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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Wenn du ein:e Prophet:in wärst, oder eine Apostel:in, einer, eine aus den vielen spannenden Bibelgeschichten -- wer wärst du dann?
Überleg doch mal: Welches Bild steht dir jetzt als erstes vor Augen? In welcher Rolle kannst du dich sehen?
Wärst du vielleicht Mose, mit wallendem Bart und blitzenden Augen, den Stab in der Hand, unbeeindruckt vom Pharao: "Lass mein Volk ziehen!" Am Roten Meer, mit ausgestrecktem Arm, trotzig den Fluten entgegen, bis sie sich teilen? Auf dem Sinai in der Gegenwart Gottes und dann wutschnaubend hinein in den Götzendienst eines treulosen Volks, dass lieber um goldene Stierbilder tanzt, als sich von Gott führen zu lassen? Wärst du der sichere Führer durch lange Wüstenzeiten, verlässlich und unbeirrbar?
Vielleicht wärst du Debora, die mutig dem Volk voran eilt in den Kampf, die es mit der Armee der Feinde aufnimmt, während die Männer, die zuständig wären, nicht in die Puschen kommen und feige daheim bleiben? Oder wärst du Daniel, treu bis in den Tod, unerschrocken vor dem Rachen der Löwen und täglich sichtbar im Gebet mit Gott verbunden?
Wärst du Petrus, der, der der Fels sein sollte und doch ins Wanken geriet, der die Erinnerung an seinen Verrat sein Leben lang mit sich trägt? Und der Zeugnis sein kann von dem Auferstandenen, der ihn liebevoll annahm und wieder aufrichtete und lossandte: "Weide meine Schafe?"
Oder wärst du eher Thomas, der noch zweifelt, als alle anderen die Auferstehung feiern? Der Bedarf anmeldet an sichtbaren Zeichen und handfesten Beweisen, bevor er glauben kann?
Wärst du Paulus, erst ein erbitterter Gegner, dann völlig verwandelt durch die umwerfende Begegnung mit Jesus Christus und fortan nur noch mit einer Mission im Leben: Alle müssen diesen Christus kennen?
Oder wärst du Junia, die Apostelin, von der wir sonst gar nichts wissen, außer dass man ihren Namen jahrhundertelang in den eines Mannes verwandelte, weil keiner glauben konnte, dass eine wie sie Gott als Zeugin seines Christus dienen könnte?
Wenn du ein:e Prophet:in wärst, oder eine Apostel:in, einer, eine aus den vielen spannenden Bibelgeschichten -- wer wärst du dann?
Prophet:innen sind Menschen, die in Gottes Namen sprechen. Sie dienen ihm sozusagen als Mundstück. In göttlicher Mission geben sie hörbar weiter, was Gott den Menschen sagen möchte. Ihr Reden ist Gotteswort in Menschenmund. Wer ihnen zuhört, der hört Gott reden. Wer ihnen begegnet, der bekommt einen Eindruck davon, wie Gott ist.
Apostel sind Zeugen von Gottes Handeln in Jesus Christus. Die ersten davon waren die, die als Jünger mit dabei waren, als er lebte, starb und auferstand. Menschen, die aus erster Hand vom Auferstandenen berichten konnten also. Für Judas wählten sie einen aus ihrer Runde nach: Matthias, so berichtet die Apostelgeschichte. Und dabei blieb es nicht. Zu wichtig war der Auftrag, zu dringend die Botschaft, dass Jesus der Christus, der Auferstandene, der Herr und Retter der Welt ist. So begegnen uns im Neuen Testament weitere Leute, die den Titel Apostel tragen. Apostel:in muss man sagen, denn es bleibt nicht nur ein Männerjob -- "natürlich", sagen wir heute. Für damalige Umstände war auch das schon fast revolutionär. Apostel:innen sind Zeugen von dem -- sagen wir mal -- "Jesus-Ereignis". Als Gott in Jesus Mensch wird, verändert sich die komplette Weltgeschichte. Es verändert sich die komplette Welt. Apostel:innen sind Menschen, die aus eigenem Erleben davon erzählen können. Wer ihnen zuhört, der bekommt einen Eindruck davon, wie Gott ist. Wer ihnen begegnet, der erlebt selbst, wie Gott ein Leben verändern kann. Wer auf sie hört, wird selbst von Gott verändert.
