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Gnade mit euch, und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Auferstandenen, unserem Herrn!
Paulus, Apostel eben dieses Auferstandenen, schreibt an die von ihm gegründete Gemeinde in Korinth--und heute auch an uns, hier in Gäufelden. Hört, aus dem 1. Korintherbrief aus dem 15. Kapitel:
Wir sagen: Jesus, der Messias, ist auferstanden. Aber manche bei euch sagen: Die Toten stehen nicht auf. Wie passt das zusammen?Stell dir vor: Die Toten bleiben tot. Dann wurde auch der Messias nicht lebendig gemacht. Der Messias bleibt tot? Dann reden wir umsonst. Dann ist euer Glaube leer. Dann haben wir sogar über Gott gelogen. Wir haben gesagt: Gott hat den Messias lebendig gemacht. Aber das ist dann ja nicht wahr. Die Toten bleiben dann ja tot.Also: Die Toten bleiben tot? Dann wurde auch der Messias nicht lebendig gemacht. Der Messias bleibt tot? Dann ist euer Glaube sinnlos. Dann seid ihr noch gefangen. Getrennt von Gott. Dann sind alle verloren. Auch die, die an den Messias geglaubt haben und gestorben sind. Wenn der Messias uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt — dann sind wir die Ärmsten überhaupt.Aber jetzt ist es so: Gott hat den Messias lebendig gemacht. Als Ersten von allen, die gestorben sind. Schaut: Ein Mensch hat den Tod in die Welt gebracht. Und ein Mensch bringt das Leben zurück. Adam steht für alle Menschen. Deshalb sterben alle. Der Messias steht für alle Menschen. Deshalb werden alle lebendig gemacht.Aber es geht der Reihe nach. Zuerst der Messias. Dann, wenn er wiederkommt, alle, die zu ihm gehören. Dann kommt das Ende. Der Messias besiegt alles Mächtige. Alles, was über Menschen bestimmt. Alles, was Menschen Angst macht. Dann gibt er Gott, seinem Vater, die Kontrolle. So muss es nämlich sein: Der Messias herrscht, bis Gott alle seine Feinde besiegt hat. Der letzte Feind ist dann der Tod. Auch er wird vernichtet.Gott hat dem Messias alles untergeordnet. Mit „alles" ist Gott selbst natürlich nicht gemeint. Gott hat das alles möglich gemacht. Am Ende gibt der Messias alles an Gott zurück. Von Gott hat er alles bekommen. Am Ende ist Gott alles in allem. (1. Korinther 15,12–28; von mir in Leichte Sprache übertragen)Sie haben ja recht: Der Tod ist das Ende. Was tot ist, ist tot. Stille. Gräber. Steine. Das ist es, was wir heute Morgen schon auf dem Nebringer Friedhof gesehen haben: Stille, Gräber und Steine. Vergänglichkeit und Ende. Was tot ist, ist tot und bleibt tot. Das ist doch vernünftig. Das ist es, was wir überall beobachten. Das ist es, was alle Fakten uns bestätigen. Was tot ist, ist tot. Das ist zu akzeptieren. Schlicht und einfach: Vernünftig. Wer das nicht sieht, verweigert sich der Realität.
Und ich stehe nicht hier, um das wegzureden.
"Adam" nennt die Bibel den, der für dieses Schicksal steht. Urbild des Menschen, der dem Tod unterworfen ist. Irgendwie sind wir alle Adam, oder?
Der Tod ist kein sanfter Einschläfer. Er ist der Feind. Wer das nicht kennt, hat Ostern noch nicht gebraucht.
Ostern drängt uns dazu, das anders zu sehen. Das ist nicht, was wir bezeugt haben heute Morgen auf dem Friedhof. Davon haben wir nicht gesungen. Ostern zeigt uns einen anderen Blick: Auch an den Gräbern geben wir die Hoffnung nicht auf. Wir übersehen Vergänglichkeit nicht. Wir sehen weiter. Das Ende liegt nicht auf dem Friedhof. Ostern drängt uns hin zum Ende--zum Ende aller Dinge. Man könnte auch sagen: zu ihrer Vollendung.
"Am Ende ist Gott alles in allem", schreibt Paulus.
Am Ende ist Gott alles in allem. Alles in allem. Und alles in Gott. Das lässt keinen Raum mehr für den Tod. Keinen Raum mehr für Leiden. Für Krieg. Für Schmerzen und Weinen. Für Einsamkeit und Ablehnung. Für Verlust und das Klagen um die, die uns fehlen.
Da fehlt überhaupt nichts mehr.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Das lässt keinen Raum mehr für die Angst, die einen nachts wachhält. Für die Diagnose, die alles verändert hat. Für die Beziehung, die zerbrochen ist und nicht mehr gekittet wird. Für das Kind, um das man sich sorgt. Für den Vater, die Mutter, die man nicht mehr erreicht. Kennst du das? Ich schon.
Da bleibt kein Raum mehr für die Mächtigen, die über andere bestimmen als wäre Leben nichts wert. Für Möchtegern-Könige, egal welcher Haarfarbe. Für Diktatoren, die Grenzen verschieben. Für Bomben, die auf Wohnhäuser fallen. Für Gleichgültigkeit gegenüber denen, die im Mittelmeer ertrinken oder auf der Flucht sind, ohne Heimat. Für Systeme, die Menschen klein halten, damit andere groß bleiben können.
Da bleibt kein Raum mehr für missbrauchte Kinder, für überforderte Eltern, für abgeschobene Alte. Kein Raum für Ablehnung derer, die irgendwie anders sind.
Da bleibt kein Raum mehr für Krebsdiagnosen und Kindergräber, für Schreckensnachrichten und für qualvolles Leiden.
Kein Raum für Propaganda und Verführung.
Kein Raum mehr für alles, was Menschen beherrscht und knechtet. Was Angst macht und lähmt. Was trennt und zerstört.
Am Ende sind die Dinge so, wie sie sein sollten.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Das ist das Ende.
Nicht der Tod.
Denn der ist besiegt. Das ist es, was Ostern uns sagt: Der Tod ist überwunden. Der Tod ist ja nicht nur das Ende des Lebens. Er ist der Versuch, Gott das letzte Wort zu nehmen. Ostern sagt: Das gelingt ihm nicht.
Das sehen wir am leeren Grab: Christus ist auferstanden! Gott hat seinen Messias dem Tode entrissen. Und das ist kein Einzelfall. Für Paulus ist das "Erstlingsfrucht." Der Beginn einer neuen Ernte. Wo der blüht, da kommt noch vieles nach. Wir kommen nach. Das ist die Verheißung von Ostern. Die Auferstehung des Gekreuzigten verändert die Wirklichkeit. Auch unser Tod wird nicht das Ende sein. Auch uns nimmt Gott mit hinein in das neue Leben.
Das meine ich, wenn ich immer wieder sage: "Wir haben Hoffnung." Nicht eine Hoffnung, die sich mit dem arrangiert, was halt ist. Nicht eine Hoffnung, die sagt: Es wird schon irgendwie werden. Hoffnung ist unser Widerspruch zu dem, was hier so endgültig scheint. Hoffnung sagt: Der Tod ist besiegt, auch wenn jetzt noch Menschen sterben. Hoffnung weiß: Ostern hat alles verändert. Hoffnung hält sich gegen alles hier am Ende fest.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Macht. Gewalt. Dominanz. Unterdrückung. Tod.
Am Ende werden sie alle verloren haben.
Ostern sagt: Sie haben schon verloren. Mit dem auferstandenen Messias beginnt die neue Schöpfung Gottes. Wir sind schon ein Teil davon. Wir leben mittendrin--auch wenn es um uns herum noch ganz anders aussieht. Wir feiern nicht nur Ostern in einer zerrissenen Welt. Wir leben die neue Schöpfung schon. Jeden Tag. Wir sind Ostermenschen--viel besser als Osterhasen. Und das meine ich ernst!
Die Jahreslosung "Siehe, ich mache alles neu." ist für uns keine Zukunft mehr. "Ich mache", das ist Gegenwart. Begonnen hat sie genau da: am leeren Grab. Am Ostermorgen. Mit dieser Botschaft: Christus ist auferstanden. Seither macht Gott alles neu. Durch Christus. Ostern drängt uns, die Augen aufzumachen: Wo macht Gott gerade alles neu? Hier. Bei uns. Heute.
