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Auffallend leiser Bundeskanzler Merz: Schwäche oder Kalkül?


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Gestern EU-Sondergipfel in Brüssel, heute Gespräche in Rom, zuvor das Weltwirtschaftsforum in Davos: Bundeskanzler Merz ist in diesen Tagen außenpolitisch stark gefordert. Auffällig ist dabei weniger, wo er unterwegs ist, sondern wie zurückhaltend er öffentlich auftritt. Während andere europäische Spitzenpolitiker US-Präsident Trump zuletzt scharf kritisierten, blieb Merz auffallend leise. Ist das ein Zeichen von Schwäche oder bewusstes Kalkül?
Die Politikwissenschaftlerin Daniela Schwarzer sieht darin vor allem Strategie. Merz habe früh klargemacht, dass sich das transatlantische Verhältnis grundlegend verändert habe und Europa sich neu aufstellen müsse. Diese realistische Einschätzung ziehe sich durch seine Linie, auch wenn er aktuell weniger öffentlich kommentiere als etwa Frankreichs Präsident Macron.
Zurückhaltung als Teil einer europäischen Aufgabenverteilung
Gerade im Streit um Grönland setze Merz auf eine stille Rolle, so Schwarzer. Öffentliche Zuspitzung sei nicht immer hilfreich, wenn gleichzeitig diplomatische Kanäle offengehalten werden müssten. Ziel sei es, Eskalationen zu vermeiden und dennoch klare Grenzen zu ziehen. Merz wolle weder anbiedernd auftreten noch polemisieren. sondern selbstbewusst und kontrolliert.
Hinter den Kulissen werde intensiv gearbeitet, sowohl innerhalb der EU als auch gegenüber Washington. Merz habe sich dabei früh für eine harte europäische Linie ausgesprochen: Europa müsse handlungsfähig sein und notfalls auch Druckmittel einsetzen, ohne einen offenen Konflikt zu provozieren. Seine Zurückhaltung nach außen sei daher weniger Schweigen als vielmehr Teil einer abgestimmten europäischen Strategie.
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SWR Aktuell Im GesprächBy SWR Aktuell