Am Anfang hätten einige Kinder und Jugendliche von einer "Phantom-Vibration" berichtet. Doch solche "Entzugserscheinungen" seien nachvollziehbar, weil das Smartphone zum alltäglichen Begleiter geworden ist. "Teilweise kann man sogar von einem zusätzlichen Körperteil sprechen", ergänzt der Schulleiter. Deshalb sei er sehr stolz, dass rund 100 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 18 "den Mut hatten", auf ihr Smartphone zu verzichten. Für zusätzlichen Ansporn habe sicherlich Moderator Tobi Krell gesorgt, der das Experiment für ARD Wissen begleitet hat.
Positives und Negatives am Smartphone-Verzicht
Da in der Gesamtschule in Thaleischweiler-Fröschen die private Smartphone-Nutzung bereits verboten ist, stammen die gewonnenen Erfahrungen vor allem aus der Zeit zu Hause. Ohne Handy sei das Familienleben gestärkt worden, berichten die Kinder und Jugendlichen. Außerdem hätten sie sich alternative Hobbies gesucht sowie Natur und Umwelt bewusster wahrgenommen. Auch der Schlaf sei besser geworden. "Man ist insgesamt fokussiert", so bilanziert der Schulleiter die positiven Erkenntnisse.
Wir dürfen das Handy nicht verteufeln und können die Zeit nicht zurückdrehen.
Quelle: Roland Eich, Leiter der Integrierten Gesamtschule in Thaleischweiler-Fröschen
Doch Schüler und Eltern seien sich auch bewusst geworden, wie stark das Smartphone schon unverzichtbarer Bestandteil des Alltags geworden ist. Ein 18-Jähriger habe beispielsweise seine Fahrstunden während des Experiments nicht wahrnehmen können, da die Fahrschule mit einer App arbeitet. Den Fahrplan für die Busse bekämen die Kinder und Jugendlichen über das Smartphone. Das sei in der ländlich geprägten Südpfalz wichtig, ergänzt der Schulleiter. Eltern hätten bemängelt, sie könnten ihre Kinder ohne Smartphone nicht kontaktieren oder nicht erfahren, ob ein Fußballspiel stattfindet.
Nach dem Smartphone-Verzicht: alles wieder wie vorher?
Inzwischen ist das Experiment an der rheinland-pfälzischen Gesamtschule beendet. Schulleiter Roland Eich nimmt als eine Erkenntnis wahr, dass die Kinder und Jugendlichen bewusster mit Social Media umgehen. "Man verzichtet stärker darauf und hat auch festgestellt, dass es wichtig ist, mit den Freundinnen und Freunden in Kontakt zu bleiben." Und das funktioniere auch ohne Social Media.
Die Ergebnisse und der analoge Alltag der Jugendlichen sind in der neuen ARD-Dokuserie "Schule ohne Smartphone - Das Experiment mit Tobi Krell" zu sehen.