Vielleicht schon in dem Gespräch, das heute nach dem Gottesdienst noch kommt. In der Hand, die jemand hält. Im Lied, das wir gemeinsam gesungen haben.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Ich denke an Hailey, die heute getauft wurde. Ein kleines Leben. Noch so am Anfang. Und Gott sagt: Dieses Leben gehört mir. Ich habe Hailey bei ihrem Namen gerufen. Ich bin dabei. Von Anfang an. Bis ans Ende. Und über das Ende hinaus.
Die Taufe ist mehr als ein Familienfest mit Kerze und weißem Kleid. Sie ist der Eintritt in die größte Geschichte, die es gibt. In die Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung. In die Bewegung, die Paulus beschreibt: von Adam zum Messias. Vom Tod zum Leben. Von der alten Welt in die neue.
Hailey ist jetzt ein Ostermensch.
Gott hat sich entschieden. Für Hailey. Für dich. Für alle. Diese Entscheidung ist älter als die Welt und stärker als der Tod. Wenn wir alle irgendwie "Adam" sind — dann sind wir in der Taufe neu verortet. „In Christus", würde Paulus sagen. Nicht mehr nur Adams Kinder. Sondern Kinder des Auferstandenen.
Gott hat dem Messias das Leben zurückgegeben. Und in der Taufe gibt er es weiter. An Hailey. An uns alle, die wir getauft sind. Das ist kein frommer Wunsch. Das ist Wirklichkeit. Seit Ostern. Hoffnung weiß das. Hoffnung sieht das.
Auch Hailey wird einmal sterben. Das verschweigen wir nicht. Aber der Tod wird nicht das letzte Wort haben. Gott hat das letzte Wort. Und das lautet: Leben.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Aber — und das ist wichtig — diese neue Schöpfung ist nicht privat. Sie ist nicht nur für Hailey, für dich, für mich, für Einzelne. Sie ist nicht nur für uns, die wir heute hier sitzen. Paulus schreibt: „In Christus werden alle lebendig gemacht." Alle. Die ganze Schöpfung stöhnt und wartet, schreibt er an anderer Stelle. Nicht nur die Menschen. Die ganze Schöpfung wartet auf ihre Befreiung. Ostern ist kein Privatereignis. Ostern ist der Beginn der neuen Welt.
Nicht nur Hailey wartet auf ihre Vollendung. Der Wald wartet. Das Meer wartet. Die ganze Schöpfung wartet auf den Tag, an dem Gott alles in allem ist.
Die alte Welt hat's nämlich in sich. Die alte Welt ist voller Schrecken. Auschwitz. Butscha. Sterben in Tel Aviv, in Gaza und Beirut, in Teheran und im Donbass. "Wo war da Gott?" fragst du. Und du hast ja recht, das zu fragen. Eine Hoffnung, die darauf keine Antwort hat, ist keine christliche Hoffnung. Eine Auferstehung, die die Toten der Geschichte vergisst, ist nicht die Auferstehung, von der Paulus spricht.
Paulus spricht von der Auferstehung der Toten. Nicht: der Seelen. Nicht: der Gerechten. Der Toten. Aller Toten. Die Toten der Geschichte schweigen nicht. Sie schreien zu Gott. Und Gott hört. Auferstehung heißt: Gott gibt ihnen recht. Die Geschichte der Leiden, die Geschichte der Opfer, die Geschichte der Vergessenen — sie ist bei Gott nicht vergessen. Sie wird aufgehoben. Nicht ausgelöscht, sondern verwandelt.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Das ist die Hoffnung, für die ich lebe.
Auf die ich zulebe. An der ich mich festhalte.
Und von der ich nicht aufhören kann, zu reden.
Ich bin ein Ostermensch.
Einen Augenblick lang hat mich Paulus in Schrecken versetzt. Bei seinem Nachdenken über eine Welt ohne die Auferstehung wäre mir fast der Atem stehengeblieben. Ich glaube fast, so ging es ihm selbst auch: "Wenn der Messias uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt — dann sind wir die Ärmsten überhaupt."
Ostern schreit seinen Widerspruch in das, was wir als Realität wahrnehmen: "Aber jetzt ist es so: Gott hat den Messias lebendig gemacht."
Da ist sie die Hoffnung. Laut. Unkaputtbar.
Wir sind nicht die Ärmsten überhaupt. Wir sind Ostermenschen. Menschen mit Hoffnung, die der Wirklichkeit nicht ausweicht, sondern ihr standhält.
Und sie verwandelt, bis alles neu wird.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Frohe Ostern!
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch, und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, dem Auferstandenen, unserem Herrn!
