"Es war ein Schock - und ehrlicherweise hat dieser Schock schon ein paar Monate vorher im Kleinen begonnen, unbemerkt von der Öffentlichkeit", erinnert sich ARD- Sicherheitsexperte Holger Schmidt in SWR Aktuell.
Es begann im Jahr 2000 - in Baden-Baden
Der islamistische Terror habe sich bereits ein Jahr vorher, im Jahr 2000 in Baden-Baden etabliert: Ein Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt hätte passieren sollen, so Schmidt. "Die Ermittler konnten das in letzter Sekunde verhindern."
Die Attentäter haben in Baden-Baden in Gästewohnungen gelebt und religiöse Inhalte konsumiert und sich richtig aufgeputscht, viele Ungläubige zu töten. Da zeigte sich schon, man hat ein Problem.
Quelle: Holger Schmidt, ARD-Sicherheitsexperte
Spur führte nach Hamburg
Dann kam der 11. September 2001. "Am Tag danach kam die Erkenntnis: Das hat alles in Hamburg gespielt. Ermittler der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts sind hektisch nach Hamburg gedüst und standen - man muss es so sagen - ein bisschen hilflos vor dem Haus und überlegten sich: hier hat das alles gespielt und wir haben eigentlich keine Ahnung."
BKA und Verfassungsschutz rekrutierten Studenten der Islamwissenschaften
Von da an ging alles rasend schnell, blickt der ARD-Terrorismusexperte auf die Zeit zurück: Wer damals Islamwissenschaften an einer der damals gar nicht so zahlreichen Fakultäten in Deutschland studiert hat, habe erleben können, wie Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz in die Vorlesungen gekommen seien. Sie versuchten, die jungen Studierenden, die die Sprache und die Kultur kannten, abzuwerben.
Einige der führenden Personen heute, in deutschen Sicherheitsbehörden im Bereich islamistischer Terrorismus, können wirklich erzählen: Wir sind von der Uni wegrekrutiert worden und sind heute dabei, diese Form von Terrorismus zu bekämpfen.
Quelle: Holger Schmidt, ARD-Sicherheitsexperte
Al-Qaida-Mitglied arbeitete im Kernforschungszentrum Karlsruhe
Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hatten noch ein ganz besonderes Problem, weiß Holger Schmidt. "Es gab auf einmal den Hinweis, dass im Kernforschungszentrum Karlsruhe ein Mitarbeiter mit einem muslimischen Hintergrund in der Kantine auf einen Tisch geklettert war und geschrien hat: Da seht ihr es, so soll es den Ungläubigen gehen. Toll ist das gewesen." Der Mann wurde später vom Oberlandesgericht Koblenz zu einer langen Freiheitsstrafe wegen Mitgliedschaft im Terrornetzwerk al-Qaida Kaida verurteilt.
"Der Mann hatte in einem Sicherheitsbereich für das Kernforschungszentrum gearbeitet. Man wusste überhaupt nicht mehr, was man für sicher halten konnte." Heute habe man dagegen große Abteilungen in der Polizei und im Verfassungsschutz, die sich genau mit diesen Bereichen beschäftigen. Man müsse aber auch sagen, dass das Problem heute viel größer sei: "Damals ging es um einige wenige Personen, die dieses Unheil angerichtet haben. Heute ist das leider ein weltweit verbreitetes Phänomen", so Holger Schmidt im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Christian Rönspies.