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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Mit 75 fängt das Leben an! Ja, ihr habt richtig gehört: Mit 75!
Glaubt ihr nicht?
Mit 75 hat man doch das meiste schon erlebt. Kindheit und Jugend. Berufswahl. Ausbildung. Familiengründung. Kindererziehung. Vielleicht das eigene Heim, ein Auto. Reisen und Urlaube. Schöne Erlebnisse. Große Herausforderungen. Das war doch alles schon! Die Kinder waren irgendwann aus dem Haus. Enkel sind gekommen. Vielleicht sogar schon Urenkel. Welch eine Freude, die groß werden zu sehen. Das Berufsleben vorbei. Neue Freiräume, neue Chancen. Irgendwann auch ein Zur-Ruhe-kommen. Das Leben wird langsamer. Das darf es auch werden. Manche Anzeichen des Alters machen sich immer stärker bemerkbar. Das darf ja auch so sein. Die Perspektive ändert sich. Die Endlichkeit des Lebens rückt mehr in den Blick -- vielleicht auch mit manchen Fragen und Zweifeln, die das mit sich bringt.
Mit 75 ist das meiste gelaufen. Große Überraschungen erwartet da keiner mehr.
Er sicher auch nicht. Er hat sein Leben gelebt. Sicher war es etwas anderes, als er sich das vorgestellt hätte, Abram von Haran. Denn manches, wovon er träumte, ist ihm versagt geblieben. Wie gerne hätte er eine Familie gegründet. Hätte Kinder und Enkel groß werden sehen. Dem stolzen Stammbaum seines Vaters Terach weitere Generationen hinzugefügt. Mit Sarai hatte er dafür auch die ideale Partnerin gefunden. Aber ihr Kinderwunsch blieb Jahr um Jahr unerfüllt. Sicher ist die Enttäuschung gewachsen. Vielleicht auch die Bitterkeit. Das heftige Schlucken, wenn er daran dachte, was hätte sein können. Irgendwie, irgendwann, haben sie sich damit abgefunden, Abram und Sarai. Sie sind alleine, miteinander alt geworden. Haben gehegt und gepflegt, was seit Generationen in der Familie war und was nun wohl eines Tages an Lot, den Neffen, übergehen würde. Vielleicht ist der schon so etwas wie ein Ersatz-Sohn geworden. Jetzt, wo die Dinge klar sind. Mit 75.
1 Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. (Genesis 12,1-4)Da bricht Gott ins Leben ein. Plötzlich. Unerwartet. Gott. Schöpfer des Himmels und der Erde. Der allmächtige Vater aus dem Glaubensbekenntnis. Mit dem hat keiner gerechnet.
Gott redet.
Gott ruft.
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Was wohl Sarai gesagt hat, als er sie beiseite nahm, um ihr das zu erklären. "Gott hat zu mir geredet, Sarai."
Gott -- wer?
Gott redet doch nicht einfach so. Wie soll man sich das vorstellen? Eine Stimme vom Himmel? Eine Engelserscheinung?
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Dreht er jetzt völlig durch? Hat er im Alter den Verstand verloren? War die Enttäuschung, die Bitterkeit und Wut über all die unerfüllten Träume letzten Endes dann einfach zu viel für ihn, so dass er sich jetzt Dinge einbildet, statt die Realität anzuerkennen?
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Versprechen habe Gott gegeben. Verheißungen. Gold glänzende Bilder seines kommenden Segens, die Hoffnung an den Horizont malen.
Land. Ein Land, das ich dir zeige.
Kinder. Nachkommen. Ein ganzes Volk.
Einen großen Namen. Segen für die ganze Erde.
Wer bekäme nicht glänzende Augen bei solchen Aussichten?
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Und dann kommt die bittere Einsicht: Es ist zu spät. Mit 75 bekommt man keine Kinder mehr. Mit 75 bricht man nicht mehr auf zu neuen Ufern. Mit 75 gerät man langsam in Vergessenheit, bekommt man keinen "großen Namen" mehr. Mit 75 sind das nur noch mehr Träume, die zu Enttäuschungen werden.
