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Die Bestsellerautorin Isabel Bogdan ist inzwischen weit mehr als eine Diskokugel in der Hamburger Literaturszene. Sie glänzt allumfassend. Auch bei der Beantwortung schwieriger Fragen, zum Beispiel wie Corona und Kunst zusammengehen. Muss ja. Aber es gibt Hoffnung und irgendwann Sekt, versprochen.
Texte: Kurt Tucholsky Zweifel, Wilhelm Busch Auch er
Autorinnen-Foto: ©Heike Blenk
Diese Folge wurde unterstützt durch die Dorit & Alexander Otto Stiftung "Kultur hält zusammen".
Mir reicht’s. Jetzt lasse ich die Glöckchen klingeln.
Ich wälze nicht schwere Probleme
Überall ist Wunderland, Folge 11
Rennt! Oder: Friedhof der Küchentiere
Wir haben Motten. Sie kriechen wurmartig die Decke entlang, versammeln sich zum Gelage in den Schränken, kopulieren auf unseren Türrahmen und machen uns madig. Stimmt nicht, madig gilt dem Kalauer, in Wahrheit machen sie uns völlig verrückt. Wir springen hektisch hoch beim Essen, schlagen verzweifelt um uns und brüllen Urlaute, wenn wir wieder eines der Tiere mit bloßen Händen erschlagen haben. Mit Fortschreiten der Plage werden wir aggressiver, die Klatscher bersten wie Schüsse durch die Luft und manchmal erwische ich mich, wie ich ein totes Tier mit dem Fuß zu Staub zermalme.
Verstecken wir Skorpione in Schuhgeschäften, setzten Krokodile in Kanäle, und holen Grizzlybären in unsere Grünanlagen. Was Paintball für die Projektgruppe ist, sind Raubtiere für unser Rudel. In kürzester Zeit werden wir ein super Team, saugen Gift aus fremden Beinen, zerren Kinder aus tödlichen Klauen, und sind allgemein viel zu beschäftigt, um dem Planeten endgültig den Garaus zu machen.
Beruflich ist Flaute. Es gibt wieder Veranstaltungen, aber wenige mit mir, coronabedingt. Wer weiß schon, was zu welcher Zeit wirklich stattfinden kann. Trotzdem war und bin ich radikal ausgebucht. Jede Sekunde meiner Lebenszeit im Fastwachzustand ist quasi verkauft. Ohne Geldfluss versteht sich, Prinzip Tauschbörse. Es wird sich schon ausgehen, Kinder geben ja so viel zurück … dafür sorge ich.
Wenn ich krank bin, werden sie mich pflegen, wenn ich pleite bin, werden sie mich durchfüttern und wenn mir langweilig ist, reiten sie mit mir durch die Mongolei. So steht es im Generationenvertrag. Den habe ich gestern Abend aufgesetzt, zusammen mit dem Getreidemilchbrei. Ohne Druck, das ist mir ganz wichtig. Wenn meine Kinder nicht wollen, können sie sich rauskaufen. Für 2,8 Millionen sind sie frei. Die Summe ist abgerundet, ich bin ja kein Unmensch. Ich habe meinen Coaching-Stundenlohn angesetzt und konservativ gerechnet.
Morgen wird unterschrieben, mit Kind 1 übe ich schon eine Weile, für Kind 2 unterschreibe ich als Bevollmächtigte. Als Mutter hat man eine riesige Verantwortung. Ich glaube, darüber werde ich schreiben. Meine Posts, Videos, Podcasts, Bücher und Vorträge werden anderen Mütterinnen und Müttern Mut machen. Kinder und Karriere passen unter einen Hut. Zumindest unter einen Stormtrooper.
Trotz heruntergezogenem Visier muss man alles im Blick behalten. Auch diesen ganzen Haushaltskram. Uns fehlten ein paar elementare Dinge, ich habe online bestellt. Um das monetäre Machtgefüge auszugleichen bei mehreren Unternehmen. Wassersprudler beim Marktführer, Regenzeug bei Kleinanzeigen und mütterliche Perfektion beim Universum. Der Wassersprudler kam kaputt hier an, das Regenzeug war zu warm, aber wirklich enttäuscht hat mich nur das Universum: gar keine Lieferung. Ich habe gestern Nacht den Kundenservice angerufen – nichts als Schweigen in der Dauerwarteschleife. Verständlich, dass frau da mal etwas lauter wird. Die Nachbarn (diverse) waren erst weniger erfreut über den Lärm am Fenster, aber als sie mitbekamen, dass ich versuche eine Verbindung zum Universum aufzubauen, haben sie sich alle drangehängt. Scheint ja gewaltig was schiefzugehen in der universalen Logistik. Bekommt eigentlich irgendwer hier unten eine korrekte Lieferung?!?
Verehrtes Universum, der Tag der Abrechnung kommt. Und ich werde garantiert nicht zahlen. Wenn überhaupt etwas bei mir ankommt, hat es mindere Qualität und entspricht nicht meinen Vorstellungen. Auch die Parkplätze reichen gerade mal für E-Roller. Konsumenten, bestellt woanders.
Wir hatten Familienbesuch, den ersten seit Monaten.
Heute keine Corona. Versprochen. Dafür Annette von Droste Hülshoff und Schönheit. Wir haben es uns verdient.
Folge 7 der Kolumne "Überall ist Wunderland" von Rezitatorin Anna Magdalena Bössen
Es gibt nur noch ein Thema in der Welt, was das Durchschnittshirn völlig übersättigt. Um zum Kern zu gelangen hilft nur: radikale sprachliche Befreiung!
(Verbindlichsten Dank an Ernst Jandl)
Folge 6 der Kolumne "Überall ist Wunderland" von Rezitatorin Anna Magdalena Bössen
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