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Der zweite Teil des Interviews mit Jennifer B. Wind – Stimmbildung & Lesetraining und was man als Autor*in noch alles lernen kann und sollte, um vom Autorendasein leben zu können. Nebst kreativem Schreiben als Studienfach, Selfpublishing vs. Verlagsveröffentlichungen, dem fehlenden Wagemut in der Bücherbranche und dass man einen wirklich langen Atem braucht.
Musik am Beginn: Adam Selzer, „Vintage News“
***
DSGVO Artikelserie auf viennawriter.net
Website von Jennifer B. Wind
Triestingtaler Mordsfrauen
Veronika Grager
***
Stimmbildung & Lesetraining
Eine Autorin zum »Anfassen« – der Kontakt mit dem Publikum ist wichtig.
Gut vorbereitet, aber dann ist alles Stehgreif.
Jenny liest nicht einfach, was im Buch steht sondern macht eine eigene Bühnenversion. Ihre Lesungen sind einstündige Bühnenstücke.
Mit Veronika zusammen macht sie eine Doppelconférence, die Triestingtaler Mordsfrauen
Schreibcoaching – oft große Mängel am Exposé, oder auch Arbeit am Manuskript.
Schade, dass Autor*innen so wenig Bühnen- oder Sprechcoaching in Anspruch nehmen.
Sabina Naber
Lesungen sind eine Einkommensquelle für Autor*innen!
Kontakt halten mit dem Publikum und darauf reagieren ist wichtig.
Nicht unvorbereitet zu Lesungen gehen!
Schul-Lesungen mit Mehrwert – Anschauungsmaterial, länger bleiben für Fragen – wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es heraus. Es lohnt sich, mehr zu liefern, oft gibt es entweder mehr Geld und/oder es kommen Folgeaufträge.
Wenn jemand gar nicht lesen will, ist das auch ok. Ebenso, wenn man das Schreiben nur nebenbei als Hobby macht. Aber wenn man vom Autorendasein leben möchte, dann lohnt es sich, vorab zu investieren und sich ein Know-How anzueignen.
Beispiel: Kreatives Schreiben ist in Amerika ein Handwerk, das Studium des kreativen Schreibens gibt es dort schon seit den 70er Jahren.
Talent ist nicht alles! Wichtig sind extreme Ausdauer, Geduld und die Bereitschaft, immer weiter an sich zu arbeiten und weiter zu lernen.
Selfpublishing geht schneller und geht damit genau darauf ein, dass Menschen heute – nicht zuletzt durch die Medien – Geduld nicht mehr gelernt haben.
Marshmellow Studio – wenn das Kind in der Zeit, die die Forscher draußen sind, den Marshmellow nicht isst, bekommt es ein zweites. Wenn das Kind in der Zeit den Marshmellow isst, dann hat es nur das eine.
Der positive Teil vom Selfpublishing ist, dass die Regalfrage wegfällt. Für Nicht-Mainstream-Sachen kann das eine gute Alternative sein.
Aber wenn man schreiben will, dann will man schreiben und sich nicht mit dem anderen Kram beschäftigen. Lesungen sind schwer zu kriegen mit SP-Büchern, die Titel liegen so gut wie nie in Buchhandlungen aus.
Wiederum andererseits müssen die Verlage noch in die neue Zeit finden.
Wenn z.B. in Amerika ein Trend entsteht, dann kommen sie im deutschsprachigen Raum erst 10 Jahre später drauf, dass das jetzt ein Ding ist.
Wir haben keinen Leserschwund sondern einen Käuferschwund. Auf 200 verkaufte eBooks von Nina George gibt es 20.000 illegale Downloads.
Auch eine Idee wäre, digitale Inhalte gratis ins Netz stellen, um den illegalen Downloadplattformen den Wind aus den Segeln zu nehmen, und dann das Geld über Werbeeinschaltungen einzunehmen.
Deutschland und Österreich sind extrem träge, es wird kaum etwas ausprobiert. Da müssen schon mehrere Leute etwas sagen, bis da etwas an den entsprechenden Stellen ankommt. Und am besten muss das ein Mann sagen, weil wenn das von einer Frau kommt, kann das ja nix sein.
Bei Google und Co gibt es ganze Campusse, wo kreative Menschen sich zusammenfinden und kreative Prozesse entstehen. So einen Raum, in dem sich Menschen aus den verschiedensten Branchen zusammenfinden und gemeinsam kreative Ideen entwickeln auf die eine Einzelperson gar nicht kommt, so etwas gibt es bei uns leider nicht.
Das Arbeitsumfeld in Österreich und Deutschland ist so konservativ. Es gibt kaum Telearbeitsplätze. Das ist ein Potenzial, das hier seit Jahrzehnten verschenkt wird.
