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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Hört das Osterevangelium, in den Worten des Johannesevangeliums, aus dem 20. Kapitel:
11 Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte. Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor und schaute in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewänder dort sitzen, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte. Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende. 13 Die Engel fragten Maria: »Frau, warum weinst du?« Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!« 14 Nach diesen Worten drehte sie sich um und sah Jesus dastehen. Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus fragte sie: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Maria dachte: Er ist der Gärtner. Darum sagte sie zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will ihn zurückholen!« 16 Jesus sagte zu ihr: »Maria!« Sie wandte sich ihm zu und sagte auf Hebräisch: »Rabbuni!« – Das heißt: »Lehrer«. 17 Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater. Aber geh zu meinen Brüdern und Schwestern und richte ihnen von mir aus: ›Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹« 18 Maria aus Magdala ging zu den Jüngern. Sie verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte, was er zu ihr gesagt hatte. (Johannes 20,11-18)Die Nacht ist nicht einfach vergangen. Sie hat kein Auge zugetan. Zu viel Schmerz. Zu viele Bilder im Kopf. Der Tod hat sich eingeprägt – in ihre Erinnerung, in ihren Körper. Sie trägt ihn mit sich. Nicht als Gedanke, sondern als Schwere. Maria geht. Weil sie nicht anders kann. Sie muss noch einmal hin. Zum Grab. Sie sucht Nähe, wo keine mehr ist. Vielleicht ein letzter Dienst. Ein letzter Blick. Ein Ort für ihre Tränen.
Das Johannesevangelium erzählt gerne von Einzelpersonen und ihren Begegnungen mit Jesus. Wo die anderen Evangelien von mehreren Frauen berichten, konzentriert sich der Erzähler hier auf Maria. Es ist, als wolle er die Kamera auf sie und ihren Schmerz scharf stellen. Und auf das, was dann passiert. Aber soweit sind wir ja noch nicht.
Zuerst ist einfach nur der Stein weg. In der Erzählung des Johannesevangeliums schaut Maria sich nicht einmal weiter um. Sie macht kehrt und holt Simon Petrus und einen anderen Jünger zur Hilfe. Die sind genauso ratlos. Sie können das alles noch gar nicht einordnen. Wie sollten sie auch? So unbegreiflich ist das Ganze. Nur einer schaut ins Grab hinein und glaubt. Mehr berichtet das Evangelium dazu nicht. Dann verschwinden die beiden wieder von der Bildfläche.
Maria bleibt zurück. Ratlos. Verstört. Man hat ihr alles genommen. Den Freund. Die Hoffnung. Und jetzt auch noch das Letzte, woran sie sich hätte festhalten können. Das Grab ist leer.
Maria steht mit ihrer Sehnsucht, ihrer Trauer, ihrer Suche nicht allein. In Kiew, im Sudan, in Myanmar, in Gäufelden. Auch heute weinen Menschen um das, was ihnen genommen wurde – und wissen nicht, wo sie noch Hoffnung finden können.
Für die eine ist es der langjährige Ehepartner, der plötzlich nicht mehr da ist--und du bist ganz allein. Für den anderen ist es der Scherbenhaufen einer zerbrochenen Beziehung. Für die Menschen in der Ukraine vielleicht die Ruine ihres Hauses. Im Sudan die Verzweiflung über den unendlichen Terror. Für junge Menschen die Frage, wie es weitergeht in einer Welt, in der die Tyrannen gewählt werden und das Kriegsgeschrei anschwillt; in einer Welt, die sich weigert zusammenzurücken und genug für eine lebenswerte Zukunft zu tun.
Manchmal ist es nicht früh am Morgen, aber in der Nacht des Lebens. Und wir stehen wie Maria – mit Tränen in den Augen – vor einem leeren Grab: das Herz leer, die Hoffnung zerbrochen.
Maria weint. Das ist alles, was ihr bleibt. Die ganze Verzweiflung bricht aus ihr heraus.
Sie beugt sich noch einmal zum Grab. Vielleicht um sicherzugehen. Vielleicht, weil sie nichts anderes tun kann.
Und dann – zwei Gestalten. Engel. Sie fragen sie: „Frau, warum weinst du?“ Als wäre das nicht offensichtlich. Als wüssten sie nicht, was passiert ist. Oder vielleicht: Als würden sie mehr wissen als sie.
