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Wie lernt man eigentlich Kaktusgärtner? Nicht nur aus Büchern. Vor allem durch Menschen, Fragen, Beobachtung, Fehler – und inzwischen auch durch den CactusPodcast selbst.
Diese Folge ist unterwegs entstanden: im Urlaub in den Bergen, ohne Studio, mit Handy und Ohrknöpfen. Kurz vor dem World Podcast Day denke ich darüber nach, mit welchem Gefühl ich einmal in die Gärtnerei gestartet bin, von wem ich gelernt habe und warum eine gute Frage oft mehr weiterhilft als eine fertige Antwort.
von Ulrich Haage | CactusPodcast
World Podcast Day · unterwegs
Als ich in den Betrieb eingestiegen bin, hatte ich vor allem ein Gefühl:
Ich weiß viel zu wenig.
Zu wenig über Kakteen, zu wenig über Kultur, zu wenig, um irgendwann diesen Betrieb zu führen.
Das Merkwürdige ist: Mit wachsender Erfahrung verschwindet dieses Gefühl nicht einfach. Man weiß mehr – und sieht gleichzeitig viel deutlicher, wie groß das Feld ist, das man noch nicht verstanden hat.
Klar gehören Bücher dazu. Aber wenn ich zurückblicke, stammt der große Teil meines Wissens aus Begegnungen: von meinen Eltern und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, von Gärtnerkollegen, Sammlern, Züchtern, Botanikern und Wissenschaftlern. Manche waren Freunde, manche Kollegen, manche kannte ich zuerst nur aus Büchern.
Diese Liste ist lang – und sie ist nicht abgeschlossen. Urs Eggli, David Hunt, Nigel Taylor, Jochen Bockemühl, Woody Minnich, Ralf Bauer, John Trager, Matthias Uhlig, Uwe Mergel, Karl-Heinz Knebel und viele andere gehören dazu. Mehr davon habe ich weiter unten in den Shownotes zusammengeschrieben.
Besonders viel habe ich nicht in dem Moment gelernt, in dem mir jemand etwas erklärt hat, sondern wenn jemand eine Frage gestellt hat, auf die ich keine gute Antwort hatte. Wenn mich ein Kunde fragt, ein Azubi. Ein Kollege widerspricht. Eine Pflanze verhält sich anders, als sie es eigentlich sollte. Oder ich muss etwas für einen Katalog, einen Vortrag oder eine Podcastfolge so erklären, dass „Das machen wir eben so“ plötzlich nicht mehr reicht.
„Hör einfach zu.“
Und genau so entsteht unterwegs schon die nächste Frage. Sonne, Felsen, Wind, Kälte und zeitweise Trockenheit gibt es hier genug. Es gibt Kakteen aus großen Höhen und Arten, die Frost vertragen. Warum wachsen Kakteen trotzdem nicht natürlich in den Alpen?
Die Antwort lasse ich in dieser Episode bewusst offen. Die Frage ist hier wichtiger als die schnelle Lösung. Genau an solchen Stellen beginnt die nächste Recherche.
Am Anfang lag der Gedanke nahe: Ich weiß etwas – also erzähle ich es im Podcast. Inzwischen funktioniert es oft andersherum. Ich mache eine Folge, weil ich etwas wissen will.
Oder weil ich gefragt wurde.
Der International Podcast Day wird jedes Jahr am 30. September begangen. Er begann 2014 als National Podcast Day in den USA und wurde danach international ausgerichtet. Der Tag soll Podcasts, ihre Macher und ihre Hörer sichtbar machen und miteinander ins Gespräch bringen.
International Podcast Day – offizielle Seite
Diesmal habe ich selbst an den Podcast Day gedacht. Trotzdem gehört Markus Tirok in diese Folge: Seine Tipps, Fragen und Impulse rund ums Podcasten sind für mich seit Jahren eine Bereicherung und immer wieder Motivation, aus einer Idee tatsächlich eine Folge zu machen.
Passend dazu hat Markus im September 2026 wieder Ideen für eine Spezialfolge zum Welttag des Podcasts veröffentlicht.
Markus Tirok: Welttag des Podcasts – 6+1 Ideen für eine Spezial-Folge
Mein Großvater Walther Haage war Kaktusgärtner und Autor zahlreicher Kakteenbücher. Sein Wissen wurde nicht nur im Betrieb weitergegeben, sondern auch aufgeschrieben. Seine Bücher sind noch heute das unterhaltsame Wissensfutter für unzählige Kakteenfreunde. Genau diese Verbindung von Erfahrung, Beobachtung und Weitergabe beschäftigt mich bis heute – inzwischen in Katalog, Cactusblog und CactusPodcast.
CactusPodcast 000 – Wer macht einen Podcast über Kakteen? · CactusPodcast 007 – CactusBasics Aussaat
Vor einem Jahr war ich rund um den Podcast Day ebenfalls unterwegs. Auf meinem Jakobsweg habe ich bei Uhlig Kakteen Station gemacht und Johannes Uhlig spontan vors Mikrofon geholt. Damals ging es um seinen Weg zum Kaktusgärtner und um den bevorstehenden Generationswechsel.
Ein Jahr später hängt daran für mich eine größere Frage: Was übernimmt man eigentlich, wenn man eine Kakteengärtnerei übernimmt?
Pflanzen? Wissen? Erfahrung? Fehler? Geschichten? Verantwortung?
Für diese Folge reicht mir erst einmal die Erkenntnis: Bei einer Übergabe wandern nicht nur Pflanzen, Gewächshäuser und Schlüssel weiter. Es geht ebenso um Wissen, Geschichten, Erfahrung – und Verantwortung.
Weiterhören: CactusPodcast 045 – Johannes Uhlig: Generationen-Treffen am Rande des Jakobsweges
Beim neuen Kakteen-Haage-Katalog begegnet mir dieselbe Frage noch einmal ganz praktisch: Was wissen wir intern längst – und was müssen wir so erklären, dass es auch für jemanden verständlich ist, der nicht jeden Tag in der Gärtnerei steht?
Vor ein paar Wochen dachte ich noch: Katalog 2026/27 – im Kasten. Pustekuchen. Im September haben sich außerdem einige gesetzliche Grundlagen geändert, die uns direkt betreffen. Damit sind zusätzliche Prüfungen, Überarbeitungen und neue Informationen nötig geworden.
Der Katalog ist dadurch noch einmal aufwändiger geworden. Gleichzeitig zwingt mich genau diese Arbeit dazu, Dinge sauberer zu erklären, Gewohntes zu hinterfragen und Wissen so aufzuschreiben, dass es auch außerhalb der Gärtnerei trägt. Auch das ist Lernen.
Die Zeitmarken der Audiofassung.
Kakteen für die Ohren
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Diese Liste ist bewusst nicht vollständig. Sie sammelt vor allem die Menschen und Gruppen, die ich in dieser Folge selbst nenne – mit der Verbindung, über die ich sie kennengelernt oder eingeordnet habe.
Versprecher, Wiederholungen und einige Suchbewegungen im Satz habe ich für die Lesefassung gekürzt. Inhalt, Reihenfolge und persönliche Sprache der Aufnahme bleiben erhalten.
Hi, ich bin Ulrich Haage. Ich sitze heute an einer ziemlich ungewöhnlichen Stelle für eine Podcastaufnahme. Ich bin hier auf knapp 1700 Meter Höhe, sitze oben in den Alpen und habe einen wunderbaren Panoramablick in drei verschiedene Täler. Ich bin auf dem Furkla-Höhenweg unterwegs – herzlich willkommen zu Folge 49 im CactusPodcast.
Diese Folge nehme ich für den World Podcast Day am 30. September auf. Und ich habe mir ein Thema ausgesucht, das ich oft gefragt werde: Wie lernt man eigentlich Kaktusgärtner? Oder vielleicht besser: Wie lernt man als Kaktusgärtner?
Die eine Frage – wie wird man das? – ist schnell beantwortet. Das ist eine Ausbildungsfrage. Mich interessiert heute aber etwas anderes: Wie hat das bei mir angefangen, und wo kommt das Wissen eigentlich her?
Zum Setting: kein Studio, kein Mikrofonkoffer, nur Handy und Ohrknöpfe. Es kann Wind geben, Außengeräusche – und hier oben ist vor allem diese knisternde Stille. Ab und zu kommen Bienen vorbei. Heute gibt es auch keinen Jingle. Wir legen einfach los.
Als ich richtig in den Betrieb eingestiegen bin, hatte ich ein ziemlich starkes Gefühl: Ich weiß viel zu wenig. Zu wenig über Kakteen, praktisch keine Erfahrung – und viel zu wenig, um diesen Betrieb irgendwann zu führen.
Allein die schiere Zahl botanischer Namen, die sich meine Eltern tagtäglich um die Ohren gehauen haben, war für mich schon gewaltig. Und dabei ist der Name ja nur das Verständigungsmittel. Dann muss man ihn noch der Pflanze zuordnen und wissen, was diese Pflanze eigentlich braucht.
Mein Vater Hans-Friedrich Haage hat mir damals etwas sehr Wichtiges gesagt: Er habe das auch nicht gekonnt, als er angefangen habe. Es sei ihm auch schwergefallen. Ich solle mir keine Sorgen machen, das komme mit der Zeit. Und ein Satz ist mir besonders hängen geblieben: Hör einfach zu.
Dieses Gefühl, nicht genug zu wissen, hat mich lange begleitet. Es hat sich nicht irgendwann schlagartig geändert. Man merkt es kaum: Man lernt, macht Erfahrungen, trifft Entscheidungen – und Schritt für Schritt wird mehr daraus. Heute kann ich sagen: Ich weiß schon eine ganze Menge. Das ist mir beim Durcharbeiten meines Cactusblogs im Urlaub selbst noch einmal aufgefallen.
Es ist ein bisschen wie hier oben am Berg: Wenn man zurückschaut und tief unten im Tal sieht, wo der Weg angefangen hat, merkt man erst, wie weit man schon gekommen ist.
Wo habe ich gelernt? Als Erstes natürlich in meiner Familie. Von meinem Vater Hans-Friedrich Haage und meiner Mutter Liebgund Haage. Ich hatte auch noch das Glück, von meinem Großvater Walther Haage etwas mitzubekommen. Und meine Großmutter Lotte Haage darf ich keinesfalls vergessen. Sie war eine unglaublich starke Frau, und die Saatgutvermehrung, unsere eigene Samenproduktion, war ganz klar ihr Thema. Das trägt den Betrieb bis heute.
Dann meine Mitarbeiter – am Anfang waren das die Kollegen meiner Eltern. Schon zu DDR-Zeiten bin ich durch den Betrieb gelaufen, habe mitgeholfen und vor allem geguckt, was die machen.
Später kamen Gärtnerkollegen, Sammler, Kunden, Züchter, Botaniker und Wissenschaftler dazu. Und irgendwann hatte ich das große Glück, Menschen zu treffen, die ich vorher nur von Buchtiteln kannte: Urs Eggli in Zürich, David Hunt und Nigel Taylor in Kew, Jochen Bockemühl, Ralf Bauer, Woody Minnich, John Trager und viele andere. In den USA haben mich außerdem Carl Volkers und Jim Kampwirth von C&J Cactus Nursery sowie Chuck Everson und Jerry Williams von Rainbow Gardens sehr beeindruckt.
Bei den Kaktusgärtnern gehören für mich unter anderem Matthias Uhlig, Uwe Mergel, Albert Plapp, Andreas Wessner, Karl-Heinz Knebel und die Familie Beisel dazu. Bei den Züchtern denke ich an Helmut Paetzold, Rudolf Hessing sowie Yvonne und Andrew Brunton.
Das ist keine vollständige Liste. Im Gegenteil. Wenn ich heute auf dieses große Becken meines Wissens schaue, dann sehe ich vor allem: Es kommt aus sehr vielen Quellen, über Jahrzehnte und von sehr vielen Menschen.
Natürlich habe ich Bücher gelesen. Mein Großvater hat eine gigantische Fachbibliothek hinterlassen, und ich liebe es, in der Deutschen Gartenbaubücherei in Berlin zu stöbern, oder in Lindley oder der Kew Library. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto stärker glaube ich: Die eigentliche Quelle meines Wissens waren sehr oft Fragen.
Es ist ja keiner gekommen und hat mir einen USB-Stick ins Ohr gesteckt. Es waren Kunden, Mitarbeiter, ganz wichtig Azubis. Manchmal war es eine Pflanze, die nicht das gemacht hat, was wir erwartet hatten. Und dann kommt die Frage: Warum ist das jetzt so?
Auch Irrtümer gehören dazu. Ich war zum Beispiel sehr lange fest davon überzeugt, Kakteen müssten nicht gedüngt werden – bis mein Vater mich irgendwann darauf hingewiesen hat, dass wir selbstverständlich düngen. Sonst würden die Pflanzen ja nicht wachsen.
Fehler können eine ziemlich gute und eindrückliche Quelle sein. Gerade im Gartenbau kann Lernen sehr langsam sein. Man macht etwas heute und sieht das Ergebnis vielleicht erst Wochen, Monate oder Jahre später. Das macht die Sache nicht einfacher – aber sehr interessant.
Deshalb bin ich auch viel unterwegs gewesen: andere Sammlungen, andere Gärtnereien, botanische Gärten, Vorlesungen. Wenn dich Kakteen wirklich interessieren, besuch Menschen. Hör ihnen zu. Oft öffnen sie dann nicht nur den Mund, sondern auch das Herz und die Tür zu ihrer Sammlung. Und man kann unglaublich viel sehen.
Umgekehrt lerne ich sehr viel, wenn ich anderen etwas erklären muss. Im Katalog, bei Kunden oder bei Azubis. Die merken ziemlich schnell, wenn du anfängst zu schwimmen und deine Antwort wischiwaschi wird. Dann fragen sie nach. Und du musst selbst noch einmal prüfen: Stimmt das eigentlich, was ich da erzähle?
Ein Punkt liegt völlig auf der Hand: der Podcast. Was ich allein in der Vorbereitung der inzwischen 49 Folgen gelernt habe, ist wirklich erstaunlich.
Wenn du etwas erzählst, merkst du relativ schnell: Stimmt das eigentlich? Stimmt das, was du die ganze Zeit geglaubt hast? Oder erzählst du gerade etwas vom Pferd?