Land. Ein Land, das ich dir zeige. Zwischenstand: Unbekannt. Wo soll das sein, dieses Land?
Kinder. Nachkommen. Ein ganzes Volk. Zwischenstand. Null. In Zahlen: Null. In Worten: Null. Zu erwartender Zuwachs: Null, Komma, Null Null.
Ein großer Name. Hah! Wer kennt den Abram aus Haran?
Segen für die ganze Erde?
Ja, wenn man noch einmal jung wäre! Mit 75 ist es zu spät.
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Geh von allem weg, was dir lieb und teuer ist. Womit du aufgewachsen hast. Was dein Leben prägt. Woran dein Herz hängt. Heimat. Familie. Freunde. Vertrautes. Sicherheit. Geborgenheit.
Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und von deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.
Wer würde wegen solcher Luftschlösser alles aufs Spiel setzen. Mit 75?
Mit 75 ist man zu alt für so ein Risiko.
Mit 25 zu jung.
Mit 35 mitten drin im Leben.
Mit 45 müssen erst einmal die Kinder aus dem Haus sein.
Mit 55 passt es gerade nicht in den Plan.
Mit 65 sind gerade die ersten Enkel geboren.
Mit 75 ist man zu alt für so ein Risiko.
Eigentlich passt es nie in den Plan, alles aufzugeben, nur auf eine Hoffnung hin.
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.
Der Rest ist Geschichte.
Wir kennen Abram von Haran heute als Abraham, den "Vater der Vielen", Empfänger der Verheißung, Stammvater Israels. Wir kennen seinen Namen als den eines Glaubenshelden, der bereit war, auf ein Wort Gottes hin alles zu verlassen. Seine Geschichte ist keine einfache. Sie hat ihre Höhen und Tiefen. Jahre sollte es noch dauern, bis sich Gottes Versprechen endlich erfüllten. Jahre des Hoffens, des Zweifelns, des Wartens. Jahre mit eigenen Versuchen, das irgendwie hinzubiegen. Jahre des Scheiterns, des Klagens. Wie oft sie wohl bereut haben, Haran hinter sich gelassen zu haben? Wie oft sie wohl überlegt haben, ob das nicht alles doch nur Einbildung war.
Sie hätten in Ruhe ihren Lebensabend genießen können. In Haran.
Stattdessen: Staub und Wüste, Strapazen und Gefahren, Zweifeln und Warten.
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Gott redet. Und Gott hält seine Versprechen.
Immer.
Nun bin ich noch keine 75. Und die meisten, die mir heute zuhören, sind schon lange keine 75 mehr.
"Puh", denkst du vielleicht, "zum Glück ist mir das nicht passiert." Du fragst dich, wie es wohl gewesen wäre, wenn Gott dich gerufen hätte: mit 25, 45 oder auch mit 75. Oder heute. Was wäre, wenn er dich heute ruft.
"Gott hat zu mir geredet, Frau Fechter."
"Geh aus deiner Komfortzone heraus und brich noch einmal auf zu ganz neuen Ufern."
Aber Gott redet ja nicht in der Augustenhilfe.
Oder doch?
Was, wenn er heute ruft. Keinen Abram aus Haran. Keine Sarai. Sondern dich?
Was würdest du antworten? Was würdest du tun?
Was, wenn er dich schon gerufen hat? 25, 45, 75, 100. Alter macht da keinen Unterschied. Gott hat etwas vor in dieser Welt und wir sind Teil seines Plans, wie Abram aus Haran es war. Sein Plan ist klar: Evangelium. Gute Nachricht. Hoffnung für die Welt, gekommen als Mensch in Jesus Christus. Gekreuzigt, gestorben und begraben. Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Jesus Christus, in dem Gott selbst das Leben war und das Leben geworden für die ganze Welt. Das ist Gottes Plan, jetzt und in Ewigkeit. Und wir sind ein Teil davon.
