Sarah Levy stammt aus Deutschland und lebt seit 2019 in Israel, mit ihrem Lebensgefährten und ihrem vierjährigen Sohn. Über die Situation in Israel hat sie ein Buch geschrieben mit dem Titel "Kein anderes Land". In einem Nachwort geht sie auch auf den letzten Iran-Krieg im vergangenen Jahr ein. Im Vergleich zu damals sei sie gleichgültiger geworden.
"Da stumpft man irgendwann mal ab"
Es klingt ein bisschen verrückt: Letztes Mal saßen wir im gleichen Bunkerraum wie jetzt - und ich hatte mich bei jeder Explosion schützend über meinen Sohn gebeugt und gebetet, obwohl ich nicht mal an Gott glaube. Und jetzt bin ich total abgestumpft. Ich sitze hier und sage, wenn es uns trifft, dann ist das halt so. Es ist der dritte Krieg in zweieinhalb Jahren. Da stumpft man irgendwann ab.
Quelle: Sarah Levy, Autorin, lebt seit 2019 in Israel
"Der Safe-Room ist meistens das Kinderzimmer"
Levy wohnt im Moment bei ihrer Schwägerin im Osten von Tel Aviv. Dort gibt es einen privaten Safe-Room. Das sei meistens ein ganz normales Zimmer in der Wohnung mit verstärkten Wänden und einem verschließbaren Stahlgestell vor dem Fenster und einer Sicherheitstür, so dass man hermetisch abgeriegelt ist, beschreibt die Autorin den Raum. "Meistens ist es das Kinderzimmer, damit die Kinder im Fall von nächtlichem Raketenalarm weiterschlafen können." Im Moment schlafe sie in dem Safe-Room, weil sie das jüngste Kind in der Wohnung habe.
Das ist ein großer Luxus, weil wir nachts nicht aufstehen müssen. Die anderen Mitbewohner strömen dann, wenn nachts Alarm ist, zu uns in den Sicherheitsraum herein.
Quelle: Sarah Levy, Autorin, lebt seit 2019 in Israel
"Manchmal schicken sie mehrere Chargen von Raketen hintereinander"
Wie viel Zeit man in dem Schutzraum verbringen muss, sei sehr unterschiedlich: Am Anfang habe man eigentlich gar nicht herausgehen können. "Jetzt gibt es auch mal wieder drei, vier Stunden, wo nichts ist - dann gibt es aber auch wieder eine geballte Stunde, wo mehrfach geschossen wird. Manchmal schicken sie mehrere Chargen von Raketen hintereinander. Das heißt, man bleibt manchmal über Stunden einfach drinsitzen und darf nicht rausgehen."
"...wie an einem Regentag abzuhängen, nur dass die Sonne scheint"
Ein normales Leben ist ihrer Meinung nach gar nicht möglich: Es sei, "wie wenn man an einem Regentag mit sieben Personen und Hund in der Wohnung abhängt, aber die Sonne scheint halt."
Wir trauen uns eigentlich kaum auf den Spielplatz, weil wir wissen, dass wir nur eine begrenzte Zahl an Minuten haben, um wieder zurück in den Sicherheitsraum zu kommen.
Quelle: Sarah Levy, Autorin, lebt seit 2019 in Israel
Wie sie den Krieg erlebt und wie sie die Versorgung mit öffentlichen Bunkern in Tel Aviv einschätzt, erzählt Sarah Levy im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler.