"Wir müssen an Land anfangen und aufhören, die Lebensräume weiter zu verschmutzen", sagt Bastian Günther, der sich bei Live e.V. in Reutlingen gemeinsam mit Pro Ocean gegen die Vermüllung der Weltmeere einsetzt. Ein Team ist auf den Philippinen eingesetzt.
Team auf den Philippinen sammelt Plastikmüll von den Stränden
"Unsere Teammitglieder sind Philippinos und Philippinas. Sie gehen an die Strände, sammeln so viel Plastikmüll wie möglich ein und sprechen mit den Leuten, die vor Ort leben." Viele Einheimische würden die Arbeit begrüßen, sagt Günther. Allerdings würden die Menschen vor Ort oft mit ihrem Müll allein gelassen, "weil die Kommune zum Beispiel anders als bei uns keine Mülleimer anbietet."
Nächste Herausforderung: Den Müll nachsortieren
Was mit dem gesammelten Müll passiert, wird schon am Strand entschieden, erklärt der Umweltschützer. Es gehe um die Frage: nehmen wir das nochmal in die Hand oder nicht mehr: "Eine Windel können wir in Deutschland schlecht recyceln, auf den Philippinen mit wenig Technologie ist es nochmal viel schwieriger." Also komme die Windel in den Sack der nichtrecycelbaren Fraktion. Eine PET- oder eine Shampoo-Flasche kommt dagegen in den anderen Sack: "Das sind Sachen, die man auch dort nochmal in den Kreislauf schicken kann. Aber diese Fraktion müssen wir nochmal anfassen und müssen nachsortieren, sonst schleppen wir am Strand fünf verschiedene Plastiksorten in verschiedenen Gebinden mit uns", so Günther.
Das Plastik mit Netzen aus den Weltmeeren zu fischen, ist unrealistisch
In der Vergangenheit hat es schon viele Versuche gegeben, Plastikmüll mit an Schiffen gespannten Netzen aus dem Meer zu holen. Solche Rückholaktionen findet Bastian Günther zwar gut, aber wenig zielführend: "Wenn das Plastik einmal im Meer ist, ist das wie in einer Einbahnstraße: dann ist es drin." Der Ozean bedeckt siebzig Prozent der Erdoberfläche. "Wenn wir überlegen, wie tief der Mariannengraben ist und auf was für einer Meeresfläche wir unterwegs sind - den ganzen Müll dann mit einer Art Kescher [Netz] herausholen zu wollen, das würde letztlich auch den gesamten Lebensraum leerfischen. Das geht einfach nicht."
Rettung der Weltmeere fängt an Land an
Wir müssen anfangen, das anderes zu betrachten, meint der Umweltaktivist. "Wir müssen an Land anfangen, mit den Wertstoffen besser umzugehen. Das Problem ist menschengemacht, die Lösung muss es auch sein."
Hoffnung macht Günther die Bildung: Die Generation, die jetzt auf den Philippinen heranwachse, liebe die Fische und das Meer. "Sie hat einen anderen Bezug zu diesem Lebensraum als die Generationen davor." Das stellt Günther fest, wenn er und seine Teammitglieder mit Bildungs-Workshops an Schulen geht und versucht, den Kindern spielerisch die Meere näher zu bringen.