Gerufen hat er uns schon lange. Da braucht es gar nicht erst eine Engelslandung in der Augustenhilfe, um von Gott gerufen zu werden. Sein Ruf gilt dir und mir an jedem Tag: "Geht in die ganze Welt", sagt er, "und macht alle zu meinen Nachfolgern." Erzählt vom Evangelium, von eurem Glauben und eurer Hoffnung: In Worten, in Haltungen und in tätiger Liebe.
"Geht hin in die ganze Welt". Für Abram aus Haran hieß das mit 75: Koffer packen. Die gute Nachricht: Du kannst Gottes Ruf heute hier sogar folgen, ohne das Haus zu verlassen. Ja, vielleicht ist für dich nicht mehr die Zeit, auf Gottes Ruf hin ans andere Ende der Welt zu reisen. Aber das braucht es ja auch gar nicht. Auch die Augustenhilfe ist ja Teil dieser Welt -- mit deinen Nachbarn und Besuchern, mit den Menschen, die hier ein und ausgehen; mit denen, die sich hier um dich kümmern. Auch sie soll ja Gottes Ruf erreichen. Auch durch dich. Aufbruch braucht es dazu oft nur in Kopf und Herz.
Vielleicht ist Gottes Ruf an dich auch ganz persönlich. Mehr als dieses allgemeine "Geht in alle Welt". Vielleicht legt er dir etwas aufs Herz, was er möchte, dass du tust. Wirst du ein Abram, eine Sarai sein, und seinem Ruf folgen?
Auch heute ist das nicht immer leicht. Das mindeste, was es braucht, ist, dass ich meine ganz normale Komfortzone verlasse. Ob ich mich trauen werde?
Auch uns gibt Gott heute dazu seine Verheißungen mit. "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."
Das klingt gut. Darauf kann ich vertrauen.
Also: Auf ins Abenteuer.
Ob 45, 75, 85 oder 100: Unterwegs mit Gott fängt das Leben erst richtig an!
Gott mit dir!
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Mit 75 fängt das Leben an! Ja, ihr habt richtig gehört: Mit 75!
Glaubt ihr nicht?
Mit 75 hat man doch das meiste schon erlebt. Kindheit und Jugend. Berufswahl. Ausbildung. Familiengründung. Kindererziehung. Vielleicht das eigene Heim, ein Auto. Reisen und Urlaube. Schöne Erlebnisse. Große Herausforderungen. Das war doch alles schon! Die Kinder waren irgendwann aus dem Haus. Enkel sind gekommen. Vielleicht sogar schon Urenkel. Welch eine Freude, die groß werden zu sehen. Das Berufsleben vorbei. Neue Freiräume, neue Chancen. Irgendwann auch ein Zur-Ruhe-kommen. Das Leben wird langsamer. Das darf es auch werden. Manche Anzeichen des Alters machen sich immer stärker bemerkbar. Das darf ja auch so sein. Die Perspektive ändert sich. Die Endlichkeit des Lebens rückt mehr in den Blick -- vielleicht auch mit manchen Fragen und Zweifeln, die das mit sich bringt.
Mit 75 ist das meiste gelaufen. Große Überraschungen erwartet da keiner mehr.
Er sicher auch nicht. Er hat sein Leben gelebt. Sicher war es etwas anderes, als er sich das vorgestellt hätte, Abram von Haran. Denn manches, wovon er träumte, ist ihm versagt geblieben. Wie gerne hätte er eine Familie gegründet. Hätte Kinder und Enkel groß werden sehen. Dem stolzen Stammbaum seines Vaters Terach weitere Generationen hinzugefügt. Mit Sarai hatte er dafür auch die ideale Partnerin gefunden. Aber ihr Kinderwunsch blieb Jahr um Jahr unerfüllt. Sicher ist die Enttäuschung gewachsen. Vielleicht auch die Bitterkeit. Das heftige Schlucken, wenn er daran dachte, was hätte sein können. Irgendwie, irgendwann, haben sie sich damit abgefunden, Abram und Sarai. Sie sind alleine, miteinander alt geworden. Haben gehegt und gepflegt, was seit Generationen in der Familie war und was nun wohl eines Tages an Lot, den Neffen, übergehen würde. Vielleicht ist der schon so etwas wie ein Ersatz-Sohn geworden. Jetzt, wo die Dinge klar sind. Mit 75.