Wenn du ein:e Prophet:in wärst...? Wenn du ein:e Apostel:in wärst...?
Wenn Gott seinen Geist in die Welt sendet -- wusste schon der Prophet Joel im ersten Testament -- dann werden ganz viele Menschen zu Prophet:innen. "Wenn Gott seinen Geist auf die Menschheit ausgießt, dann werden eure Kinder Gottes Wort weitergeben. Senior:innen werden nicht nur Lebensweisheit weitergeben, sondern das, was ihnen Gott offenbart. Und selbst, junge, unerfahrene Menschen werden mit göttlichen Visionen unterwegs sein" (nach Joel 3,1), gibt er Gottes Zusage weiter. Als dann das Pfingstfest kommt, damals, als der Christus auferstanden ist, da sendet Gott seinen Geist und Petrus erklärt der staunenden Menge mit den Worten des Joel, was hier gerade geschieht:
... das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen." (Apg. 2, 16-18)Als Gott seinen Geist in die Welt sendet, da werden auf einen Schlag ganz viele Menschen zu mutigen Zeugen des auferstandenen Christus -- und das Abenteuer, das wir "Kirche" nennen, beginnt. Geendet hat es bis heute nicht. Und so stehen wir selbst mitten drin in der Reihe derer, die Gott ruft, sein Wort weiterzugeben und seine Zeugen zu sein. Heute. Hier. In Albstadt.
"Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist." (1. Petrus 3,15), heißt es im 1. Petrusbrief und der Auftrag gilt uns heute genauso, wie er damals galt. Gotteswort weitergeben. Zeugen sein. Damit Menschen hören, was Gott sagt. Damit Menschen sehen, wie Gott ist. Damit Menschen verändert werden, durch das, was Gott im auferstandenen Christus und durch seinen Geist tut.
Prophet:innen. Apostel:innen.
Menschen mit einer Botschaft.
Und deshalb müsste die Frage vom Anfang besser so formuliert werden: Wenn du als Zeug:in von Jesus Christus lebst, welche Botschaft kommt dann bei den anderen an? Welche Botschaft kommt dann bei den anderen an?
Denn falsche Zeugen gab es leider zu allen Zeiten auch und vor Menschen, die ein verzerrtes Bild von Gott weitergeben, warnt schon das Neue Testament eindringlich.
Was hören, sehen, erleben Menschen von und mit Gott, wenn Sie mir begegnen?
Da war diese Woche einer mit einer Jesusbotschaft unterwegs. Nur stückweise können wir seinen Hintergrund rekonstruieren. Aufgewachsen ist er in Syrien, in einer christlichen Familie. Vor den Schrecken des Krieges ist er hierher, nach Europa geflohen. Hier hat er Asyl gefunden, Heimat, sogar die Liebe, hat geheiratet, ein Kind bekommen. Dann ist irgendetwas schief gelaufen. Es kam zur Trennung. Er ist weitergereist, in andere Länder. In Italien, Frankreich und der Schweiz hat er neue Asylanträge gestellt, die abgelehnt wurden, weil er ja anderswo schon einen Platz bekommen hatte. Die letzten Wochen schlief er auf der Straße. Er war ruhig, unauffällig. Was mag da nur passiert sein, das ihn losziehen ließ, "im Namen Jesu", wie er selbst laut proklamierte? "Im Namen Jesu" mit dem Klappmesser auf einem Kinderspielplatz, in Annecy in den französischen Alpen. 4 Kleinkinder und einen Erwachsenen hat er verletzt, bevor er von der Polizei überwältigt wurde.