Wie oft haben Engel schon zu dir geredet?
Maria merkt nicht einmal, was da gerade geschieht. Was Gott da tut, vor ihren Augen. Wenn du verzweifelt bist, dann lässt du dich nicht von Wundern blenden. Dann dringen die Hoffnungsworte oft gar nicht mehr durch. Wenn du verzweifelt bist, dann ist das, was von außen offensichtlich scheint, für dich am Ende unsichtbar. Maria wendet sich ab. Für sie gibt es hier nichts mehr.
Für sie gibt es hier nichts mehr. Kein Trost, kein Zeichen, kein Wunder. Sie dreht sich um – weg vom Grab, weg vom Schmerz. Und da steht jemand.
Ein Mann.
Ein Unbekannter.
Auch er stellt eine Frage: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“
Es ist die gleiche Frage. Aber sie kommt anders an. Direkter. Näher. Persönlicher. Maria erkennt ihn nicht. Wie auch? Ihre Augen sind voller Tränen. Ihr Herz ist woanders – bei einem Toten. Nicht bei dem, der lebt.
Sie denkt: Er ist der Gärtner. Der, der hier arbeitet. Der vielleicht Ordnung hält in dieser Unordnung aus Tod und Trauer. Also spricht sie ihn an: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast…“
Ihre letztes Quäntchen Hoffnung richtet sich auf den Falschen. Oder besser gesagt: auf den Richtigen – den sie für den Falschen hält.
Ist sie denn so blind geworden? Hat die Dunkelheit wirklich alles ausgelöscht?
Nein. Da muss ich Maria in Schutz nehmen. Das tut der Evangelist gewissermaßen auch. Zu groß ist das Wunder, das vor Maria steht. Der auferstandene Christus ist anders als der, der vorher mit Schmerzensschreien am Kreuz starb. Auferstehung verändert. Auferstehung ist nicht einfach nur die Wiederaufnahme, die Fortsetzung dessen, was vorher war. "Play", nach "Pause", wenn du schon dachtest, es wäre "Stop" gewesen. Als Gott seinen Christus auferweckt von den Toten, da tut er etwas Neues. Er schafft Leben, noch einmal neu.
Nicht umsonst erzählt das Johannesevangelium diese Begegnung in einem Garten. "Im Anfang", so hat Johannes' Erzählung von Jesus begonnen in Kapitel 1. "Im Anfang", so wie die Schöpfungsgeschichte beginnt. Theologisch meisterhaft gesponnene Fäden. Gott knüpft an an das, was er schon immer mit den Menschen tat. Und jetzt sind wir wieder mitten drin. Im Garten.
Der erste Garten war das Paradies. Dort begann alles – mit Nähe, mit Vertrauen, mit Leben. Da bliess Gott seinen Atem in seinen Menschen hinein. Da schenkte Gott ihm Leben inmitten einer perfekten Umgebung. Da ließ es sich leben in ständiger Begegnung mit Gott.
Der erste Garten war das Paradies. Der Ort, an dem alles begann.
Und dann kam der Riss. Der Bruch. Die Trennung.
Und nun – ein anderer Garten.
Wieder ein Mensch. Wieder Gott in der Nähe. Wieder das Leben. Maria steht da – mitten im neuen Anfang. Mitten in Gottes Neuschöpfung. Was um sie blüht, das sind nicht nur Frühlingsblüten, die sich der Morgensonne öffnen. Was um sie leuchtet, sind nicht nur die Sonnenstrahlen eines neu beginnenden Tages. Vor ihr steht das Leben selbst. Das neue Leben. Das ewige Leben. Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden! Der Tod ist besiegt! Die Hoffnung leuchtet! Die Zukunft ist offen! Ein neuer Anfang für jedes Ende, für alles Vergängliche, für alle zerstörten Träume und niedergeschlagenen Gedanken. Für alles, was das Böse und das Leid kaputtgeschlagen haben. Christus ist auferstanden! Ha! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Vor dem, der da steht, verblassen alle menschlichen Herrlichkeiten. Gegen das, was hier leuchtet, wird alles andere klein und unwichtig. Hier steht das Leben! Hier steht die Hoffnung! Hier steht das Heil! Hier steht der auferstande Christus!
