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đ§Ź Krankheitsbild
Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine seltene, T-Zell-vermittelte autoimmune EntzĂŒndung der Leber. Sie verlĂ€uft oft schleichend und wird deshalb leicht ĂŒbersehen â ist aber meist gut behandelbar. Unbehandelt drohen Fibrose, Zirrhose und im Einzelfall fulminantes Leberversagen.
đ„ Wer ist betroffen?
- Frauen deutlich hÀufiger als MÀnner (ca. 4:1)
- Altersgipfel: 10â30 Jahre und 40â70 Jahre
- GrundsÀtzlich in jedem Alter möglich
â ïž Typische Klinik
HÀufig zunÀchst unspezifisch:
- MĂŒdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick
- Oberbauchdruck, Bauchschmerzen
- Arthralgien
- subfebrile Temperaturen oder Fieber
Bei fortgeschrittener Erkrankung:
- Ikterus
- Hepato- und Splenomegalie
- Aszites
- Gerinnungsstörung, Blutungsneigung
- Leberhautzeichen
- Komplikationen der portalen Hypertension
Wichtig: Auch eine akute oder fulminante AIH ist möglich â selbst ohne typische Autoantikörper oder initial erhöhtes IgG.
đ§Ș Antikörper und Typen
- Typ 1: ANA, Anti-SMA, hÀufig pANCA; hÀufigste Form (~80 %)
- Typ 2: Anti-LKM-1 (~10 %)
- Typ 3: Anti-SLA/LP (~10 %)
Merke:
- Kein einzelner Antikörper beweist die Diagnose
- Negative Antikörper schlieĂen AIH nicht aus
- Anti-SLA kann isoliert positiv sein
đ Begleiterkrankungen und Overlap
HĂ€ufig assoziiert mit anderen Autoimmunerkrankungen, z. B.:
- Hashimoto-Thyreoiditis
- Zöliakie
- Diabetes mellitus Typ 1
- Colitis ulcerosa
- Sjögren-Syndrom
- rheumatoide Arthritis
- SLE, Psoriasis, MS, Vitiligo
Praktisch:
- Anamnese gezielt erweitern
- TSH in die BasisabklÀrung aufnehmen
An Overlap-Syndrome mit PBC oder PSC denken bei:
- cholestatischem Laborprofil
- Juckreiz
- unpassender Sonografie
đ§« Diagnostik: 4 SĂ€ulen
Die Diagnose ist immer eine Zusammenschau aus:
- Labor: ALT, AST, IgG, Autoantikörper
- Bildgebung: v. a. Sonografie
- Ausschluss anderer Ursachen
- Leberbiopsie
Typische Befunde:
- erhöhte Transaminasen
- HypergammaglobulinÀmie, v. a. erhöhtes IgG
- bei schwerem Verlauf: Bilirubin und INR erhöht
Wichtig:
- IgG ist Diagnostik- und Verlaufsparameter
- Sonografie ist wichtig, aber nicht beweisend
- Leberbiopsie möglichst vor Beginn der Immunsuppression
đ§ Histologie und Score
Histologisches Kernkriterium:
- Interface-Hepatitis
Weitere mögliche Befunde:
- plasmazellreiche Infiltrate
- Rosettenbildung
- Nekrosen
- Fibrose
- perivenulĂ€re/lobulĂ€re EntzĂŒndung bei akuter AIH
Vereinfachter Hennes-Score:
- ab 6 Punkten: wahrscheinliche AIH
- ab 7 Punkten: gesicherte AIH
đ« Wichtige Differenzialdiagnosen
Vor Diagnosestellung aktiv ausschlieĂen:
- Virushepatitiden (A, B, C, je nach Kontext E)
- alkoholtoxischer Leberschaden
- medikamentös induzierte LeberschÀdigung
- PBC, PSC
Wichtig in der Praxis:
- genaue Medikamenten- und Supplementanamnese
- Alkoholanamnese
- Virusserologien
- Cholestaseparameter mitbeurteilen
đ Therapie
Ziel:
- Remission induzieren und erhalten
- Progression zur Zirrhose verhindern
Standard:
- Prednisolon ca. 0,5â1 mg/kg/Tag
- hĂ€ufig Kombination mit Azathioprin 1â2 mg/kg/Tag
Praktisch:
- Azathioprin oft initial 50 mg/Tag
- TPMT-Testung erwÀgen
- unter Azathioprin: Blutbild, Transaminasen, Lipase kontrollieren
Alternative:
- Budesonid 9 mg/Tag, aber nur ohne Zirrhose
Bei Azathioprin-UnvertrÀglichkeit:
- 6-Mercaptopurin
- Mycophenolat-Mofetil
đ Monitoring und Langzeitbetreuung
Engmaschige Kontrollen, anfangs oft alle 1â2 Wochen:
- Transaminasen
- Bilirubin
- INR
- IgG
- bei Azathioprin zusÀtzlich Blutbild und Lipase
AuĂerdem wichtig:
- Blutzucker, Blutdruck
- Osteoporoseprophylaxe unter Steroiden
- Elastografie zur Fibrosebeurteilung
Therapieauslass:
- frĂŒhestens nach mindestens 24 Monaten stabiler Remission
- Rezidivrisiko nach Absetzen sehr hoch
đš Praxis-MerksĂ€tze
- AIH immer mitdenken bei unklar erhöhter Transaminase
- Erhöhtes IgG ist ein wichtiger Hinweis
- Fehlende Autoantikörper schlieĂen AIH nicht aus
- Leberbiopsie möglichst vor Therapiebeginn
- Bei fulminantem Verlauf frĂŒh ans Transplantationszentrum denken
By DocYouUpđ§Ź Krankheitsbild
Autoimmunhepatitis (AIH) ist eine seltene, T-Zell-vermittelte autoimmune EntzĂŒndung der Leber. Sie verlĂ€uft oft schleichend und wird deshalb leicht ĂŒbersehen â ist aber meist gut behandelbar. Unbehandelt drohen Fibrose, Zirrhose und im Einzelfall fulminantes Leberversagen.