"Im Namen Jesu"? Wer die schrecklichen Bilder gesehen hat, den lassen sie nicht mehr los. Was hören Menschen, die das hören, über Gott? Was nehmen Menschen, die das sehen über Gott wahr?
"Im Namen Jesu"?
Noch einer war diese Woche mit einer Jesusbotschaft unterwegs. Schon länger eigentlich, zu Fuß, seit zweieinhalb Monaten, 1.721 Kilometer in 75 Etappen von der Benediktinerabtei in Barroux auf einer Tour durch die Kathedralen Frankreichs. Auf Instagram konnte man ihm folgen. „Henri, 24, Liebhaber der Kathedralen“, beschreibt er sich dort selbst. In Frankreich ist er zum Nationalhelden geworden, seit er sich gleichzeitig mit einem anderen bei einem Kinderspielplatz in Annecy aufhielt. Geistesgegenwärtig nahm Henri seinen kleinen Tagesrucksack und schlug damit um sich, gegen den Messerstecher, der darauf von den Kindern abließ. "Betet für die Kinder. Mir geht es gut." ist das erste, was man seither von ihm hörte. Und: "Es ist unmöglich, im Namen Jesu Kinder töten zu wollen."
Recht hat er.
Wenn du als Zeug:in von Jesus Christus lebst, welche Botschaft kommt dann bei den anderen an? Welche Botschaft kommt dann bei den anderen an?
Der Predigttext von heute, denn wir nun endlich lesen werden, stellt unmissverständlich klar: Wer Zeugnis von Jesus Christus ablegt, der kann nur eine Botschaft haben. Aus dem ersten Johannesbrief, aus dem 4. Kapitel:
13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 14 Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 15 Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Joh 4,13-21)Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Das ist die Botschaft, mit der wir unterwegs sind. Und diese Botschaft, das stellt Johannes unmissverständlich klar, kann es nur in einer Ausformulierung geben: Gott IST Liebe. Wer lieblos über Gott redet, der redet nicht von Gott. Wer Gott benutzt, um Gewalt zu legitimieren, redet nicht von Gott. Wer meint, mit Gott Menschen ausschließen zu können, redet nicht von Gott. Wer in seinem Namen Hass verbreitet, oder Kriege führt,der redet nicht von Gott. Wer in seinem Namen Druck ausübt, der legt ein falsches Zeugnis von ihm ab. Wer meint, mit Gott drohen zu können, der belügt die Menschen über Gottes Wesen. Wer im Namen Gottes Menschen manipuliert oder missbraucht oder zu Dingen zwingt, der führt die Menschen in die Irre.
Gott ist Liebe. Gott ist nicht nur "lieb". Die Formulierung hier trägt einen deutlichen, qualitativen Unterschied zu all den Adjektiven, mit denen man Gott sonst zurecht auch noch beschreiben könnte. Liebe ist kein abstrakter Standard, an dem man Gott messen könnte und dann feststellen würde: Ja, lieb ist er schon auch. Gott ist Liebe. Wer Liebe überhaupt versuchen will, zu messen, der muss Gott selbst als den Maßstab nehmen. An ihm sieht man, was Liebe ist. Und alle die, die in Liedern und Gedichten immer wieder neu fragen, "What is love?", könnten hier ganz schnell die definitive Antwort finden. Gott ist Liebe. Wer ihn anschaut, wie er sich offenbart in Jesus Christus, der hat wahre Liebe gesehen. Und der wird von ihr verändert werden.
Gott ist Liebe. Anders kann man nicht von ihm reden. Wer Gott beschreibt, ohne seine Liebe zentral in den Vordergrund zu stellen, der zeichnet ein falsches Bild von ihm. Wer von Gott redet, ohne selbst von seiner Liebe bewegt zu sein, der weiß nicht, wovon er spricht. Wer Zeugnis von Gott geben will, aber nicht Gottes Liebe zu den Menschen lebt, der widerspricht sich selbst.
