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Der Waddesdon Bequest am British Museum zählt zu den bedeutendsten Sammlungen spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Luxusobjekte. Zu den faszinierendsten Stücken gehört ein Paar annähernd identischer Silberpokale des Nürnberger Goldschmieds Christoph Lindenberger: die sogenannten Tucher-Cups. Entstanden als Gedächtnissilber nach dem Tod des Patrizierkaufmanns Linhart II. Tucher im Jahr 1568, erinnern sie an den Mann, der die Handelsgesellschaft seiner Nürnberger Familie zu ihren größten Erfolgen führte.
Im frühen 19. Jahrhundert erregten die Pokale die Aufmerksamkeit der Familie Rothschild. Mehr als fünfzig Jahre lang blieben sie getrennt, bis Baron Ferdinand de Rothschild sie in seinem New Smoking Room auf Waddesdon Manor wieder zusammenführte. 1898 gelangten sie ans British Museum.
Was die Tucher-Cups als Gedächtnissilber auszeichnet, warum sie Sammler wie die Rothschilds faszinierten und was von Ferdinands Sammlungsidee heute in Waddesdon zu erleben ist – darüber sprechen Dr. Rachel King, Kuratorin des Waddesdon Bequest am British Museum, und Dr. Pippa Shirley, Direktorin der Sammlungen von Waddesdon Manor, mit Florian Abe, Geschäftsführer der Tucher Kulturstiftung.
Die Pokale im Online-Katalog des British Museum:
https://www.britishmuseum.org/collection/object/H_WB-101-a
https://www.britishmuseum.org/collection/object/H_WB-101-b
Porträtmedaillen waren um 1500 noch ein ganz neues Medium in Deutschland. Klein und tragbar, aber trotzdem individuell genug, um ein Gesicht für die Nachwelt festzuhalten. Auch der Nürnberger Ratsherr und Vorsteher der Dr. Lorenz Tucher'schen Familienstiftung, Martin Tucher, ließ sich 1519 auf diese Weise porträtieren. Der Bildhauer Hans Schwarz schnitt dafür ein Modell aus Buchsbaumholz. Anders als an Güssen lässt sich an ihm unmittelbar die Handschrift des Künstlers erkennen. Heute zählt dieses Modell zu den Schätzen des Münzkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin und ist im Bode-Museum ausgestellt. Wie der Auftrag zustande kam, warum genau dieses Bildnis Martin Tuchers noch Jahrhunderte später in Kunstwerken auftaucht und wie das Objekt seinen Weg ins Museum fand, erzählt Dr. Johannes Eberhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Münzkabinett, im Gespräch mit Florian Abe, Geschäftsführer der Tucher Kulturstiftung.
🔗 Das Modell im Interaktiven Katalog des Münzkabinetts Berlin (IKMK):
https://ikmk.smb.museum/object?id=18200342
»Ich vergleiche das ganz gerne mit einem Schmuckstück«, sagt Dr. Sebastian Dohe. Fehlt einer Krone der Smaragd, bleibt der Blick immer an der leeren Fassung hängen. Genau das trieb die Kunstsammlungen Weimar an, ihr gestohlenes Doppelporträt von Hans und Felicitas Tucher zurückzuverlangen: ein kleinformatiges Diptychon von bestechender Illusionskraft, gemalt 1499 von Albrecht Dürer. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden die beiden Tafeln aus einem Auslagerungsdepot, tauchten erst zwanzig Jahre später in New York wieder auf und lösten einen 13 Jahre währenden internationalen Rechtsstreit aus. Wie die Porträts entstanden, welche Rolle sie im Frühwerk Dürers spielen und wie sie schließlich zurück nach Weimar fanden, darüber sprechen Dr. Sebastian Dohe, Kustode für Mittelalter und frühe Neuzeit an der Klassik Stiftung Weimar, und Florian Abe, Geschäftsführer der Tucher Kulturstiftung, in dieser Folge.
🔗 Die Tucher-Porträts in der Sammlung der Klassik Stiftung Weimar:
https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/345954
https://suche.klassik-stiftung.de/#/details?id=/resources/id/object/museen/345958
»Ein Gemälde im Kleinstformat« nennt Dagmar Korbacher diese außergewöhnliche Zeichnung von Albrecht Dürer. 1511 schuf der Nürnberger Meister den Entwurf für das Gedächtnisbild des Lorenz Tucher – das größte Epitaph in einer Nürnberger Kirche.
Heute zählt das Blatt zu den Highlights des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin und leuchtet auch nach über 500 Jahren noch in lebhaften Farben.
Was genau der Entwurf zeigt, welche biografischen Bezüge er zum Gründer der bis heute bestehenden Dr. Lorenz Tucher'schen Familienstiftung hat und wie das Blatt schließlich seinen Weg von Nürnberg nach Berlin fand, darüber sprechen Dagmar Korbacher, Direktorin des Kupferstichkabinetts, und Florian Abe, Geschäftsführer der Tucher Kulturstiftung, in dieser Folge.