Aber Maria erkennt ihn noch nicht.
Bis…
Ein Wort.
Ein Name.
„Maria.“
Wenn du verzweifelt bist, dann helfen keine großen Erklärungen. Verzweiflung kann man nicht wegargumentieren. Man kann sie nicht wegbeweisen -- nicht einmal mit Engelserscheinungen. Wenn du noch im Karsamstag festhängst, wenn dich Leid und Sorge fest im Griff haben, dann trotzen auch die frohsten Osterlieder dir kein Lächeln ab. Verzweiflung macht dich taub und blind für alles, was um dich herum blüht.
Bis…
Ein Wort.
Ein Name.
"Maria."
Keine Erklärung. Keine große Offenbarung. Ein Name. Gesprochen in der Stimme, die sie kennt.
Gott wird ganz persönlich. Ganz nahe. Er spricht hinein in das dunkle Chaos ihres Herzens.
Beziehung dringt durch. Der Schleier der Verzweiflung hebt sich. Der Nebel weicht und die Dunkelheit.
„Maria.“
Und mit einem Mal ist alles anders. Sie sieht. Sie erkennt. Sie glaubt. Weil sie gehört wird. Weil sie angesprochen wird. Weil sie gemeint ist.
"Maria."
Ihre Augen werden groß wie Untertassen. Es verschlägt ihr den Atem. Ihre Unterlippe zittert. Nein, ihr ganzer Körper. Es wird ihr heiß, nein, kalt, nein, alles gleichzeitig. Ihr Herz schlägt so wild, als wolle es durch die Rippen bersten. Sie kann es nicht fassen, was sie jetzt endlich sieht.
"Rabbuni?"
"Rabbuni!"
"Maria."
Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden!
Mit einem Mal ist Ostern ganz persönlich.
Wie ist dein Ostern? 2025?
Was bringst du mit in den Garten?
Vielleicht ist da auch ganz viel Nebel und Dunkelheit. Bei dir. Bei anderen in deiner Umgebung. Ganz sicher in der Welt, in der wir leben.
Horch: Christus ist auferstanden. Er lebt. Er spricht. Du kannst ihm begegnen.
"Christoph" ruft er. "". Und "". Und "Leon", heute sowieso. Dem spricht er ja gerade heute in der Taufe alles zu. Sein Auferstehungsleben.
Er ruft auch dich beim Namen. Nicht abstrakt. Nicht pauschal. Persönlich. Nah. Vertraut. Und wenn er ruft – dann kann sich alles ändern. Wenn er ruft, dann beginnt Ostern – mitten in deinem Leben. Da schafft Gott Neues: Grund zur Hoffnung.
Hörst du ihn schon? Siehst du ihn schon?
Er steht vor dir. Er ist bei dir. Ganz nahe. Immer. Das hat er versprochen. Nicht einmal der Tod kann ihn von dir fernhalten.
Wir haben Hoffnung.
Christus ist auferstanden!
Am liebsten hätte Maria ihn nie wieder losgelassen!
Doch dann geht sie: "Maria aus Magdala ging zu den Jüngern."
Sorry, lieber Johannes, das nehme ich dir nicht ab.
Maria ging zu den Jüngern?
Ach was! Gerannt ist sie sicher. Gehüpft und gesprungen. Am liebsten hätte sie Räder geschlagen im Gras des Gartens, noch frisch mit Morgentau.
Maria ging zu den Jüngern? Kannst du sie rennen sehen, vor deinem Auge, rennen und hüpfen und jauchzen und rufen, ganz außer Atem -- aber nichts kann sie zum Schweigen bringen!
"Ich habe den Herrn gesehen!"
Er hat mich angesprochen. Das Leben ist mir begegnet. Die Hoffnung strahlt. Die Zukunft blüht.
Das Leid ist verblasst. Der Tod überwunden.
Christus ist auferstanden!
Wahrhaftig auferstanden!
Komm, wir singen einfach mit!