Statt etwas zu tun und etwas auszuprobieren, wird gejammert. Es wird aber nicht konkret nach einer Lösung gesucht. Alle jammern »keiner kauft mehr ein Buch«, aber keiner tut etwas. Es bleibt alles gleich im Buchhandel. Kleine Buchhandlungen sperren zu und alles geht zum Onlinehandel, aber auch da ändert sich nichts.
Und die Verlage nehmen immer weniger Neuautoren auf. Man müsste einfach etwas wagen, etwas Neues machen und die alten Muster verlassen.
Der Wagemut ist aber in der Verlagsbranche auch so eine Sache: Verlage suchen händeringend etwas Neues, etwas was noch nie da war, etwas Innovatives. Und dann liefert man etwas Neues, was noch nie da war und bekommt die Antwort: Das ist uns zu exotisch. Also was jetzt?
Schubladendenken … In Amerika steht fast nirgendwo »Krimi« drauf, sondern überall »Roman«. Und warum darf in einem Krimi keine Liebesgeschichte dabei sein, wenn es doch in der Realität durchaus auch so ist, dass der Großteil aller Taten Beziehungstaten sind? Liebe und Hass sind die zwei Grundmotivationen, aus denen wir alles im Leben machen. Es kann auch im Liebesroman ein Verbrechen geben. Aber Genrebezeichnungen verengen die Möglichkeiten teils extrem. Ebenso die »Regiokrimis«.
Mein Problem mit Regiokrimis: in Wien krieg ich keine Lesungen mit den Krimis, die in Hildesheim spielen, weil sie ja nicht hier spielen und in Norddeutschland krieg ich schwer Lesungen, weil ich ja nicht vor Ort bin.
Das muss doch nicht sein.
Auf den britischen Inseln ist ein ganz anderer Trend als hier: dort greifen die männlichen Autoren zu weiblichen Pseudonymen, weil Bücher von Autorinnen viel begehrter sind. Hier heißt es ja, Frauen können nur Cozy Crimes und Liebesgeschichten schreiben – offenbar haben sie Jennys Bücher nicht gelesen.
Aber gut zu wissen, dass es irgendwo auf der Welt funktionierende Modelle gibt. Dort werden auch Bücher ganz anders geschrieben. Beispiel: Perspektivwechsel. Gang und Gäbe in englischsprachigen Romanen, hier wurde im Schreibkurs gesagt, dass man damit keinen Verlag findet.
Pitches – 2017 bin ich versehentlich mit einer Shakespeare-Fanfiction in einen Verleger- & Agenten-Pitch reingeraten und habe 7 von 8 Visitenkarten bekommen. Aber das Feedback des Organisators war, dass ich als Deutsche meinen Shakespeare-Roman gar nicht erst einreichen brauche und es lassen soll.
Jennys Rat für angehende Profi-Autoren: Ganz wichtig sind Geduld, die Bereitschaft, sich auch mal was sagen zu lassen und dazuzulernen, nicht zu glauben, das man schon alles weiß und kann.
Lesen, lesen, lesen!
Schlimm sind neidige/missgünstige Autoren. Aber aus Neid kann man dazulernen: Was macht derjenige besser?
Wirklich dramaturgisch gute Filme ansehen, auch aus denen kann man lernen!
Andreas Eschbach: Alle 100.000 Zeichen passiert bei einem Autor ein Quantensprung.
Schreiben, schreiben, schreiben!
Langer Atem und die Bereitschaft, noch einmal zu überarbeiten ist wichtig.
Auch in der Kreativbranche muss man jünger, hübscher, vermarktbarer sein – Autorinnen über 50 haben es sehr schwer. Das Problem haben Männer übrigens nicht.
Dass ein Buch kein ultimativer Bestseller wird, liegt nicht nur am Autor. Es ist oft das falsche Thema zur falschen Zeit, doch Verlage machen hier aktuell meist den Autor oder die Autorin verantwortlich und schmeißen sie aus dem Programm.
Zusammenfassend: Geduldig sein, dazulernen, lesen, lesen, lesen, nicht neidisch sein, sondern draus lernen, dramaturgisch perfekte Filme schauen, kontinuierlich weiterschreiben, überarbeiten, Mut haben, freundlich sein und auch geben. Und: Nicht entmutigen lassen! Dranbleiben!
Kenne Deine Figuren! Das ist wichtiger als die Story, die sie durchleben.
Und natürlich: Lesen lernen. Sprech- oder Rethoriktraining hilft auch bei Interviews.
Es ist ok, etwas komisch oder verschroben zu sein. Und es ist auch ok, wenn einen nicht jeder mag.