Genau das liebe ich am Podcast. Ich glaube, viele denken bei Podcastern an Rampensäue mit Sendungsbewusstsein. Bestimmt gehört ein bisschen Sendungsbewusstsein dazu. Aber bei mir ist es oft anders: Ich weiß etwas – und habe gleichzeitig das Gefühl, es noch nicht genau genug zu wissen. Dann lese ich nach, frage nach und mache am Ende manchmal gerade deshalb eine Folge im Podcast.
Und während ich hier in den Alpen sitze, fällt mir die nächste Frage vor die Füße. Vor mir Felsmassiv, Schotterhalde, Sonne, Wind, Kälte, Trockenheit. Von der Anmutung könnten wir fast in den Hochanden sein – naja fast.
Also: Warum wächst hier eigentlich kein Kaktus?
Es gibt Kakteen, die Frost vertragen. Große Höhen sind in den Anden ebenfalls kein grundsätzliches Problem. Warum also hier nicht?
Beim CactusPodcast geht es ziemlich oft gar nicht in erster Linie um Kakteen, sondern um Menschen. Menschen bringen ihre Perspektive, ihre Maßstäbe, ihre Gedanken und ihre Erfahrung mit – oder auch eine gewisse Unbefangenheit.
Bei Philipp Heidel-Weizel beeindruckt mich genau dieses Zusammentreffen. Da ist sehr viel fachpraktisches Wissen und gleichzeitig die wissenschaftliche Ebene aus dem Studium. Ich komme mit meinen gut drei Jahrzehnten Erfahrung dazu. Wenn wir zusammensitzen, dauern die Gespräche meistens viel länger als geplant. Und plötzlich gehen Türen auf, die vorher gar nicht zu sehen waren.
Beim Podcasten habe ich mir ebenfalls Menschen gesucht, von denen ich lernen kann. Gordon Schönwälder war für mich früh so etwas wie ein Podcast-Guru. Und Markus Tirok hat mir mit seinen Gedanken zu Interviews sehr geholfen – unter anderem beim ersten Gespräch mit Philipp. Markus hat auch dieses Jahr wieder an den World Podcast Day erinnert. Diesmal hatte ich selbst schon daran gedacht. Trotzdem nehme ich seine Tipps, Fragen und Impulse immer wieder gern mit.
Eine Sache habe ich besonders mitgenommen: nicht nachlassen, bis man die richtige Frage gefunden hat. Das deckt sich sehr mit meiner Erfahrung als Gärtner. Das Erste, was auf der Hand liegt, ist eben nicht automatisch schon die Lösung.
Beim World Podcast Day 2025 war ich ebenfalls unterwegs – damals auf dem Jakobsweg. Ich habe einen Abstecher zu Uhlig Kakteen in Rommelshausen gemacht und Johannes Uhlig spontan vor das Mikrofon geholt. Dabei ging es plötzlich um Next Generation und darum, dass er die Gärtnerei zum Jahreswechsel 2026/27 übernehmen wird.
Vor ein paar Wochen habe ich auch noch einmal mit Uwe Mergel gesprochen. Er hat ein bisschen erzählt, wie sich die Übergabe ganz praktisch entwickelt. Und daraus ist für mich eine größere Frage entstanden: Was übernimmt man eigentlich, wenn man eine Kakteengärtnerei übernimmt?
Sind das nur Pflanzen und Gewächshäuser? Oder auch Wissen, Erfahrung, Fehler, Geschichten und Verantwortung?
Das ist mir aber heute noch zu groß für eine schnelle Antwort. Daraus wird vermutlich noch einmal eine eigene Folge.
Die gleiche Frage beschäftigt mich gerade beim neuen Kakteen-Haage-Katalog. Vor ein paar Wochen war ich schon an dem Punkt: Katalog 2026/27 – im Kasten. Dann kamen ein paar Dinge dazwischen und ich musste feststellen: Pustekuchen.
Ich muss an einigen Stellen tiefer gehen, genauer klären, genauer hinschauen. Denn nicht alles, was wir in der Gärtnerei verstehen und uns über Jahre erarbeitet haben, ist automatisch verständlich für jemanden, der diesen Katalog liest oder diesen Podcast hört.
Deshalb wird der Katalog noch etwas länger brauchen. Was gut werden will – du weißt schon.
Wenn ich wieder an meinen Großvater denke, frage ich mich: Hat er irgendwann aufgehört zu lernen? Ich glaube nicht. Selbst als er nicht mehr richtig gut laufen konnte, klapperte in seinem Herrenzimmer noch die Schreibmaschine. Er hat korrespondiert und sich mit Menschen auf der ganzen Welt ausgetauscht.
Ich lerne jedenfalls immer noch. Von Pflanzen, von Menschen, von Fehlern, eigentlich von allem – und von guten Fragen.
Und inzwischen lerne ich ziemlich viel durch diesen Podcast. Dafür bin ich auch dir dankbar, denn letzten Endes mache ich ihn für dich. Du lieferst mir einen Grund, weiterzumachen und die nächsten Folgen zu planen.
Das war es vom Furkla-Höhenweg. Schau in die Shownotes unter cactuspodcast.de/049, und wenn du magst, auch in den Cactusblog. Ich freue mich übrigens über Kommentare – davon gibt es verdammt wenige.
Ich stehe hier in der Sonne, genieße mein Dasein und laufe noch ein bisschen auf dem Höhenweg. Dann geht es wieder runter ins Tal.
Alles Gute, bis dann. Ciao, ciao – oder Servus, wie man hier sagt.
Nicht als Sponsor – aber die SBB hat diese Folge ganz unfreiwillig unterstützt: Mein Zug hatte auf der Rückreise ordentlich Verspätung. Damit gab es plötzlich zusätzliche Zeit für Notizen, Nachdenken und Nacharbeit am Podcast.
Und dann die kleine Pointe: Im viel gescholtenen ICE funktionierte das WLAN besser – und er kam sogar auf die Minute pünktlich. So hat es „How to learn Kaktus“ am Ende doch noch ziemlich zuverlässig vom Berg ins Netz geschafft.
* Nicht wirklich. Die SBB weiß von ihrem Beitrag zur Podcastproduktion nichts.
CactusPodcast 049 – How to learn Kaktus
Beim Versuch, das Cover dieser Folge unterwegs neu zu bauen, ist zuerst etwas völlig anderes entstanden: Kaktus mit Kopfhörern, Mikrofon, Bücherstapel und Alpenpanorama. Hübsch – aber definitiv nicht unser CactusPodcast-Cover. Der Fehlversuch hat deshalb einen Ehrenplatz in den Shownotes bekommen.
Weiterhören
Diese Folge erzählt davon, wo Wissen herkommt – aus Menschen, Fragen, Erfahrung und dem Versuch, Dinge so zu erklären, dass sie auch für andere verständlich werden. Wenn du diesem Faden weiter folgen willst, passen diese Episoden besonders gut:
Der Faden bleibt offen: Menschen, die Wissen weitergeben, werden auch in kommenden Folgen immer wieder eine Rolle spielen.
Deine Geschichte
Gibt es einen Menschen, einen Satz oder eine Frage, die deinen Blick auf Kakteen verändert hat? Oder eine Frage, auf die du selbst seit Jahren keine wirklich gute Antwort findest?
Schreib mir an [email protected] oder in der CactusPodcast-Community.
Der Beitrag CactusPodcast 049 – How to learn Kaktus erschien zuerst auf Cactusblog.
23. August 2026 · CactusPodcast
Ein Gespräch über Wurzeln, Topfgröße, Kakteenerde – und die Frage, wann Nicht-Umtopfen die bessere Pflege ist.
Ein zu kleiner Topf, Wurzeln am Abzugsloch oder Erde, die kaum noch Wasser annimmt: Muss der Kaktus jetzt wirklich raus? In CactusPodcast 048 sprechen Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel darüber, woran sich der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen erkennen lässt – und warum nicht jedes sichtbare Zeichen automatisch einen größeren Topf verlangt.
Es geht um gesunde und geschädigte Wurzeln, alte und neue Kakteenerde, die passende Topfgröße, Ton- und Kunststofftöpfe, helle Altbrandtöpfe und die Pflege nach dem Umtopfen. Auch Sonderfälle kommen zur Sprache: Wurzelläuse, verdichtete Erde, empfindliche Wurzeltypen, neu gekaufte Pflanzen und wurzellose Kindel.
Das praktische Wie zeigt das begleitende Video. Im Podcast geht es um das Wann, das Warum und die Ausnahmen.
von Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel | CactusPodcast
CactusBasics · Begleitartikel
Ein Kaktus sprengt beinahe seinen Topf. Unten schauen Wurzeln heraus. Die Erde wirkt alt und fest. Also: raus damit, größerer Topf, frische Erde – fertig?
Ganz so einfach ist es nicht. Genau deshalb beginnt CactusPodcast 048 nicht mit dem neuen Topf, sondern mit der Frage: Muss der Kaktus überhaupt umgetopft werden?
Der Ausgangspunkt dieser Folge liegt in der KaktusWerkstatt auf der Landesgartenschau im Eichsfeld. Dort ging es ganz praktisch darum, gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern Kakteen umzutopfen. Zwischen widerspenstigen Pflanzen, alten Wurzelballen und vielen Einzelfragen wurde Ulrich klar: Über Spezialfälle lässt sich lange sprechen – aber die scheinbar einfachen Grundlagen werden oft nur vorausgesetzt.
Mir haben die Grundlagen gefehlt – und deswegen machen wir jetzt die CactusBasics zum Kaktus umtopfen, beschreibt Ulrich den Ausgangspunkt der Folge.
Das begleitende Video zeigt die Handgriffe. Im Podcast gehen Ulrich und Philipp einen Schritt zurück: Wann ist ein neuer Topf wirklich nötig? Was erzählen Wurzeln und Erde? Und wie verändert das Umtopfen die Pflege danach?
Ulrich bringt viele Jahrzehnte Erfahrung aus der Kakteengärtnerei mit. Philipp verbindet sein gärtnerisches Fachwissen mit Studium, Berufspraxis und seiner eigenen Kakteenkultur.
Ein Austausch auf Augenhöhe – mit unterschiedlichen Erfahrungswegen und viel Raum für Beispiele, Einwände und kleine Abschweifungen.
Wer Philipp näher kennenlernen möchte, findet ihn bereits in CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG und in der vorangegangenen Folge CactusPodcast 047 wieder.
Ein Blick zurück in die Zeit unserer Groß- oder Urgroßeltern führt zu schweren Tontöpfen, einer Scherbe über dem Abzugsloch und selbst gemischten Erden aus Rasensoden, Flusssand, verrottetem Pferdemist, Holzkohle oder Ziegelbruch. Einen festsitzenden Tontopf konnte man nicht zusammendrücken oder massieren. Im Zweifel wurde geklopft – oder der Topf geopfert.
Geändert haben sich Gefäße, Materialien und Arbeitsabläufe. Geblieben sind die eigentlichen Kulturfragen: Passt der Wurzelraum? Fließt Wasser zuverlässig ab? Wie stark darf der Ballen gestört werden? Und wann darf danach wieder gegossen werden?
Ein gesunder, heller und fester Wurzelballen, der den Topf gut ausfüllt, ist ein sinnvoller Zeitpunkt zum Umtopfen. Er ist aber noch kein Notfall.
„Dann kann man. Es ist nicht das Muss.“
— Ulrich Haage
Deutlicher wird der Handlungsbedarf, wenn die Pflanze trotz passender Bedingungen nicht mehr wächst, auffällig blass wird, Wasser nur noch am Ballen vorbeiläuft, der Topf durch Rhizome oder Wurzeldruck aufbricht oder sich Schädlinge zeigen. Gerade Wurzelläuse verraten sich mitunter durch kleine weiße Spuren an Topf und Wurzelballen.
Dabei gilt: Das sichtbare Symptom ist noch keine fertige Diagnose. Lichtmangel, falsches Gießen, Ruhezeit, Nährstoffversorgung und Wurzelschäden können ähnlich aussehen. Umtopfen repariert nicht automatisch jedes Pflegeproblem.
Ein gesunder Ballen muss nicht grundsätzlich vollständig zerlegt werden. Häufig genügt es, die äußere Erde vorsichtig zu lockern, den Wurzelhals freizulegen und den Zustand der Wurzeln zu prüfen.
Anders sieht es bei Schädlingen, Fäulnis, Pilzverdacht oder völlig ungeeigneter Erde aus. Dann kann es nötig sein, das Substrat vollständig zu entfernen, die Wurzeln auszuspülen und die Pflanze wiederholt zu behandeln. Sehr harte Ballen von Agaven oder anderen kräftig wurzelnden Pflanzen brauchen manchmal sogar Messer, Schere oder Spaten.
Die Regel lautet deshalb nicht „alte Erde immer ab“ oder „Ballen niemals stören“, sondern: Der Eingriff richtet sich nach dem Befund.
Philipp mischt seine Erde passend zu seiner eigenen Pflege. Weil er seine Pflanzen nicht täglich kontrolliert, darf sein Substrat etwas länger Feuchtigkeit halten. Für den Einstieg empfiehlt er trotzdem keine komplizierte Spezialmischung, sondern eine verlässliche Kakteenerde, deren Verhalten man kennenlernt.
Ein abrupter Wechsel von sehr humoser Erde zu einer völlig anderen Mischung ist nicht für jede üppig gewachsene Pflanze ideal. Manchmal ist ein Übergang in Schritten die bessere Lösung.
Auch beim neuen Topf gilt: größer nur, wenn der Wurzelballen den vorhandenen Raum tatsächlich nutzt. Bei kleinen Pflanzen reicht meist eine Topfstufe beziehungsweise ungefähr ein bis zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Langsam wachsende Arten brauchen weniger Reserve als kräftige Echinopsen oder Blattkakteen. Ein zu großer Topf kann lange feucht bleiben – und die Pflanze anfangs mehr in Wurzeln als in Blüten investieren lassen.
Kugelkakteen kommen häufig mit der klassischen kleinen Topfstufe gut zurecht. Säulen brauchen zusätzlich Standfestigkeit; ein schwereres Gefäß oder Steine im unteren Bereich können helfen. Arten mit Rübenwurzeln benötigen passende, oft tiefere Gefäße. Empfindliche Gattungen wie Melocactus oder Discocactus vertragen unnötige Wurzelverletzungen besonders schlecht.
Entscheidend ist nicht allein, wie viel Erde im neuen Topf liegt, sondern wie viel aktive Wurzelmasse darin Wasser aufnehmen kann.