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Hört das Osterevangelium, in den Worten des Johannesevangeliums, aus dem 20. Kapitel:
11 Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte. Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor und schaute in die Grabkammer hinein. 12 Da sah sie zwei Engel in weißen Gewänder dort sitzen, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte. Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende. 13 Die Engel fragten Maria: »Frau, warum weinst du?« Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn weggenommen. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!« 14 Nach diesen Worten drehte sie sich um und sah Jesus dastehen. Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war. 15 Jesus fragte sie: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Maria dachte: Er ist der Gärtner. Darum sagte sie zu ihm: »Herr, wenn du ihn weggebracht hast, dann sage mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will ihn zurückholen!« 16 Jesus sagte zu ihr: »Maria!« Sie wandte sich ihm zu und sagte auf Hebräisch: »Rabbuni!« – Das heißt: »Lehrer«. 17 Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht hinaufgegangen zum Vater. Aber geh zu meinen Brüdern und Schwestern und richte ihnen von mir aus: ›Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹« 18 Maria aus Magdala ging zu den Jüngern. Sie verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte, was er zu ihr gesagt hatte. (Johannes 20,11-18)Die Nacht ist nicht einfach vergangen. Sie hat kein Auge zugetan. Zu viel Schmerz. Zu viele Bilder im Kopf. Der Tod hat sich eingeprägt – in ihre Erinnerung, in ihren Körper. Sie trägt ihn mit sich. Nicht als Gedanke, sondern als Schwere. Maria geht. Weil sie nicht anders kann. Sie muss noch einmal hin. Zum Grab. Sie sucht Nähe, wo keine mehr ist. Vielleicht ein letzter Dienst. Ein letzter Blick. Ein Ort für ihre Tränen.
Das Johannesevangelium erzählt gerne von Einzelpersonen und ihren Begegnungen mit Jesus. Wo die anderen Evangelien von mehreren Frauen berichten, konzentriert sich der Erzähler hier auf Maria. Es ist, als wolle er die Kamera auf sie und ihren Schmerz scharf stellen. Und auf das, was dann passiert. Aber soweit sind wir ja noch nicht.
Zuerst ist einfach nur der Stein weg. In der Erzählung des Johannesevangeliums schaut Maria sich nicht einmal weiter um. Sie macht kehrt und holt Simon Petrus und einen anderen Jünger zur Hilfe. Die sind genauso ratlos. Sie können das alles noch gar nicht einordnen. Wie sollten sie auch? So unbegreiflich ist das Ganze. Nur einer schaut ins Grab hinein und glaubt. Mehr berichtet das Evangelium dazu nicht. Dann verschwinden die beiden wieder von der Bildfläche.
Maria bleibt zurück. Ratlos. Verstört. Man hat ihr alles genommen. Den Freund. Die Hoffnung. Und jetzt auch noch das Letzte, woran sie sich hätte festhalten können. Das Grab ist leer.
Maria steht mit ihrer Sehnsucht, ihrer Trauer, ihrer Suche nicht allein. In Kiew, im Sudan, in Myanmar, in Gäufelden. Auch heute weinen Menschen um das, was ihnen genommen wurde – und wissen nicht, wo sie noch Hoffnung finden können.
Für die eine ist es der langjährige Ehepartner, der plötzlich nicht mehr da ist--und du bist ganz allein. Für den anderen ist es der Scherbenhaufen einer zerbrochenen Beziehung. Für die Menschen in der Ukraine vielleicht die Ruine ihres Hauses. Im Sudan die Verzweiflung über den unendlichen Terror. Für junge Menschen die Frage, wie es weitergeht in einer Welt, in der die Tyrannen gewählt werden und das Kriegsgeschrei anschwillt; in einer Welt, die sich weigert zusammenzurücken und genug für eine lebenswerte Zukunft zu tun.
Manchmal ist es nicht früh am Morgen, aber in der Nacht des Lebens. Und wir stehen wie Maria – mit Tränen in den Augen – vor einem leeren Grab: das Herz leer, die Hoffnung zerbrochen.
Maria weint. Das ist alles, was ihr bleibt. Die ganze Verzweiflung bricht aus ihr heraus.
Sie beugt sich noch einmal zum Grab. Vielleicht um sicherzugehen. Vielleicht, weil sie nichts anderes tun kann.