🔗 Die Zeichnung in der Datenbank der Staatlichen Museen Berlin:
https://recherche.smb.museum/detail/939825/
Dr. Lorenz Tucher war nicht nur Namensgeber einer der ältesten aktiven Familienstiftungen Deutschlands. Er war auch Stifter eines außergewöhnlichen Kunstwerks: ein kostbarer Grabteppich, der nach seinem Tod 1503 zu Trauerfeier und jährlichem Totengedenken in der Nürnberger Sebalduskirche ausgebreitet wurde. Er zeigt den Heiligen Laurentius – Lorenz Tuchers Namenspatron – und vereint flämische Webekunst mit einem Entwurf aus dem Umkreis der Nürnberger Wolgemut-Werkstatt. Heute befindet sich der Grabteppich in der Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums. Wie er dorthin gelangte und was wir über seine Funktion und seinen Stifter wissen, erzählt Referent Dr. Johannes Pietsch.
Der Teppich mit Bild in der Datenbank des BNM:
https://www.bayerisches-nationalmuseum.de/sammlung/00153974
Viele kulturhistorisch bedeutende Werke aus dem Umfeld der Patrizierfamilie Tucher befinden sich heute in Museen auf der ganzen Welt. Ihnen widmen sich die kommenden Folgen. Den Auftakt macht das Baumeisterbuch des Endres Tucher – eine außergewöhnliche Quelle zum Bauwesen und zur städtischen Verwaltung des spätmittelalterlichen Nürnberg. Die rund 550 Jahre alte Handschrift ist als Leihgabe der Paul Wolfgang Merkel'schen Familienstiftung am Germanischen Nationalmuseum zu sehen und steht im Mittelpunkt der Ausstellung »Baustelle Nürnberg«. Wie sie zum Sprechen gebracht werden kann und warum sie bis heute fasziniert, erläutern die Kuratoren Andreas Huth und Florian Abe.
Schon im 16. Jahrhundert war Nürnberg global vernetzt: 1524 entstand hier die erste Karte einer amerikanischen Stadt – Tenochtitlán, das heutige Mexiko-Stadt –, kunstvoll koloriert mit Pigmenten, die über weite Handelswege von Zentralasien nach Europa kamen. Solche Zeugnisse weltweiter Verflechtungen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung »Nürnberg GLOBAL. 1300–1600« am Germanischen Nationalmuseum. Ab dem 25. September 2025 zeigt sie eindrucksvolle Exponate, darunter auch Leihgaben der Tucher Kulturstiftung. Im Gespräch erläutern die Kurator:innen Dr. Benno Baumbauer und Marie-Therese Feist, warum Nürnberg als »quasi centrum europae« gelten konnte – und wie die Ausstellung neue Perspektiven auf die Stadt zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit eröffnet.
Ob in Lübeck, London oder Nowgorod – die Hanse verband ganz Europa. Wie lebten ihre Kaufleute, was prägte ihren Alltag und welche Rolle spielten Stiftungen damals wie heute? Antworten darauf gibt das Europäische Hansemuseum, das mit innovativen Inszenierungen die Welt zwischen Handel und Gesellschaft erfahrbar macht. Im Gespräch eröffnet Carolin Alff Einblicke in das Ausstellungskonzept, erzählt von den Geschichten hinter den Exponaten – und zeigt, wie die alte Stiftungstradition der Hanse in Lübeck bis heute fortwirkt.
Die Fugger und Welser zählten zu den bekanntesten und reichsten Patrizierfamilien Augsburgs. Im Fugger und Welser Erlebnismuseum wird ihre Lebenswelt greifbar. Den Quellen ihres Wohlstands im globalisierten Handel des 15. und 16. Jahrhunderts wird dabei kritisch auf den Grund gegangen. Wiebke Schreier und Katharina Dehner vom Museumsteam der Regio Augsburg Tourismus GmbH erläutern, wie dieser Perspektivwechsel gelingt und sich mit einer touristischen Gesamtstrategie vereinbaren lässt.
Die Fuggerei in Augsburg ist die älteste Sozialbausiedlung der Welt. Sie beheimatet nicht nur rund 150 bedürftige, katholische Bürger der Stadt, sondern auch vier Museen. Hier wird die Geschichte der Bewohner und der 1521 von Jakob Fugger gegründeten Stiftung in den historischen Bauten der Siedlung selbst erlebbar. Heike Peller, Mitarbeiterin der Fuggerschen Stiftungen und zuständig für die Bereiche Museen, Tourismus und Projekte, gibt Einblicke hinter die Kulissen der Museums- und Kulturarbeit an diesem geschichtsträchtigen Ort.
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