„Die Wassergabe nicht an das Erdvolumen, sondern an das Wurzelvolumen anpassen.“
— Philipp Heidel-Weizel
Dem Kaktus ist meist gleichgültig, ob sein Topf rund oder eckig ist. Für die Gärtnerei und die Sammlung kann die Form trotzdem wichtig sein, weil eckige Töpfe den verfügbaren Platz besser ausnutzen.
Beim Material wird es kulturtechnisch interessanter. Ton trocknet schneller und zieht Wurzeln eher an die Topfwand. Kunststoff hält Feuchtigkeit länger und lässt sich beim Austopfen zusammendrücken. Entscheidend ist also nicht, welches Material pauschal „besser“ ist, sondern wie es zur Erde, zum Standort und zur eigenen Gießweise passt.
Und dann gibt es noch Töpfe, die man nicht achtlos weitergeben sollte:
Philipp hat dabei einen besonderen Blick auf die hellen Altbrandtöpfe: Wer einen davon in die Finger bekommt, sollte ihn besser nicht achtlos wegwerfen oder verschenken.
Sie sind nicht nur schöne historische Gefäße, sondern bringen besonderen Charakter in die Sammlung. Bei Kakteen-Haage ist ein kleiner historischer Bestand ausgestellt – leider nicht zum Verkauf.
Philipp nutzt bei Zimmerpflanzen gelegentlich einen Übertopf, um einer kopflastigen Pflanze mehr Stabilität zu geben. Das kann funktionieren, solange überschüssiges Wasser vollständig ablaufen kann.
Als dauerhaftes Wasserreservoir ist der Übertopf dagegen gefährlich. Bleibt der Kulturtopf nach dem Gießen im Wasser stehen, fehlt den Wurzeln Luft.
Stehendes Wasser im Übertopf ist dabei tabu: Die Wurzeln dürfen nach dem Gießen nicht dauerhaft im Wasser stehen.
Beim Lockern und Einsetzen werden fast immer Fein- und Haarwurzeln verletzt. Deshalb wird ein frisch umgetopfter Kaktus nicht automatisch sofort angegossen. Sieben bis zehn Tage sind eine brauchbare Orientierung – abhängig von Wetter, Jahreszeit, Substratfeuchte, Pflanzenart und Umfang der Wurzelverletzungen.
Auch Dünger hat unmittelbar nach dem Umtopfen Pause. Die Wurzeln sollen heilen und den neuen Raum erschließen. Ein geschützter, beobachtbarer Standort hilft dabei, Probleme früh zu erkennen. Sinkt die Pflanze ein, kann eine Lufttasche unter dem Ballen die Ursache sein. Wird sie weich oder gelblich, kann das ein Zeichen von Fäulnis sein.
Philipp bringt die Wasserfrage am Ende mit einem wurzellosen Echinopsis-Kindel auf den Punkt:
Philipp bringt die Wasserfrage am Ende mit einem wurzellosen Echinopsis-Kindel auf den Punkt: Ohne aktive Wurzeln kann die Pflanze das angebotene Wasser noch gar nicht aufnehmen.
Ohne aktive Wurzeln kann eine Pflanze das angebotene Wasser nicht einfach nutzen. Ungefähr so:
„Das ist wie: Ich habe das Auto auf dem Wagenheber stehen und trete tüchtig aufs Gas – da fährt nix.“
— Ulrich Haage
Nicht jeder Neuerwerb ist ein Freitagabend-Notfall. Im Spätsommer kann ungeeignete Torferde entfernt und die Pflanze anschließend trocken gehalten werden. Im Winter ist es unter Umständen sinnvoller, einen trockenen Ballen bis zum Frühjahr in Ruhe zu lassen und erst dann gründlich zu arbeiten.
Aufgeklebte Augen, Sombreros oder Strohblumen sollten allerdings vorsichtig entfernt werden. Drähte und Einstichstellen sind mögliche Eintrittspforten für Infektionen. Die verletzte Stelle darf abtrocknen; Holzkohlepulver kann dabei als trockene Abdeckung dienen.
Manchmal ist Umtopfen genau die richtige Hilfe. Manchmal ist Nicht-Umtopfen die bessere Pflege. Der beste Anfang ist immer derselbe: nicht nur den sichtbaren Kaktus anschauen, sondern seinen Wurzelballen verstehen.
Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster bei Kakteen-Haage in Erfurt. Ulrich verbindet jahrzehntelange Berufserfahrung mit Geschichten aus Gärtnerei, Werkstatt und Kakteenkultur.
Gärtner, Masterabsolvent und Abteilungsleiter in einer Baumschule bei Hamburg. Philipp verbindet aktuelles gärtnerisches Fachwissen, Berufspraxis und seine eigene Erfahrung als Kakteenliebhaber.
Die Zeitmarken der Audiofassung.
Kakteen für die Ohren
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Fragen aus der KaktusWerkstatt
Vier kurze Antworten auf Fragen, die beim Umtopfen fast immer auftauchen.
Nein. Ein gesunder, gut durchwurzelter Ballen bedeutet: Du kannst umtopfen. Zum Muss wird es erst, wenn Wachstum, Wasseraufnahme, Topf oder Wurzeln tatsächlich Probleme zeigen.
Nicht bei einem gesunden Ballen. Meist genügt es, die äußere Erde zu lockern und die Wurzeln zu kontrollieren. Bei Schädlingen, Fäulnis, Pilzverdacht oder völlig ungeeigneter Erde kann eine vollständige Reinigung nötig sein.
Bei kleinen Pflanzen reicht meistens eine Topfstufe – ungefähr ein bis zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Entscheidend sind Wurzeltyp, Wachstum und Gießweise, nicht allein die Größe des sichtbaren Kaktus.
Feinwurzeln werden beim Umtopfen fast immer verletzt. Sieben bis zehn Tage Trockenzeit sind eine brauchbare Orientierung – abhängig von Wetter, Jahreszeit, Pflanzenart, Substratfeuchte und Umfang der Verletzungen.
Deine Frage fehlt? Schreib an [email protected].
KaktusWerkstatt · Video
Das Video zur Umtopf-Folge – mit vielen Spezialfällen und den Handgriffen zum Nachmachen.
Ulrich erzählt vom Kakteenaktionstag auf der Landesgartenschau im Eichsfeld, den er für sich KaktusWerkstatt genannt hat. Dort wurde praktisch gearbeitet und zugleich deutlich, wie viele Grundfragen hinter dem scheinbar einfachen Umtopfen stehen. Philipp war schon dort als Gesprächspartner dabei.
Wurzeln am Abzugsloch, ein platzender Topf oder stockendes Wachstum können Anlass zur Kontrolle sein. Ein gesund durchwurzelter Ballen bedeutet: Jetzt kann umgetopft werden. Ob es bereits sein muss, entscheidet der konkrete Zustand der Pflanze.
Wenn eine Pflanze trotz passender Pflege nicht wächst oder ungewöhnlich blass wird, lohnt der Blick unter die Erde. Helle, feste Feinwurzeln sprechen für Gesundheit; weiße Spuren können Wurzelläuse verraten. Bei Schädlingen oder Fäulnis muss alte Erde deutlich gründlicher entfernt werden als bei einem gesunden Ballen.
Erde kann hart werden, schrumpfen oder Wasser nur noch am Ballen vorbeileiten. Ein einfacher Test nach dem Gießen zeigt, ob das Substrat tatsächlich Wasser aufgenommen hat. Besonders torfreiche Mischungen können nach langer Trockenheit schwer wieder benetzbar sein.
Pflanze sicher greifen, Kunststofftopf massieren, Ballen lösen, Wurzelhals freilegen, Wurzeln prüfen, passenden Topf wählen, etwas Erde vorlegen, in gleicher Höhe einsetzen, auffüllen und vorsichtig festigen. Luftlöcher vermeiden – und anschließend nicht automatisch gießen. Das begleitende Video zeigt die Handgriffe.
Philipp passt seine Mischung an die Häufigkeit seiner Kontrollen an. Eine gute Standard-Kakteenerde ist für Einsteiger oft hilfreicher als eine komplizierte Spezialmischung. Sehr abrupte Substratwechsel können bei üppig kultivierten Pflanzen unnötigen Stress erzeugen.
Bei kleinen Pflanzen reichen meist ein bis zwei Zentimeter zusätzlicher Durchmesser. Größere oder schnell wachsende Pflanzen verlangen eine individuelle Prognose. Ein absichtlich großer Topf kann Wachstum fördern, muss dann aber durch eine luftigere, weniger wasserhaltende Mischung abgesichert werden.
Säulen brauchen Stabilität, Rübenwurzler Tiefe, stark wachsende Blattkakteen mehr Reserven. Empfindliche Wurzelsysteme sollten möglichst wenig gestört werden. Gegossen wird nach aktiver Wurzelmasse – nicht einfach nach der Menge Erde im Gefäß.
Tontöpfe trocknen schneller, Kunststofftöpfe halten Feuchtigkeit länger und erleichtern das Austopfen. Helle Altbrandtöpfe sind ein besonderer historischer Fund. Übertöpfe können Stabilität geben, dürfen aber nie zum stehenden Wasserreservoir werden.
Sieben bis zehn Tage ohne Gießen sind eine Orientierung, kein starres Gesetz. Wetter, Jahreszeit, Substratfeuchte und Wurzelverletzungen bestimmen die tatsächliche Pause. Auch mit Dünger wird gewartet, bis die Wurzeln den neuen Raum wieder nutzen können.
Neu gekaufte Kakteen müssen nicht pauschal sofort umgetopft werden. Im Winter kann ein trockener Ballen bis zum Frühjahr warten. Bei Schädlingen, Fäulnis oder verletzender Dekoration besteht dagegen unmittelbarer Handlungsbedarf.
Ein wurzelloses Kindel kann angebotenes Wasser noch nicht aufnehmen. Dasselbe Grundprinzip gilt nach starken Wurzelverletzungen: Erst wenn Wurzeln wieder funktionieren, wird aus Gießen tatsächlich Versorgung.
CactusBasics – Kakteen umtopfen: Muss der wirklich raus?
Weiterhören
Diese Folge ist der Wegpunkt zum Umtopfen. Die bereits erschienenen Grundlagenfolgen führen von der ersten Pflanze über Pflege und Erde bis zu Aussaat und Vermehrung.
Der Hörpfad wächst mit weiteren Grundlagenfolgen zu Gießen, Licht und Standort, Winterruhe, Schädlingen und Vermehrung weiter.
Der Beitrag CactusPodcast 048 – CactusBasics: Kakteen umtopfen – Muss der wirklich raus? erschien zuerst auf Cactusblog.
10. Mai 2026 · CactusPodcast
Ein Jahrhundert Kakteenleidenschaft – erzählt von den Menschen, die sie weitertragen.
1926 wurde in Erfurt eine Ortsgruppe der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gegründet. Hundert Jahre später treffen sich Kakteenfreunde mehrerer Generationen dort, wo Erfurter Kakteengeschichte seit Jahrhunderten zu Hause ist: im Gewächshaus bei Kakteen-Haage.
Diese Folge des CactusPodcast ist die Aufzeichnung des Bühnengesprächs zum Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt am 9. Mai 2026. Die Veranstaltung war Teil des Tags der offenen Tür 2026 und wurde live aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage übertragen.
Unter den Gästen waren Besucherinnen und Besucher des Tags der offenen Tür sowie unsere Kakteenfreunde aus Ústí nad Labem, mit denen uns seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft verbindet. Sie waren gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden angereist.
Es geht um die ersten Vereinsjahre, die nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht, um Krieg und Neubeginn, das Vereinsleben im Kulturbund der DDR, die Wende und die Neuorganisation danach. Vor allem aber geht es um die Menschen hinter den Pflanzen.
Durch das Gespräch führt Philipp Heidel-Weizel. Mit dabei sind Hans-Friedrich Haage, Andreas Schill, Gudrun Kroll, Klaus-Dieter Lentzkow, Markus Münch und Tim Oettel. Zum Auftakt gratuliert DKG-Präsident Till Hägele.
von Ulrich Haage, Philipp Heidel-Weizel und Gäste | CactusPodcast
Für diese Runde habe ich Menschen zusammengebracht, die den Erfurter Kakteenverein über Jahrzehnte getragen, nach Brüchen neu aufgebaut und immer wieder für die nächste Generation geöffnet haben. Ihre Erinnerungen, ihr Wissen und vor allem ihr persönliches Engagement tragen diese Folge.
Till Hägele ist Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft. Der Gartenbauingenieur und promovierte Agrarwissenschaftler arbeitet seit 2001 als Abteilungsleiter der Gewächshausanlage im Botanischen Garten München. In Erfurt ordnet er die 100 Jahre Vereinsgeschichte aus Sicht der DKG ein – und richtet einen deutlichen Appell an die nächste Generation.
Philipp Heidel-Weizel moderiert das Bühnengespräch. Er gehört zur jüngeren Generation der Kakteenfreunde und arbeitet heute professionell als Pflanzenzüchter, besonders im Bereich Gehölze. Im CactusPodcast war er bereits in Episode 044 – Philipp inside DKG zu Gast. Für diese Jubiläumsrunde führt er die Geschichte bewusst von den Pflanzen zu den Menschen hinterm Kaktus.
Hans-Friedrich Haage schlägt die direkte Brücke in die Familien- und Vereinsgeschichte. Als Sohn von Walther Haage kennt er viele Erzählungen aus der Erfurter Kakteenzucht aus erster Hand. Nach seinem Gartenbaustudium übernahm er 1972 die Leitung der verstaatlichten „Brigade Kakteenzucht“ und führte den Betrieb 1990 wieder in die Selbständigkeit. Mehr zu ihm: Hans-Friedrich Haage bei Kakteen-Haage.
Andreas Schill war über viele Jahre Kassierer der Erfurter Kakteengruppe und hat die starke Zeit der großen Ausstellungen unmittelbar erlebt. Kakteen sind nicht sein einziges ausgesprochen spezielles Hobby: Andreas gehört auch zur Erfurter Gartenbahnszene. Die beiden Welten trafen bei Kakteen-Haage schon ganz praktisch zusammen, wenn die Kaktus-Bahn durch das Gewächshaus fuhr.
Gudrun Kroll hat die Chronik der Erfurter Kakteenfreunde weitergeführt und damit einen wichtigen Teil der Vereinsgeschichte bewahrt. In der Kakteenwelt ist sie außerdem für ihre Hybriden bekannt; auch 2026 ist sie mit dem Vortrag „Blühende Hybriden“ im Programm einer DKG-Ortsgruppe zu finden. In dieser Folge erzählt sie unter anderem, wie entscheidend der persönliche Kontakt dafür war, selbst wieder Mitglied einer Ortsgruppe zu werden.
