Die vollständige Lyrische Beobachtungsstelle (inkl. ggf. Quellenhinweisen und Links) finden Sie hier: apolut.net/von-platon-zu-blade-runner-von-anna-zollner/
Der lange Aufstieg der Hybris und der Tag, an dem der Mensch ersetzbar wird
“Die Lyrische Beobachtungsstelle” von Anna Zollner.
Die Geschichte der menschlichen Hybris beginnt dort, wo eine kleine Minderheit behauptet, das Wesen des Menschen zu kennen – und sich damit das Recht nimmt, ihn zu formen. Schon die Antike liefert den ideologischen Grundstein: Platon, griechischer Philosoph, entwirft im „Staat“ eine erleuchtete Wächterelite, die herrschen soll, weil sie den wahren Lauf der Dinge „sieht“. Aristoteles, sein Schüler, klassifiziert Menschen in „natürliche Herrscher“ und „natürliche Diener“. Damit entsteht das erste funktionale Menschenmodell: Rollen statt Individuen, Ordnung statt Freiheit.
Mit der Aufklärung wandert diese Denkfigur in Tabellen und Formeln. Thomas Malthus, britischer Ökonom, erklärt Armut zur mathematischen Konsequenz von Überbevölkerung. Jeremy Bentham, Begründer des Utilitarismus, reduziert Ethik auf Nutzenmaximierung: richtig ist, was effizient ist. Auguste Comte, französischer Positivist, will Gesellschaft wie ein Naturgesetz verwalten – statistisch, neutral, von Experten geführt. Der Mensch wird zur Ressource, die man kalkuliert.
Im 19. Jahrhundert verschärft sich dieser Zugriff. Francis Galton, britischer Statistiker und Vater der Eugenik, will den Menschen „verbessern“, indem er Erbgut selektiert. Arthur de Gobineau, französischer Diplomat, erfindet rassische Abstiegsmythen. Houston Stewart Chamberlain, ideologischer Vordenker des völkischen Denkens, gießt sie in politischen Sendungsgeist. Gleichzeitig entwirft Moses Hess, Sozialist und politischer Frühdenker, den „formbaren Kollektivmenschen“, der sich nach ideologischen Leitlinien modellieren lässt.
Parallel entsteht die Technik, die diese Ideen operationalisiert: Herman Hollerith, amerikanischer Ingenieur, entwickelt Lochkartenmaschinen für Volkszählungen – der erste Versuch, Menschen maschinenlesbar zu machen. Moderne Verwaltung erkennt: Klassifikation schafft Macht...
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Bild: Pixelkunst eines künstlichen humanoiden Roboterkopfes mit Drähten aus dem Schädel. Zeilen Code im Hintergrund.
Bildquelle: cybermagician /shutterstock
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