Gott ist Liebe. Das ist das Wichtigste, was man von ihm sagen kann.
Gott ist Liebe. Das ist das Wichtigste, was die Menschen von ihm hören müssen. Und sehen. Von uns und an uns.
Das geschieht dann, wenn wir von dieser Liebe nicht nur theoretisch reden, sondern sie ganz praktisch leben. Untereinander. Und zu den Menschen um uns her.
Praktisch. Im Alltag. Was das heißt, das muss man immer wieder neu durchbuchstabieren. Der Jesus, von dem wir zeugen, ist und bleibt der Maßstab dafür. Wir schauen auf ihn und sehen uns herausgefordert, die Liebe, die er vorlebt nun in unseren Bezügen nachzuleben. Genau so werden wir zu seinen Zeugen: "Wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt."
Praktisch. Im Alltag. Das ist nicht immer einfach. Es fordert uns immer wieder neu heraus, gegen manche Trends und gegen unsere eigene Bequemlichkeit zu handeln. Manchmal wird man dumm dafür angeschaut. Nicht immer findet man dafür Beifall. Wer auf Jesus schaut, dem macht das wenig aus: Von Gott kommt mir so viel Liebe entgegen, dass ich allem anderen gegenüber gelassen werde: Er hat mich zuerst geliebt. Darauf gründet sich mein Glaube. Daraus schöpfe ich Hoffung und Zuversicht. Das gibt mir Freiheit.
Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Wenn du ein:e Prophet:in wärst, oder eine Apostel:in, wer wärst du dann?
Mein Tipp: Sei doch einfach du. Lass dich jeden Tag neu von Gottes Liebe inspirieren und lebe so, dass die Menschen um dich her diese Liebe ganz praktisch an dir sehen. Eine bessere Botschaft von Gott kann es kaum geben.
Möge er uns dabei helfen und durch unser Leben reden.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Wenn du ein:e Prophet:in wärst, oder eine Apostel:in, einer, eine aus den vielen spannenden Bibelgeschichten -- wer wärst du dann?
Überleg doch mal: Welches Bild steht dir jetzt als erstes vor Augen? In welcher Rolle kannst du dich sehen?
Wärst du vielleicht Mose, mit wallendem Bart und blitzenden Augen, den Stab in der Hand, unbeeindruckt vom Pharao: "Lass mein Volk ziehen!" Am Roten Meer, mit ausgestrecktem Arm, trotzig den Fluten entgegen, bis sie sich teilen? Auf dem Sinai in der Gegenwart Gottes und dann wutschnaubend hinein in den Götzendienst eines treulosen Volks, dass lieber um goldene Stierbilder tanzt, als sich von Gott führen zu lassen? Wärst du der sichere Führer durch lange Wüstenzeiten, verlässlich und unbeirrbar?
Vielleicht wärst du Debora, die mutig dem Volk voran eilt in den Kampf, die es mit der Armee der Feinde aufnimmt, während die Männer, die zuständig wären, nicht in die Puschen kommen und feige daheim bleiben? Oder wärst du Daniel, treu bis in den Tod, unerschrocken vor dem Rachen der Löwen und täglich sichtbar im Gebet mit Gott verbunden?
Wärst du Petrus, der, der der Fels sein sollte und doch ins Wanken geriet, der die Erinnerung an seinen Verrat sein Leben lang mit sich trägt? Und der Zeugnis sein kann von dem Auferstandenen, der ihn liebevoll annahm und wieder aufrichtete und lossandte: "Weide meine Schafe?"
Oder wärst du eher Thomas, der noch zweifelt, als alle anderen die Auferstehung feiern? Der Bedarf anmeldet an sichtbaren Zeichen und handfesten Beweisen, bevor er glauben kann?