Und dann – zwei Gestalten. Engel. Sie fragen sie: „Frau, warum weinst du?“ Als wäre das nicht offensichtlich. Als wüssten sie nicht, was passiert ist. Oder vielleicht: Als würden sie mehr wissen als sie.
Wie oft haben Engel schon zu dir geredet?
Maria merkt nicht einmal, was da gerade geschieht. Was Gott da tut, vor ihren Augen. Wenn du verzweifelt bist, dann lässt du dich nicht von Wundern blenden. Dann dringen die Hoffnungsworte oft gar nicht mehr durch. Wenn du verzweifelt bist, dann ist das, was von außen offensichtlich scheint, für dich am Ende unsichtbar. Maria wendet sich ab. Für sie gibt es hier nichts mehr.
Für sie gibt es hier nichts mehr. Kein Trost, kein Zeichen, kein Wunder. Sie dreht sich um – weg vom Grab, weg vom Schmerz. Und da steht jemand.
Ein Mann.
Ein Unbekannter.
Auch er stellt eine Frage: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“
Es ist die gleiche Frage. Aber sie kommt anders an. Direkter. Näher. Persönlicher. Maria erkennt ihn nicht. Wie auch? Ihre Augen sind voller Tränen. Ihr Herz ist woanders – bei einem Toten. Nicht bei dem, der lebt.
Sie denkt: Er ist der Gärtner. Der, der hier arbeitet. Der vielleicht Ordnung hält in dieser Unordnung aus Tod und Trauer. Also spricht sie ihn an: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast…“
Ihre letztes Quäntchen Hoffnung richtet sich auf den Falschen. Oder besser gesagt: auf den Richtigen – den sie für den Falschen hält.
Ist sie denn so blind geworden? Hat die Dunkelheit wirklich alles ausgelöscht?
Nein. Da muss ich Maria in Schutz nehmen. Das tut der Evangelist gewissermaßen auch. Zu groß ist das Wunder, das vor Maria steht. Der auferstandene Christus ist anders als der, der vorher mit Schmerzensschreien am Kreuz starb. Auferstehung verändert. Auferstehung ist nicht einfach nur die Wiederaufnahme, die Fortsetzung dessen, was vorher war. "Play", nach "Pause", wenn du schon dachtest, es wäre "Stop" gewesen. Als Gott seinen Christus auferweckt von den Toten, da tut er etwas Neues. Er schafft Leben, noch einmal neu.
Nicht umsonst erzählt das Johannesevangelium diese Begegnung in einem Garten. "Im Anfang", so hat Johannes' Erzählung von Jesus begonnen in Kapitel 1. "Im Anfang", so wie die Schöpfungsgeschichte beginnt. Theologisch meisterhaft gesponnene Fäden. Gott knüpft an an das, was er schon immer mit den Menschen tat. Und jetzt sind wir wieder mitten drin. Im Garten.
Der erste Garten war das Paradies. Dort begann alles – mit Nähe, mit Vertrauen, mit Leben. Da bliess Gott seinen Atem in seinen Menschen hinein. Da schenkte Gott ihm Leben inmitten einer perfekten Umgebung. Da ließ es sich leben in ständiger Begegnung mit Gott.
Der erste Garten war das Paradies. Der Ort, an dem alles begann.
Und dann kam der Riss. Der Bruch. Die Trennung.
Und nun – ein anderer Garten.
Wieder ein Mensch. Wieder Gott in der Nähe. Wieder das Leben. Maria steht da – mitten im neuen Anfang. Mitten in Gottes Neuschöpfung. Was um sie blüht, das sind nicht nur Frühlingsblüten, die sich der Morgensonne öffnen. Was um sie leuchtet, sind nicht nur die Sonnenstrahlen eines neu beginnenden Tages. Vor ihr steht das Leben selbst. Das neue Leben. Das ewige Leben. Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden! Der Tod ist besiegt! Die Hoffnung leuchtet! Die Zukunft ist offen! Ein neuer Anfang für jedes Ende, für alles Vergängliche, für alle zerstörten Träume und niedergeschlagenen Gedanken. Für alles, was das Böse und das Leid kaputtgeschlagen haben. Christus ist auferstanden! Ha! Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Vor dem, der da steht, verblassen alle menschlichen Herrlichkeiten. Gegen das, was hier leuchtet, wird alles andere klein und unwichtig. Hier steht das Leben! Hier steht die Hoffnung! Hier steht das Heil! Hier steht der auferstande Christus!
