Nach dem schweren Zugunglück mit Dutzenden Toten in Spanien gehen die Bergungsarbeiten weiter. Gleichzeitig wird nach einer Erklärung für die Katastrophe gesucht.
Zugunglück in Spanien: Bergungsarbeiten die ganze Nacht
Mit drei großen Kränen seien Rettungsteams auch die Nacht über im Einsatz gewesen, um nach möglichen weiteren Opfern in den zerstörten Waggons zu suchen, berichtete der staatliche Radiosender RNE von der Unglücksstelle. Diese befindet sich in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich der Hauptstadt Madrid.
Wenn die Technik ausfällt
Der Experte für Bahnsicherungstechnik, Hans Leister erklärt im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Fischer die Hintergründe, die bis jetzt bekannt und wichtig zu wissen sind. Bei Hochgeschwindgkeitsstrecken, wie zwischen Madrid und Sevilla, seien automatische Sicherheitssysteme nötig. Falle diese Technik aus, müssten Betriebsvorschriften die Sicherheit gewährleisten.
Normalerweise, wenn die technische Sicherung ausfällt, bekommt ein Lokführer allenfalls den Befehl, auf Sicht zu fahren.
Quelle: Hans Leister, Experte für Bahnsicherungstechnik
Das entspräche einer Geschwindigkeit von 40 km/h. Dass einer der beiden Züge mit voller Geschwindigkeit weitergefahren sei, sei deshalb kaum nachvollziehbar.
Keine sichere Übersicht mehr
Ohne funktionierendes System könnten die Mitarbeiter in der Leitstelle nicht mehr sicher feststellen, wo sich ein Zug auf der Strecke befinde. "Sie können dem Zug nicht garantieren, dass die Strecke frei ist", sagt Leister. Genau das sei die Kernfunktion der Bahnsicherung seit über 200 Jahren. Dass dies versage, sei ein schwerwiegender Fehler.
Marode Technik als Risikofaktor
Im Januar hat es auf der selben Strecke schon einmal ein schweres Zugunglück gegeben. Dabei sind auch zwei Züge zusammengestoßen. Von einem generellen Sicherheitsproblem bei der spanischen Bahn, spricht Leister aber nicht. Die Ursache des früheren Unglücks im Januar sei ein technischer Fehler am Gleis gewesen. Die Strecke sei über 30 Jahre alt und werde derzeit saniert. "Das kann vielleicht mit beigetragen haben, dass die alte Technik schon störanfällig ist", sagt er. Ob das beim aktuellen Unglück eine Rolle gespielt habe, müsse untersucht werden.
Alte Technik und marode Schienen: auch eine Lektion für Deutschland?
Auch in Deutschland sei das Schienennetz teils marode und die Sicherheitstechnik veraltet. Leister betont, dass nach dem Unglück von Bad Aibling die Betriebsvorschriften verschärft worden seien. Gefährlich werde es, wenn häufige Störungen dazu führten, dass man sie nicht mehr ernst nehme. "Wenn dieses System öfter mal ausgefallen ist, dann neigt man dazu zu sagen, ach so, das ist wieder die Störung", sagt er. Genau diese Routine könne fatal sein.