Bereits vor zwei Jahren forderte Verteidigungsminister Boris Pistorius eigene Raketen, da die US-Raketen nicht ausreichten. Seitdem sei jedoch bei der europäischen Entwicklung von Mittelstreckenraketen "nicht genug passiert", sagt der Verteidigungsexperte Nico Lange in SWR Aktuell.
Es gibt die Technologien bei uns, es gibt genügend Start-ups mit guten Ideen. Wir haben auch genug Zulieferer, die Raketenbauteile, Composites und ähnliche Dinge zusammenbringen könnten. Eigentlich gibt es keine Entschuldigung dafür, warum wir das auf europäischer Ebene bisher nicht machen.
Quelle: Nico Lange, Gründer und Direktor des Instituts für Risikoanalysen und Internationale Sicherheit und ehemaliger Leiter des Leitungsstabs im Verteidigungsministerium
Bürokratische Hürden, langsame Umsetzung
Die Planungs- und Beschaffungsbürokratie der Bundeswehr arbeite nach alten Mustern, gehe solche Dinge sehr langsam an und theoretisiere viel, bevor wirklich etwas geschehe. Da muss nach Meinung von Lange ein anderer Geist rein - "so wie es bei Start-ups und jungen Unternehmen ist, die schnell ein Ergebnis bringen wollen."
Von der Ukraine lernen
Wie es besser gehe, zeige auch der Blick auf die Ukraine.
Man sieht: Wenn man das mit einem anderen Geist, mit einem anderen Prozess macht, wie schnell da Ergebnisse kommen. Das brauchen wir in Deutschland auch. Das war die ganze Zeit über klar. Jetzt ist es sehr misslich, dass die Stationierung [der Tomahawks] nicht stattfindet. Das ist auch ein Sicherheitsrisiko für uns. Gleichzeitig war sie auch nur als Übergang gedacht, bis wir das selbst können. Jetzt muss man das schnell machen.
Quelle: Nico Lange, Gründer und Direktor des Instituts für Risikoanalysen und Internationale Sicherheit und ehemaliger Leiter des Leitungsstabs im Verteidigungsministerium
Deutschland kann von Erfahrung der Ukraine profitieren
Die Ukraine hat nach Ansicht von Lange während des Krieges einige Innovationen gemacht und auch wertvolle Daten gesammelt, die für die Entwicklung von Waffensystemen wertvoll sind. "Gemeinsam mit der Ukraine kann man auch sehr wettbewerbsfähige Systeme entwickeln, die über die Ukraine hinaus, in ganz Europa Bedeutung haben könnten", so der Verteidigungsexperte.
Taurus-Marschflugkörper als Alternative zu Tomahawks?
Als europäische Alternative zu den Tomahawks wird auch eine Weiterentwicklung der deutschen Taurus-Marschflugkörper gesehen. Diese haben bisher allerdings eine deutlich geringere Reichweite als die Tomahawks hat. Was er davon hält - und ob Drohnen die neuen Raketen sein könnten, das sagt Nico Lange im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Jonathan Hadem.