1 Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. (Genesis 12,1-4)Da bricht Gott ins Leben ein. Plötzlich. Unerwartet. Gott. Schöpfer des Himmels und der Erde. Der allmächtige Vater aus dem Glaubensbekenntnis. Mit dem hat keiner gerechnet.
Gott redet.
Gott ruft.
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Was wohl Sarai gesagt hat, als er sie beiseite nahm, um ihr das zu erklären. "Gott hat zu mir geredet, Sarai."
Gott -- wer?
Gott redet doch nicht einfach so. Wie soll man sich das vorstellen? Eine Stimme vom Himmel? Eine Engelserscheinung?
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Dreht er jetzt völlig durch? Hat er im Alter den Verstand verloren? War die Enttäuschung, die Bitterkeit und Wut über all die unerfüllten Träume letzten Endes dann einfach zu viel für ihn, so dass er sich jetzt Dinge einbildet, statt die Realität anzuerkennen?
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Versprechen habe Gott gegeben. Verheißungen. Gold glänzende Bilder seines kommenden Segens, die Hoffnung an den Horizont malen.
Land. Ein Land, das ich dir zeige.
Kinder. Nachkommen. Ein ganzes Volk.
Einen großen Namen. Segen für die ganze Erde.
Wer bekäme nicht glänzende Augen bei solchen Aussichten?
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Und dann kommt die bittere Einsicht: Es ist zu spät. Mit 75 bekommt man keine Kinder mehr. Mit 75 bricht man nicht mehr auf zu neuen Ufern. Mit 75 gerät man langsam in Vergessenheit, bekommt man keinen "großen Namen" mehr. Mit 75 sind das nur noch mehr Träume, die zu Enttäuschungen werden.
Land. Ein Land, das ich dir zeige. Zwischenstand: Unbekannt. Wo soll das sein, dieses Land?
Kinder. Nachkommen. Ein ganzes Volk. Zwischenstand. Null. In Zahlen: Null. In Worten: Null. Zu erwartender Zuwachs: Null, Komma, Null Null.
Ein großer Name. Hah! Wer kennt den Abram aus Haran?
Segen für die ganze Erde?
Ja, wenn man noch einmal jung wäre! Mit 75 ist es zu spät.
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Geh von allem weg, was dir lieb und teuer ist. Womit du aufgewachsen hast. Was dein Leben prägt. Woran dein Herz hängt. Heimat. Familie. Freunde. Vertrautes. Sicherheit. Geborgenheit.
Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und von deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.
Wer würde wegen solcher Luftschlösser alles aufs Spiel setzen. Mit 75?
Mit 75 ist man zu alt für so ein Risiko.
Mit 25 zu jung.
Mit 35 mitten drin im Leben.
Mit 45 müssen erst einmal die Kinder aus dem Haus sein.
Mit 55 passt es gerade nicht in den Plan.
Mit 65 sind gerade die ersten Enkel geboren.
Mit 75 ist man zu alt für so ein Risiko.
Eigentlich passt es nie in den Plan, alles aufzugeben, nur auf eine Hoffnung hin.
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.
Der Rest ist Geschichte.
Wir kennen Abram von Haran heute als Abraham, den "Vater der Vielen", Empfänger der Verheißung, Stammvater Israels. Wir kennen seinen Namen als den eines Glaubenshelden, der bereit war, auf ein Wort Gottes hin alles zu verlassen. Seine Geschichte ist keine einfache. Sie hat ihre Höhen und Tiefen. Jahre sollte es noch dauern, bis sich Gottes Versprechen endlich erfüllten. Jahre des Hoffens, des Zweifelns, des Wartens. Jahre mit eigenen Versuchen, das irgendwie hinzubiegen. Jahre des Scheiterns, des Klagens. Wie oft sie wohl bereut haben, Haran hinter sich gelassen zu haben? Wie oft sie wohl überlegt haben, ob das nicht alles doch nur Einbildung war.