Paulus, Apostel eben dieses Auferstandenen, schreibt an die von ihm gegründete Gemeinde in Korinth--und heute auch an uns, hier in Gäufelden. Hört, aus dem 1. Korintherbrief aus dem 15. Kapitel:
Wir sagen: Jesus, der Messias, ist auferstanden. Aber manche bei euch sagen: Die Toten stehen nicht auf. Wie passt das zusammen?Stell dir vor: Die Toten bleiben tot. Dann wurde auch der Messias nicht lebendig gemacht. Der Messias bleibt tot? Dann reden wir umsonst. Dann ist euer Glaube leer. Dann haben wir sogar über Gott gelogen. Wir haben gesagt: Gott hat den Messias lebendig gemacht. Aber das ist dann ja nicht wahr. Die Toten bleiben dann ja tot.Also: Die Toten bleiben tot? Dann wurde auch der Messias nicht lebendig gemacht. Der Messias bleibt tot? Dann ist euer Glaube sinnlos. Dann seid ihr noch gefangen. Getrennt von Gott. Dann sind alle verloren. Auch die, die an den Messias geglaubt haben und gestorben sind. Wenn der Messias uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt — dann sind wir die Ärmsten überhaupt.Aber jetzt ist es so: Gott hat den Messias lebendig gemacht. Als Ersten von allen, die gestorben sind. Schaut: Ein Mensch hat den Tod in die Welt gebracht. Und ein Mensch bringt das Leben zurück. Adam steht für alle Menschen. Deshalb sterben alle. Der Messias steht für alle Menschen. Deshalb werden alle lebendig gemacht.Aber es geht der Reihe nach. Zuerst der Messias. Dann, wenn er wiederkommt, alle, die zu ihm gehören. Dann kommt das Ende. Der Messias besiegt alles Mächtige. Alles, was über Menschen bestimmt. Alles, was Menschen Angst macht. Dann gibt er Gott, seinem Vater, die Kontrolle. So muss es nämlich sein: Der Messias herrscht, bis Gott alle seine Feinde besiegt hat. Der letzte Feind ist dann der Tod. Auch er wird vernichtet.Gott hat dem Messias alles untergeordnet. Mit „alles" ist Gott selbst natürlich nicht gemeint. Gott hat das alles möglich gemacht. Am Ende gibt der Messias alles an Gott zurück. Von Gott hat er alles bekommen. Am Ende ist Gott alles in allem. (1. Korinther 15,12–28; von mir in Leichte Sprache übertragen)Sie haben ja recht: Der Tod ist das Ende. Was tot ist, ist tot. Stille. Gräber. Steine. Das ist es, was wir heute Morgen schon auf dem Nebringer Friedhof gesehen haben: Stille, Gräber und Steine. Vergänglichkeit und Ende. Was tot ist, ist tot und bleibt tot. Das ist doch vernünftig. Das ist es, was wir überall beobachten. Das ist es, was alle Fakten uns bestätigen. Was tot ist, ist tot. Das ist zu akzeptieren. Schlicht und einfach: Vernünftig. Wer das nicht sieht, verweigert sich der Realität.
Und ich stehe nicht hier, um das wegzureden.
"Adam" nennt die Bibel den, der für dieses Schicksal steht. Urbild des Menschen, der dem Tod unterworfen ist. Irgendwie sind wir alle Adam, oder?
Der Tod ist kein sanfter Einschläfer. Er ist der Feind. Wer das nicht kennt, hat Ostern noch nicht gebraucht.
Ostern drängt uns dazu, das anders zu sehen. Das ist nicht, was wir bezeugt haben heute Morgen auf dem Friedhof. Davon haben wir nicht gesungen. Ostern zeigt uns einen anderen Blick: Auch an den Gräbern geben wir die Hoffnung nicht auf. Wir übersehen Vergänglichkeit nicht. Wir sehen weiter. Das Ende liegt nicht auf dem Friedhof. Ostern drängt uns hin zum Ende--zum Ende aller Dinge. Man könnte auch sagen: zu ihrer Vollendung.
"Am Ende ist Gott alles in allem", schreibt Paulus.
Am Ende ist Gott alles in allem. Alles in allem. Und alles in Gott. Das lässt keinen Raum mehr für den Tod. Keinen Raum mehr für Leiden. Für Krieg. Für Schmerzen und Weinen. Für Einsamkeit und Ablehnung. Für Verlust und das Klagen um die, die uns fehlen.