Aber Maria erkennt ihn noch nicht.
Bis…
Ein Wort.
Ein Name.
„Maria.“
Wenn du verzweifelt bist, dann helfen keine großen Erklärungen. Verzweiflung kann man nicht wegargumentieren. Man kann sie nicht wegbeweisen -- nicht einmal mit Engelserscheinungen. Wenn du noch im Karsamstag festhängst, wenn dich Leid und Sorge fest im Griff haben, dann trotzen auch die frohsten Osterlieder dir kein Lächeln ab. Verzweiflung macht dich taub und blind für alles, was um dich herum blüht.
Bis…
Ein Wort.
Ein Name.
"Maria."
Keine Erklärung. Keine große Offenbarung. Ein Name. Gesprochen in der Stimme, die sie kennt.
Gott wird ganz persönlich. Ganz nahe. Er spricht hinein in das dunkle Chaos ihres Herzens.
Beziehung dringt durch. Der Schleier der Verzweiflung hebt sich. Der Nebel weicht und die Dunkelheit.
„Maria.“
Und mit einem Mal ist alles anders. Sie sieht. Sie erkennt. Sie glaubt. Weil sie gehört wird. Weil sie angesprochen wird. Weil sie gemeint ist.
"Maria."
Ihre Augen werden groß wie Untertassen. Es verschlägt ihr den Atem. Ihre Unterlippe zittert. Nein, ihr ganzer Körper. Es wird ihr heiß, nein, kalt, nein, alles gleichzeitig. Ihr Herz schlägt so wild, als wolle es durch die Rippen bersten. Sie kann es nicht fassen, was sie jetzt endlich sieht.
"Rabbuni?"
"Rabbuni!"
"Maria."
Christus ist auferstanden! Wahrhaftig auferstanden!
Mit einem Mal ist Ostern ganz persönlich.
Wie ist dein Ostern? 2025?
Was bringst du mit in den Garten?
Vielleicht ist da auch ganz viel Nebel und Dunkelheit. Bei dir. Bei anderen in deiner Umgebung. Ganz sicher in der Welt, in der wir leben.
Horch: Christus ist auferstanden. Er lebt. Er spricht. Du kannst ihm begegnen.
"Christoph" ruft er. "". Und "". Und "Leon", heute sowieso. Dem spricht er ja gerade heute in der Taufe alles zu. Sein Auferstehungsleben.
Er ruft auch dich beim Namen. Nicht abstrakt. Nicht pauschal. Persönlich. Nah. Vertraut. Und wenn er ruft – dann kann sich alles ändern. Wenn er ruft, dann beginnt Ostern – mitten in deinem Leben. Da schafft Gott Neues: Grund zur Hoffnung.
Hörst du ihn schon? Siehst du ihn schon?
Er steht vor dir. Er ist bei dir. Ganz nahe. Immer. Das hat er versprochen. Nicht einmal der Tod kann ihn von dir fernhalten.
Wir haben Hoffnung.
Christus ist auferstanden!
Am liebsten hätte Maria ihn nie wieder losgelassen!
Doch dann geht sie: "Maria aus Magdala ging zu den Jüngern."
Sorry, lieber Johannes, das nehme ich dir nicht ab.
Maria ging zu den Jüngern?
Ach was! Gerannt ist sie sicher. Gehüpft und gesprungen. Am liebsten hätte sie Räder geschlagen im Gras des Gartens, noch frisch mit Morgentau.
Maria ging zu den Jüngern? Kannst du sie rennen sehen, vor deinem Auge, rennen und hüpfen und jauchzen und rufen, ganz außer Atem -- aber nichts kann sie zum Schweigen bringen!
"Ich habe den Herrn gesehen!"
Er hat mich angesprochen. Das Leben ist mir begegnet. Die Hoffnung strahlt. Die Zukunft blüht.
Das Leid ist verblasst. Der Tod überwunden.
Christus ist auferstanden!
Wahrhaftig auferstanden!
Komm, wir singen einfach mit!
Amen.

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