Wärst du Paulus, erst ein erbitterter Gegner, dann völlig verwandelt durch die umwerfende Begegnung mit Jesus Christus und fortan nur noch mit einer Mission im Leben: Alle müssen diesen Christus kennen?
Oder wärst du Junia, die Apostelin, von der wir sonst gar nichts wissen, außer dass man ihren Namen jahrhundertelang in den eines Mannes verwandelte, weil keiner glauben konnte, dass eine wie sie Gott als Zeugin seines Christus dienen könnte?
Wenn du ein:e Prophet:in wärst, oder eine Apostel:in, einer, eine aus den vielen spannenden Bibelgeschichten -- wer wärst du dann?
Prophet:innen sind Menschen, die in Gottes Namen sprechen. Sie dienen ihm sozusagen als Mundstück. In göttlicher Mission geben sie hörbar weiter, was Gott den Menschen sagen möchte. Ihr Reden ist Gotteswort in Menschenmund. Wer ihnen zuhört, der hört Gott reden. Wer ihnen begegnet, der bekommt einen Eindruck davon, wie Gott ist.
Apostel sind Zeugen von Gottes Handeln in Jesus Christus. Die ersten davon waren die, die als Jünger mit dabei waren, als er lebte, starb und auferstand. Menschen, die aus erster Hand vom Auferstandenen berichten konnten also. Für Judas wählten sie einen aus ihrer Runde nach: Matthias, so berichtet die Apostelgeschichte. Und dabei blieb es nicht. Zu wichtig war der Auftrag, zu dringend die Botschaft, dass Jesus der Christus, der Auferstandene, der Herr und Retter der Welt ist. So begegnen uns im Neuen Testament weitere Leute, die den Titel Apostel tragen. Apostel:in muss man sagen, denn es bleibt nicht nur ein Männerjob -- "natürlich", sagen wir heute. Für damalige Umstände war auch das schon fast revolutionär. Apostel:innen sind Zeugen von dem -- sagen wir mal -- "Jesus-Ereignis". Als Gott in Jesus Mensch wird, verändert sich die komplette Weltgeschichte. Es verändert sich die komplette Welt. Apostel:innen sind Menschen, die aus eigenem Erleben davon erzählen können. Wer ihnen zuhört, der bekommt einen Eindruck davon, wie Gott ist. Wer ihnen begegnet, der erlebt selbst, wie Gott ein Leben verändern kann. Wer auf sie hört, wird selbst von Gott verändert.
Wenn du ein:e Prophet:in wärst...? Wenn du ein:e Apostel:in wärst...?
Wenn Gott seinen Geist in die Welt sendet -- wusste schon der Prophet Joel im ersten Testament -- dann werden ganz viele Menschen zu Prophet:innen. "Wenn Gott seinen Geist auf die Menschheit ausgießt, dann werden eure Kinder Gottes Wort weitergeben. Senior:innen werden nicht nur Lebensweisheit weitergeben, sondern das, was ihnen Gott offenbart. Und selbst, junge, unerfahrene Menschen werden mit göttlichen Visionen unterwegs sein" (nach Joel 3,1), gibt er Gottes Zusage weiter. Als dann das Pfingstfest kommt, damals, als der Christus auferstanden ist, da sendet Gott seinen Geist und Petrus erklärt der staunenden Menge mit den Worten des Joel, was hier gerade geschieht:
... das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen." (Apg. 2, 16-18)Als Gott seinen Geist in die Welt sendet, da werden auf einen Schlag ganz viele Menschen zu mutigen Zeugen des auferstandenen Christus -- und das Abenteuer, das wir "Kirche" nennen, beginnt. Geendet hat es bis heute nicht. Und so stehen wir selbst mitten drin in der Reihe derer, die Gott ruft, sein Wort weiterzugeben und seine Zeugen zu sein. Heute. Hier. In Albstadt.
"Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist." (1. Petrus 3,15), heißt es im 1. Petrusbrief und der Auftrag gilt uns heute genauso, wie er damals galt. Gotteswort weitergeben. Zeugen sein. Damit Menschen hören, was Gott sagt. Damit Menschen sehen, wie Gott ist. Damit Menschen verändert werden, durch das, was Gott im auferstandenen Christus und durch seinen Geist tut.
Prophet:innen. Apostel:innen.
Menschen mit einer Botschaft.
Und deshalb müsste die Frage vom Anfang besser so formuliert werden: Wenn du als Zeug:in von Jesus Christus lebst, welche Botschaft kommt dann bei den anderen an? Welche Botschaft kommt dann bei den anderen an?
Denn falsche Zeugen gab es leider zu allen Zeiten auch und vor Menschen, die ein verzerrtes Bild von Gott weitergeben, warnt schon das Neue Testament eindringlich.
Was hören, sehen, erleben Menschen von und mit Gott, wenn Sie mir begegnen?
Da war diese Woche einer mit einer Jesusbotschaft unterwegs. Nur stückweise können wir seinen Hintergrund rekonstruieren. Aufgewachsen ist er in Syrien, in einer christlichen Familie. Vor den Schrecken des Krieges ist er hierher, nach Europa geflohen. Hier hat er Asyl gefunden, Heimat, sogar die Liebe, hat geheiratet, ein Kind bekommen. Dann ist irgendetwas schief gelaufen. Es kam zur Trennung. Er ist weitergereist, in andere Länder. In Italien, Frankreich und der Schweiz hat er neue Asylanträge gestellt, die abgelehnt wurden, weil er ja anderswo schon einen Platz bekommen hatte. Die letzten Wochen schlief er auf der Straße. Er war ruhig, unauffällig. Was mag da nur passiert sein, das ihn losziehen ließ, "im Namen Jesu", wie er selbst laut proklamierte? "Im Namen Jesu" mit dem Klappmesser auf einem Kinderspielplatz, in Annecy in den französischen Alpen. 4 Kleinkinder und einen Erwachsenen hat er verletzt, bevor er von der Polizei überwältigt wurde.
"Im Namen Jesu"? Wer die schrecklichen Bilder gesehen hat, den lassen sie nicht mehr los. Was hören Menschen, die das hören, über Gott? Was nehmen Menschen, die das sehen über Gott wahr?
"Im Namen Jesu"?
Noch einer war diese Woche mit einer Jesusbotschaft unterwegs. Schon länger eigentlich, zu Fuß, seit zweieinhalb Monaten, 1.721 Kilometer in 75 Etappen von der Benediktinerabtei in Barroux auf einer Tour durch die Kathedralen Frankreichs. Auf Instagram konnte man ihm folgen. „Henri, 24, Liebhaber der Kathedralen“, beschreibt er sich dort selbst. In Frankreich ist er zum Nationalhelden geworden, seit er sich gleichzeitig mit einem anderen bei einem Kinderspielplatz in Annecy aufhielt. Geistesgegenwärtig nahm Henri seinen kleinen Tagesrucksack und schlug damit um sich, gegen den Messerstecher, der darauf von den Kindern abließ. "Betet für die Kinder. Mir geht es gut." ist das erste, was man seither von ihm hörte. Und: "Es ist unmöglich, im Namen Jesu Kinder töten zu wollen."
Recht hat er.
Wenn du als Zeug:in von Jesus Christus lebst, welche Botschaft kommt dann bei den anderen an? Welche Botschaft kommt dann bei den anderen an?