Da fehlt überhaupt nichts mehr.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Das lässt keinen Raum mehr für die Angst, die einen nachts wachhält. Für die Diagnose, die alles verändert hat. Für die Beziehung, die zerbrochen ist und nicht mehr gekittet wird. Für das Kind, um das man sich sorgt. Für den Vater, die Mutter, die man nicht mehr erreicht. Kennst du das? Ich schon.
Da bleibt kein Raum mehr für die Mächtigen, die über andere bestimmen als wäre Leben nichts wert. Für Möchtegern-Könige, egal welcher Haarfarbe. Für Diktatoren, die Grenzen verschieben. Für Bomben, die auf Wohnhäuser fallen. Für Gleichgültigkeit gegenüber denen, die im Mittelmeer ertrinken oder auf der Flucht sind, ohne Heimat. Für Systeme, die Menschen klein halten, damit andere groß bleiben können.
Da bleibt kein Raum mehr für missbrauchte Kinder, für überforderte Eltern, für abgeschobene Alte. Kein Raum für Ablehnung derer, die irgendwie anders sind.
Da bleibt kein Raum mehr für Krebsdiagnosen und Kindergräber, für Schreckensnachrichten und für qualvolles Leiden.
Kein Raum für Propaganda und Verführung.
Kein Raum mehr für alles, was Menschen beherrscht und knechtet. Was Angst macht und lähmt. Was trennt und zerstört.
Am Ende sind die Dinge so, wie sie sein sollten.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Das ist das Ende.
Nicht der Tod.
Denn der ist besiegt. Das ist es, was Ostern uns sagt: Der Tod ist überwunden. Der Tod ist ja nicht nur das Ende des Lebens. Er ist der Versuch, Gott das letzte Wort zu nehmen. Ostern sagt: Das gelingt ihm nicht.
Das sehen wir am leeren Grab: Christus ist auferstanden! Gott hat seinen Messias dem Tode entrissen. Und das ist kein Einzelfall. Für Paulus ist das "Erstlingsfrucht." Der Beginn einer neuen Ernte. Wo der blüht, da kommt noch vieles nach. Wir kommen nach. Das ist die Verheißung von Ostern. Die Auferstehung des Gekreuzigten verändert die Wirklichkeit. Auch unser Tod wird nicht das Ende sein. Auch uns nimmt Gott mit hinein in das neue Leben.
Das meine ich, wenn ich immer wieder sage: "Wir haben Hoffnung." Nicht eine Hoffnung, die sich mit dem arrangiert, was halt ist. Nicht eine Hoffnung, die sagt: Es wird schon irgendwie werden. Hoffnung ist unser Widerspruch zu dem, was hier so endgültig scheint. Hoffnung sagt: Der Tod ist besiegt, auch wenn jetzt noch Menschen sterben. Hoffnung weiß: Ostern hat alles verändert. Hoffnung hält sich gegen alles hier am Ende fest.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Macht. Gewalt. Dominanz. Unterdrückung. Tod.
Am Ende werden sie alle verloren haben.
Ostern sagt: Sie haben schon verloren. Mit dem auferstandenen Messias beginnt die neue Schöpfung Gottes. Wir sind schon ein Teil davon. Wir leben mittendrin--auch wenn es um uns herum noch ganz anders aussieht. Wir feiern nicht nur Ostern in einer zerrissenen Welt. Wir leben die neue Schöpfung schon. Jeden Tag. Wir sind Ostermenschen--viel besser als Osterhasen. Und das meine ich ernst!
Die Jahreslosung "Siehe, ich mache alles neu." ist für uns keine Zukunft mehr. "Ich mache", das ist Gegenwart. Begonnen hat sie genau da: am leeren Grab. Am Ostermorgen. Mit dieser Botschaft: Christus ist auferstanden. Seither macht Gott alles neu. Durch Christus. Ostern drängt uns, die Augen aufzumachen: Wo macht Gott gerade alles neu? Hier. Bei uns. Heute.
Vielleicht schon in dem Gespräch, das heute nach dem Gottesdienst noch kommt. In der Hand, die jemand hält. Im Lied, das wir gemeinsam gesungen haben.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Ich denke an Hailey, die heute getauft wurde. Ein kleines Leben. Noch so am Anfang. Und Gott sagt: Dieses Leben gehört mir. Ich habe Hailey bei ihrem Namen gerufen. Ich bin dabei. Von Anfang an. Bis ans Ende. Und über das Ende hinaus.