Klaus-Dieter Lentzkow bringt die Magdeburger Perspektive und ein großes Stück ostdeutscher Vereinsgeschichte mit. Er wurde kurz nach der Wiedervereinigung als Beisitzer in den Vorstand der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gewählt und war später Sprecher des DKG-Beirats. Im Gespräch erinnert er an den tiefen Einschnitt der Wendezeit – und daran, wie neue Verbindungen zwischen ost- und westdeutschen Gruppen entstanden.
Markus Münch steht für die Generation, die den Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt heute trägt. Er beschreibt den heutigen Vereinsabend als ziemlich unkomplizierte Angelegenheit: keine Krawatte, keine feste Sitzordnung, dafür Vorträge, Erfahrungsaustausch und jede Menge kleine Tricks, die man eben nicht aus jedem Buch bekommt. Auch außerhalb der Vereinsabende ist er mit einem breiten Pflanzensortiment auf Garten- und Kakteenveranstaltungen präsent.
Tim Oettel ist Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen. Gemeinsam mit Dr. Michael Schwerdtfeger produziert er die Kurzfilmreihe Doc Shorts, in der botanische und zoologische Kuriositäten niedrigschwellig in kurzen Videos erzählt werden. 2025 wurde der weitere Ausbau der Serie an der Universität Göttingen gefördert. Tim steht damit ziemlich genau für eine der Zukunftsfragen dieser Folge: Wie erreicht Pflanzenwissen heute neue Menschen – über YouTube und soziale Medien, aber am Ende möglichst auch wieder persönlich? Mehr: Doc Shorts – Wundersame Botanik.
Ulrich Haage ist Gastgeber der Jubiläumsveranstaltung und des CactusPodcast. In dieser Folge führt er vom Podcast-Intro ins Gewächshaus, begrüßt die Gäste und gibt das Gespräch anschließend an Philipp weiter.
Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung und eignen sich auch für die Shownotes sowie für die Beschreibung der Videoaufzeichnung auf YouTube.
Die Livesendung aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage haben wir auch im Video festgehalten.
Kakteen für die Ohren
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Ulrich: Herzlich willkommen zum CactusPodcast, Folge 47. Heute etwas ganz Besonderes: die Aufzeichnung unserer Live-Sendung zum 100-jährigen Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt. Am 9. Mai 2026 haben wir im Gewächshaus bei uns in der Gärtnerei gefeiert – gemeinsam mit den befreundeten Kakteenfreunden aus Ústí nad Labem. Der Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft spricht ein Grußwort, und Philipp Heidel-Weizel moderiert anschließend die Gesprächsrunde. Er blickt mit uns in die Vergangenheit und führt das Ganze in die Zukunft.
Ulrich: Ein Verein lebt nicht von Protokollen oder Mitgliederlisten – auch wenn die Chronik ziemlich voll davon ist. Das Spannende ist das, was zwischen den Zeilen passiert: was Menschen erleben, was sie zusammenbringt und wie sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft in eine Gemeinschaft hineintragen.
100 Jahre sind ein dickes Brett. Deshalb zuerst ein Dank an die Mitglieder, an mein Team, an Freunde, Gäste und Familie und an alle, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. Die Chronik ist für mich dabei ein wichtiges Thema geworden. Wer eigene Erinnerungen oder Geschichten hat, darf sie gern ergänzen. Gudrun Kroll hat diese Chronik weitergeführt und hilft dabei, dass sie lebendig bleibt.
Till Hägele: Die Ortsgruppe Erfurt feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. 1926 war sie bereits der elfte Kakteenverein in Deutschland. Das Interesse an Kakteen wuchs besonders im 19. Jahrhundert mit dem aufkommenden Bürgertum und der Begeisterung für exotische Pflanzen. Fachliteratur, Gärtnereien und Vereine sorgten dafür, dass Wissen weitergegeben wurde.
Heute ist diese Aufgabe nicht kleiner geworden: Wissen bewahren, Wissen weitergeben und Menschen für Kakteen und andere Sukkulenten begeistern. Und deshalb der Appell: Engagieren Sie sich für dieses Hobby und schauen Sie bei einem Kakteenverein vorbei.
Zum Abschluss überreicht die DKG Markus Münch die Ehrenurkunde zum Jubiläum.
Ulrich: Den Appell an die jungen Leute möchte ich um einen Appell an die ältere Generation ergänzen: „Macht die Türen auf für die Jungen.“ Schaut, welche Sprache sie sprechen, was sie interessiert und wo die Gemeinsamkeiten liegen. Die gibt es immer, wenn man will.
Damit geht es direkt zur jüngeren Generation: Philipp Heidel-Weizel hat früh mit Pflanzen angefangen und macht heute beruflich das, was einmal Hobby war – er arbeitet als Pflanzenzüchter.
Philipp: Beim Stichwort Kaktus denken viele zuerst an Dornen, an Pflanzen, die angeblich kein Wasser brauchen, oder an die Fensterbänke der Großeltern. Heute geht es aber nicht nur um Pflanzen. Es geht um Freundschaften, Leidenschaft, Wissenschaft, Reisen, Vereinsabende und mehrere Generationen. „Es soll heute einmal um die Menschen hinter dem Kaktus gehen.“
Philipp: Wenn es in Erfurt um Kakteen geht, kommt man am Namen Haage nicht vorbei. Hans-Friedrich, über deine Familie gibt es eine direkte Verbindung zur Gründungszeit. Wie muss man sich 1926 vorstellen?
Hans-Friedrich: Kakteen wurden Ende des 19. Jahrhunderts zu Modepflanzen. Zunächst konnten sich vor allem Fürstenhäuser und botanische Gärten solche Sammlungen leisten. Später wurden Kakteen für breitere Schichten erschwinglich. In Erfurt gab es mit Haage und Haage & Schmidt spezialisierte Betriebe. Friedrich Adolph Haage hatte den 1822 gegründeten Betrieb früh stark auf Kakteen ausgerichtet. Wer sich keine großen Pflanzen leisten konnte, kaufte Samen und zog selbst aus.
So war es logisch, dass sich Liebhaber zusammenschlossen, Erfahrungen austauschten und Vereine gründeten. Pfarrer Bertram war bei der Gründung in Erfurt eine treibende Kraft.
Hans-Friedrich: Aus der Anfangszeit ist eine besonders schöne Geschichte überliefert. Nach einem Vereinsabend hieß es, bei Haage blühe die Königin der Nacht. Also machten sich die Kakteenfreunde zu Fuß auf den Weg. Es gab kaum Beleuchtung und keine bequeme Verbindung hinaus zur Gärtnerei. Im Gänsemarsch ging es durch die Dunkelheit, um dieses kurze Blütenschauspiel gemeinsam zu erleben.
Philipp: Heute würde man wahrscheinlich ein Foto per WhatsApp schicken. Damals lief eine ganze Gruppe nachts los. Genau darin steckt schon sehr viel Vereinsgeschichte.
Philipp: Mit der NS-Zeit und dem Krieg kommt der Bruch. Wie ging es danach weiter?
Hans-Friedrich: Der Neubeginn war kein einzelner Moment. Walther Haage hielt viele Vorträge über Kakteen und begeisterte damit Menschen. In der DDR konnte man einen Verein aber nicht einfach frei gründen. Naturwissenschaftliche Gruppen fanden schließlich unter dem Dach des Kulturbundes ihren Platz. Walther Haage hatte als selbständiger Gärtner Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen; deshalb brauchte es Zeit, bis eine neue Fachgruppe entstehen konnte. 1961 kam es schließlich zur Gründung der Fachgruppe Kakteen.
Philipp: Jetzt schauen wir auf die starke Zeit der 1970er und 80er Jahre. Mit Andreas Schill, Gudrun Kroll und Klaus-Dieter Lentzkow sitzen Menschen hier, die diese Jahrzehnte aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben.
Andreas: Wir haben große Ausstellungen aufgebaut, unter anderem auf der iga. Das war stundenlange Arbeit: Sand in die Halle, Pflanzen arrangieren, ganze Landschaften aufbauen. Und es gab enormes Interesse. Ich war damals noch sehr jung und wurde sogar von der Schule freigestellt, weil das als gesellschaftliche Arbeit anerkannt wurde. Über Pflanzenverkauf kamen für damalige Verhältnisse beachtliche Summen zusammen, die wieder an die beteiligten Mitglieder verteilt wurden.
Das Vereinsleben bestand aber nicht nur aus Ausstellungen: Monatsabende, Vorträge, Austausch, Pflanzen und Samen – und natürlich das gemeinsame Erleben.
Philipp: Ende der 1980er kommt ein harter Einschnitt. Die bisherigen Strukturen brechen weg, viele Fachgruppen lösen sich auf oder verlieren Mitglieder. Klaus-Dieter, du warst kurz nach der Wiedervereinigung eines der ersten ostdeutschen Vorstandsmitglieder in der DKG. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Klaus-Dieter: Vieles brach tatsächlich zusammen. Menschen verloren ihre Arbeit, zogen weg oder hatten andere Sorgen. Die Liebhaberei rückte nach hinten. Von den vielen Tausend Mitgliedern, die zuvor in DDR-Fachgruppen organisiert waren, fand nur ein kleiner Teil unmittelbar den Weg in die DKG. Dazu kamen Missverständnisse zwischen Ost und West. Wir mussten erst lernen, wie die jeweiligen Strukturen funktionierten.
Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten. Gruppen nahmen Kontakt auf, Reisen wurden möglich, und nach und nach entstand ein gemeinsames Netzwerk.
Gudrun: Nach der Wende ging meine frühere Ortsgruppe Gotha leider kaputt. Kontakte nach Erfurt gab es aber weiterhin. Irgendwann fragte mich jemand: Warum bist du eigentlich nicht Mitglied in Erfurt? Meine Antwort war: Weil mich noch keiner gefragt hat. Und schon hatte ich die Beitrittserklärung.
Philipp: Das ist eigentlich die schönste Erklärung: persönlicher Kontakt. Gudrun, du hast später die Chronik weitergeführt. Vieles ist heute moderner, aber die Grundidee ist dieselbe – Menschen müssen miteinander ins Gespräch kommen.
Philipp erinnert an eine Erklärung seiner Großmutter für die große Vereinsdichte zu DDR-Zeiten: Freizeit, Fernsehen und Kommunikation funktionierten anders. Vereine waren wichtige soziale Räume. Genau dieser persönliche Teil ist bis heute ein Argument, auch wenn heute das Internet dazukommt.
Nach der Wiedervereinigung knüpften die Erfurter schnell Kontakte zu westdeutschen Ortsgruppen. Helmut Bude stellte beispielsweise die Verbindung nach Kassel her. Besuche in Sammlungen, Reisen bis Heidelberg und gegenseitige Einladungen machten aus einzelnen Gruppen ein immer engeres Netzwerk.
Philipp: Genau das ist doch ein starkes Argument für Ortsgruppen: Dort gibt es Sammlungen zu sehen, Wissen zu hören und manchmal fällt auf dem Rückweg auch noch ein Steckling ab. Die DKG hat viele Ortsgruppen in ganz Deutschland – wahrscheinlich ist auch in der Nähe der Hörerinnen und Hörer eine.
Philipp: Jetzt sitzen Markus Münch aus der Erfurter Gruppe und Tim Oettel, Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen, hier. Die Haarfarben ändern sich plötzlich ein wenig.
Markus: Ein heutiger Vereinsabend ist ziemlich locker. Keine feste Sitzordnung, kein Krawattenzwang. Wer kommt, ist willkommen. Oft sind schon die Minuten vor dem Vortrag besonders interessant: Da hört man Tricks und Erfahrungen, die jemand gerade ausprobiert hat – Veredelungen, Aussaaten oder ungewöhnliche Versuche.
Markus schätzt dabei besonders das Wissen der älteren Mitglieder. Fast bei jedem Treffen gebe es etwas, auf das er allein nicht gekommen wäre. Gudruns Idee, bei der nächsten Blüte der Königin der Nacht wieder als Gruppe ins Gewächshaus zu kommen, schließt dabei wunderbar den Kreis zur nächtlichen Wanderung von 1926.
Philipp: Tim, du bist mit dem Internet aufgewachsen. Warum ausgerechnet Pflanzen?
Tim: Gerade weil ich vorher wenig darüber wusste. Je mehr man über seine Umwelt und über Pflanzen lernt, desto spannender werden sie. Bei mir war ein Schlüsselmoment die Blüte einer Phalaenopsis. Meine Oma war im Orchideenverein. Irgendwann standen 21 Orchideen in meinem Zimmer und ich hatte die Mission, sie wieder zum Blühen zu bringen. Das war meine Einstiegsdroge für Pflanzen.
Markus: Bei mir fing es ebenfalls mit wenigen Zimmerpflanzen und Kakteen an. Als ich sie als Kind auf dem Dachboden überwinterte und im Frühjahr wieder nachsah, waren die Kakteen die einzigen, die überlebt hatten. Also habe ich mich weiter auf sie spezialisiert.
Philipp: Tim, du machst Kurzdokus über Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume. Was steckt dahinter?
Tim: Gemeinsam mit meinem Professor machen wir an der Universität ein Kurzvideoformat. In fünf bis maximal zehn Minuten nehmen wir uns ein biologisches Kuriosum vor. Weil es kurze Dokumentationen sind, heißt die Reihe Doc Shorts. Auf YouTube erreichen wir damit Studierende, aber auch Menschen außerhalb der Universität. Wichtig ist uns, niedrigschwellig zu erzählen und die eigene Begeisterung weiterzugeben.
Die Themen führen von Göttingen bis Costa Rica, Namibia, Kenia oder Sri Lanka. Pflanzen stehen dabei oft in Beziehung zu Tieren – etwa bei Bestäubung und Blütenökologie. Das Internet ist voller Inhalte und soziale Netzwerke wie Instagram sind voller Pflanzenbilder. Umso wichtiger ist es, Wissen spannend und verständlich zu erzählen.
Soziale Medien können Menschen mit einem Spezialinteresse überhaupt erst zusammenbringen. Über Pflanzen entstehen Kontakte zu Menschen in anderen Ländern, zu botanischen Gärten und zu Sammlern. Entscheidend wird es aber dort, wo aus dem digitalen Kontakt eine echte Begegnung entsteht.