Unterstützt den Vienna Writer’s Blog & Podcast
By Klaudia Zotzmann-KochDer zweite Teil des Interviews mit Jennifer B. Wind – Stimmbildung & Lesetraining und was man als Autor*in noch alles lernen kann und sollte, um vom Autorendasein leben zu können. Nebst kreativem Schreiben als Studienfach, Selfpublishing vs. Verlagsveröffentlichungen, dem fehlenden Wagemut in der Bücherbranche und dass man einen wirklich langen Atem braucht.
Musik am Beginn: Adam Selzer, „Vintage News“
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DSGVO Artikelserie auf viennawriter.net
Website von Jennifer B. Wind
Triestingtaler Mordsfrauen
Veronika Grager
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Stimmbildung & Lesetraining
Eine Autorin zum »Anfassen« – der Kontakt mit dem Publikum ist wichtig.
Gut vorbereitet, aber dann ist alles Stehgreif.
Jenny liest nicht einfach, was im Buch steht sondern macht eine eigene Bühnenversion. Ihre Lesungen sind einstündige Bühnenstücke.
Mit Veronika zusammen macht sie eine Doppelconférence, die Triestingtaler Mordsfrauen
Schreibcoaching – oft große Mängel am Exposé, oder auch Arbeit am Manuskript.
Schade, dass Autor*innen so wenig Bühnen- oder Sprechcoaching in Anspruch nehmen.
Sabina Naber
Lesungen sind eine Einkommensquelle für Autor*innen!
Kontakt halten mit dem Publikum und darauf reagieren ist wichtig.
Nicht unvorbereitet zu Lesungen gehen!
Schul-Lesungen mit Mehrwert – Anschauungsmaterial, länger bleiben für Fragen – wie man in den Wald hineinschreit, so schallt es heraus. Es lohnt sich, mehr zu liefern, oft gibt es entweder mehr Geld und/oder es kommen Folgeaufträge.
Wenn jemand gar nicht lesen will, ist das auch ok. Ebenso, wenn man das Schreiben nur nebenbei als Hobby macht. Aber wenn man vom Autorendasein leben möchte, dann lohnt es sich, vorab zu investieren und sich ein Know-How anzueignen.
Beispiel: Kreatives Schreiben ist in Amerika ein Handwerk, das Studium des kreativen Schreibens gibt es dort schon seit den 70er Jahren.
Talent ist nicht alles! Wichtig sind extreme Ausdauer, Geduld und die Bereitschaft, immer weiter an sich zu arbeiten und weiter zu lernen.
Selfpublishing geht schneller und geht damit genau darauf ein, dass Menschen heute – nicht zuletzt durch die Medien – Geduld nicht mehr gelernt haben.
Marshmellow Studio – wenn das Kind in der Zeit, die die Forscher draußen sind, den Marshmellow nicht isst, bekommt es ein zweites. Wenn das Kind in der Zeit den Marshmellow isst, dann hat es nur das eine.
Der positive Teil vom Selfpublishing ist, dass die Regalfrage wegfällt. Für Nicht-Mainstream-Sachen kann das eine gute Alternative sein.
Aber wenn man schreiben will, dann will man schreiben und sich nicht mit dem anderen Kram beschäftigen. Lesungen sind schwer zu kriegen mit SP-Büchern, die Titel liegen so gut wie nie in Buchhandlungen aus.
Wiederum andererseits müssen die Verlage noch in die neue Zeit finden.
Wenn z.B. in Amerika ein Trend entsteht, dann kommen sie im deutschsprachigen Raum erst 10 Jahre später drauf, dass das jetzt ein Ding ist.
Wir haben keinen Leserschwund sondern einen Käuferschwund. Auf 200 verkaufte eBooks von Nina George gibt es 20.000 illegale Downloads.
Auch eine Idee wäre, digitale Inhalte gratis ins Netz stellen, um den illegalen Downloadplattformen den Wind aus den Segeln zu nehmen, und dann das Geld über Werbeeinschaltungen einzunehmen.
Deutschland und Österreich sind extrem träge, es wird kaum etwas ausprobiert. Da müssen schon mehrere Leute etwas sagen, bis da etwas an den entsprechenden Stellen ankommt. Und am besten muss das ein Mann sagen, weil wenn das von einer Frau kommt, kann das ja nix sein.
Bei Google und Co gibt es ganze Campusse, wo kreative Menschen sich zusammenfinden und kreative Prozesse entstehen. So einen Raum, in dem sich Menschen aus den verschiedensten Branchen zusammenfinden und gemeinsam kreative Ideen entwickeln auf die eine Einzelperson gar nicht kommt, so etwas gibt es bei uns leider nicht.
Das Arbeitsumfeld in Österreich und Deutschland ist so konservativ. Es gibt kaum Telearbeitsplätze. Das ist ein Potenzial, das hier seit Jahrzehnten verschenkt wird.
