den eigenen Weg freier zu gehen.