Sie hätten in Ruhe ihren Lebensabend genießen können. In Haran.
Stattdessen: Staub und Wüste, Strapazen und Gefahren, Zweifeln und Warten.
"Gott hat zu mir geredet, Sarai."
"Abram", sagt er. "Geh aus deinem Vaterland."
Gott redet. Und Gott hält seine Versprechen.
Immer.
Nun bin ich noch keine 75. Und die meisten, die mir heute zuhören, sind schon lange keine 75 mehr.
"Puh", denkst du vielleicht, "zum Glück ist mir das nicht passiert." Du fragst dich, wie es wohl gewesen wäre, wenn Gott dich gerufen hätte: mit 25, 45 oder auch mit 75. Oder heute. Was wäre, wenn er dich heute ruft.
"Gott hat zu mir geredet, Frau Fechter."
"Geh aus deiner Komfortzone heraus und brich noch einmal auf zu ganz neuen Ufern."
Aber Gott redet ja nicht in der Augustenhilfe.
Oder doch?
Was, wenn er heute ruft. Keinen Abram aus Haran. Keine Sarai. Sondern dich?
Was würdest du antworten? Was würdest du tun?
Was, wenn er dich schon gerufen hat? 25, 45, 75, 100. Alter macht da keinen Unterschied. Gott hat etwas vor in dieser Welt und wir sind Teil seines Plans, wie Abram aus Haran es war. Sein Plan ist klar: Evangelium. Gute Nachricht. Hoffnung für die Welt, gekommen als Mensch in Jesus Christus. Gekreuzigt, gestorben und begraben. Am dritten Tage auferstanden von den Toten. Jesus Christus, in dem Gott selbst das Leben war und das Leben geworden für die ganze Welt. Das ist Gottes Plan, jetzt und in Ewigkeit. Und wir sind ein Teil davon.
Gerufen hat er uns schon lange. Da braucht es gar nicht erst eine Engelslandung in der Augustenhilfe, um von Gott gerufen zu werden. Sein Ruf gilt dir und mir an jedem Tag: "Geht in die ganze Welt", sagt er, "und macht alle zu meinen Nachfolgern." Erzählt vom Evangelium, von eurem Glauben und eurer Hoffnung: In Worten, in Haltungen und in tätiger Liebe.
"Geht hin in die ganze Welt". Für Abram aus Haran hieß das mit 75: Koffer packen. Die gute Nachricht: Du kannst Gottes Ruf heute hier sogar folgen, ohne das Haus zu verlassen. Ja, vielleicht ist für dich nicht mehr die Zeit, auf Gottes Ruf hin ans andere Ende der Welt zu reisen. Aber das braucht es ja auch gar nicht. Auch die Augustenhilfe ist ja Teil dieser Welt -- mit deinen Nachbarn und Besuchern, mit den Menschen, die hier ein und ausgehen; mit denen, die sich hier um dich kümmern. Auch sie soll ja Gottes Ruf erreichen. Auch durch dich. Aufbruch braucht es dazu oft nur in Kopf und Herz.
Vielleicht ist Gottes Ruf an dich auch ganz persönlich. Mehr als dieses allgemeine "Geht in alle Welt". Vielleicht legt er dir etwas aufs Herz, was er möchte, dass du tust. Wirst du ein Abram, eine Sarai sein, und seinem Ruf folgen?
Auch heute ist das nicht immer leicht. Das mindeste, was es braucht, ist, dass ich meine ganz normale Komfortzone verlasse. Ob ich mich trauen werde?
Auch uns gibt Gott heute dazu seine Verheißungen mit. "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende."
Das klingt gut. Darauf kann ich vertrauen.
Also: Auf ins Abenteuer.
Ob 45, 75, 85 oder 100: Unterwegs mit Gott fängt das Leben erst richtig an!
Gott mit dir!
Amen.

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