Philipp: Genau so haben auch wir uns kennengelernt beziehungsweise wurden weiter miteinander vernetzt. Social Media ist ein Sprungbrett – aber es ersetzt nicht, jemandem wirklich in die Augen zu schauen.
Auf die Frage, warum man heute Mitglied einer Ortsgruppe werden sollte, landet Tim beim Engagement: Wer seine Begeisterung ausleben und weitergeben kann, kann damit auch andere anstecken und ein Thema wieder sichtbar machen.
Philipp: Markus, wenn heute jemand hier sitzt oder im Livestream zuschaut und noch nie in einer Ortsgruppe war – was erwartet ihn?
Markus: Kommt einfach vorbei. Es erwarten euch freundliche Menschen, ein interessanter Vortrag und eine bequeme Atmosphäre. Ihr könnt erst einmal ganz unverbindlich schauen. Und die Beitrittserklärungen liegen natürlich auch da.
Damit endet die eigentliche Gesprächsrunde mit einer großen Einladung nach Erfurt – und ebenso zu den anderen Ortsgruppen der DKG.
Aus Magdeburg kommen Glückwünsche „von einem Hundertjährigen zum anderen Hundertjährigen“. Und weil Vereinsleben eben nicht nur fachlicher Austausch, sondern auch viel Gemütlichkeit ist, gibt es gleich noch etwas für den nächsten gemeinsamen Grillabend dazu.
Zum Schluss kommen die tschechischen Freunde aus Ústí nad Labem zu Wort. Die Verbindung zwischen beiden Gruppen reicht bis in die frühen 1960er Jahre zurück und wurde über Jahrzehnte mit gegenseitigen Besuchen, Pflanzen, Samen, Literatur und persönlichen Freundschaften gepflegt.
Die Gäste erinnern an Namen der frühen Verbindung und daran, dass diese Freundschaft inzwischen älter ist als viele der Menschen, die sie heute weitertragen. Ihr Wunsch ist einfach: dass diese Zusammenarbeit weitergeht und der Erfurter Verein auch die nächsten 100 Jahre schafft.
Ulrich: Das ist ein schöner Abschluss: noch einmal die internationale Freundschaft sichtbar zu machen. Liebe Grüße in die Welt im Livestream und vielen Dank an dieses tolle Publikum. Es hat sehr viel Spaß gemacht. „Auf die nächsten 100 Jahre!“
100 Jahre Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt – live aus dem Gewächshaus
Der Beitrag CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: live aus dem Gewächshaus erschien zuerst auf Cactusblog.
Die Zeit galoppiert, aber dieses Ereignis lassen wir uns nicht nehmen: Der Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt feiert sein 100-jähriges Bestehen! Gegründet 1926 und benannt nach Walther Haage, ist dieser Verein ein Herzstück der Erfurter Pflanzengeschichte.
In dieser Episode erfährst du alles zum großen Tag der offenen Tür am Samstag, den 9. Mai 2026:
Festveranstaltung: Ab 14 Uhr im Gewächshaus bei Kakteen-Haage. Wir erwarten den Präsidenten der Deutschen Kakteengesellschaft und viele Ehrengäste.
Livestream: Du kannst nicht nach Erfurt kommen? Kein Problem! Wir übertragen auf YouTube, Facebook und Instagram (Account: @kakteenhaage).
von Ulrich Haage | Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster auf cactusblog.de | CactusPodcast
In Episode 046 des CactusPodcast feiern wir das Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt. Sei live dabei am 9. Mai ab 14 Uhr – vor Ort in Erfurt oder im weltweiten Livestream. Freu dich auf prominente Gäste wie den DKG-Präsidenten, Lottes Kinderführung „in echt“ und die legendäre Kaktusbratwurst. Jetzt reinhören und Termin blocken! #KakteenHaage #Erfurt #Pflanzenliebe
Die Zeit galoppiert, aber dieses Ereignis lassen wir uns nicht nehmen: Der Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt feiert sein 100-jähriges Bestehen! Gegründet 1926 und benannt nach Walther Haage, ist dieser Verein ein Herzstück der Erfurter Pflanzengeschichte.
In dieser Episode erfährst du alles zum großen Tag der offenen Tür am Samstag, den 9. Mai 2026:
Festveranstaltung: Ab 14 Uhr im Gewächshaus bei Kakteen-Haage. Wir erwarten den Präsidenten der Deutschen Kakteengesellschaft und viele Ehrengäste.
Livestream: Du kannst nicht nach Erfurt kommen? Kein Problem! Wir übertragen auf YouTube, Facebook und Instagram (Account: @kakteenhaage).
Highlights vor Ort:
🌵 Blick hinter die Kulissen: Noch mehr Kakteen und Sukkulenten entdecken.
👧 Lottes Kinderführung: Nach 5 Jahren endlich wieder „in echt“ mit der (inzwischen großen) Lotte.
🏺 Töpfer-Workshop: Mit Ragnvald Leonhardt finden wir das perfekte Gefäß für deine Pflanze.
🚂 Kaktusgartenbahn: Sie rattert wieder durch die Canyons im Gewächshaus.
🩺 Pflanzendoktor: Beratung für deine Sorgenkinder.
Kulinarik: Von der berühmten Kaktusbratwurst über mexikanische Quesadillas bis hin zum Cactus Café mit frischem Kuchen.
Komm vorbei, tausch dich mit den Mitgliedern des Kakteenvereins aus und teste dein Wissen beim Kaktus-Quiz!
Alle Infos & Links:
Podcast & Livestream
Verein: www.kakteenverein-erfurt.de
Shop & Event-Details: www.kakteen-haage.de
May the force be with you – und bis Samstag in der Blumenstadt Erfurt!
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13. Oktober 2025 · CactusPodcast
Auf meinem Jakobsweg mache ich einen Abstecher nach Kernen-Rommelshausen und besuche die Kollegen von Uhlig Kakteen. Aus einer Kaffeepause am World Podcast Day wird ein spontanes Gespräch mit Johannes Uhlig – über seinen Weg zum Kakteengärtner, die nächste Generation und einen Generationswechsel, dessen Termin selbst mich überrascht.
von Ulrich Haage | CactusPodcast
Kernen-Rommelshausen · World Podcast Day · 30. September 2025
Eigentlich bin ich im Urlaub und auf dem Jakobsweg unterwegs – allein und fast ohne Kakteen. Weil Stuttgart in greifbarer Nähe liegt, unterbreche ich meine Etappe und besuche die Kollegen von Uhlig Kakteen. Geplant ist vor allem Zeit für alte Freunde. Dann treffe ich Johannes Uhlig und merke: Heute ist World Podcast Day. Also machen wir, ohne großes Trara, das Mikrofon an.
„Zum Jahreswechsel 2026/27 übernehme ich das Zepter hier in der Gärtnerei Uhlig.“
— Johannes Uhlig
Aus einer einzigen Frage wird ein Gespräch über Ausbildung, Familiengeschichte und die Zukunft einer traditionsreichen Kakteengärtnerei.
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Ich bin Ulrich Haage und diesmal ganz privat unterwegs: auf dem Jakobsweg, allein und eigentlich auch ohne Kakteen. Fast jedenfalls.
Ich laufe seit einigen Jahren in Etappen in Richtung Santiago de Compostela. Losgegangen bin ich zu Hause und noch bin ich in Deutschland. In diesem Jahr führt mich der Weg durch Bayern und Baden-Württemberg bis nach Rheinland-Pfalz.
Weil Stuttgart in greifbarer Nähe liegt, mache ich eine kurze Pause. Ich möchte mit einem langjährigen Freund einen Baum pflanzen und vorher meine Kollegen in der Kakteengärtnerei Uhlig besuchen. Das hatte ich schon sehr lange wieder einmal vor.
Ich stiefele durch die Gärtnerei und komme ins erste Gewächshaus. Niemand zu sehen. Im nächsten Haus bewegt sich ganz hinten jemand, aber das ist nicht Matthias Uhlig, mit dem ich verabredet bin. Mit meinem Rucksack gehe ich lieber nicht zwischen die Pflanzen – dabei würde ich vermutlich einiges niedermähen.
Auf einmal steht Johannes Uhlig hinter mir. Mit mir hat er hier ganz sicher nicht gerechnet. Wir reden kurz, dann bringt er mich zu seinem Vater Matthias, der im nächsten Gewächshaus gerade Stecklinge geschnitten hat.
Mit zwei Tassen Kaffee sitzen Matthias und ich in der Herbstsonne und reden. Dafür hatten wir viele Jahre keine Zeit. Später kommt Uwe Mergel dazu. Wir sprechen über Ausbildung, über geschlossene und neu entstehende Kakteengärtnereien, den Gartenbau und die Entwicklungen in der grünen Branche. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Dann fällt mir ein: Heute ist der 30. September – World Podcast Day. Obwohl ich im Urlaub bin, stehen die Zeichen ziemlich klar auf Machen.
Vater und Sohn einigen sich schnell. Kurz darauf sitze ich mit Johannes in der Kaffee-Ecke im Herzen der Gärtnerei. Wir unterhalten uns an diesem Tag schon zum zweiten Mal – jetzt mit Mikrofon, aber ohne großes Trara.
Es sollte ein einfaches, unschuldiges und vor allem kurzes Gespräch werden. Ich möchte Johannes nur eine Frage stellen: Warum bist du eigentlich Kakteengärtner geworden?
Johannes erzählt frei heraus von sich, von der Entstehung und Geschichte der Gärtnerei Uhlig und vom anstehenden Generationswechsel.
„Zum Jahreswechsel 2026/27 übernehme ich das Zepter hier in der Gärtnerei Uhlig.“
— Johannes Uhlig
Moment! Damit habe ich nicht gerechnet. Dass dieser Gedanke naheliegt, ist klar. Dass die Geschichte aber ausgerechnet hier im Interview öffentlich wird, überrascht mich dann doch. Und natürlich bin ich neugierig, wie der Weg weitergeht.
Johannes erzählt von seinen Plänen und Ideen für die Zukunft. Eigentlich wollte er vieles anders machen als sein Vater. Am Ende verlief sein Weg aber erstaunlich ähnlich wie der von Matthias: Gärtnerausbildung an der Wilhelma, die Welt anschauen, Studium in Hohenheim, mit Kakteen arbeiten – und schließlich die Kakteengärtnerei des Vaters übernehmen.
Darüber müssen wir beide ziemlich lachen. Auch bei der Frage, wie man den eigenen Betrieb von innen und von außen sieht, gibt es einiges zu lachen. Dann ist unser kurzes Gespräch schon wieder vorbei und für mich geht es weiter.
Später, als ich wieder in Richtung Speyer laufe, fällt mir eine Geschichte aus meiner Jugend ein. Matthias Uhlig war in den 1980er Jahren auf Klassenfahrt – damals noch in die DDR. Heimlich setzte er sich von seiner Gruppe ab und reiste nach Erfurt, um unsere Gärtnerei kennenzulernen.
So etwas war damals streng verboten. Touristen mussten sich an die vorher beantragte und genehmigte Reiseroute halten. Auch Kontakte aus dem sogenannten nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet konnten ernste Konsequenzen haben, wenn die Staatssicherheit davon erfuhr.
Zum Glück geschah das nicht. Stattdessen saß der junge Matthias plötzlich bei meiner Familie am Kaffeetisch, fragte meinen Eltern und Großeltern Löcher in den Bauch und erzählte spannende Geschichten. Anschließend schloss er sich unbemerkt wieder seiner Klasse an.
Heute treffen sich unsere Familien und Gärtnereien erneut an einem Übergang zwischen den Generationen. Genau das macht diese spontane Begegnung für mich so besonders.
Links und weiterführende Informationen zu dieser Folge:
Der Beitrag CactusPodcast 045 – Johannes Uhlig: Generationen-Treffen am Rande des Jakobsweges erschien zuerst auf Cactusblog.
10. August 2025 · CactusPodcast
Ich bin Ulrich Haage und ich bin heute auf Podcast-Exkursion. Genau gesagt melde ich mich aus Hamburg, Hauptbahnhof, auf Gleis 11. Und ich bin auf dem Weg zu meinem heutigen Gast. Wir treffen uns heute in einer Gärtnerei, und ich rechne damit, dass mir heute mindestens so viele Stacheln begegnen wie zu Hause in den Gewächshäusern.
Ich treffe heute Philipp bei seiner Arbeit – und ich dachte zunächst: in einer Rosengärtnerei. Warte! Es geht heute trotzdem um Kakteen!
Philipp ist Mitte 20 und ich mutmaße, dass er seit etwa 15 Jahren vernarrt in Kakteen ist. Mit zwölf hat er den Umweltpreis der Stadt Chemnitz bekommen. Er hat einen Brief an seine Oberbürgermeisterin geschrieben und sich für den Erhalt des Botanischen Gartens eingesetzt. Er ist Künstler, malt in seiner Freizeit und ist seit 2025 Master of Science (M.Sc.) im Produktionsgartenbau der HTW Dresden.
In seiner Bachelorarbeit hat er sich tief in ein ziemlich spannendes Thema eingearbeitet. Ganz grob: Es geht um Pflanzenlicht bei der Kultur von Lophophora.
Last but not least engagiert sich Philipp bei der Deutschen Kakteen-Gesellschaft und kümmert sich dort um die Social-Media-Belange.
Und ich bin echt neugierig, was er uns darüber erzählt.
Ich habe jetzt eine Verabredung.
von Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel | CactusPodcast
Podcast-Exkursion · Bilsen bei Hamburg
Wir sind im Gewächshaus und wir gucken heute auf Araukarien – weil ich mit meiner Erwartung völlig falsch lag!
Wir sind heute nicht bei Rosen Kordes, sondern bei Kordes Jungpflanzen. Hier werden keine Rosen angebaut, sondern Jungpflanzen für Baumschulen in ganz Europa produziert. Vorhin hatten wir noch einen kurzen Schnack mit Christian Kordes, dem Chef. Philipp ist hier in der Gärtnerei in der Züchtung tätig.
Vor uns auf den Tischen stehen etwa 5.000 Araukarien-Sämlinge. Ich habe so etwas vorher noch nicht gesehen. Man kann die Araukarien schon erkennen. Manche tragen wie ein kleines Hütchen noch die Reste der Samenhülle oben am Austrieb – und die wachsen hier vor sich hin.
Es ist richtig schön warm, die Sonne scheint, und wenn ihr zwischendurch ein lautes Quietschen und Getöse hört, dann ist das die automatische Schattierung, damit es uns nicht unangenehm warm wird. Manchmal gibt es auch Flugzeuge oder anderes Geflügel über uns.