Statt etwas zu tun und etwas auszuprobieren, wird gejammert. Es wird aber nicht konkret nach einer Lösung gesucht. Alle jammern »keiner kauft mehr ein Buch«, aber keiner tut etwas. Es bleibt alles gleich im Buchhandel. Kleine Buchhandlungen sperren zu und alles geht zum Onlinehandel, aber auch da ändert sich nichts.
Und die Verlage nehmen immer weniger Neuautoren auf. Man müsste einfach etwas wagen, etwas Neues machen und die alten Muster verlassen.
Der Wagemut ist aber in der Verlagsbranche auch so eine Sache: Verlage suchen händeringend etwas Neues, etwas was noch nie da war, etwas Innovatives. Und dann liefert man etwas Neues, was noch nie da war und bekommt die Antwort: Das ist uns zu exotisch. Also was jetzt?
Schubladendenken … In Amerika steht fast nirgendwo »Krimi« drauf, sondern überall »Roman«. Und warum darf in einem Krimi keine Liebesgeschichte dabei sein, wenn es doch in der Realität durchaus auch so ist, dass der Großteil aller Taten Beziehungstaten sind? Liebe und Hass sind die zwei Grundmotivationen, aus denen wir alles im Leben machen. Es kann auch im Liebesroman ein Verbrechen geben. Aber Genrebezeichnungen verengen die Möglichkeiten teils extrem. Ebenso die »Regiokrimis«.
Mein Problem mit Regiokrimis: in Wien krieg ich keine Lesungen mit den Krimis, die in Hildesheim spielen, weil sie ja nicht hier spielen und in Norddeutschland krieg ich schwer Lesungen, weil ich ja nicht vor Ort bin.
Das muss doch nicht sein.
Auf den britischen Inseln ist ein ganz anderer Trend als hier: dort greifen die männlichen Autoren zu weiblichen Pseudonymen, weil Bücher von Autorinnen viel begehrter sind. Hier heißt es ja, Frauen können nur Cozy Crimes und Liebesgeschichten schreiben – offenbar haben sie Jennys Bücher nicht gelesen.
Aber gut zu wissen, dass es irgendwo auf der Welt funktionierende Modelle gibt. Dort werden auch Bücher ganz anders geschrieben. Beispiel: Perspektivwechsel. Gang und Gäbe in englischsprachigen Romanen, hier wurde im Schreibkurs gesagt, dass man damit keinen Verlag findet.
Pitches – 2017 bin ich versehentlich mit einer Shakespeare-Fanfiction in einen Verleger- & Agenten-Pitch reingeraten und habe 7 von 8 Visitenkarten bekommen. Aber das Feedback des Organisators war, dass ich als Deutsche meinen Shakespeare-Roman gar nicht erst einreichen brauche und es lassen soll.
Jennys Rat für angehende Profi-Autoren: Ganz wichtig sind Geduld, die Bereitschaft, sich auch mal was sagen zu lassen und dazuzulernen, nicht zu glauben, das man schon alles weiß und kann.
Lesen, lesen, lesen!
Schlimm sind neidige/missgünstige Autoren. Aber aus Neid kann man dazulernen: Was macht derjenige besser?
Wirklich dramaturgisch gute Filme ansehen, auch aus denen kann man lernen!
Andreas Eschbach: Alle 100.000 Zeichen passiert bei einem Autor ein Quantensprung.
Schreiben, schreiben, schreiben!
Langer Atem und die Bereitschaft, noch einmal zu überarbeiten ist wichtig.
Auch in der Kreativbranche muss man jünger, hübscher, vermarktbarer sein – Autorinnen über 50 haben es sehr schwer. Das Problem haben Männer übrigens nicht.
Dass ein Buch kein ultimativer Bestseller wird, liegt nicht nur am Autor. Es ist oft das falsche Thema zur falschen Zeit, doch Verlage machen hier aktuell meist den Autor oder die Autorin verantwortlich und schmeißen sie aus dem Programm.
Zusammenfassend: Geduldig sein, dazulernen, lesen, lesen, lesen, nicht neidisch sein, sondern draus lernen, dramaturgisch perfekte Filme schauen, kontinuierlich weiterschreiben, überarbeiten, Mut haben, freundlich sein und auch geben. Und: Nicht entmutigen lassen! Dranbleiben!
Kenne Deine Figuren! Das ist wichtiger als die Story, die sie durchleben.
Und natürlich: Lesen lernen. Sprech- oder Rethoriktraining hilft auch bei Interviews.
Es ist ok, etwas komisch oder verschroben zu sein. Und es ist auch ok, wenn einen nicht jeder mag.
Unterstützt den Vienna Writer’s Blog & Podcast