Die Taufe ist mehr als ein Familienfest mit Kerze und weißem Kleid. Sie ist der Eintritt in die größte Geschichte, die es gibt. In die Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung. In die Bewegung, die Paulus beschreibt: von Adam zum Messias. Vom Tod zum Leben. Von der alten Welt in die neue.
Hailey ist jetzt ein Ostermensch.
Gott hat sich entschieden. Für Hailey. Für dich. Für alle. Diese Entscheidung ist älter als die Welt und stärker als der Tod. Wenn wir alle irgendwie "Adam" sind — dann sind wir in der Taufe neu verortet. „In Christus", würde Paulus sagen. Nicht mehr nur Adams Kinder. Sondern Kinder des Auferstandenen.
Gott hat dem Messias das Leben zurückgegeben. Und in der Taufe gibt er es weiter. An Hailey. An uns alle, die wir getauft sind. Das ist kein frommer Wunsch. Das ist Wirklichkeit. Seit Ostern. Hoffnung weiß das. Hoffnung sieht das.
Auch Hailey wird einmal sterben. Das verschweigen wir nicht. Aber der Tod wird nicht das letzte Wort haben. Gott hat das letzte Wort. Und das lautet: Leben.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Aber — und das ist wichtig — diese neue Schöpfung ist nicht privat. Sie ist nicht nur für Hailey, für dich, für mich, für Einzelne. Sie ist nicht nur für uns, die wir heute hier sitzen. Paulus schreibt: „In Christus werden alle lebendig gemacht." Alle. Die ganze Schöpfung stöhnt und wartet, schreibt er an anderer Stelle. Nicht nur die Menschen. Die ganze Schöpfung wartet auf ihre Befreiung. Ostern ist kein Privatereignis. Ostern ist der Beginn der neuen Welt.
Nicht nur Hailey wartet auf ihre Vollendung. Der Wald wartet. Das Meer wartet. Die ganze Schöpfung wartet auf den Tag, an dem Gott alles in allem ist.
Die alte Welt hat's nämlich in sich. Die alte Welt ist voller Schrecken. Auschwitz. Butscha. Sterben in Tel Aviv, in Gaza und Beirut, in Teheran und im Donbass. "Wo war da Gott?" fragst du. Und du hast ja recht, das zu fragen. Eine Hoffnung, die darauf keine Antwort hat, ist keine christliche Hoffnung. Eine Auferstehung, die die Toten der Geschichte vergisst, ist nicht die Auferstehung, von der Paulus spricht.
Paulus spricht von der Auferstehung der Toten. Nicht: der Seelen. Nicht: der Gerechten. Der Toten. Aller Toten. Die Toten der Geschichte schweigen nicht. Sie schreien zu Gott. Und Gott hört. Auferstehung heißt: Gott gibt ihnen recht. Die Geschichte der Leiden, die Geschichte der Opfer, die Geschichte der Vergessenen — sie ist bei Gott nicht vergessen. Sie wird aufgehoben. Nicht ausgelöscht, sondern verwandelt.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Das ist die Hoffnung, für die ich lebe.
Auf die ich zulebe. An der ich mich festhalte.
Und von der ich nicht aufhören kann, zu reden.
Ich bin ein Ostermensch.
Einen Augenblick lang hat mich Paulus in Schrecken versetzt. Bei seinem Nachdenken über eine Welt ohne die Auferstehung wäre mir fast der Atem stehengeblieben. Ich glaube fast, so ging es ihm selbst auch: "Wenn der Messias uns nur für dieses Leben Hoffnung gibt — dann sind wir die Ärmsten überhaupt."
Ostern schreit seinen Widerspruch in das, was wir als Realität wahrnehmen: "Aber jetzt ist es so: Gott hat den Messias lebendig gemacht."
Da ist sie die Hoffnung. Laut. Unkaputtbar.
Wir sind nicht die Ärmsten überhaupt. Wir sind Ostermenschen. Menschen mit Hoffnung, die der Wirklichkeit nicht ausweicht, sondern ihr standhält.
Und sie verwandelt, bis alles neu wird.
Am Ende ist Gott alles in allem.
Frohe Ostern!
Amen.

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