DER DUNKLE KÖNIG
Der dunkle König herrscht
und über alles will er herrschen.
Seit ich, und es war niemals meine Wahl,
in sein Reich hineingeboren ward,
such' ich seine Macht zu fliehen.
In Sinn, in Tat und Staunen,
ja selbst in Wollen gar,
vermag ich mich zu verbergen vor ihm.
Seiner Häscher Hunde aber,
Müssen und Zweifeln geheißen,
spüren mich auf, wo immer ich bin.
Ich fliehe jeden Tag aufs Neue,
in stetem Werden mich versteckend,
nicht innehalten, stillsteh'n könnend,
die Hunde mir im Nacken wissend,
den unerreichbar’n Horizont zum Ziel.
Doch zerrten bis heute jene Hunde
mich beinah noch aus jedem Versteck.
Und, ach, wie oft warfen seine Schergen
mich vor des dunklen Königs Thron,
in seinem Schloss im tiefsten aller Täler,
dem Zentrum aller Schatten,
wo nicht Wollen noch Werden,
wo einzig sein Wille und nicht mehr ist als er.
Der dunkle König sagt:
es gibt kein Entkommen.
nicht Fenster noch Türen hat sein Schloss.
Es gibt nicht Sinn noch Tat darin.
Einzig Verharren im dunkel,
ein Schälchen Bitternis zum Morgen,
ein Teller Verzweiflung dann zum Mittag
und keinen Ausweg mehr zur Nacht.
Der König sagt,
du musst ihm dienen,
denn von der Welt die einstmals war,
steht einzig noch sein Schloss,
darin du bleiben und an Bitternis,
Verzweifung und keinen Ausweg
nunmehr dich gewöhnen musst.
Weil nichts auf Erden sonst mehr ist .
So sagt der dunkle König,
so und noch so vieles mehr,
zärtlich dunkle Ketten
dir um deine Glieder legend,
und klingt, derweil er spricht,
dir väterlich die finst're Hand
auf deine müde Schulter legt,
wie einer dem man glauben muss.
Doch spricht er nicht die Wahrheit.
Und wann immer ich ihm wieder glaube,
mein Schälchen Bitternis in Händen,
versuche ich mich zu erinnern,
dass jenseits seines dunklen Schlosses,
Wollen und Werden aberfach,
ja, hundert Horizonte warten.
Und jeder davon straft ihn Lügen.