Der Predigttext von heute, denn wir nun endlich lesen werden, stellt unmissverständlich klar: Wer Zeugnis von Jesus Christus ablegt, der kann nur eine Botschaft haben. Aus dem ersten Johannesbrief, aus dem 4. Kapitel:
13 Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat. 14 Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 15 Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. 16 Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 17 Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Joh 4,13-21)Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. Das ist die Botschaft, mit der wir unterwegs sind. Und diese Botschaft, das stellt Johannes unmissverständlich klar, kann es nur in einer Ausformulierung geben: Gott IST Liebe. Wer lieblos über Gott redet, der redet nicht von Gott. Wer Gott benutzt, um Gewalt zu legitimieren, redet nicht von Gott. Wer meint, mit Gott Menschen ausschließen zu können, redet nicht von Gott. Wer in seinem Namen Hass verbreitet, oder Kriege führt,der redet nicht von Gott. Wer in seinem Namen Druck ausübt, der legt ein falsches Zeugnis von ihm ab. Wer meint, mit Gott drohen zu können, der belügt die Menschen über Gottes Wesen. Wer im Namen Gottes Menschen manipuliert oder missbraucht oder zu Dingen zwingt, der führt die Menschen in die Irre.
Gott ist Liebe. Gott ist nicht nur "lieb". Die Formulierung hier trägt einen deutlichen, qualitativen Unterschied zu all den Adjektiven, mit denen man Gott sonst zurecht auch noch beschreiben könnte. Liebe ist kein abstrakter Standard, an dem man Gott messen könnte und dann feststellen würde: Ja, lieb ist er schon auch. Gott ist Liebe. Wer Liebe überhaupt versuchen will, zu messen, der muss Gott selbst als den Maßstab nehmen. An ihm sieht man, was Liebe ist. Und alle die, die in Liedern und Gedichten immer wieder neu fragen, "What is love?", könnten hier ganz schnell die definitive Antwort finden. Gott ist Liebe. Wer ihn anschaut, wie er sich offenbart in Jesus Christus, der hat wahre Liebe gesehen. Und der wird von ihr verändert werden.
Gott ist Liebe. Anders kann man nicht von ihm reden. Wer Gott beschreibt, ohne seine Liebe zentral in den Vordergrund zu stellen, der zeichnet ein falsches Bild von ihm. Wer von Gott redet, ohne selbst von seiner Liebe bewegt zu sein, der weiß nicht, wovon er spricht. Wer Zeugnis von Gott geben will, aber nicht Gottes Liebe zu den Menschen lebt, der widerspricht sich selbst.
Gott ist Liebe. Das ist das Wichtigste, was man von ihm sagen kann.
Gott ist Liebe. Das ist das Wichtigste, was die Menschen von ihm hören müssen. Und sehen. Von uns und an uns.
Das geschieht dann, wenn wir von dieser Liebe nicht nur theoretisch reden, sondern sie ganz praktisch leben. Untereinander. Und zu den Menschen um uns her.
Praktisch. Im Alltag. Was das heißt, das muss man immer wieder neu durchbuchstabieren. Der Jesus, von dem wir zeugen, ist und bleibt der Maßstab dafür. Wir schauen auf ihn und sehen uns herausgefordert, die Liebe, die er vorlebt nun in unseren Bezügen nachzuleben. Genau so werden wir zu seinen Zeugen: "Wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt."
Praktisch. Im Alltag. Das ist nicht immer einfach. Es fordert uns immer wieder neu heraus, gegen manche Trends und gegen unsere eigene Bequemlichkeit zu handeln. Manchmal wird man dumm dafür angeschaut. Nicht immer findet man dafür Beifall. Wer auf Jesus schaut, dem macht das wenig aus: Von Gott kommt mir so viel Liebe entgegen, dass ich allem anderen gegenüber gelassen werde: Er hat mich zuerst geliebt. Darauf gründet sich mein Glaube. Daraus schöpfe ich Hoffung und Zuversicht. Das gibt mir Freiheit.
Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Wenn du ein:e Prophet:in wärst, oder eine Apostel:in, wer wärst du dann?
Mein Tipp: Sei doch einfach du. Lass dich jeden Tag neu von Gottes Liebe inspirieren und lebe so, dass die Menschen um dich her diese Liebe ganz praktisch an dir sehen. Eine bessere Botschaft von Gott kann es kaum geben.
Möge er uns dabei helfen und durch unser Leben reden.
Amen.

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