Jetzt die erste Frage: Wie bist du zu den Kakteen gekommen?
„Dann bin ich dieses Rabbit Hole immer tiefer hinabgestiegen.“
— Philipp Heidel-Weizel
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Philipp: Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau. Ich interessiere mich schon mein Leben lang für Pflanzen. Schon in der Schule war ich in einer Botanik-AG im Botanischen Garten in Chemnitz – da komme ich her. Pflanzen waren immer irgendwie interessant für mich.
Das mit den Kakteen kam ungefähr zu Beginn meines Studiums. Ich habe Gartenbau in Dresden studiert, und im Zierpflanzenbau ging es los. Dann bin ich dieses Rabbit Hole immer tiefer hinabgestiegen.
Also: Es sind keine 15 Jahre, wie du es vorhin erzählt hast.
Ulrich: Weißt du, was dich angefixt hat? Hast du den Stich erlebt, als der Kakteen-Virus bei dir injiziert wurde?
Philipp: Auch das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich habe mir irgendwann einmal einen Kaktus auf die Fensterbank gestellt – eine Mammillaria geminispina. Dazu kam irgendwann ein zweiter und ein dritter und ein vierter, und dann war die Fensterbank voll. Danach war die nächste Fensterbank dran.
Ulrich: Du bist zwischendurch sogar umgezogen, weil die Fensterbretter voll waren?
Philipp: Nein, nein, das nicht. Aber ich hatte in der nächsten Wohnung tatsächlich ein paar Fensterbretter mehr.
Ulrich: Deine Eltern haben dich dabei unterstützt?
Philipp: Oh ja, doch, das kann man so sagen. Meine Mutter hat mir zum Geburtstag einmal einen Gutschein für das CactusWorkCamp geschenkt. Das war unsere erste Begegnung.
Ulrich: Gab es jemanden, der dich bei deinen ersten Kakteen begleitet hat? Einen Mentor, der dir bei den ersten Sammlungen und Pflanzen geholfen und erklärt hat, wie das geht? Oder hast du dir alles selbst erobern dürfen?
Philipp: So richtig an die Hand genommen wurde ich nicht. Ich habe mich viel in Büchern und Foren belesen. Wahrscheinlich gab es eine ganze Menge Leute, die mich inspiriert haben. Aber wenn ich jetzt anfangen würde, Namen aufzuzählen, würde ich vermutlich irgendjemanden vergessen.
Ich blättere gern durch die „Kakteen und andere Sukkulenten“, kurz KuaS, und bleibe an verschiedenen Artikeln hängen – vor allem an Reiseberichten. Aber auch dort gibt es keinen einzelnen Autor, der mich ganz besonders beeinflusst hätte.
Wenn es in der Pflanzenwelt etwas gibt, das bei mir ganz am Anfang das Interesse geweckt hat, dann war es die Zeit im Botanischen Garten in Chemnitz. Dort gab es einen Lehrer im Schulbiologiezentrum, der diese AG betreut hat. Er hat mich in das ganze Thema Pflanzen hineingebracht – nicht speziell in die Kakteen. Aber ich bin ja vielseitig interessiert, sonst würde man als Kakteenliebhaber wahrscheinlich auch nicht in einer Baumschule landen.
Das kann man als den Anfang sehen.
Ulrich: Du hast mit zarten zwölf Jahren schon einen Umweltpreis bekommen?
Philipp: Den Umweltpreis der Stadt Chemnitz. Damals haben wir uns mit Ackerwildkräutern im Raum Chemnitz beschäftigt.
Ulrich: Und dann stand irgendwann dem Botanischen Garten das Wasser bis zum Hals. Da hast du dich eingesetzt und gesagt: Liebe Stadtverwaltung …
Philipp: … so nicht! Da hast du aber ganz schön tief gekramt!
Ulrich: Zurück zu den Kakteen: Was sticht dich sozusagen? Was fasziniert dich ganz besonders an ihnen?
Philipp: Ich glaube, es ist diese Vielfalt an Überlebensstrategien, die diese Pflanzenfamilie über Jahrmillionen entwickelt hat.
Wenn du dir die Lebensräume anschaust: Da gibt es Epiphyten, die Regenwälder am Amazonas oder andere feuchte Gebiete bewohnen. Ganz wild fand ich eine Mammillaria, die auf einer Eiche im Kork wächst – wahrscheinlich eher zufällig, sie ist ja kein geplanter Epiphyt. Aber so etwas ist total interessant.
Dann gibt es die Küstennebelregionen, in denen Pflanzen das Wasser aus der feuchten Luft auskämmen und davon leben. Andere gehen mit ihren Wurzeln meterweit in die Tiefe, bis sie irgendwann das Grundwasser erreichen.
Diese Vielfalt an Methoden, unter widrigsten Bedingungen weiterzuleben und sich einen Lebensraum zu erschließen, holt mich einfach ab.
Ulrich: Ist das eine Sache, die auch mit dem Klimawandel erklärbar ist?
Philipp: Wie meinst du das genau?
Ulrich: Als ich in deinem Alter war, hat die Braunkohleheizung die Luft versaut. Dann gab es das Ozonloch, das wir irgendwie wieder schließen mussten. Und heute brennt die ganze Welt.
Ich weiß nicht, ob man die Möwen über dem Gewächshaus hört – wir sind wirklich richtig im Norden.
Philipp: Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimawandel beschäftigen wahrscheinlich jeden Menschen meiner Generation. Die Generationen nach mir wird das noch viel stärker beschäftigen.
Von Detlef Metzing, dem Artenschutzbeauftragten der DKG, gibt es einen sehr interessanten Vortrag darüber, wie sich Kakteenpopulationen nach den aktuellen Klimawandelprognosen verschieben könnten – also welche Arten sich ausbreiten, vorausgesetzt, die Pflanzen sind schnell genug in der Reproduktion.
Ulrich: Wenn du auf deine Fensterbänke guckst: Was steht dort? Ist deine Sammlung auf eine bestimmte Gattung fokussiert oder bist du völlig frei?
Philipp: Ich habe schon meine Lieblingsgattungen. Dazu gehören vor allem Lophophora und viele kurze Säulen aus Brasilien. Die Caatinga ist ein wahnsinnig interessanter Lebensraum, ebenso Minas Gerais.
Aber insgesamt ist meine Sammlung eher dynamisch. Mich interessieren Pflanzen, die besonders blühen. Wir haben vorhin über Rebutia gesprochen. Dort gibt es Blütenfarben, die bekommt man auf einem Foto nur schlecht eingefangen.
Ich habe eine Rebutia vielleicht ein paar Jahre bei mir, warte auf die Blüte, schaue sie mir an und versuche, sie zu fotografieren. Wenn ich mich gewissermaßen sattgesehen habe, gebe ich die Pflanze an den Nächsten weiter, der sie meines Erachtens ebenfalls einmal sehen sollte.
Da ist viel Bewegung drin. Ich tausche gern, lasse mich inspirieren und anstecken. Wenn jemand sagt: „Guck dir das einmal an“, landet die Pflanze auf meiner temporären Wishlist.
Ulrich: Du sammelst also nicht Echinocereus coccineus aus allen seinen Verbreitungsgebieten im Gewächshaus zusammen, sondern es geht um veränderliche Interessen?
Philipp: Ja, genau das ist für mich spannend. Ich finde es total charmant, wenn jemand versucht, aus einer Gattung alles zusammenzutragen. Manchmal geht das ein bisschen ins Klinische über, das finde ich dann merkwürdig – aber hey: In der DKG und ihren Ortsgruppen gibt es die verschiedensten Menschen und Charaktere.
Für die Bewahrung der Genetik ist es saucool, wenn jemand eine ganze Gattung mit ihren Subspezies, Formen und Varietäten dastehen hat.
Ulrich: Das hat ja auch mit Wissen zu tun. Spleenig ist das Ganze sicher, aber in meinen Augen eine sehr fruchtbare Form von Spleen. Wir tragen dadurch Wissen über bestimmte Pflanzen zusammen.
Ich würde dich gern in 15 Jahren noch einmal fragen, ob sich deine Interessen verändert haben oder ob sich etwas Neues herauskristallisiert hat.
Wir kennen Carl Spitzweg, der den Kakteenfreund oder Kakteensammler in verschiedenen Facetten dargestellt hat. Das ist meist ein eher introvertierter Typ.
Wo siehst du dich? Bist du jemand, der bei seinen Pflanzen Ruhe und Zuflucht sucht? Oder gehst du über die Pflanzen hinaus und sagst: Darüber lerne ich andere Menschen kennen?
Philipp: Beides. Ich verbringe gern Zeit allein mit meinen Pflanzen. Die größte Freude bringt mir aber der direkte Austausch: auf Börsen, in Ortsgruppen, mit Auszubildenden und Studierenden genauso wie mit Menschen, die seit Jahrzehnten sammeln.
Dort kann man Fachleute auf Augenhöhe fragen, wenn an einer Pflanze etwas nicht funktioniert. Und man bekommt oft mehr als nur eine gärtnerische Antwort – man bekommt die Geschichten dazu.
Philipp: Wen trifft man in der DKG nicht? Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende, Berufstätige, Rentnerinnen und Rentner – eigentlich ist die ganze Gesellschaft vertreten.
Dazu kommen Ortsgruppen, Ausstellungen, Börsen, Vorträge und natürlich die Fachzeitschrift „Kakteen und andere Sukkulenten“, die KuaS.
Gerade die KuaS verbindet Wissenschaft und Hobby. Neben Kulturberichten und Reiseerfahrungen stehen wissenschaftliche Beiträge und Neubeschreibungen. Diese Gleichrangigkeit macht für mich einen großen Teil des Charmes aus.
Philipp: Es ist unglaublich wertvoll, mit einem Menschen durch ein Gewächshaus zu gehen, das in sechzig Jahren gewachsen ist, und die Geschichten zu den Pflanzen zu hören. Damit hatte ich nicht gerechnet, als ich Mitglied wurde.
Vor meinem ersten Ortsgruppenabend hatte ich trotzdem Sorge, als junger Mensch völlig fehl am Platz zu sein. Dann saß die Dresdner Ortsgruppe in einer Gaststätte. Ich stand unsicher vor dem Tisch, und jemand sagte: „Hier ist noch ein Platz frei. Ich bin Dieter – wer bist du?“
Damit war das Eis gebrochen.
Ulrich: Nachwuchs entsteht vielleicht genau dort, wo Menschen nicht pausenlos von Nachwuchsförderung sprechen, sondern anderen einfach zeigen, was sie selbst begeistert.
Philipp: Den Instagram-Auftritt der DKG habe ich 2023 gemeinsam mit dem Vorstand angestoßen. Inzwischen arbeitet daran ein ganzes Team junger Mitglieder.
Wir überlegen Themen, schreiben Texte, suchen Bilder aus und besuchen Sammlungen, Ortsgruppen, Börsen, Ausstellungen und Gärtnereien.
„Der Kerngedanke war: Sukkulenten-Content von jungen Mitgliedern für junge Leute.“
— Philipp Heidel-Weizel
Wir merken, dass der Kanal etwas bewirkt. Bei neuen Mitgliedschaften wird Instagram inzwischen häufig als erster Kontakt zur DKG genannt. Die Menschen bekommen dort einen Eindruck davon, was das eigentlich für eine Gemeinschaft ist.
Ulrich: Die DKG besteht nicht nur aus Begegnungen. Da gibt es eine umfangreiche Bibliothek, die KuaS, Sonderpublikationen, die wissenschaftliche Schumannia, Kalender, Vorträge, die Samenverteilung und eine Mediathek.
Gerade alte Fotos und Dias sollten wir nicht vorschnell für überholt erklären. Solche Archive zeigen Pflanzen, Standorte und Kulturzustände, die heute vielleicht nicht mehr existieren.
In unserer Familie wären historische Druckplatten beinahe auf dem Schrott gelandet. Heute sind sie ein Schatz.
Ulrich: Ein Satz aus dem DKG-Vorstand fasst es sinngemäß gut zusammen: In der Gesellschaft sollen Fensterbrettsammler, Balkongärtner, Profis, Einsteiger und Wissende ihren Platz finden.
Philipp: Es ist eine extrem bunte Mischung – im besten Sinne. Unterschiedliche Generationen und Interessen sind kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung. Genau diese Vielfalt sollte sich auch in der Arbeit der Gesellschaft wiederfinden.
Ulrich: Menschen bauen Ausstellungen auf, betreuen Börsen, schenken Kaffee aus, organisieren Samen und kümmern sich um Kommunikation. Was ist für dich die Beute dieser Arbeit?
Philipp: Ganz schlicht: der Spaß an der ehrenamtlichen Arbeit und die Freude daran, etwas gemeinsam entstehen zu lassen.
Ein Pflanzenhobby verändert sich im Laufe des Lebens. Ausbildung, Beruf und Familie können eine Sammlung zeitweise in den Hintergrund drängen.
Gerade Kakteen passen trotzdem gut in eine schnelle Zeit: Sie wachsen langsam und zwingen uns zum Hinschauen. Wenn ich mich eine Weile nicht mit meinen Pflanzen beschäftige, fehlt mir dieses kleine grüne Gefühl.
Philipp: Ich habe dir einen kleinen Steckling mitgebracht – von einer Pflanze, nach der du schon lange gesucht hast.
Aus dem Geschenk wird sofort ein neues Fachgespräch über ungewöhnliche Lebensweisen, seltene Pflanzen und die Frage, wie solche Besonderheiten erhalten und vermehrt werden können.
Selbst ganz am Ende der Aufnahme öffnet sich also schon das nächste Rabbit Hole.
Zurück auf dem Bahnhof in Hamburg – diesmal auf Gleis 5. Und ich bin noch voller Begeisterung von dem Besuch bei Philipp!
Ich gehe ja davon aus: Ich kenne die Kakteen-Szene einigermaßen. Aber ich muss sagen, ich habe mich sehr gefreut, weil manches von dem, was Philipp mir aus seiner Kakteenwelt erzählt hat, mich überrascht hat. Und zwar positiv!
Vor allem der Blick in die neue Generation Kakteenfreunde. Der stimmt mich einfach zuversichtlich.
Wenn du dich für die Deutsche Kakteen-Gesellschaft interessierst – und das kann ich dir wirklich ans Herz legen: Du findest sie unter dkg.eu und den Instagram-Account unter @deutschekakteengesellschaft.
