Das Wichtigste ist, dass sich die Studierenden oder die Lehrkräfte für das Denken der Kinder interessieren, erklärt Professor Sebastian Wartha, Leiter des Instituts für Mathematik an der PH Karlsruhe, die Ausgangslage. Deshalb werden die Studierenden bereits vor Beginn des Karlsruher Mathesommers in Seminaren entsprechend darauf vorbereitet.
"Müssen uns interessieren, was in den Köpfen der Kinder los ist"
"Die Studierenden sollen nachvollziehen können, wie die kindlichen Denk- und Lernprozesse aussehen", so Wartha. Neben dem Inhaltlichen gehe es auch um die Haltung.
Wir müssen uns dafür interessieren, was in den Köpfen der Kinder los ist. Das bedeutet, dass wir die Kinder vorab diagnostizieren.
Quelle: Prof. Sebastian Wartha, Leiter Institut für Mathematik, Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Mit den Kindern vorab sprechen, um zu wissen, wie sie ticken
Die angehenden Pädagogen und Mitarbeiter der PH nehmen sich Zeit und reden bereits im Vorfeld mit jedem Kind eine halbe Stunde, erklärt der Leiter des Instituts für Mathematik. In dem Gespräch soll herausgefunden werden, was ein Kind gut kann und was es nicht so gut kann. "Wichtig ist, dass die Förderung weder zu leicht noch zu schwer ist - damit die Kinder merken: Wenn ich mich anstrenge, komme ich weiter."
"Studierende sollen sich für jedes einzelne Kind interessieren"
Gelernt wird in kleinen Gruppen mit maximal sechs Schülern: "Wenn es zu viele Kinder sind, fällt es gerade Menschen, die als Lehrperson noch am Anfang ihrer beruflichen Karriere sind, besonders schwer, alle im Blick zu haben", so Wartha. Mit der Kleinstgruppe wolle man erreichen, dass sich die Studierenden "für jedes einzelne Kind interessieren können, den einzelnen Lernstand wahrnehmen und die Kinder individuell unterstützen können, um weiterzukommen."
Wir wollen, dass die Kinder nicht nur Mathe lernen, sondern dass sie wieder über Mathematik, über Zahlen und Zahlenbeziehungen, reden lernen. Und die Kinder sollen nicht mit den Erwachsenen reden, sie sollen untereinander reden lernen - mit den anderen Kindern, aber auch mit den sogenannten Expertise-Kindern. Das sind Kinder, die besonders gut Mathematik erklären können.
Quelle: Prof. Sebastian Wartha, Leiter Institut für Mathematik, Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Probleme schon beim Zahlenraum bis 10
Das Kernproblem, das Kinder mit Mathematik haben, sei unverändert. Der inhaltliche Schwerpunkt sei der Zahlenraum bis zehn. Das seien Inhalte, die eigentlich in der ersten Hälfte des ersten Schuljahres behandelt würden. "Aber wir stellen fest, dass dies eine der Achillessehnen ist, warum vernünftiges Weiterlernen nicht möglich ist. Wenn die Aufgabe 'neun minus sieben' nicht durch Faktenabruf lösbar ist, bekommt man bei den größeren Aufgaben, wie '90 minus 70' oder '209 minus sieben' ein ganz großes Problem."
Wie Kindern den Zugang zu Mathe erleichtern?
Die Botschaft von Sebastian Wartha: Sich für das Denken der Kinder interessieren. Offen dafür sein, was die Kinder reden. "Viele Kinder machen so negative Erfahrungen, dass für sie der Zug abgefahren ist, so dass sie Angst haben, etwas falsch zu machen und sich lieber verstecken."
"Jeder Fehler, der passiert, ist ein Geschenk"
Fehler seien jedoch nichts Schlimmes, sondern ein Gesprächsanlass, um darüber nachzudenken. "Nicht nur, um den Fehler zu korrigieren, sondern um zu überlegen, woher er kommt und was man tun kann, damit der Fehler beim nächsten Mal nicht mehr passiert." Man müsse mit den Kindern auf Augenhöhe zusammenarbeiten, das sei sein Trick, so Wartha.