đ„ Wer ist betroffen?
- Frauen deutlich hÀufiger als MÀnner (ca. 4:1)
- Altersgipfel: 10â30 Jahre und 40â70 Jahre
- GrundsÀtzlich in jedem Alter möglich
â ïž Typische Klinik
HÀufig zunÀchst unspezifisch:
- MĂŒdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick
- Oberbauchdruck, Bauchschmerzen
- Arthralgien
- subfebrile Temperaturen oder Fieber
Bei fortgeschrittener Erkrankung:
- Ikterus
- Hepato- und Splenomegalie
- Aszites
- Gerinnungsstörung, Blutungsneigung
- Leberhautzeichen
- Komplikationen der portalen Hypertension
Wichtig: Auch eine akute oder fulminante AIH ist möglich â selbst ohne typische Autoantikörper oder initial erhöhtes IgG.
đ§Ș Antikörper und Typen
- Typ 1: ANA, Anti-SMA, hÀufig pANCA; hÀufigste Form (~80 %)
- Typ 2: Anti-LKM-1 (~10 %)
- Typ 3: Anti-SLA/LP (~10 %)
Merke:
- Kein einzelner Antikörper beweist die Diagnose
- Negative Antikörper schlieĂen AIH nicht aus
- Anti-SLA kann isoliert positiv sein
đ Begleiterkrankungen und Overlap
HĂ€ufig assoziiert mit anderen Autoimmunerkrankungen, z. B.:
- Hashimoto-Thyreoiditis
- Zöliakie
- Diabetes mellitus Typ 1
- Colitis ulcerosa
- Sjögren-Syndrom
- rheumatoide Arthritis
- SLE, Psoriasis, MS, Vitiligo
Praktisch:
- Anamnese gezielt erweitern
- TSH in die BasisabklÀrung aufnehmen
An Overlap-Syndrome mit PBC oder PSC denken bei:
- cholestatischem Laborprofil
- Juckreiz
- unpassender Sonografie
đ§« Diagnostik: 4 SĂ€ulen
Die Diagnose ist immer eine Zusammenschau aus:
- Labor: ALT, AST, IgG, Autoantikörper
- Bildgebung: v. a. Sonografie
- Ausschluss anderer Ursachen
- Leberbiopsie
Typische Befunde:
- erhöhte Transaminasen
- HypergammaglobulinÀmie, v. a. erhöhtes IgG
- bei schwerem Verlauf: Bilirubin und INR erhöht
Wichtig:
- IgG ist Diagnostik- und Verlaufsparameter
- Sonografie ist wichtig, aber nicht beweisend
- Leberbiopsie möglichst vor Beginn der Immunsuppression
đ§ Histologie und Score
Histologisches Kernkriterium:
- Interface-Hepatitis
Weitere mögliche Befunde:
- plasmazellreiche Infiltrate
- Rosettenbildung
- Nekrosen
- Fibrose
- perivenulĂ€re/lobulĂ€re EntzĂŒndung bei akuter AIH
Vereinfachter Hennes-Score:
- ab 6 Punkten: wahrscheinliche AIH
- ab 7 Punkten: gesicherte AIH
đ« Wichtige Differenzialdiagnosen
Vor Diagnosestellung aktiv ausschlieĂen:
- Virushepatitiden (A, B, C, je nach Kontext E)
- alkoholtoxischer Leberschaden
- medikamentös induzierte LeberschÀdigung
- PBC, PSC
Wichtig in der Praxis:
- genaue Medikamenten- und Supplementanamnese
- Alkoholanamnese
- Virusserologien
- Cholestaseparameter mitbeurteilen
đ Therapie
Ziel:
- Remission induzieren und erhalten
- Progression zur Zirrhose verhindern
Standard:
- Prednisolon ca. 0,5â1 mg/kg/Tag
- hĂ€ufig Kombination mit Azathioprin 1â2 mg/kg/Tag
Praktisch:
- Azathioprin oft initial 50 mg/Tag
- TPMT-Testung erwÀgen
- unter Azathioprin: Blutbild, Transaminasen, Lipase kontrollieren
Alternative:
- Budesonid 9 mg/Tag, aber nur ohne Zirrhose
Bei Azathioprin-UnvertrÀglichkeit:
- 6-Mercaptopurin
- Mycophenolat-Mofetil
đ Monitoring und Langzeitbetreuung
Engmaschige Kontrollen, anfangs oft alle 1â2 Wochen:
- Transaminasen
- Bilirubin
- INR
- IgG
- bei Azathioprin zusÀtzlich Blutbild und Lipase
AuĂerdem wichtig:
- Blutzucker, Blutdruck
- Osteoporoseprophylaxe unter Steroiden
- Elastografie zur Fibrosebeurteilung
Therapieauslass:
- frĂŒhestens nach mindestens 24 Monaten stabiler Remission
- Rezidivrisiko nach Absetzen sehr hoch
đš Praxis-MerksĂ€tze
- AIH immer mitdenken bei unklar erhöhter Transaminase
- Erhöhtes IgG ist ein wichtiger Hinweis
- Fehlende Autoantikörper schlieĂen AIH nicht aus
- Leberbiopsie möglichst vor Therapiebeginn
- Bei fulminantem Verlauf frĂŒh ans Transplantationszentrum denken