Mir war es schon lange ein Anliegen, über die Deutsche Kakteen-Gesellschaft zu berichten und die gute Arbeit, die dort von vielen engagierten Menschen geleistet wird, auch hier einmal sichtbar zu machen.
Und ich mag die Art sehr, wie Philipp davon erzählt: ruhig, entspannt und unaufgeregt.
Nachdem wir die Mikrofone ausgeschaltet hatten, gab es noch sehr viel mehr zu erzählen – so viel, dass unser Gespräch eine Fortsetzung brauchte. Aber eigentlich hatten wir das schon vorher gewusst. Deswegen haben wir uns später in Erfurt wiedergetroffen.
Das war die Nummer 44 – mit einem ganz speziellen Shoutout an Markus Tirok für seine Unterstützung beim Gedankensortieren.
Und ich bin jetzt raus – mein Zug fährt!
Tschüss!
Nachtrag: Das Wiedersehen mit Philipp in Erfurt ist in CP047 zu hören. In CP048 sprechen wir gemeinsam darüber, wann ein Kaktus wirklich umgetopft werden muss.
Als diese Episode 2025 erschien, war das Transkript zunächst nur bis ungefähr Minute 14 überarbeitet. Es kostet unheimlich viel Zeit, die Mitschrift zu straffen und vor allem die Sprecher wieder richtig auseinanderzudröseln. Das war auch einer der Gründe für die Verzögerung der Episode, die wir bereits Anfang Juni in Hamburg aufgenommen hatten.
Folge 043 „Im Gewächshaus und drumherum“ war damals schon on Air, obwohl sie erst nach diesem Gespräch entstanden war. Ein paar kleine Insider-Informationen.
Das war mein erster Versuch, im Gegensatz zu den bisherigen Interviews ein Transkript zu hinterlegen. Was ich lustig finde: Die KI lernte noch fleißig. Im ersten Rohtext habe ich Philipp beispielsweise auf dem Avocadofeld getroffen – und später sogar in Arkadien.
Ich fürchte, ich muss etwas an meiner Aussprache arbeiten. So ein Genuschel geht ja gar nicht!
Wir hören uns!
Besser.
Alle Links und weiterführenden Informationen noch einmal auf einen Blick:
Der Beitrag CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG: Deutsche Kakteengesellschaft erschien zuerst auf Cactusblog.
18. Juli 2025 · CactusPodcast
Eine Sammelfolge aus dem Gewächshaus: neue Kakteen-Podcasts, Pflanzenethik, Dornenhilfe, Doppelfolie, Welwitschia – und sieben gestohlene Schildkröten, die wieder nach Hause fanden.
Nach einer längeren Pause hat sich einiges angestaut. Deshalb geht diese Episode nicht nur ins Gewächshaus, sondern auch ein gutes Stück drumherum: Ulrich entdeckt einen zweiten deutschsprachigen Kakteen-Podcast, denkt über Ethik und Artenschutz nach und erzählt von einem Screenshot, der überraschend teuer wurde.
Dazu kommen praktische Fragen aus der Gärtnerei: Wie bekommt man feine Dornen aus dem Finger? Warum liegen auf manchen Gewächshausdächern zwei Folien? Was macht Welwitschia mirabilis so außergewöhnlich? Und wie endete die Geschichte der sieben verschwundenen Schildkröten?
von Ulrich Haage | CactusPodcast
Host und erwähnte Stimmen
Host
Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster bei Kakteen-Haage in Erfurt. In dieser Sammelfolge verbindet Ulrich Beobachtungen aus der Podcastwelt mit Technik, Pflanzenwissen und einer ziemlich persönlichen Geschichte aus der Gärtnerei.
Podcastkollegen
Die Stimmen hinter Im Gewächshaus, einem deutschsprachigen Podcast über Kakteen und andere Sukkulenten. Themen wie Pflanzenethik, Artenschutz und verantwortungsvoller Handel geben Ulrich den Anstoß für diese Folge.
Die Zeitmarken der Audiofassung.
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Kakteengeschichten · Begleitartikel
Nach längerer Pause ist aus einer einzelnen Idee eine Sammelfolge geworden. Das verbindende Motiv ist das Gewächshaus: als Podcastname, als Ort für Pflanzen und Technik, als Bildmotiv – und als Schauplatz einer Geschichte, die weit über Kakteen hinausführt.
Mit Im Gewächshaus bekommt der CactusPodcast Gesellschaft. Lucas und Tobias sprechen über Kakteenerde, Bestäubung, Aloe-Hybriden, Baumarktpflanzen und illegale Wildentnahmen. Besonders hängen bleibt ihr Blick auf Nachhaltigkeit, Pflanzenethik und verantwortungsvollen Handel.
„Mit zwei Podcasts haben wir immerhin eine Verdoppelung geschafft.“
— Ulrich Haage
Das ist keine bezahlte Empfehlung. Es ist Freude darüber, dass ein Thema größer wird, sobald mehrere Stimmen darüber sprechen.
Artenschutz hat klare Regeln und internationale Abkommen. Pflanzenethik beginnt oft früher: bei der Frage, woher eine Pflanze stammt, wie sie vermehrt wurde, warum Seltenheit Preise treibt und welche Folgen das eigene Sammeln haben kann.
Die jüngere Perspektive von Lucas und Tobias bringt Ulrich dazu, die eigene Haltung neu zu prüfen. Das Ergebnis ist keine fertige Lehrmeinung, sondern eine offene Frage an die Community: Wo beginnt für uns ein fairer Umgang mit Pflanzen?
„Artenschutz ist nicht gleich Ethik.“
— Ulrich Haage
Ein Screenshot aus dem eigenen Pinterest-Account enthielt ein fremdes Foto eines alten viktorianischen Gewächshauses. Der Screenshot war selbst angefertigt – das darin sichtbare Bild aber nicht. Daraus wurde eine Abmahnung über knapp 400 Euro und eine auf ein Jahr begrenzte Nutzungslizenz.
Das ursprünglich verwendete Foto kann nach Ablauf dieser Lizenz nicht mehr gezeigt werden. An seiner Stelle steht nun eine eigens für diese Folge geschaffene Gewächshausszene. Die Geschichte bleibt – als ziemlich teure Erinnerung daran, dass auch ein selbst angefertigter Screenshot fremde Bildrechte nicht aushebelt.
Bei einem Foliengewächshaus liegen die beiden Häute nicht einfach lose übereinander. Ein kleines Gebläse hält zwischen ihnen ein Luftpolster. Diese ruhende Luftschicht verbessert die Wärmedämmung und stabilisiert die Folie gegen Wind.
Entscheidend sind saubere Befestigung, ein gleichmäßiger niedriger Druck und möglichst dichte Übergänge. Zu wenig Luft lässt die Folien aufeinanderliegen; zu viel Druck belastet Material und Konstruktion. Kondenswasser, Lichtverlust und die spätere Reparierbarkeit gehören ebenfalls zur Planung.
Das Prinzip ist einfach, die Details sind es nicht: Dachform, Folienqualität, Windlage und vorhandene Lüftungen bestimmen, wie gut die Lösung funktioniert.
Welwitschia mirabilis gehört zu einer sehr alten Entwicklungslinie der Nacktsamer und ist heute die einzige lebende Art ihrer Familie. Nach dem Jugendstadium bildet sie nur zwei dauerhafte Laubblätter. Diese wachsen an ihrer Basis kontinuierlich weiter, während Wind, Sand und Alter die Enden in lange Streifen zerfasern.
Ihre Heimat ist die Namib. Feuchte Küstenluft und Nebel spielen dort eine wichtige Rolle: Wasser kondensiert an Pflanze und Boden und kann so den Wurzelraum erreichen. Die häufig erzählte Vorstellung, die Pflanze nehme den Nebel hauptsächlich direkt über ihre Blätter auf, gilt dagegen nicht als gut belegt.
In Kultur ist Welwitschia keine klassische Sukkulente und braucht während des Wachstums regelmäßig Wasser. Gleichzeitig verträgt ihr empfindliches Wurzelsystem grobe Eingriffe schlecht. Das macht sie weniger zu einer Anfängerpflanze als zu einem langfristigen Kulturprojekt.
Anfang Juni 2025 verschwanden sieben Griechische Landschildkröten aus dem Gelände bei Kakteen-Haage. Für ihren über 90-jährigen Halter und früheren Gärtnermeister waren sie langjährige Weggefährten. Die Anteilnahme war entsprechend groß: Menschen aus der Nachbarschaft, Social Media, Polizei und Medien halfen bei der Suche.
Vier Tiere wurden zunächst kurz vor Mitternacht in einer Einkaufstüte vor dem Tor abgestellt. Drei blieben verschwunden – bis die Polizei auch sie zurückbrachte. Nach dem bekannten Stand waren die Tiere online zum Verkauf angeboten und anhand ihrer markanten Zeichnungen identifiziert worden.
Wiederkehrende Rubrik
Zwei Fragen aus dieser Folge – eine praktische Antwort und eine offene Spur für die Schwarmintelligenz.
Ein gut sichtbarer Dorn lässt sich meist mit einer sauberen Pinzette greifen. Bei vielen sehr feinen Glochiden kann vorsichtig angedrücktes Klebeband helfen. Ulrich nutzt außerdem einen Bimsstein, um oberflächlich sitzende feine Dornen behutsam abzureiben. Nicht tief schneiden oder in der Haut herumstochern. Bei starker Entzündung, tief sitzenden Fremdkörpern oder Beschwerden am Auge gehört die Sache in medizinische Hände.
Die kräftigen Betalaine roter Pitahayas können Ausscheidungen vorübergehend rosa oder rot färben. Das ist eine mögliche Erklärung für die überlieferte Geschichte von Soldaten, die nach dem Essen der Früchte glaubten, Blut auszuscheiden. Die genaue historische Quelle der Episode ist jedoch weiterhin offen.
Frage an die Schwarmintelligenz: Kennst du die Geschichte aus der Zeit um Kolumbus – oder eine belastbare Quelle dafür? Schreib an [email protected].
Nach längerer Pause meldet sich Ulrich mit einer Sammelfolge zurück. In der Gärtnerei und im Alltag war so viel los, dass der Podcast immer wieder nach hinten rutschte. Inzwischen haben sich mehrere Geschichten angesammelt, die alle mit dem Gewächshaus zu tun haben – manchmal als Ort, manchmal als Bild und manchmal nur als gedanklicher Ausgangspunkt.
Ulrich freut sich über einen weiteren deutschsprachigen Podcast zu Kakteen und anderen Sukkulenten. Lucas und Tobias sprechen über Erde, Bestäubung, Hybriden, Baumarktpflanzen und Pflanzen-Poaching. Die Empfehlung ist keine Werbung, sondern Ausdruck der Freude über eine wachsende Community.
Neben den beiden spezialisierten Formaten gibt es einzelne Podcastfolgen über Kakteen: eine Einschlaffolge auf Grundlage von Wikipedia, Beiträge aus Wissenschafts- und Pflanzenpodcasts und zahlreiche englischsprachige Episoden. Ulrich lädt dazu ein, weitere Funde an das Studio zu schicken.
Der Blick der jüngeren Podcaster auf Nachhaltigkeit, Wildentnahmen und hochpreisige Trendpflanzen beschäftigt Ulrich. Artenschutz kennt rechtliche Kategorien. Ethik fragt zusätzlich nach Verantwortung, Herkunft und den Folgen des eigenen Handelns. Eine fertige Antwort gibt es nicht – aber einen Anlass, die eigene Perspektive zu prüfen.
Ein auf Pinterest häufig angeklicktes Foto wurde in einem selbst erstellten Screenshot gezeigt. Weil das darin enthaltene Gewächshausbild von jemand anderem stammte, folgte eine Abmahnung. Nach einigem Schriftwechsel zahlte Ulrich knapp 400 Euro und erhielt eine zeitlich begrenzte Nutzungslizenz. Das Originalbild ist inzwischen entfernt und durch eine eigens geschaffene Szene ersetzt.
Für einzelne Dornen liegt die Pinzette nahe. Feine, oberflächliche Glochiden lassen sich manchmal mit Klebeband abnehmen; Ulrich nennt aus seiner Praxis außerdem den Bimsstein. Wichtig ist, die Haut nicht durch unkontrolliertes Stochern zusätzlich zu verletzen.
Ulrich sucht den Ursprung einer Geschichte aus der Zeit um Kolumbus: Soldaten essen Pitahayas und halten die spätere Rotfärbung ihres Urins für ein göttliches Urteil. Der biologische Effekt ist plausibel, die konkrete historische Quelle bleibt jedoch ungeklärt. Hinweise sind ausdrücklich willkommen.
Auf einem Foliengewächshaus kann eine zweite Dachhaut die Wärmedämmung verbessern. Zwischen den Folien erzeugt ein kleines Gebläse ein gleichmäßiges Luftpolster. Es stabilisiert die Außenhaut und verringert Wärmeverluste – vorausgesetzt, Befestigung, Druck und Anschlüsse passen zur Konstruktion.
Welwitschia mirabilis wächst in der Namib und bildet nach ihrer Jugend nur zwei dauerhafte Blätter. Sie wachsen lebenslang an der Basis weiter und fransen unter den Bedingungen der Wüste auf. Sehr alte Exemplare können viele Jahrhunderte überdauern. In Kultur braucht die Pflanze Erfahrung, einen schonenden Umgang mit den Wurzeln und während des Wachstums verlässlich Wasser.
Sieben Landschildkröten verschwinden vom Gelände. Die Sorge gilt nicht nur den Tieren, sondern besonders ihrem hochbetagten Halter, für den sie seit vielen Jahren zum Alltag gehören. Nach öffentlicher Suche stehen zunächst vier Tiere in einer Einkaufstüte vor dem Tor.
Nach der Aufnahme folgt die gute Nachricht: Auch die drei übrigen Schildkröten werden gefunden und von der Polizei zurückgebracht. Nach dem bekannten Stand sollten sie online verkauft werden und konnten anhand ihrer Zeichnungen erkannt werden. Damit endet die Geschichte glücklicher, als es während der Aufnahme zu hoffen war.
Die nächste Episode führt nach Hamburg. Für das Interview hat sich Ulrich Unterstützung von Moderator und Interviewtrainer Markus Tirok geholt. Nach der sehr breit angelegten Sammelfolge soll das nächste Gespräch bewusst anders werden.
CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum
Fragen, Ergänzungen und eigene Kakteengeschichten erreichen das CactusPodcast-Studio unter [email protected].
Der Beitrag CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - CactusEvents
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 042 CactusEvents – Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart erschien zuerst auf Cactusblog.
Da ist so manche Geschichte unerzählt geblieben – und damit das so nicht bleibt, geht’s jetzt hier weiter – und als Entschädigung wird die Folge heute wohl etwas länger.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Das deutsche Gartenbaumuseum ist in Erfurt zuhause. Wie kam das?
Erfurt gilt als der Ursprung des deutschen Gartenbaus. Sicher hat es zu der Zeit auch in anderen Regionen der deutschen Landen schon Erwerbsgartenbau gegeben. Die Art und Weise mit der die Professionalisierung vonstatten ging war aber in Erfurt einzigartig.
Die Gründe lagen in meinen Augen in der Vorgeschichte. Der Gartenbau hat die Grundlage für den Reichtum der Erfurter Patrizier gesorgt. Ein Reichtum und eine wirtschaftliche Bedeutung wie sie später vielleicht noch mit den großen Hansestädten vergleichbar würden. Die Gärtner selbst waren dabei nicht die die Rahm abschöpften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, der Verdienst landete in erster Linie bei den Händlern. Aber die sorgten für den Erhalt ihrer Wohlstandquelle.
Nicht ohne Grund bezeichnete schon Luther die Erfurter als „des Heiligen Römischen Reiches Gärtner“. In Erfurt waren Gärtner ansässig, die über lange Zeiträume die Gartenbaugeschichte schrieben. Dazu gehören große Namen wie Benary, J. C. Schmidt, Platz, Franz Anton Haage, Fischer, Heinemann, Pabst, Czeckalla, Haage & Schmidt, Chrestensen, Jühlke – und auch Friedrich Adolph Haage.
Als 1961 in Erfurt die erste Internationale Gartenausstellung nach dem Krieg stattfindet wird zeitgleich auf das Deutsche Gartenbaumuseum eingeweiht. (die erste Allgemeine Deutsche Gartenbauausstellung mit internationaler Beteiligung findet übrigens im Jahr 1865 in Erfurt statt. Die Ausstellungstradition reicht aber noch weiter in der Geschichte zurück)
Das Museum trägt bis 1989 eine eindrucksvolle Sammlung zusammen und erfreut sich auf der iga alljährlich zahlreicher Besucher. Mit der Wende bleiben die gewohnten Besuchermassen aus und auch die Zukunft des Museums ist nicht mehr sicher. Auch wenn der Erfolg immer viele Väter hat, ist mir ein Name in Erinnerung, den ich immer wieder höre, wenn es damals darum ging „bleibt das deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt?“. Der damalige Präsident des Zentralverband Gartenbau Karl Zwermann hat gemeinsam mit dem langjährigen Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar die Weichen gestellt, dass das Museum in Erfurt bleibt.
Und dort ist es bis heute.
Jetzt Bühne frei für Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum, die zu Beginn über ein Bild spricht, dass eben die Inhalte dieser Episode umfasst: Dynamit und Espostoa lanata:
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum erschien zuerst auf Cactusblog.
In der der letzten Episode war der Thüringer Ministerpräsident bei uns zu Gast und nun schon wieder so eine große Nummer!
Aber der Reihe nach. Seit Donnerstag, 25.5. haben wir, also Kakteen-Haage, diplomatischen Kontakt nach Mexiko.
S.E. (Seine Excellenz) Herr Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes erwies unser Gärtnerei die Ehre seines Besuches.
(Wer uns besucht, das habe ich allerdings erst beim Abschied mitbekommen.)
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein besonderes Hoheitskennzeichen und ohne Polizei.
Damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
Aus der Thüringer Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen.
Und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Ich bin mir sicher, es gab außerdem noch einen Freund bei den Berliner Kakteenfreunden, der in Berlin ein wenig Fäden gezogen hatte.
Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt.
Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei.
Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden.
Klar machen wir das! Ehrensache!
Und schon waren wir mitten im Gespräch.
An der Stelle ein Einschub mit etwas Nachhilfe in Sachen Diplomsprache? Diplomatie, also Botschaftsbegriffe.
Ich brauchte die jedenfalls, denn ich hab mich im Kaktusgärtneralltag nicht mit der Frage auseinandergesetzt, was ein Gesandter ist und was der Unterschied zum Botschafter.
Hier kommt der Service-Block, falls du das auch nicht wusstest:
Ein Botschafter ist ein Diplomat und der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes. (sagt Wikipedia)
Der Botschafter ist der Chef der Botschaft, der Gesandte sein Vertreter. In großen Botschaften gibt es manchmal auch einen ersten und einen zweiten Gesandten. Ganz praktisch: die Anrede für den Botschafter lautet „Excellenz“, der Gesandte hat keine zusätzliche Anrede. Blöd für mich: ich hab mich an den angekündigten Gesandten gehalten und war mir der Sache auch weiter sicher, denn wenn es der Botschafter gewesen wäre, dann hätten ihn seine Mitarbeiter auch mit seinem Titel oder seiner Anrede bedacht. Das kenne ich aus den Ministerien, da erscheint mir die Wortwahl selbst in der dritten Person manchmal sehr historisch: „Herr Minister hat gesagt…“, oder „Frau Ministerin wird am Dienstag um 11 Uhr hier sein …“
In Mexiko sind diese Förmlichkeiten offenbar nicht so wichtig, oder die Menschen in der Delegation waren einfach so klassisch entspannt und locker miteinander unterwegs.
Ich hab mal wieder was gelernt: Sei dir nie zu sicher, mit nichts!
Zurück ins Gewächshaus:
Wir sind inzwischen bei den Mutterpflanzen angekommen.
Opuntien! Nopales – in Mexiko werden die gern als Gemüse gegessen – erzählt ein Delegierten und alle nicken eifrig mit besonderem Gesichtsausdruck.
Ja, ich weiß – und erzähle vom Kakteenessen in unserem Gewächshaus – und dass es im Moment schwierig ist Nopalitos als Salat im Glas zu importieren.
Ich überlege, wie ich das einsortiere, welches Gewicht hat der Kaktus als Nahrungsmittel im Alltag in Mexiko? Ich hab Kaktusblätter auf den Märkten im Süden der USA gesehen, auch in den großen Supermärkten in der Gemüseabteilung.
Im Nachgang mache ich mir darüber nochmal Gedanken, wie würde das erzählen? Mir kommt unser heimischer Löwenzahn in den Sinn. Würde ich in Vietnam überraschend über eine Pflanze stolpern, dann könnte ich auch erzählen: „esse ich, schmeckt, wird in Deutschland gern im Salat gegessen.“ Und es wäre wahr. Konkret ist es aber mindestens 30 Jahre her, dass ich meinen letzten Löwenzahnsalat genossen habe. Gut, „Löwenzahnhonig“ haben wir mit den Kindern im Kindergartenalter gemacht, aber auch das ist 10-15 Jahre her.
Ich sammle mich und meine Gedanken mal – auch Löwenzahn wird gegessen und es gibt einige Landwirte, die professionell Löwenzahn anbauen. Ich glaube aber, dass Kakteen in Mexiko und auf der Welt wirtschaftlich eine größere Bedeutung haben, als Löwenzahn. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung für Mexiko ist, das kann ich ja bei meinem ersten Besuch in der Botschaft mal erfragen …
Ich warne vor den feinen, weißen Dornen, den Glochiden an den Opuntien – aber schon hat der schwarze Anzug einen dünnen weißen Streifen auf dem Rücken.
Au weh!
Ich denke an die Ledersitze in der Limousine auf der Rückfahrt nach Berlin. Das wird bestimmt unangenehm.
Manchmal verstehen sie mich vermutlich nicht und sie sind einfach zu höflich, das zu zeigen.
Ich bemühe mich, Geschichten zu erzählen, die auch für Nicht-Kakteen-Spezialisten unterhaltsam sind.
Die nächste Frage hat mich deswegen kurz überrascht:
„Gibt es bei Ihnen auch Peotl?“ – wir schauen gerade die großen Astrophytum Mutterpflanzen an.
Moment – noch ein paar Schritte, dann sind wir bei den Lophophora.
Ja, Peotl haben wir – und ich höre Geschichten vom Heiligen Kaktus aus dem alten Mexiko.
Damals hatten die Kakteen eine ganz besondere Bedeutung – der Kaktus auf dem der Adler mit der Schlange sitzt – das war der Ursprung, dort ist das heutige Mexiko gegründet worden. Das war die Opuntie, die auch heute noch Wappenpflanze Mexikos ist.
Aber auch sonst seien Kakteen heute wieder mehr im Bewusstsein der Bevölkerung in Mexiko.
An der Nationalen Universität und dem zugehörigen Botanischen Garten sind die Kakteen gut vertreten, es gibt verschiedene Forschungsprojekte in denen es auch um die Erhaltung der Kakteenpopulation geht.
Und das war das Stichwort – damit sind wir von ganz allein in die Rubrik FdK gekommen – heute besser FdB: frag den Botschafter – denn wir haben im Vorfeld ein paar Hörerfragen eingesammelt, die ich jetzt dem Botschafter stellen konnte.
roman (Insta)
Mich würde interessieren welchen Stellenwert Kakteen dort haben, wir hier hegen und pflegen das sie überleben, dort ist es eventuell manchmal so etwas wie Unkraut… 😍🌵🌵🌵
Kakteen sind für die Mexikaner wichtig. Die Pflanzen sind ziemlich tief in die Kultur und Traditionen des Landes eingebettet. Sie sind ein Teil des kulturellen Erbes sind auch Symbol für die Vielfalt von Mexiko.
Das war mir so nicht klar – aber es erklärt die Sache mit dem Kaktus-Display in der Botschaft und den Fakt, das eine so hochkarätige Delegation sich auf den Weg macht, um Kakteen zu besorgen – und das erstaunt mich ziemlich!
Dann ist da noch der Punkt mit den Kakteen in der mexikanischen Küche.
Opuntia zählt in manchen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln, die Kakteenblätter oder Nopales oder Tunas (Opuntienfrüchte) oder Pitahaya (Früchte von Selenicereus oder Hylocereus).
Außerdem werden Kakteen in der Volksmedizin für alle möglichen Heilanwendungen eingesetzt.
Übrigens auch Lophophora.
Aure Lia (FB)
Was wird getan, damit die Lophophora in freier Wildbahn erhalten bleibt und wie läuft es bisher?
… und:
philippheidelweizel (insta)
Was für eine tolle Gelegenheit! Vielleicht könnt ihr mal nach Auswilderungsprogrammen bei Kakteen fragen.
Die Fragen passen gut zusammen – deswegen die Antwort im Paket:
Ja. Es gibt verschiedene Renaturierungsprogramme, die von der Regierung angeschoben werden und es gibt Programme aus Privatinitiative.
Und nicht zuletzt zielen verschiedene Forschungsprojekte der Nationalen unabhängigen Universität Mexiko (UNAM) auf die Erforschung und Erhaltung von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen in verschiedenen Regionen von Mexiko.
Außerdem – und das war eine meiner Fragen: „gibt es viele Gärtner in Mexiko, die die Versorgung mit Kakteen im eigenen Land sichern.“
Die Mitarbeiterin hat diese Aussage etwas relativiert, sie sagte: „zumindest in Mexico D. C. gibt es genügend Kakteen zu kaufen.“
Thomas Paul (FB)
Ich würde mal fragen ob er den Chefgärtner zum Gegenbesuch nach Mexiko einlädt.
Ich war nicht so keck, nach einer Einladung zu fragen – aber ich habe sie bekommen.
Zwar kein Gegenbesuch in Mexiko, aber nach Berlin wurde ich eingeladen – und das finde ich schon abgefahren!
Jetzt ist dir sicher auch aufgefallen: einige der Antworten sind in erster Linie diplomatischer Natur „politisch pauschal positiv“.
Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass in der Botschaft in Deutschland Detail-Informationen über Artenschutz-Projekte vorliegen, das wäre definitiv zu viel erwartet, auch wenn der Besuch in der Gärtnerei einige Tage Vorlauf für die Vorbereitung gehabt hätte.
Deswegen möchte ich gern noch eine andere Seite dazu hören.
Mich interessiert: bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war und etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen kann?
Wie siehst du das?
Im Gewächshaus sind wir nach den Samenträgern bis zur Aussaat gekommen. Ich glaube die schiere Masse der winzigen Kakteensämlinge waren sehr beeindruckend, denn es kam vom Herrn Wirtschaftsgesandten die erste „technische Frage“.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier? Die Sämlinge pikiert nur eine Kollegin – aber insgesamt sind wir zwölf, die die gesamte Gärtnerei am Laufen halten.
Ich bin manchmal selbst unsicher, ob das jetzt viel oder wenig ist – für eine normale Gärtnerei wäre es ganz schön viel – und auch die Qualifikation unserer Mitarbeiter macht mich immer wieder stolz!
Bei den Chamaecereus unterhalten wir uns über die Kakteengärtnereien und die momentanen Veränderungen auf dem Markt. Ich erzählen vom selten gewordenen Generationenwechsel bei den Kaktusgärtnern, denn meist ist es einfach Schwund. Das erlebe ich hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der Erde.
Ich frage, ob wir in Zukunft Kakteen direkt aus mexikanischen Gärtnereien kaufen können. Der Botschafter strahlt und erzählt vom neuen Handelsabkommen und dass das vielleicht auch den Markt für den Handel mit Kakteen erleichtern könnte. Wie das konkret aussehen kann, das weiß ich noch nicht – aber ich bin zuversichtlich.
Wir haben die letzte Etappe unserer kurzen Rundreise durch die Kakteengärtnerei erreicht und stehen jetzt im Museum.
Ich erzähle von den verschiedenen Standorte, an denen die Gärtnerei in Erfurt ansässig gewesen ist, ich erzähle vom Kakteenjäger Fric der im Mexiko Kakteen gesammelt hat und offenbar ist die Sammlung mit Kakteenbriefmarken aus der ganzen Welt ein interessantes Feld.
Den Abschluss des Besuchs ist der Fototermin an der Friedrich Adolph Haage Gedenkplatte.
Daneben gibt es noch den obligatorischen Eintrag ins Gästebuch – und erst dann wird mir bewusst, wer uns besucht hat:
Es steht nämlich unter der Unterschrift:
Francisco Jose Quiroga Fernandes
Botschafter
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei erschien zuerst auf Cactusblog.
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